Nachbericht: Aktionen der Antifa-Aktionskneipe zur Landtagswahl und gegen die AfD

Der rechte Vormarsch in der BRD geht weiter voran. Am offensten zeigt sich diese Entwicklung an den Wahlerfolgen der AfD und Gesetzesverschärfungen, wie die neuen Polizeiaufgabengesetze. Die Bundesregierung schaffte das Asylrecht quasi ab, sperrt Geflüchtete in Lager und schiebt in Kriegsgebiete ab.

Als Antifa–Aktionskneipe (AAK) beschäftigen wir uns seit unserer Gründung mit Protesten gegen Rechte, Nazis oder andere Reaktionäre. Generell versuchen wir jedem Auftreten solcher Gruppen etwas auf der Straße entgegenzusetzen, uns darüber hinaus zu bilden und eigene Positionen zu finden. Als Initiative der organisierten autonomie (oa) orientieren wir uns hierbei an deren Inhalten und Herangehensweisen, entwickeln dabei aber eine eigene Praxis. Wir beginnen unsere Kneipenöffnung jeden dritten Freitag im Monat mit einem offenen Antifatreffen (im Dezember findet die alljährliche Jahresendzeitgala statt). Ob gegen Nazis des 3. Wegs, Auftritte besonders rechter Akteure der Querdenkerbewegung, oder eben gegen die AfD, halten wir es für essentiell, eine kontinuierliche linke Praxis an den Tag zu legen. Ob während Wahlkampfzeit, oder nicht.

Im Folgenden lest ihr einen Bericht der AAK:

Unsere Aktivitäten zum Wahlkampf

Schon im April beteiligten wir uns in Nürnberg an einer Demo gegen die AfD, zu der unter anderem das Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg (AAB) aufrief. Mit hunderten Anderen verhinderten wir, dass sich die AfD ungestört als Friedenspartei stilisieren konnte.
In Vorausschau auf die kommende Landtagswahl trafen wir uns im Juni mit bayernweit angereisten Gruppen in München, um uns über die Kampagne gegen die AfD, „Antifaschistische Offensive Bayern“, zu informieren. Um überregional und gestärkt gegen die AfD auftreten zu können und Wirkungsmacht zu entfalten, hielten wir es für sinnvoll, unsere Aktivitäten unter ein gemeinsames Label zu stellen.
Im Fokus stand für uns, vor Ort eigene Aktionen zu organisieren und auch mit unserem eigenen Inhalt wahrgenommen zu werden. Neben dem Kampagnenmaterial erstellten wir eigene Plakate und Flyer, in denen wir uns nicht nur gegen die AfD positionierten, sondern auch die anderen Parteien und den bürgerlichen Staat kritisierten. Deren Aufgabe und Ansinnen ist es, die kapitalistischen Verhältnisse aufrecht zu erhalten, die immer eine Gefahr des Faschismus in sich tragen – Wahlen können daran nichts ändern. So tauchten immer wieder an vielen Orten in Nürnberg und Fürth Plakate auf, die unter anderem erklärten, warum die AfD der lohnabhängigen Klasse nichts zu bieten hat. Zudem wurden hunderte Flyer in Briefkästen verteilt. Insgesamt verteilten wir außerdem tausende Flugschriften von uns und der Kampagne an Passant*innen.

Erste Aktionen und Vorträge

Darüber hinaus traten wir an dem Konzert eines linken Künstlers sowie in der Innenstadt mit einem eigenen Infostand in Erscheinung. Gleichzeitig zu diesem Infostand störten Aktivist*innen erfolgreich für längere Zeit einen Wahlkampfstand der AfD in der Nähe: Mit Schildern, Mülltüten und eigenen Flyern schränkten sie die Rechten dabei ein, ihren Hass und ihre Hetze unter die Leute zu bringen.
Des Weiteren veranstalteten wir im Zuge der Antifa-Aktionskneipe, welche jeden 3. Freitag im Monat im Stadtteilladen Schwarze Katze statt findet, über den Sommer hinweg verschiedenste landtagswahlbezogene Vorträge. Im Juni gaben wir einen Einblick über den Auftritt und die Gefahren der neuen Rechten auf Social Media und diskutierten im Anschluss über die Möglichkeiten, die wir als Linke haben, dieser Präsenz entgegenzuwirken.
Im Juli klärten wir über die Entstehung und die Positionen der AfD im Generellen, sowie im Speziellen bezogen auf die bevorstehenden Wahlen auf und setzten diese auch in Kontext mit den sonstigen bürgerlichen Parteien. In den folgenden beiden Monaten setzten wir unseren Fokus auf den praktischen Bereich. Im August stellten wir unsere Aktivitäten gegen die AfD vor und kreierten im Zuge dessen zusammen Material für weitere Aktionen. Für den September wurde ein Workshop zur Entwaffnung rechter Argumente angeboten.
Währenddessen begleiteten wir unsere Aktionen auch intensiv auf Social Media. Wir teilten diverse Reels, Infoposts und Fotos, um Interessierten die Möglichkeit zu bieten, einen Eindruck von unserer Vorgehensweise zu bekommen und sie dazu einzuladen, beispielsweise an unseren offenen Treffen und Vorträgen teilzunehmen.

Der AfD den Raum nehmen

Neben den eigenen organisierten Aktionen, beteiligten wir uns auch an Protesten anderer Gruppen. So konnten wir mit dazu beitragen, dass die AfD in der ganzen Region immer öfter beim Verbreiten ihrer Hetze gestört wurde. Zum Beispiel waren wir zweimal in Zirndorf aktiv. Das erste Mal mobilisierte die AfD am 24. Juli zu einem Protest während einer Bürger*innenversammlung anlässlich einer dort geplanten Geflüchtetenunterkunft. Trotz der kurzfristigen Bekanntgabe des Protestes versammelten wir uns gemeinsam mit anderen zu einem Gegenprotest.
Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass es natürlich auch von unserer Seite Kritik an den Geflüchtetenunterkünften gibt. Während Rechte sich jedoch pauschal rassistisch an Geflüchteten abarbeiten, gilt unserere Kritik den Unterkünften, in welchen die Menschen kalkuliert in prekärer Lage leben müssen.
Am 2. Oktober waren wir erneut in Zirndorf. Diesmal rief das Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus gegen eine Wahlkampfveranstaltung der AfD zur Mobilisierung auf. Mit rund 250 Menschen brachten wir unseren Unmut über die Rechten zur Geltung.
Aber auch in Nürnberg stellten wir uns der AfD entgegen. Das Nürnberger Bündnis Nazistopp organisierte am 12. August einen Stand am Ende der Straße der Menschenrechte auf dem Kornmarkt. Bei der Aktion „Süßes gegen Saures“ wurden die vorbeikommenden Passant*innen eingeladen, sich durch verschiedene Redebeiträge und aufgehangenen Infotexte weiter zu bilden. Des Weiteren wurden alle dazu animiert, die Flyer der AFD, welche ihren Stand auf der anderen Seite des Kornmarktes hatten, bei uns in aufgestellte Mülltonnen zu werfen und im Gegenzug mitgebrachte Süßigkeiten zu bekommen. Das Wegwerfen wurde mit viel Jubel begrüßt und es kam zu spannenden Gesprächen mit den verschiedensten Menschen, die unseren Protest unterstützen.
Besonders bezeichnend für die AFD war die Idee der am Stand stehenden Kinder zu instrumentalisieren, um gleichzeit alte Flyer loszuwerden und unsere Süßigkeiten zu genießen. Während der gesamten Aktion von Bündnis Nazistopp verteilten wir unsere eigenen Flyer gegen die AfD an Passant*innen.
Am 22.09. nahmen wir an einem, vom Bündnis Nazistopp organisierten, Gegenprotest gegen eine Wahlkampfveranstaltung der AfD teil. An der Sebalduskirche versammelten sich über 500 Menschen und waren den 70 Teilnehmenden der AfD stark überlegen. Eine geregelte Durchführung ihrer Veranstaltung war so nicht möglich, da unter anderem die Teilnehmenden des Gegenprotestes mit Parolen, Pfeifen, Trommeln usw. die Redebeiträge der Afd störten. Wir waren mit einem eigenen Transpi vor Ort und verteilten auch an dieser Veranstaltung eigene Flyer gegen die AfD.

Verhinderte Veranstaltungen

Welche Wirkmacht wir mit konsequenter antifaschistischer Arbeit haben können, zeigte sich rund um den 24. September: Eine ursprünglich unter dem Deckmantel „Nürnberger Friedensfest“ geplante Kundgebung seitens der AfD wurde 3 Tage nach Bekanntgabe eines Gegenprotestes der Organisierten Autonomie und des Antifaschistischen Aktionsbündnis Nürnberg (AAB) abgesagt. Auch wir hatten uns an der Mobilisierung beteiligt.
Zu einem ähnlichen Vorfall kam es in Erlangen. In der Gaststätte „Zum Angerwirt“ trafen sich AfD-ler*innen, darunter der extrem rechte EU-Abgeordnete Maximilian Krah, Mitglieder der Frankonia- Burschenschaft und Identitären Bewegung, zu einem vermeintlich geheimen Treffen. Initiiert von Genoss*innen aus Erlagen versammelten sich 30 Antifaschist*innen vor der Kneipe und wurden nur von Bullen, die sich schützend vor die extremen Rechten stellten, am Eindringen gehindert. Daraufhin bekam auch der Vorsitzende der Baugenossenschaft, zu der die Gaststätte gehört, von dem Treffen der Rechten Wind und ließ das Treffen platzen.
Darüber hinaus haben die rechten Gruppierungen nicht einmal vor dem diesjährigen CSD halt gemacht. Das paradox benannte „Team Menschenrechte“ veranstaltete einen Gegenprotest parallel zu dem großen Umzug. Da dieser angemeldet war, konnten wir uns vorab mit anderen Gruppen vorbereiten und schon bevor sie ihren Stand aufbauen konnten, wurden verschiedene Parolen auf den Boden geschrieben. Während dem Stand konnten wir sie gut umkreisen und die Querdenker*innen mit Transparenten und Fahnen von den restlichen Passant*innen abdecken. Währenddessen bekamen wir auch viel Unterstützung von vorbeilaufenden Menschen, welche die Blockade mit uns vergrößerten. Die Cops, welche auch in einem Ring zwischen uns und dem Team Menschenrechte standen, unterstützten damit unbewusst unsere Trennung, durch welche die Querdenker*innen noch weniger Raum und Publikum für ihre menschenverachtenden Bekanntmachungen hatten.

Fazit

Abschließend kann man sagen, dass keine Mühen gescheut wurden, (über-)regional als geschlossene Linke aufzutreten und sich der rasanten Faschisierung im Lande entgegenzustellen. Gerade jetzt ist es, aufgrund der Wahlergebnisse, mehr als notwendig sich regional zu organisieren, aber auch die globale Situation nicht außer Acht zu lassen: Der Klimawandel, neuste Kriege, mittlerweile immer näher am so scheinbar sicheren „Westen“, und die wachsende Schere zwischen Arm und Reich sind Probleme, die auch uns, im bisher als heil angenommenen Europa, etwas angehen und in Zukunft auch noch mehr als aktuell betreffen werden. All diese Punkte, vor allem der erstarkende Faschismus, wurzeln im Kapitalismus und den Interessen der herrschenden Klasse und können nur gelöst werden, wenn wir uns einig gegen die Bonzen stellen: Wir haben nichts zu verlieren, als unsere Ketten!

 

 

Infos über die Antifa-Aktionskneipe

Youtube | Instagram | antifaak161 (äääät) riseup.net

Was macht die Antifa Aktionskneipe?

Beispiele: Mobivideo zum 8.März ’23 / Jahresrückblick 2021 / Satire zur Bundestagswahl / Podcast zum Tag gegen Gewalt an Frauen / Antifa-Stadtrundgang / Aktion gegen AfD Landtagswahlstand / Demo „Keine rechte Hetze in unserem Viertel!“ / Gemeinsamer Treffpunkt für revolutionäre 1.Mai-Demo / Aktion zum TagX NSU-Prozess / Aktion gegen CSU Parteitag / Aktion gegen AfD-Infostand / Fahrt zur Demo: Memmingen sieht rot / Alle Aktionen chronologisch auf der Redside

Was ist die Antifa Aktionskneipe:

Der rechte Vormarsch in der BRD geht weiter voran. Am offensten zeigt sich diese Entwicklung an den Wahlerfolgen der AfD und Gesetzesverschärfungen, wie die neuen Polizeiaufgabengesetze. Die Bundesregierung schaffte das Asylrecht quasi ab, sperrt Geflüchtete in Lager und schiebt in Kriegsgebiete ab. Parallel dazu werden täglich Menschen von Nazis und RassistInnen angegriffen. Überall formieren sich rechte Bürgerwehren und rechter Terror wird zu einer immer größeren Bedrohung.
Deswegen gewinnt antifaschistischer Widerstand gegen diese Zustände an enormer Bedeutung. Wir wollen deutlich zeigen und klar machen, dass wir diese reaktionäre Offensive nicht unbeantwortet lassen. Wir lassen uns nicht durch Rassismus und Sexismus spalten, sondern müssen gemeinsam als unterdrückte Klasse für eine befreite Welt kämpfen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir in einer Welt des Faschismus und Unterdrückung leben wollen oder in einer Welt der Solidarität und Gerechtigkeit.
Wenn auch du die Schnauze voll hast und aktiv gegen Nazis und FaschistInnen werden willst, dann komm zur Antifa-Aktionskneipe!

Jeden dritten Freitag im Monat ab 19:00 Uhr veranstalten wir ein offenes Treffen, mit dem Ziel, uns gemeinsam zu informieren, auszutauschen und aktiv zu werden. Lernen wir uns kennen, schließen wir uns zusammen und machen wir uns gemeinsam stark gegen Rassismus, Faschismus, Patriarchat und Kapitalismus!