Kurzbericht zur Aktion „Antifaschistischer Stadtrundgang Nürnberg“

Am Samstag den 27. April veranstaltete die Antifaaktionskneipe einen Antifaschistischen Stadtrundgang durch Nürnberg an der sich ca. 50 Interessierte beteiligten. Dabei wurden verschiedene Stationen angelaufen die sinnbildlich für die reaktionäre Offensive stehen und an die 800 Flyer verteilt. Die Stadt Nürnberg, die sich selbst gern als Stadt der Menschenrechte preist, zeichnet sich in Wahrheit nur durch den massiven Abbau von bürgerlichen Freiheiten und sozialen Standards, wie Überwachung, Sozialabbau und Gesetzesverschärfungen aus.

Begonnen wurde die Tour an der Polizeiwache Mitte, am selben Ort, an dem früher die GESTAPO untergebracht war. Hier hielten Antifaschist_innen der Antifaaktionskneipe zusammen eine Rede, in der sie deutlich machten, dass Polizeigewalt kein Phänomen von Einzelfällen darstellt, sondern systematisch jede_n trifft, den Staat und Bullen als störend empfinden und sich nicht konform der von ihnen aufgestellten Regeln verhält. Wie massiv Polizei und Behörden gegen Bürger- und Aktivist_Innen vorgeht haben nicht nur M31 und die immer noch laufenden Prozesse dazu gezeigt, sondern auch jüngst der Versuch eine Abschiebung eines Nachbarn in Gostenhof zu verhindern, bei der ganze Straßenblöcke abgesperrt wurden und vermummte, hochbewaffnete SEK- und USKler auf Menschenjagd gingen. Diese regionalen Beispiele sind eben keine Einzelfälle, sondern werden überall in der BRD öffentlich, wenn Bullen massive Gewalttaten bis hin zu Morden begehen und diese so gut wie immer straffrei ausgehen. Währenddessen bekommt die Polizei durch ständige Gesetzesverschärfungen die weitreichensten Befugnisse seit der Niederlage des Faschismus.

Im Anschluss ging es weiter zum Rathaus, wo aktuell die SPD die Stadtregierung stellt. Neben einem Redebeitrag wurde mit einer T-Shirt Aktion auf den fortwährenden Sozialabbau aufmerksam gemacht, den die sogenannten Sozialdemokraten ebenso wie CSU/CDU zu verschulden haben. Diese Parteien handeln beide primär im Interesse von Investor_Innen, statt im Interesse derer, die sie angeblich vertreten: Unliebsame Gruppen wie laute Jugendliche, Trinker_Innen, People of Colour werden von öffentlichen Plätzen verdrängt, hingegen Imageprojekte wie die Kulturhauptstadtbewerbung werden gefördert und sozialer Wohnraum ganz im Zeichen der reaktionären Offensive verscherbelt. Viele Passant_Innen blieben bei der Aktion interessiert stehen und betrachteten das Spektakel.

Danach ging es weiter über die Lorenzkirche – vorbei an einem AfD-Stand der kurzzeitig durch Parolen und laute Rufe gestört wurde – zum Hallplatz, an dem die Gruppe come, fight, stay together zusammen mit dem Bündnis M31 einen Infostand platziert hatte. Hier konnten sich die Interessierten an Schautafeln informieren und einem Redebeitrag lauschen, in dem die menschenverachtende Internierung in sog. AnkER-Zentren, die faktisch Massenlagern gleichkommen, thematisiert wurde. Ebenso wie die immer weiter steigenden Repressionen gegen Geflüchtete und Unterstützer_Innen, wie etwa der jüngst von Seehofer eingeführten Gesetzesverschärfung, in der schon die Weitergabe von Informationen zu geplanten Abschiebung bestraft werden soll und einer Ausweitung der Abschiebehaft, von der auch Kinder und Frauen betroffen wären. Aber auch die erfolgreichen gemeinsamen und selbstbestimmten Kämpfe von Geflüchteten in den letzten Jahren zeigen, dass sich Widerstand lohnt und solidarischer Aktionismus wichtiger denn je ist. Dafür steht auch symbolisch der Platz der Kundgebung, denn am Hallplatz standen immer wieder Protestzelte von Geflüchteten die im Zuge des Flüchtlingsstreiks 2013/2014 für ihre Rechte kämpften.

Von dort aus ging es – vom Regen unbeirrt – weiter zur Straße der Menschenrechte, an der die Gruppe Seebrücke schon mit Transpis und Schautafeln wartete. Angesichts der menschenverachtenden Abschiebungspolitik, die auch von der Stadt Nürnberg betrieben wird, haben die Säulen der Menschenrechte einen bitteren Beigeschmack. Vor allem angesichts der katastrophalen Zustände in Lybien. Dort werden Geflüchtete gefoltert, versklavt und systematisch vergewaltigt mit Wissen der EU, die die Folterer in Lybien finanziell unterstützt.

Die vorletzte Station war das Wohnungsamt der Stadt Nürnberg an dem die Initiative Mietenwahnsinn stoppen eine Rede hielt und ein Solifoto für die Genoss_Innen in Berlin geschossen wurde, welche dafür kämpfen die Deutsche Wohnen und Co. zu enteignen. Auch in Nürnberg wirkt sich das Profitstreben der großen Wohnkonzerne auf die Mietpreise aus. Immer mehr Menschen können sich die steigenden Preise nicht mehr leisten und werden verdrängt.

Zuletzt ging es zum Willy-Brandt-Platz an dem sich die Nürnberger Nachrichten und die AfD gegenüber sitzen. Hier wurde von einem Redner der Antifaaktionskneipe einseitige Berichterstattung, die Rolle der Medien beim Aufstieg der AfD und Medien die primär nach Profitinteressen agieren kritisiert.

Und weil es sich aufgrund der (räumlichen) Nähe zur AfD anbot, besuchte man die lauteste und agressivste Vertreterin der reaktionären Offensive. Die Partei versucht zwar sich als Vertreterin der kleinen Leute zu inszenieren, ihre Wahl- und Parteiprogramme zeigen aber, dass ihre in Wahrheit neoliberale Politik sich kaum von der, der kapitalistischen Parteien unterscheidet. Deshalb hingen Aktivist_Innen ein „Lügen in den Medien und der Politik entlarven! Den rechten Diskurs stoppen! Raus zum revolutionären 1.Mai!“-Transpi am Willy-Brandt-Platz auf.

Damit endete eine tolle antifaschistische Stadtführung, der sich im Laufe immer wieder mal Leute anschlossen und interessiert lauschten.

drucken | 28. April 2019 | organisierte autonomie (OA) Nürnberg

Terminkalender

Samstag, 24.02.2024

Reclaim am 24. Februar: Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!?

Bald steht der 8. März und damit der internationale Frauenkampftag an. Die Parole wird auch dann wieder gerufen und wendet sich vor allem gegen die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland. Doch auch darüber hinaus nimmt der bürgerliche Staat massiven Einfluss auf unsere Lebens-und Familiengestaltung. Nicht immer ist das so offensichtlich und unmittelbar wie beim Abbruch. Ökonomische Gegebenheiten spielen in der kapitalistischen Gesellschaft ebenso eine Rolle wie politische Instrumente zur Regulierung von Kinderwunsch oder Verhütung.

Neben einem Input zu diesem breiten Themenfeld, habt ihr die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen zu Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch und Co zu stellen.

Wie immer gibt es leckeres Essen und von 19 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich über aktuelle Stadtteil-Themen auszutauschen. Wir freuen uns auf euch.

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk