Erlenstegen wurde vom Pöbel heimgesucht – zumindest dürfte sich der letzte Samstag so oder so ähnlich für einige der reichen Bewohner*innen dort angefühlt haben. Schon die Ankündigung, nach Erlenstegen zu kommen und die Aufforderung/Bitte nach freiwilliger Herausgabe ihres Vermögens hat so manche Anwohner*in in helle Aufregung versetzt. So sehr, dass sie sich an die Nürnberger Nachrichten und die Stadt Nürnberg gewendet haben. Hier haben sie natürlich in der CSU Stadtratsfraktion ein offenes Ohr für ihr Anliegen gefunden. Mit einem Beitrag, der vor Pathos und Empathie für Bonzen nur so triefte, stellten sie sich an die Seite der armen armen Reichen. Highlight war wohl die empörte Feststellung, dass „wirtschaftlicher Erfolg, Vermögen und Leistung“ ja kein Makel seien – Reichtum als Diskriminierungsfaktor – wenn Realität die Satire überholt….
Wer sich dann von dem bunten fröhlichen Zug, der beim Walk of Umverteilung letztlich durch den tristen Stadtteil zog, wirklich eingeschüchtert fühlte, hatte dann auch wirklich allen Grund dazu. Einige Anwohnende begrüßten uns freudig – wir nehmen an, es waren die ohne Villa und Vermögen. Andere bleiben neugierig stehen, wenige pöbelten uns an. Ganz Team rechte Menschen like, ließen es sich Frank und Astrid nicht nehmen, sich im Dienste des Kapitals auf die Seite der Bonzen zu stellen, filmten ein bisschen herum und kumpelten so manchen Villenbesitzer an. Wir ignorierten diese Agenten der Reichen jedoch weitgehend und konzentrierten uns auf unser viel wichtigeres Anliegen: Umverteilung selbst machen. Mit Tresor, Glocke und satirischen Redebeiträgen, zogen wir bei herrlichem Wetter mit knapp 50 Leuten durch das Villenviertel. Es sprachen das Komitee für Wohnraumenteignung, das Bündnis #kürzbar und Inkasso Comunista.
Als letztes Highlight kurz vor unserer Heimreise hat uns dann noch ein Christian Lindner Fanboy amüsiert (und vielleicht auch ein bisschen zur Verzweiflung gebracht), der das Märchen vom Zusammenhang zwischen Leistung und Vermögen unbeirrt wiedergekäut hat. Überraschung: er wird Daddys Firma erben.
Wir bedanken uns abschließend recht herzlich bei den besorgten Anwohner*innen und der CSU Stadtratsfraktion, die unserem Anliegen die dringend benötigte Öffentlichkeit beschert haben. Zudem bedanken wir uns bei allen Diskutierenden bei nebenan.de Erlenstegen. Viele Kommentare waren einfach großartig und haben die Moderation inhaltlich bereichert!



