Nahezu jeden Montag findet mitten in der Nürnberger Innenstadt der Marsch des sogenannten „Team Menschenrechte“ statt. Die Gruppierung, die unter dem Namen „Team Menschenrechte“ (im restlichen Text als „TMR“ abgekürzt) auftritt, setzt vor allem auf Hetze gegen Geflüchtete und Migrant*innen, aber auch gegen queere Menschen und betreibt Wahlwerbung für die AfD. TMR reiht sich mittlerweile ein in die zahllosen spalterischen Versuche, die lohnabhängige Bevölkerung gegeneinander aufzuhetzen. Das Ziel von TMR ist es, menschenverachtende, kapitalistische Ausbeutung stabilisierende Politik im Mainstream zu verankern. Sie sind, wie nahezu alle Rechten, Staatsfreaks, die ständig nach der „richtigen, wahren“ Herrschaft verlangen. Ein Kapitalismus, der auf die Beschädigten durch diesen Kapitalismus Rücksicht nimmt (aus welchen Gründen auch immer) wollen sie nicht. Zunehmend nutzen TMR dafür Mittel der Nötigung und Einschüchterung, wie z.B. das aggressive Filmen von Personen, die sie als Feinde identifiziert haben. Sie betreiben zu diesem Zweck auch zahlreiche Social-Media-Kanäle. In diesen Kanälen werden auch Beiträge anderer extrem Rechter Kanäle und Gruppierungen beworben. Kein Wunder also, dass der Aufmarsch zum Magnet für andere Rassist*innen, Faschist*innen und sogar Neonazis wurde. Zusätzlich zu den meist älteren Teilnehmer*innen kamen ab 2025 auch zunehmend jüngere Neonazis um an den rechten Märschen teilzunehmen. Sie begannen Passant*innen anzupöbeln und riefen einschlägige neonazistische Parolen, wie „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“, sowie „Frei, Sozial, National“. Beim Vorbeigehen an Passant*innen, die von den Neonazis für Migrant*innen gehalten wurden, skandierten sie lautstark „Abschieben, abschieben“. Ein Neonazi-Treffpunkt mitten in Nürnberg war entstanden, genehmigt und beschützt von der Stadt Nürnberg und der Polizei Mittelfranken.
Antifaschistischer Widerstand gegen den Nazitreffpunkt
Die Hauptakteure und Frontleute von TMR, Frank K. und Astrid H. freuten sich sichtlich über den Zulauf von ganz rechts. Anfangs noch bloße Teilnehmer*innen, nahmen die jungen Rechten dann mit Unterstützung der TMR-Orga schnell die Rolle von Ordner*innen ein. Als Anführer der Truppe spielte sich vor allem Marcus L. auf. Die Nazi-Ordnertruppe griff während der Demonstration immer wieder Passant*innen und Antifaschist*innen an, oft ohne Reaktion der zahlreich anwesenden Polizist*innen. Es folgten antifaschistische Proteste, die zeitweise über 1000 Menschen mobilisieren konnten, meist jedoch 200-400 Gegendemonstrant*innen. Der rechte Marsch wurde zunehmend ungemütlich für seine Mitläufer*innen, da Antifaschist*innen sich – Woche für Woche – mutig dem rechten Treiben entgegenstellten. Auch Sitzblockaden und das Informieren von Anwohner*innen und Passant*innen trug dazu bei, dass die Teilnehmer*innenanzahl der TMR-Märsche auf etwa 60 Personen, also etwa die Hälfte zurückging.
Das Organisationsteam von TMR versuchte, dieser Entwicklung mit der Veranstaltung von „bayernweiten“ Demos entgegenzutreten. Kamen beim ersten „Gemeinsam gegen Deutschland“ 2025 noch ca. 800 Menschen, wohl auch unter dem falschen Eindruck, es handele sich um eine „Friedensdemo“, waren es bei den Folgeversuchen nur noch wenige Hundert und zuletzt genau so viele wie an den Montagsterminen.
Wohl aus Verzweiflung über den erfolgreichen und anhaltenden antifaschistischen Protest, griff ein Teil des Ordner*innentrupps im April 2025 nach einem der Montagsmärsche im Hauptbahnhof Antifaschist*innen an. Die Polizei stoppte den Angriff nach kurzer Zeit und setzte einen Teil der rechten Angreifer fest.Wenige Tage später, versuchte die TMR-Truppe mit einer öffentlich angekündigten „Geburtstagsfeier“ am 20.4. (Angeblich Frank K.s Geburtstag, aber auch der Geburtstermin von Adolf Hitler) in der Rosenau zu provozieren. Diese Aktion war, nach Aussage von Frank K., nie ernst gemeint. Dennoch wurden von aufmerksamen Anwohner*innen etwa fünf Neonazis an diesem Tag in Nähe der Rosenau gesichtet, während sie offensichtlich darüber phantasierten, Linke zu schlagen. Auf das seltsame Verhalten angesprochen, flüchteten die Neonazis Richtung U-Bahn.
Kurz danach kam es in TMR zum Streit darüber, wie offen neonazistische Propaganda geäußert werden soll. Darüber spaltete sich ein Teil der Neonazis ab, aus denen nach weiteren Streits mehrere kleinere Nazigrüppchen entstanden, die kurze Zeit selbst Aufmärsche durchführten, die ebenfalls auf ausdauernden Protest stießen. Und auch für sie wurden von Stadt und Polizei äußerst großzügige Routen genehmigt, trotz einer niedrigen zweistelligen Teilnehmer*innenzahl.
Für diverse rechte Streamer, der bekannteste wohl Sebastian Weber, mit WeichreiteTV, stellt das Streamen des Aufmarsches eine wichtige Einnahmequelle dar. Unverständlicherweise werden diese rechten Teilnehmer der Märsche durch die Polizei in Nürnberg privilegiert behandelt, d.h. sie dürfen durch Livestreaming und Portraitaufnahmen provozieren und sich frei bewegen, während die Polizei gleichzeitig Passant*innen in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt.
Nürnberger Ordnungsamt und Polizei bieten Neonazis wöchentlich eine Bühne!
Unbeirrt ermöglicht es das Ordnungsamt Nürnberg jede Woche aufs Neue, dass das „Team Menschenrechte“ mitten in der belebten Nürnberger Innenstadt eine Bühne für ihre menschenverachtende Hetze bekommt. Begleitet werden die Märsche von einem Großaufgebot der Polizei, inklusive Sondereinheiten. Vermehrt setzt die Polizei Personenkontrollen, Pfefferspray und körperliche Gewalt ein, um die antifaschistischen Gegenproteste möglichst klein zu halten. Seit fast einem Jahr setzt die Polizei auch berittene Einheiten ein, was schon zu Verletzten und potentiell lebensgefährlichen Situationen führte. Außerdem ist die Innenstadt dann nach jedem Aufmarsch voller Pferdemist.
Die polizeilichen Übergriffe gegen Menschen, die sich den Rassist*innen entgegenstellen, werden noch ergänzt durch Ermittlungen wegen „Vermummung“ und wegen „Verstößen gegen das Versammlungsgesetz“. Während es sich bei diesen Verwürfen um eher geringe Verstöße handelt, hat die Polizei Mittelfranken jedoch seit längerem mehrere Hundert dieser Verfahren angestrengt und Bußgelder im insgesamt 6-stelligen Bereich verhängt. Am 11. März, kurz nach den Kommunalwahlen in Nürnberg, führte die Polizei 24 Hausdurchsuchungen gegen mutmaßliche Teilnehmer*innen des Gegenprotests durch. Ihnen wird vorgeworfen gemeinschaftlich „Landfriedensbruch“ begangen zu haben, ein Konstrukt, dass Polizei und Staatsanwaltschaften zunehmend nutzen, wenn sie Einzelnen keine Straftaten nachweisen können. Das Konstrukt sieht vor, dass man auch für Straftaten verurteilt werden kann, „bei denen man dabei war“. In diesem Fall geht es aber wahrscheinlich eher darum, den antifaschistischen Protest einzuschüchtern, wie das anonym auch Polizist*innen gegenüber den Medien zugegeben haben. Für Polizei und Stadt stellt vor allem der Gegenprotest das größte Problem dar. Das zeigt sich auch im Handeln der Stadt: Während der Gegenprotest argwöhnisch überwacht wird, werden die TMR-Protagonist*innen kaum behelligt. Oft werden Ermittlungen gegen die Rechten erst durch Berichte oder Veröffentlichungen von Antifa-Recherchegruppen angestoßen.
Mittlerweile seit zwei Jahren gibt es kontinuierlichen Protest gegen den extrem rechten Treffpunkt, den Stadt Nürnberg und die Polizei Mittelfranken ermöglichen. Bisher ist es gelungen, die Attraktivität dieses rechten Versuchs, die Straße durch Kampf zu erobern, gering zu halten. Der Marsch konnte kaum noch mehr als 100 Menschen anziehen. Seine Teilnehmer*innen stammen zu einem großen Teil aus der extrem rechten Szene, darunter Reste der Neonazi-Ordnertruppe und regelmäßig der „Heimat“-Funktionär Rainer Hatz, sowie der rechte Szene Anwalt Frank Miksch. Letzterer vertritt TMR auch vor Gericht.
Längst haben die TMR-Protagonist*innen versucht, mit anderen provokanten Aktionen für ihre wirre Ideologie zu werben. So pöbelten sie in einen Buchgeschäft herum, weil ihnen ein Plakat nicht gefiel oder organisierten eine „Gegendemo“ zu einem Benefitz-Konzert. Auch diverse Solidaritätsbekundungen mit Israel und USA, die gerade völkerrechtswidrige Kriege führen, wurden nicht ausgelassen. So lief Frank K. eine Zeit lang mit einem die israelische Armee verherrlichenden T-Shirt bei dem Marsch, zeigte aber auch das „White-Power-Zeichen“.
Auch wenn TMR vom weltweiten Rechtsruck profitiert, hat der ausdauernde Widerstand gegen rechte Raumnahme in Nürnberg bisher gut funktioniert. Und das obwohl Stadt und Polizei alles versuchen, diesen Widerstand zu kriminalisieren und zu brechen. Das sagt einiges aus, über die „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“, die neben einem bundesweit gestreamten Rassist*innenmarsch auch die Kriegswaffen-Messe Enforce Tac beherbergt. Angesichts solch mangelhafter Prinzipientreue liegt es mal wieder an uns Nürnberger*innen, diesem braunen Treiben entgegen zu treten. Denn auf den Staat ist bei der Bekämpfung der extremen Rechten wie immer kein Verlass.
Lasst uns weiterhin auf die Straße gehen und gemeinsam laut sein. Zeigen wir allen, dass Nazis in Nürnberg keinen Platz haben.


