Kurzarbeit, Kündigung und Aussetzung der Miete – 5 Fragen an die organisierte autonomie – Plakataktion im Viertel

AktivistInnen der organisierten autonomie hingen Plakate mit Fragen und Antworten rund die Themen Kündigung, Kurzarbeit und die Aussetzung der Miete in Gostenhof auf. Hier der Text:

5 Fragen einer Arbeiterin an die organisierte autonomie (oa)
1. Ich bin verzweifelt. Der Chef meines Betriebes droht wegen der Corona Pandemie fast jeden Tag mit neuen Maßnahmen und verbreitet gerade die Stimmung, und dass das Arbeitsrecht gerade eh nicht greifen würde. Als erstes wollte er alle in unbezahlten Urlaub schicken. Geht das?
oa: Tatsächlich wurde das Arbeitsrecht massiv angegangen im Zuge der “Infektionsschutzmaßahmen”. Aber zwangsweise in unbezahlten Urlaub darf er dich nicht einfach schicken. Dazu wäre deine Zustimmung nötig. Man muss auch bedenken, dass ein unbezahlter Urlaub nicht auf die Zeiten angerechnet wird, die für die Berechnung eines möglichen Arbeitslosengeldanspruchs heran gezogen werden. Also, nicht zustimmen!
2. Kann er mir einfach kündigen?
oa: Manche Unternehmen versuchen das gerade im Einvernehmen und werben um Verständnis. Auch hier gilt: nichts unterschrieben, nicht zustimmen! Sondern wenn sie kündigen: Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht einreichen. Das kann man auch ohne Anwalt machen wenn man nicht bei der Gewerkschaft ist oder eine Rechtsschutzversicherung hat. Gerade große Konzerne versuchen, weiterhin Gewinne zu machen, in dem sie Leute entlassen. Dem gilt es zu begegnen: tut euch mit KollegInnen zusammen und lasst euch nichts gefallen. Ihr seid es schließlich, die deren Gewinne überhaupt erst ermöglichen! Corona hin oder her.
3. Und was ist wenn er den Betrieb dann einfach aufgrund von Coronaerkrankungen dicht macht?
oa: Dazu muss er nachweisen, dass es wegen einer zu hohen Zahl von Infizierten oder Menschen in Quarantäne dazu kommen muss. In diesem Fall erhältst du erst mal 6 Wochen weiter deinen normalen Lohn und danach 80% des Lohns nach Infektionsschutzgesetz.
4. Kurzarbeit kann er aber jederzeit machen oder?
oa: die Hürden liegen niedrig. Das auf jeden Fall. Aber falls es in deinem Betrieb einen Betriebsrat gibt, muss dieser zustimmen. Das geht auch nur für die sozialversicherungspflichtigen Jobs, 450€ Jobs sind davon ausgenommen.
5. Scheiße. Das heißt, es kann passieren, dass ich im schlimmsten Fall nur noch 60% meines Gehaltes bekomme? Wie soll denn das gehen?
oa: Ja, das ist richtig scheiße. Deswegen sind wir auch der Meinung, dass wir als Lohnabhängige gerade deutlich sehen können, wie unsere Stellung im Kapitalismus ist: ein potentieller Kostenfaktor aber gut genug zur Gewinnmaximierung. Wir brauchen Solidarität unter uns als Lohnabhängige wie die Luft zum Atmen, aber sicherlich nicht für die Vorstände von Konzernen und Banken! Organisieren wir uns! Halten wir solidarisch zusammen und lassen uns nichts gefallen!
#wir zahlen nicht für ihre Krise
#soziale Revolution machen

 

5 Fragen eines Mieters an die organisierte autonomie (oa)

1. Ich wurde auf Kurzarbeit gesetzt und bekomme jetzt nur noch einen wesentlich kleineren Teil von meinem eh schon mickrigem Gehalt. Jetzt kann ich mir meine ohnehin zu teure Miete nicht mehr leisten. Was passiert wenn ich jetzt nicht zahlen kann?
oa: Aufgrund der derzeitigen Corona-Pandemie kann zwischen dem 01. April und dem 30. Juni 2020 die Mietzahlung ausgesetzt werden.
2. Heißt das, ich muss jetzt automatisch keine Miete mehr zahlen?
oa: Mietvereine raten aktuell dazu, den Vermieter vorher zu informieren und es muss nachweislich mit der Corona-Pandemie zusammenhängen, heißt, dein Arbeitgeber sollte dir in deinem Fall die Kurzarbeit bestätigen oder bei anderen die Arbeitslosigkeit. Und die Schweinerei bei dem Ganzen ist: du musst das nachzahlen. Es gibt nämlich keinen Mietenstopp, wie er von vielen Initiativen aktuell gefordert wird.
3. Das bedeutet, danach sitze ich auf einem Haufen Schulden?
oa: Ja, anders die ChefInnen großer Konzerne, welche die Kurzarbeit bei finanzieller staatlicher Unterstützung bekommen, musst du das Geld zurück zahlen. Deine VermieterInnen können sogar Zinsen auf die geschuldete Miete verlangen!
4. Also während den großen UnternehmerInnen, die auch jetzt noch Gewinne machen, Milliarden zugesagt sind, die sie nicht zurückzahlen müssen, lässt man uns MieterInnen mit den Kosten alleine?
oa: Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen! Es hängt viel davon ab, ob und wie wir uns als betroffene MieterInnen gemeinsam dagegen wehren, dass auch die Kosten dieser Krise auf uns abgewälzt werden. Und wenn wir jetzt von Krise sprechen, meinen wir nicht Corona, sondern eine weitere Welle der Wirtschaftskrise, die sich auch schon vor der Pandemie angebahnt hat.
Wie kann man sich denn wehren?
oa: Such dir jetzt schon Verbündete, vernetze dich soweit möglich mit KollegInnen, FreundInnen oder NachbarInnen. Wir werden bald wieder für unsere gemeinsamen Interessen auf die Straße gehen, auch dafür dass wir als lohnabhängige nicht für die Kosten der Krise aufkommen! Keine Profite mit der Miete! Wohnraum vergesellschaften!
#wir zahlen nicht für ihre Krise
#soziale Revolution machen

Die Initiative Mietenwahnsinn stoppen hat sobald Vereinsräume wieder zugänglich sind wie gewohnt jeden 4. Samstag im Monat ihre Anlaufstelle ab 19 Uhr in der Schwarzen Katze. Für Fragen und bei Problemen: mietenwahnsinnstoppen@riseup.net

Beratung zu Mietfragen: Deutscher Mieterbund Nürnberg Telefon: 0911 3765180 und Mieter helfen Mietern Nürnberg e.V Telefon: 0911 397077

drucken | 22. April 2020 | organisierte autonomie (OA) Nürnberg

Terminkalender

Samstag, 24.02.2024

Reclaim am 24. Februar: Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!?

Bald steht der 8. März und damit der internationale Frauenkampftag an. Die Parole wird auch dann wieder gerufen und wendet sich vor allem gegen die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland. Doch auch darüber hinaus nimmt der bürgerliche Staat massiven Einfluss auf unsere Lebens-und Familiengestaltung. Nicht immer ist das so offensichtlich und unmittelbar wie beim Abbruch. Ökonomische Gegebenheiten spielen in der kapitalistischen Gesellschaft ebenso eine Rolle wie politische Instrumente zur Regulierung von Kinderwunsch oder Verhütung.

Neben einem Input zu diesem breiten Themenfeld, habt ihr die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen zu Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch und Co zu stellen.

Wie immer gibt es leckeres Essen und von 19 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich über aktuelle Stadtteil-Themen auszutauschen. Wir freuen uns auf euch.

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk