Nürnberg Kulturhauptstadt 2025?!

Die Stadt Nürnberg bewirbt sich um die Kulturhauptstadt 2025. Im vergangenen Dezember schaffte sie es mit 5 anderen Städten in die 2. Runde des mehrjährigen Bewerbungsprozesses. Der Stadt Nürnberg geht es bei dem Marketingspektakel um den Titel darum, sich als Standort für InvestorInnen noch attraktiver zu machen und sich dadurch zukünftig in der Konkurrenz um Investitionen mit anderen Städten erfolgreicher durchzusetzen. Unter Schlagwörtern wie: „ Evolving Community, Past forward, Exploring reality“ oder „Embracing humanity“ soll um zahlungskräftigen Zuzug, wie Investitionen, geworben und ebenso der Tourismus weiter angetrieben werden. Doch was haben wir als Mehrheit der hier lebenden Stadtbevölkerung zu erwarten wenn die Stadt und ihre Kultur nach Profit- und InvestorInneninteressen weiter ausgestaltet werden? Durch den Zuzug von besser Verdienenden, einer steigenden Zahl an Ferienwohnungen, wie noch intensiverer Immobilienspekulation, werden sich Knappheit von bezahlbarem Wohnraum, steigende Mieten, Verdrängung – also die ohnehin schon bestehenden Gentrifizierungsprozesse in Nürnberg nur weiter zuspitzen. Es ließe sich fragen, für wen denn am Ende bessere Lebensverhältnisse geschaffen werden sollen.

Welche Kultur wird hier in Nürnberg gefördert und vor allem welche nicht?

Evolving Community – Miteinander ans Ziel?!
Obwohl es viele unkommerzielle selbstorganisierte Kulturprojekte und Räume in unserer Stadt gibt und in den vergangenen Jahren gab, sollten wir uns an den Umgang seitens der Stadtpolitik mit ihnen erinnern. Angefangen mit dem KOMMunikationszentrum schloss die Stadt getragen durch SPD, CSU und die Grünen Ende der 90er Jahre einen zentralen Kulturort in der Innenstadt. Selbiges versuchte die SPD Stadtregierung 2005 mit dem Veranstaltungsort Kunstverein und scheiterte am Widerstand dagegen.

Das Quelle KünstlerInnenkollektiv wurde aus seinen Räumen gedrängt und einer der größten Leerstände bundesweit liegt trotz aller Versprechungen weiter brach. Alle paar Jahre wieder wird durch die CSU im Stadtrat eingebracht, dem Stadtteilzentrum DESI die städtische Förderung zu entziehen, da sie der Partei in ihrer politischen Ausrichtung schlicht nicht passt. Der vor nicht zu langer Zeit entstandene Wagenplatz, auf dem gemeinsam Menschen alternativ wohnen, muss wegen des Verkaufs des Quelle Geländes einen neuen Ort für sich suchen, nicht zuletzt aufgrund des Engagements einiger CSUlerInnen wurde ein städtisches Ausweichgrundstück von der Stadtverwaltung kurzfristig ausgeschlagen. Dem „Stadtgarten“ wurde zur Auflage gemacht, seine öffentliche Zugänglichkeit durch Bauzäune zu beschränken. Der Veranstaltungsort K4 ist aufgrund des Aufwertungsumbaus noch immer geschlossen und der Musikverein stand dadurch kurz vor dem Aus. Dem selbstverwalteten alternativen Jugendkulturzentrum Projekt 31 läuft im kommenden Jahr der Mietvertrag aus und entgegen aller Zusagen seitens der Stadtverwaltung, neue Räumlichkeiten zu suchen, verblieb diese bisher vollkommen untätig. Daneben mangelt es in Nürnberg an Proberäumen für Bands und aufgrund der steigenden Mietpreise ebenso an bezahlbaren Ateliers und Werkstätten für KünstlerInnen. Eine Vorstellung des städtischen Kulturverständnisses können wir hingegen bekommen wenn wir uns kommerzielle Konsumspektakel wie die blaue Nacht, Sylvestival oder Opernball ansehen, die vor allem der städtischen Vermarktung dienen. Während Initiativen aus der Stadtgesellschaft nicht nur nicht gefördert werden, sondern manchmal auch aktiv bekämpft werden, weil sie entweder unbequem sind oder Profitinteressen im Wege stehen, stellt die Stadt ihre verwertbare Kultur zum Konsum bereit. Rückgratlos genug, dass sich die SPD regierte Stadt mit eben jenen Initiativen, für die sie nichts tut und in der Vergangenheit getan hat, immer wieder nach außen schmückt und sie auch noch als Trittbrett im Marketing nutzen will. Kultur scheint in Nürnberg besser zu gedeihen wenn sich Menschen wie die CSU Kulturreferentin Julia Lehner und andere städtische „SpezialistInnen“ von ihr fern halten.

In was für einer Stadt leben wir hier eigentlich – Einige Gründe gegen den Titel der Kulturhauptstadt für Nürnberg

Past forward?!
Wenn wir eine Bestandsaufnahme der städtischen Nürnberger Kultur und Politik versuchen, scheint es schon beinahe zynisch, dass sich eine Stadt wie Nürnberg um einen Kulturtitel bewirbt. In der Stadt, in der der NSU viele UnterstützerInnen aus der hiesigen Naziszene hatte und seine rassistische Mordserie begann. In der den lokalen Medien dazu nichts besseres einfiel als in die rassistische Stimmungsmache der Polizei einzusteigen, indem sie bundesweit den Begriff „Dönermorde“ prägte, während die ermittelnden PolizistInnen sich über Jahre hinweg auf das Umfeld bzw. die Familie der Ermordeten konzentrierten. Eine Stadt, in der ein städtisch verwalteter Raum wie die Meistersinger Halle als regelmäßiger Treffpunkt der faschistoiden AfD und für ihre Parteitage genutzt wird. Zudem fanden in den letzten Jahren unzählige rechte Versammlungen statt, die durch die Stadtregierung gebilligt statt unterbunden wurden. Das lokale teilstädtische Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs VAG stellte für den Transport der Rechten auch des öfteren kostenlose Bahnen und Busse zur Verfügung um Kundgebungen und Demonstrationen zu erreichen. Die CSU Langwasser lädt zu ihrem Neujahresempfang einen Steigbügelhalter des Faschismus Namens Hans-Georg Maaßen ein und rollt damit jemanden den roten Teppich aus der offen rassistische Hetze betreibt, faschistische Übergriffe verharmlost, den Klimawandel leugnet und die Kriminalisierung jener fordert die sich dem Wahn einer „deutschen Leitkultur“ nicht beugen wollen. Im vergangenen Jahr lief begleitet von Zivilpolizei ein CSU Mitglied gemeinsam mit anderen FaschistInnen samt Fackeln über das Reichsparteitagsgelände, einem Ort den dann auch der Leiter des Kulturhauptstadtbüros Hans-Joachim Wagner vollends geschichtsvergessen in eigenen Worten zu würdigen weiß: „Das hat eine unglaublich hohe, großstädtische Qualität. Es hatte schon fast so eine Berliner Wannsee-Anmutung, ein städtischer Naherholungsort, ich mag das sehr“. Da bekommt das Motto der Kulturhauptstadtsbewerbung „Past forward“ (wortwörtlich „Vergangenheit vorwärts“) eine wirklich treffende Bedeutung.

Exploring Reality – Welt als Aufgabe?!
Nicht weniger fragwürdig wird die Bewerbung wenn wir uns auf unsere konkreten Lebensrealitäten als Arbeitende und MieterInnen besinnen. Die Stadt Nürnberg belegt nach Zahlen des paritätischen Wohlfahrtsverbands im Jahr 2018 bundesweit den 2. Platz der Städte mit der höchsten Armutsgefährdungsquote. Die Mieten stiegen in Nürnberg laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens F+P alleine zwischen 2007 und 2017 um 51%, wobei Nürnbergs SPD bis zur Stadtspitze die Existenz von Gentrifizierung leugnet und die Stadtregierung es sich nicht nehmen lässt trotz des Mangels an bezahlbarem Wohnraum die letzten ca. 200 Wohnungen in ihrem Eigentum über die vergangenen paar Jahre zu verramschen. Das obwohl immer mehr Menschen sich ihre Miete nicht mehr leisten können, die Zahl der Zwangsräumungen steigt, immer mehr MieterInnen auf weniger Wohnfläche leben und sich ihre Miete gar nicht so selten von gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe absparen müssen weil am Ende des Monats die Einkommen nicht mehr reichen. Denn auch hier vor Ort stagnieren die Löhne, wenn sie nicht real sinken (von den Renten und dem Arbeitslosengeld ganz zu schweigen). Dazu die fast jährlichen Steigerungen der Preise für den unverschämt teuren öffentlichen Nahverkehr der somit systematisch Menschen von der Mobilität ausschließt. Unsere Arbeitsverhältnisse sofern wir einer Lohnarbeit nachgehen, werden in Nürnberg wie im Rest der BRD immer härter und prekärer. Lokal boomt die Zeitarbeit in immer neuen Branchen, während befristete Verträge Normalität geworden sind und Stellen, die ehemals zum Leben reichten, in 450€ Jobs zergliedert wurden. Laut erhobener Daten des DGB Mittelfranken aus dem Jahr 2018 sind bereits 38,1 % der Lohnabhängigen NürnbergerInnen in sogenannten atypischen, also vor allem prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Seit Jahren nimmt der Anteil weiter zu und ein Ende der Entwicklung zeichnet sich nicht ab. Auch das für seine besonders repressive Methoden berüchtigte lokale Jobcenter tut als Drohkulisse zu unserer „Lebensqualität“ ihr Übriges, jedenfalls wenn die erniedrigende Behandlung auf dem Amt nicht schon längst Teil des eigenen Alltags ist. Unter solchen Verhältnissen ist Leben tatsächlich noch Überlebensaufgabe.

Embracing humanity – Menschlichkeit als Maß?!
Auch im Umgang mit Geflüchteten und im allgemeinen mit Menschen aus anderen Ländern wird in Nürnberg eine spezielle Kultur seitens der Stadtspitze, einiger Unternehmen und der Polizei gepflegt. So beherbergt Nürnberg mit dem Rüstungsunternehmen Diehl und den Konzernen Siemens und MAN Betriebe, die mit Krieg ihr Geschäft machen und damit Menschen zur Flucht zwingen. Das in Nürnberg ansässige Bundesamt „für Migration und Flüchtlinge“ stuft weite Teile des Kriegslandes Afghanistans als „sicher“ ein. Nicht zuletzt als Folge der Einstufung holt die Polizei am 31. Mai 2017 einen Auszubildenden aus einer Nürnberger Berufsschule um ihn nach Afghanistan abzuschieben – gegen die protestieren Menschen gehen sie mit roher Gewalt vor. 2018 stehen im Nürnberger Stadtteil Gostenhof vermummte SEK-PolizistInnen mit Sturmgewehren auf der Straße und belagern das Viertel um einen suizidgefährdeten Mann nach Afghanistan abzuschieben. Seit Herbst 2019 verfügt die Stadt über den von der Stadtrats-SPD geduldeten Albrecht Dürer Abschiebeflughafen, so dass die alltäglichen Deportationen von in Lagern (wie den lokal bestehenden „Ankerzentren“) konzentrierten entrechteten Menschen direkt vor Ort unternommen werden können. Für die geflüchteten Menschen, die vorerst der Perspektivlosigkeit und rassistischer Gesetzgebung unterworfen sind, sieht die Stadtpolitik die Unterbringung in Sammelunterkünften auf engstem Raum vor. Ein Teilschwerpunkt des Nürnberger Bewerbungsprogramms trägt zur Erinnerung den Titel Embracing humanity – Menschlichkeit als Maß? So viel also dazu.

Was nennt sich hier Kultur?!

Die Lebensrealität, derer die wir hier leben, entspricht der antisozialen Kulturvorstellung neoliberaler KommunalpolitikerInnen. Sie ist geprägt von Konkurrenz, Ausgrenzung und Prekarisierung um den UnternehmerInnen und InvestorInnen beste Ausbeutungsbedingungen und hohe Profite zu bieten. Für diese Kultur – für die sich die Stadtspitze mit zu verantworten hat, möchte sie sich adeln lassen?! Das ist nicht unsere „Kultur“ sondern die ihre. Ihr Verständnis von Kultur richtet sich gegen die Mehrheit der Stadtbevölkerung. Doch in Nürnberg haben wir Ansätze unserer eigenen Kultur, einer der Solidarität und des Widerstandes, die es weiter auszubauen gilt. Wir praktizieren sie in unserem Alltag, an unserem Wohnort, in der Arbeit und auf den Ämtern und sie wird sichtbar wann immer wir uns kollektiv gegen widrige Lebensbedingungen zur Wehr setzen. Kultur ohne Ausschluss schaffen oder einander bilden – ganz egal woher wir kommen.

In was für einer Stadt wollen wir überhaupt Leben?

Wir wollen eine Stadt gestaltet im Interesse der lohnabhängigen Mehrheit und nicht nach den profitgeleiteten Wünschen der InvestorInnen und Unternehmen. Wir wollen eine gemeinschaftlich selbstorganisierte Stadt von unten, keine der neoliberalen Vereinzelung. Wir wollen eine Stadt jenseits von Verdrängung, Ausschluss, Armut und Vertreibung, in der Wohnraum keine Ware ist – sprich jenseits kapitalistischer Verhältnisse. Doch dazu müssen wir damit beginnen uns zu organisieren. Dafür werden wir zwar mit ziemlicher Sicherheit keinen Titel gewinnen aber womöglich in einer Stadt leben, in der wir uns als freie wie gleiche Menschen gegenübertreten können und wir gemeinsam das Sagen haben. In Bezug auf die Kulturhauptstadt bedeutet das für uns, dass wir dem Spektakel nicht gleichgültig gegenüberstehen, sondern uns verweigern und dem Ganzen aktiv entgegentreten.

Kulturhauptstadt – Was soll das eigentlich?

Wer der Frage nachgeht, warum eigentlich solche Wettbewerbe zwischen Städten stattfinden und warum sich ganz unterschiedlich aufgestellte Kommunen begeistert in die Konkurrenz stürzen, der muss wie in anderen Fällen auch die Frage stellen: wem nutzt es? Zu Beginn sollten wir uns deshalb die Lage der Kommunen in diesem Land vor Augen führen. Neoliberalen Grundsätzen folgend, wurden den Städten in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Opfer abverlangt. Es wurden staatliche Mittel und Zuschüsse gekürzt bzw. gestrichen und die Kommunen werden herangezogen um die, durch Förderung und Steuererlasse für Konzerne und Banken, entstandenen Löcher in den staatlichen Haushalten zu stopfen. Die ganze Misswirtschaft fand ihren vorläufigen Höhepunkt in der Finanzkrise 2008, in der Milliarden für die Rettung von Pleite-Banken aus den öffentlich finanzierten Haushalten schamlos abgezweigt wurden.
Anstatt sich der von den Regierungskoalitionen unter Kohl, Schröder und Merkel gezielt vorangetriebenen Entwicklung entgegenzustellen, haben sich die städtischen Verantwortlichen getreu der neoliberalen Doktrin vom schlanken Staat am Ausverkauf öffentlichen Eigentums beteiligt, haben wo es ging Gelder eingespart. Kulturellen und sozialen Einrichtungen werden seitdem die Etats gekürzt bzw. gestrichen und sie wurden in Folge kommerzialisiert um sich selbst zu tragen. Doch Kommunen entledigten sich nicht nur hier ihrer sozialen Verantwortung, sie verschleudern städtisches heißt öffentliches von der Mehrheit finanziertes Eigentum, wie zum Beispiel Wohnungen und Grundstücke, um der Verschuldung Herr zu werden. Gleichzeitig wurden kommunale Gewerbesteuern gesenkt um Banken und Konzernen in der internationalen Konkurrenz den Rücken zu stärken. Die städtischen Haushalte gerieten durch all diese Umverteilungen öffentlicher Gelder von unten nach oben -zu Gunsten dieser Minderheit- immer mehr in Zahlungsschwierigkeiten. Einige schlitterten direkt in die Pleite. Da kommen kommerzielle Kulturgroßevents, Olympia-, WM- Bewerbungen oder eben der Wettbewerb um den Titel Kulturhauptstadt gerade Recht. Hier winken den Kommunen Zuschüsse und Fördergelder mit deren Hilfe sie die selbst gemachten Haushaltslöcher zumindest zeitweise stopfen können. Diese Events und Wettbewerbe liegen auch ganz im Interesse von Konzernen, Banken und anderen Profiteuren der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Die Städte werden gezwungen kulturell aufzurüsten, beispielsweise durch Kulturhauptstadt-Wettbewerbe und sollen dadurch ein attraktives Umfeld schaffen, dass durch die so genannte Digitalisierung benötigte Arbeitskräfte von Nah und Fern anzieht. Das bedeutet auch, dass die Messestadt Nürnberg für immer neue Messeevents anziehend wird, was den Bau von Hotels, Pensionen und die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen nach sich zieht. Der kontinuierliche Ausbau der Messe und die wachsende Zahl von TouristInnen in der Stadt sorgen des weiteren für lohnende Geschäfte der lokalen Wirtschaft. In der Folge steigen die Preise für Grundstücke, Immobilien, Mieten und alle anderen Artikel des alltäglichen Bedarfs. Läden, Kneipen, Zentren, kleine Galerien geraten in Zahlungsnot, verschwinden und werden durch noble, für viele nicht bezahlbare, Konsumtempel ersetzt. Die kulturelle Aufwertung durch diese Großevents und Titel verschaffen den Gewinnerkommunen ein hippes und aufstrebendes Image, das ein zahlungskräftiges Klientel anzieht. Menschen werden so nach und nach aus ihren Stadtteilen verdrängt und vertrieben. Die Zeche bezahlen also einmal mehr wir, die Mehrheit jener Stadtgesellschaften. Die eingangs gestellten Fragen, wem nutzt das Ganze und warum gibt es den überhaupt einen Kulturhauptstadt-Wettbewerb, beantwortet sich deshalb relativ simpel: Der Kulturhauptstadt-Wettbewerb nutzt in erster Linie einer gesellschaftlichen Minderheit von KapitalistInnen, soll noch mehr Profit in ihre Kassen spülen und zu diesem Zweck die bestehenden Stadtgesellschaften auf unsere Kosten umstrukturieren. Andererseits nutzt er den Kommunen und den dort regierenden Parteien, ihre, im Interesse des Kapitals selbst angerichteten, Finanzprobleme vorerst unter Kontrolle zu halten.

drucken | 17. März 2020 | organisierte autonomie (OA) Nürnberg

Terminkalender

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk