Klassenpolitik, Identität und Triple Oppression. Einige kritische Anmerkungen zur Debatte um den Hauptwiderspruch und den Erfolg der Neuen Rechten

Klassenpolitik, Identität und Triple Oppression. Einige kritische Anmerkungen zur Debatte um den Hauptwiderspruch und den Erfolg der Neuen Rechten

Zuerst erschienen im Autonomie Magazin

Von Raoul Hamlet

Für Austausch mit dem Autor schreibt an: raoul-hamlet@riseup.net

Haupt- und Grundwiderspruch

In jüngster Zeit sind einige Texte zum Thema Klassen- und Identitätspolitik erschienen (z.B. Dowling/van Dyk/Graefe 2017 und Mezzadra/Neumann 2017). In dieser Debatte ist auch der Begriff des Hauptwiderspruchs aufgetaucht. Unseres Erachtens müssen wir zunächst klären, was ein Hauptwiderspruch ist, und diesem vom Grundwiderspruch unterscheiden, mit dem hier möglicherweise eine Verwechslung vorliegt. Das (Haupt-)Widerspruchsdenken geht auf Mao und seine Schrift „Über den Widerspruch“ zurück (Mao 1968) und damit auf einen politisch-strategischen Ansatz, der primär an der revolutionären Praxis der Gesellschaftsveränderung interessiert ist. Das bedeutet, im Gegensatz zu einem theorieimmanenten Ansatz, der analytisch verschiedene Widersprüche gleichrangig betrachten kann, eine gewisse Priorisierung anhand einer „Hauptkampflinie“, weil im konkreten Kampf und seinen jeweiligen historischen Bedingungen nicht alle Widersprüche gleich entwickelt sind und mit den vorhandenen revolutionären Kräften auch nicht zu allen Zeiten gleichrangig behandelt werden können. Die Widerspruchsbestimmung und -bearbeitung seitens der revolutionären Organisation ist entsprechend eine andere, je nachdem, in welchem Umfeld und Kontext sie operiert. Davon zu unterscheiden ist der Begriff „Grundwiderspruch“, der auf Marx zurückgeht (Marx 1983: 250), sich auch bei Engels (1962: 227) findet und der eine analytische Kategorie darstellt. Grundwiderspruch meint die basale Strukturierung einer gegebenen Gesellschaft anhand der systemischen und polarisierenden Spaltungslinie in Klassen, die im Kapitalismus durch Enteignung der Arbeitenden von den Produktionsmitteln, also den Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital gekennzeichnet ist. Ein Beispiel: Droht eine hochgerüsteter Staat mit imperialistischem Krieg, könnte die Frage von Krieg und Frieden zum Hauptwiderspruch werden. Dieser ließe sich analytisch zwar auf die Kapitalakkumulation zurückführen, politisch-strategisch wäre aber auf die Kriegsfrage zu orientieren. Im Gegensatz zum Hauptwiderspruch, der durch praktische Erwägungen bestimmt ist und sich an ebensolchen orientiert, sich folglich in verschiedenen Kampfphasen auch ändern kann, ist der Grundwiderspruch innerhalb eine Produktionsweise unaufhebbar, d.h. er ändert sich nicht, solange diese besteht (auch wenn seine Erscheinungsformen unterschiedliche Gestalt annehmen können). An diesem Begriff gilt es unbedingt festzuhalten, weil sonst die Analytik der Gesellschaftsformation insgesamt ihre Tiefenschärfe verliert. Wie werden noch sehen, ob und inwiefern der Begriff eine Integration anderer Unterdrückungsverhältnisse ermöglicht. Des Weiteren sind die Begrifflichkeiten zu klären, mit denen der Ausdruck der gesellschaftlichen Widersprüche zu bestimmen ist.

Triple oppression – Class

Innerhalb des Kapitalismus ist Klasse als Spaltungslinie ein gesellschaftliches Verhältnis. Daraus geht hervor, dass es sich um eine relationale Struktur handelt, da eine ausgebeutete Klasse ohne eine ausbeutende nicht existieren kann und umgekehrt. Dieses Strukturverhältnis sagt zunächst nichts darüber aus, dass die Klasse funktionell und räumlich, durch Fragmentierung der Produktion, Rechtsverhältnisse, Geschlechterverhältnisse und »Rassifizierung« gespalten ist, aber darüber, dass die Arbeitskräfte, als variables Kapital (Marx 1962: 214ff), Teil des Kapitalverhältnisses sind, in dem und gegen das sie zugleich kämpfen. Ein revolutionärer Klassenbegriff kann demnach nur ein negativer sein, sofern die ArbeiterInnenklasse eine an ihrer eigenen Aufhebung interessierte Klasse ist, wie Tronti bereits 1966 hervorhob (Tronti 1974). Die Enteignung durch die ursprüngliche Akkumulation (Marx 1962: 741ff) ist kein historisch einmaliger und abgeschlossener Vorgang, sondern wiederholt sich täglich durch das zur Klasse gemacht, in das Klassenverhältnis hinein gezwungen werden (Reitter 2006). Die Klassenspaltung als Verhältnis ruft also eine Interaktion hervor, die Klassenauseinandersetzung bzw. den Klassenkampf. Die Dialektik des Klassenkampfes liegt dann eben darin, als Teil des Kapitalverhältnisses entsprechend innerhalb desselben kämpfen zu müssen (worin ja ein Teil des zur Klasse gemacht werden gerade liegt); und dieses zugleich zu transzendieren. Somit muss die Klasse als Klasse kämpfen und sich, dies ist der Prozess der Revolution, als Klasse (der Lohnarbeiterinnen) aufheben (ein Punkt, der in produktivistischen Vorstellungen, wie sie in der Sowjetunion vorherrschten, wenig Beachtung fand, ebenso wie in rein entwicklungsmodernistischen oder national begrenzten Vorstellungen). Eine progressive Identifizierung mit der Klasse meint folglich keine Arbeittsreligion und keinen Klassenstolz, sondern als rein negative das Bewusstsein von der eigenen Ausbeutung und die Forderung, der Wille, nicht mehr LohnarbeiterIn sein zu müssen, die vorgesehene Funktion abzulehnen und sich gegen das zur Klasse gemacht werden zu Wehr zu setzen, stetig daran arbeitend, sich als Klasse aufzuheben. (vgl. Reitter 2004, vgl. Holloway 2004: 165). Gemeinsame Erfahrung ist jedoch nur in gemeinsamen Kämpfen möglich, und diese werden zunächst immer um jeweils konkrete Anliegen geführt. Dabei ist es sowohl die Selbstwahrnehmung als gesellschaftliches Subjekt innerhalb der gesellschaftlichen Totalität als auch der Abbau von Vorurteilen zwischen den Angehörigen und Segmenten der Klasse möglich. Und erst der Kampf konstituiert dann die Klasse als Subjekt (vgl. Thompson 1987).

Im Gegensatz dazu steht ein substanzialistischer oder essenzialistischer Begriff, der die Klasse als von vorneherein homogenes und mit bestimmten (soziologischen) Merkmalen versehenes Subjekt wahrnimmt und sich historisch und noch heute im orthodoxen im Partei-Marxismus findet. Verbunden wird dieser Klassenbegriff mit einer auf Hegel zurückgehenden Geschichtsphilosophie, durch die dieses homogene Subjekt noch mythologisch aufgeladen wird, indem es als Vollstrecker des – linear gedachten – geschichtlichen Fortschritts fungieren soll. Die Fragestellung reduziert sich hier weitgehend auf die richtige Führung dieser Klasse (durch die Partei als Avantgarde). Die Frage, warum dieses einheitliche Subjekt nicht wie prophezeit revolutionär ist, wird meist reduktionistisch mit der ursprünglich auf Lenin zurückgehenden Bestechungsthese und der Arbeiteraristokratie erklärt (Lenin 1971). Noch bedeutsamer ist jedoch, dass mit dieser Herangehensweise die Ausbeutung, und erst Recht nicht der Zusammenhang entfremdeter Arbeit, adäquat aufzuheben sind. Die Klasse bleibt dann wie sie ist, eine ohne arbeitende, ohne die Macht zu bestimmen, was wo wie wann wofür produziert wird; lediglich das Kommando über die Arbeit wechselt und mit ihm die gesellschaftlichen Steuerungsmechanismen.

Gender

Dem gegenüber ist es das Verdienst der feministischen Bewegung gewesen, nachdrücklich auf das Thema Mehrfachunterdrückung (James 1975, vgl. Dalla Costa 1973) hingewiesen zu haben, was Viehmann (1991) dann als Theorem der triple oppression in den deutschsprachigen Diskurs eingeführt hat: race class und gender. Es ist nun von der wechselseitigen Durchdringung, der Intersektionalität, dieser Verhältnisse auszugehen, wobei zu klären bleibt, wie diese Interdependenz konkret aussieht und wie sie wirkt. Gender verweist in Gegensatz zum sex, den biologischen Unterschieden, auf das gesellschaftlich-soziale und kulturell konstruierte, nicht das quasi natürliche Geschlecht. In patriarchalen Verhältnissen werden Frauen aber als Frauen unterdrückt und diskriminiert, eben weil sie Frauen sind (vgl. Federici 2015). Dies ist ein entscheidender Punkt, weil eine reine „Dekonstruktion“ des Geschlechterverständnisses, also die Infragestellung kultureller Werte und Normierungen, selbst wenn sie sich allgemein durchsetzt, dieses Verhältnis nicht aufhebt, weil sich konstruktivistische und sozial-materielle Praktiken auf unterschiedlichen Ebenen bewegen. Das Geschlecht ist hier also auch nicht nur Konstrukt, sondern besitzt eine Realität, die sich für die Betroffenen negativ auswirkt. Diese ist nur aufzuheben, wenn Frauen sich als Frauen – autonom – organisieren um diesen Widerspruch aufzuzeigen und er nicht einfach anderen Verhältnisses subsumiert wird. Sinnvollerweise aber ist sich eine solche Organisierung des Zusammenhangs mit der im kapitalistischen Sozialverhältnis stattfindenden Ausbeutung und der von dieser geprägten gesellschaftlichen Form des Patriarchats bewusst.

Race

Race als Begriff ist insofern problematisch, als er sich noch weniger als gender auf biologische Differenzen berufen kann bzw. das als Rassenlehre heute nur bei einer ausschließlich reaktionäreren, eben rassistischen, Verwendung tun kann, die dann exakt in der Intention der Verwendung liegt. Insofern macht es auf unserer Seite mehr Sinn, von Rassismus oder »Rassifizierung« (Clover 2016) als von race zu sprechen. Rassismus ist als Diskriminierungspraxis gerade darauf aus, eine Unterschiedlichkeit zu proklamieren, die als Rechtfertigungsgrundlage für die Abwertung und Stigmatisierung der vermeintlich Anderen dienen soll. Rassismus ist heute, gleichwohl bürgerliche Staaten wie die Bundesrepublik keine rassistischen Staaten in dem Sinne sind, dass sie offen von der Ungleichheit der Menschen ausgehen, in das System eingeschrieben, also systemisch, aber rechtlich nicht oder nur in Ausnahmefällen, wie z.B. im NS-Faschismus durch die Nürnberger Rassengesetze, ausdrücklich verankert, während das Grundgesetz prinzipiell von der Gleichheit der Menschen ausgeht. Rassismus umfasst jedoch beides, sowohl die reale Ab- und Ausgrenzungspraxis wie auch die vorausgehende Einteilung der Menschen durch Nationalitäten, Pässe usw., auf deren Grundlage Staaten sehr wohl rassistisch handeln, wie sich allein an ihrer Grenzpolitik leicht nachvollziehen lässt. Das bedeutet, dass auch in diesem Fall eine Zuschreibung durch Apparate (und Mitbürger) stattfindet, die unabhängig von der Selbstzuschreibung der/des Einzelnen funktioniert. Anders gesagt, die Erkenntnis, dass es keine menschlichen Rassen gibt, hebt noch nicht die Existenz und Wirkungsweise von Rassismus auf. Begriffliche Kritik ist deshalb wichtig, aber allein nicht ausreichend. Auch geht die Erwartung fehl, dass vor allem die von Rassismus selbst nicht betroffenen Teile der arbeitenden Klasse den Widerspruch bearbeiten. Anders ausgedrückt, warum sollten die von Rassismus betroffenen Teile der Klasse warten, bis ihre Diskriminierung als allgemeiner Widerspruch anerkannt wird, statt sich hier und heute selbst darum zu kümmern? Die Black Panther in den USA sind das prominenteste Beispiel, wie ein radikales antirassistisches Organisierungsmodell samt Selbstverteidigungskonzept aussehen kann. Wenn also Betroffene sich zusammenschließen und wehren, also Selbstorganisierung statt Stellvertreterpolitik betreiben, schließt dies natürlich weder eine solidarische Bezugnahme von außen noch die Beteiligung selbst nicht betroffener Menschen aus. Im Gegenteil, die Verbreiterung ihres Anliegens, also der Schritt von Minderheitenpolitik zum allgemeinen Kampf kann quasi als Erfolgskriterium angesehen werden.

Strukturalität des Klassenbegriffs

Kommen wir zum Begriff des Grundwiderspruchs zurück: Wir können erkennen, wie sich diese Verhältnisse aufeinander beziehen lassen und worin ihr Zusammenhang besteht. Gehen wir von einer grundlegenden Spaltung der Gesellschaft in Klassen aus, so können wir eine weitere Differenzierung innerhalb der subalternen Klasse anhand der Lohnfrage vornehmen (Cleaver 2011). Zu Klasse gehören eben nicht nur männliche weiße Industriearbeiter, sondern ebenso StudentInnen, Hausfrauen, MigrantInnen, Erwerbslose und prekär Beschäftigte, die Surplusbevölkerung usw., also alle Enteigneten, die nicht über Kapital verfügen, um entsprechend fremde Arbeitskraft zu ihrem Nutzen ausbeuten zu können, sondern nur die potentielle eigene Arbeitskraft besitzen. Daran haben weder die materielle Besserstellung eines Teils dieser Klasse, noch die Überflüssigkeit eines anderen Teils etwas geändert. Nehmen wir den Reproduktionsbereich, den blinden Fleck des traditionellen Marxismus in puncto Hausarbeit hinzu, welcher direkt die Bereitstellung und Erhaltung der Arbeitskraft für den Arbeitsmarkt leistet, so findet hier unentgeltliche Arbeit für das Kapital statt. Da dieser Bereich nach wie vor überwiegend von Frauen verrichtet, und dies bis zu einer umfassenden Vergesellschaftung des Produktions- und Reproduktionsbereichs auch so bleiben wird, ist Sexismus anhand der Lohnfrage sowie der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung objektiv in das Klassenverhältnis eingelassen. Die Hierarchisierung anhand des Lohns wird so deutlich erkennbar: ArbeiterInnen werden im Lohnverhältnis ausgebeutet, migrantische Arbeiterinnen und Geflüchtete erhalten, aufgrund ihrer numerisch und auch rechtlich schlechteren Kampfposition niedrigere Löhne (Rassifizierung meint hier dann nichts anderes als die Überausbeutung eines Teils der Klasse) und HausarbeiterInnen erhalten gar keinen Lohn, so dass sich hier eine Verschränkung der Unterdrückungsverhältnisse und der Ausbeutung unter dem Kommando des Kapitals erkennen lässt. Insofern kommt es entscheidend auf die Untersuchung der Klassenzusammensetzung im jeweiligen Kontext an, wie es die italienischen OperaistInnen bereits seit den 1960er Jahren vorschlagen (vgl. Pozzoli 1972).

Linke Klassenpolitik

Genau diese Brüche und Widersprüche gilt es, fruchtbar und zum Ausgangspunkt linker Politik zu machen (Friedrich 2017). Es ist kein Widerspruch, Rassismus und Sexismus als eigenständige Formationen wahrzunehmen, an die von oben appelliert werden kann, und sie zugleich als in das Ausbeutungsverhältnis eingeschrieben zu begreifen (worin sie natürlich nicht aufgehen). Es ist ebenfalls kein Widerspruch, eine Politik der Betroffenen (und aller mit ihnen solidarischen) Menschen und eine Klassenpolitik miteinander zu vereinbaren, weil die von Rassismus und Sexismus Betroffenen zu ihrer überwiegenden Mehrheit eben auch von Ausbeutung, und da ganz besonders gravierend, betroffen sind. Viele AutorInnen verkennen in der Debatte, dass sich das Verdikt der Identitätspolitik heute überwiegend nicht gegen Teilbereichs- oder Minderheitenpolitiken richtet, sondern vor allem gegen die Klassenpolitik in Stellung gebracht wird (Mezzadra/Neumann 2016). Diese Haltung ist, sofern sie nicht den negativen, sondern den vulgärmarxistischen Klassenbegriff kritisiert, zunächst keine prinzipiell falsche. Hingegen ist meine Kritik an der »Kulturlinken« demzufolge nicht, dass sie Sexismus, Rassismus und Nationalismus kritisiert, sondern das sie das tut, ohne dies im Zusammenhang mit Sozialstruktur und Klassenspaltung, mit Nationalstaat und den Strategien des Kapitals zu betrachten, also eben nicht als materielle Realität begreift. Sie tut es als Kritik am Bewusstsein der Menschen, als reine Ideologiekritik, und wirft zu selten die Frage auf, wie denn Phänomene wie Nationalismus in die Köpfe hineinkommen. Das bedeutet, sie kehrt den Ökonomismus des Marxismus-Leninismus einfach um: anstatt nur den Klassenwiderspruch zu sehen, wird dieser gänzlich missachtet. Ohne Aufhebung des Grundwiderspruchs kann Befreiung aber niemals vollständig sein, denn alleinige Artikulationen anderer Unterdrückungsverhältnisse bleiben notwendigerweise partikularistisch.

Repressive Liberalisierung und Identität

Einen radikalen Standpunkt einnehmen, bedeutet, den Kern eines Problems zu benennen und anzugehen, bedeutet aber auch, sich der herrschenden Vereinnahmung zu entziehen. Anerkennungsfragen sind gegenüber der Diffusion bzw. Zersetzung von Macht und Reichtum leichter zu integrieren. Aber auch nur-ökonomistische Forderungen führen die ArbeiterInnenbewegung in das System hinein und nicht über es hinaus, wie die Geschichte gezeigt hat: Ohne Kritik der Lohnarbeit sind Arbeitskämpfe integrierbar und ohne sozialistische Perspektive bleibt Identitätspolitik nur liberal. Ein liberaler Feminismus ist beispielsweise zu einem gewissen Grad integrierbar, weil eine formell-rechtliche Gleichstellung mit der Grundlage der Ausbeutung vereinbar ist – formelle Gleichheit bei realer Ungleichheit. „Von der Kapitalismuskritik abgekoppelt“, werden emanzipatorische Inhalte gar „für gegensätzliche Auslegungen“ verfügbar (Fraser 2009), wie dies im Neoliberalismus auch deutlich sichtbar der Fall ist (für die Vereinnahmungen fortschrittlicher kultureller Phänomene im Allgemeinen vgl. Marcuse 1973: 76ff). Es ist die Dialektik der Identitätsfrage, dass Identitäten zunächst von Außen, durch Verhältnisse oder Zuschreibungen, konstituiert werden. Um sie zu überwinden, muss daher tatsächlich zunächst eine Anerkennung der Zuschreibungsvorgangs (nicht der Zuschreibung selbst) bzw. ein Verständnis stattfinden, wie dieser funktioniert, um sie dann kollektiv und organisiert zurückzuweisen. Rassismus ist eine offen zutage tretende Unterdrückung, Ausbeutung eine verschleierte Form innerhalb der Produktionsverhältnisse jenseits der Oberfläche der gesellschaftlichen Verkehrsformen. Während das Empfinden von rassistischer Diskriminierung ausreicht, um sich gegen Rassismus zur Wehr zu setzen, muss das Bewusstsein der eigenen Ausbeutung der Entscheidung, den Kapitalismus in Frage zu stellen, vorausgehen, und diese ist dann noch nicht gleichbedeutend mit der Position, nicht mehr LohnarbeiterIn sein zu wollen, die sich in einer ganz anderen Widerstandstiefe befindet. Hier sind mehrere Ebenen fetischisierten Bewusstseins und Verrätselung gesellschaftlicher Verhältnisse zu durchdringen. Und um letztlich mit dem Patriarchat zu brechen, reicht es nicht aus, Kritik auf begrifflicher Ebene vorzutragen oder gleiche Rechte einzufordern, die Frauen dann, bei allem Fortschritt, in die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt eintreten lassen und die Pflichten des Mannes noch zusätzlich zu ihren eigenen, »weiblichen« auferlegen, während das kapitalistisch-patriarchale Gesamtverhältnis unangetastet bleibt.

Kontinuum des Klassenkampfs

Außer Acht lassen dürfen wir keineswegs, das Klassenkampf immer stattfindet, egal ob er seitens der Linken wahrgenommen oder geführt wird oder diese an ihm partizipiert. Da es sich um ein relationales Verhältnis handelt, findet er auch statt, wenn einer der beiden Akteure sich nicht bewegt. Von oben wird er allerdings immer geführt, denn das Kapital kennt aus sich heraus keine Grenzen1, wenn der Klassenkampf, und damit das Recht als Kompromisslinie in umkämpften Verhältnissen, sie ihm nicht setzten. Der Antagonismus ist ein prinzipieller, strukturell verankerter, an dem auch die sozialstaatliche Absicherung und der Massenkonsum des Fordismus nichts ändern. Dieser beruhte jedoch auf spezifisch-historischen Bedingungen bzw. Voraussetzungen, die als solche nicht einfach wiederholbar sind, und war immer exklusiv, ausschließend gegenübern Gastarbeitern, Frauen, und durch Imperialismus und internationale Arbeitsteilung, auch nach außen hin, eben sozial-national. Eine solche partikulare Sicht ist „Sozialstaatsillusion“ „methodischer Nationalismus“ und „Euro-Zentrismus“. (Roth 2012).

Nationalismus

Andersherum ausgedrückt: Ein Stück weit ist der Nationalismus der ArbeiterInnenklasse sicherlich auch dadurch motiviert, dass sie ein Interesse daran hat, die (exklusive) Verteidigung der Möglichkeiten und Rechte, die sie im historischen Prozess sozialer Kämpfe errungen hat und die der Staat als verantwortliche Instanz mit ihrer Anerkennung als StaatsbürgerInnen (und bestimmten anderen gesetzlichen Einschränkungen der Kapitalseite) rechtlich, aber eben nur im nationalen Kontext, verallgemeinert hat, beizubehalten. Insofern hat der Nationalismus von unten mit der „Nationalisierung“ der Arbeiterklasse ebenso ein objektives Fundament wie es der Nationalismus von oben in der Nationalökonomie hat, also in der Aufgabe, ein nationales Gesamtkapital zu repräsentieren (vgl. Sandleben 2017). Hingegen waren gerade die Teile der arbeitenden Klasse, die jenem Integrationsprozess weniger oder überhaupt nicht unterlagen, diejenigen deren Kämpfe die ausgeprägtesten waren. Es sind die nicht-privilegierten und nicht die privilegierten Segmente der Klasse, die den Kampf beginnen, und durch ihre autonomen Kämpfe die Klasse insgesamt stärken, während die Annahme eines homogenen Subjekts die Kampfposition schwächt, weil sie die Spaltungen unsichtbar macht (vgl. Cleaver 2011). Klassenkampf meint also auch den Kampf um die Klasse, als Kampf um ihre Vereinheitlichung mittels Widerspruchsbearbeitung (und nicht mittels Widerspruchsnegation).

Subjektbewusstsein, Neoliberalismus und Neue Rechte

Gleichzeitig gilt es anzuerkennen, dass die herrschenden Verhältnisse, also sowohl Erziehung und ideologische Apparate als auch Ausbeutungs- und Unterdrückungserfahrungen etwas mit den Menschen machen, sich in ihrem Inneren niederschlagen. Das ist sozusagen die Innenseite des Klassenkampfes (Eisenberg 2016). Das Patriarchat bietet ebenso wie der Rassismus den Ausgebeuteten gewisse Kompensationen für ihre Ohnmachtserfahrungen. Rechte Bewegungen setzen genau an diesem Punkt an und verstärken sie, linke müssen sie mühsam abtragen. Daher ist ein Bewusstsein eben notwendig ein fragmentiertes, aber auch auf realen Erfahrungen der Spaltung basierendes. Diese Ein- und Auswirkungen und die daraus folgenden Dispositionen müssen wir auch in unsere Analysen einbeziehen. Insofern meint Veränderung immer auch Selbsttätigkeit, und Selbstbefähigung (Goes/Bock 2017, vgl. Autonomie Magazin 2017).

Ganz entscheidend ist, dass Neoliberalismus und Neue Rechte keine Gegensätze sind. Im Gegenteil müssen wir bei jeder Gelegenheit zeigen, dass der Neoliberalismus als Projekt im Dienst des Kapitals ein politisches Regulierungskontinuum aufweist, dass von seiner sozialdemokratischen Abmilderung und Einhegung (Partei Die Linke) bis zu seiner absoluten Verschärfung in jeder Hinsicht (Neue Rechte) reicht. Viele Prämissen teilen marktradikale Neoliberale und Neue Rechte, so die Auslese durch funktionelle Kriterien wie Verwertbarkeit, welche die Rechte zusätzlich ethnisch-völkisch auflädt, den starken Staat in der Repressionsfrage bei gleichzeitigem Rückzug aus dem Sozialen, die Verschärfung des Klassenkampfes usw. (Vgl. Schui 1997). Die Rechte ist also der schärfste Ausdruck des Klassenkampfes von oben, für dessen gewaltsame Durchführung sie zugleich eine Massenbasis rekrutiert. Das immer wieder herauszustellen ist essentiell. Linke Klassenpolitik ist also ein Kampf, der zugleich die Verschärfung der Ausbeutung wie die Verschärfung der Unterdrückung und Ausgrenzung von Minderheiten unter Rechtsregierungen, wie der Rollback in der Geschlechterfrage auf- und angreift. Eine Bekämpfung rechter Politik macht entsprechend nur Sinn, in dem ein internationalistischer und sozialer Standpunkt behauptet wird, nicht, indem man selbst nach rechts rückt.

Antifaschismus und kapitalistisches System

Wir gehen davon aus, dass die AfD mit 13 % der Wählerstimmen das latent vorhandene Potential an reaktionären und autoritären Einstellungsmustern von 20% recht gut abrufen konnte, aber hauptsächlich wegen der Flüchtlingsfrage erfolgreich war. An diesem Punkt gilt es festzustellen, dass es neben notorischen RassistInnen auch Menschen gibt, die (ursächlich unbegriffene) Existenz-, Abstiegs- und Zukunftsängste haben, die die Rechten aufgreifen und systemaffirmativ ablenken (während die Linke es eben schwerer hat, weil sie die Ängste abtragen und erklären können muss). Real aber daran ist, dass eine Million Geflüchtete natürlich innerhalb des Systems der Konkurrenz auch eine Million zusätzliche Konkurrentinnen um Arbeitsplätze und Wohnungen bedeuten. In der Angst steckt eine Ahnung von der Krisenhaftigkeit des kapitalistischen Globalsystems ebenso wie von den Strategien des Kapitals, die uns spalten. Sehen wir das nicht, ignorieren wir ja gerade wieder die Brüche innerhalb der Klasse. Das bedeutet aber, dass das Problem nicht unbedingt bereits mit dieser Wahrnehmung anfängt, sondern erst mit der Ethnisierung des Sozialen beginnt. Gleichfalls dürfen wir theoretisch das Verständnis des Kapitals nicht als „automatisches Subjekt“ einebnen, da wir uns die Möglichkeit verstellen, Strategien als solche zu erkennen und den Unmut dahin zu richten, wo sie ihren wahren Ursprung hat: im Kapital als Klasse. Anders gesagt, wenn der Aufstieg der Rechten Ausdruck der Krise des kapitalistischen Systems ist, dann muss der antifaschistische Kampf auch an diesem System ansetzen (Wiegel 2017).

Kommunismus als reale Bewegung

Ohne Thematisierung der Machtfrage können linke Strategien nur reformistisch sein. Das Klassenverhältnis kann partiell befriedet werden, ist aber innerhalb des Kapitalismus niemals aufhebbar, weil es eben seinen grundlegenden Mechanismus bildet. Also ist schon strategisch auf dessen Aufhebung als Ansatzpunkt zu orientieren. Der Kapitalismus breitet sich bis in den letzten Winkel der Erde aus und trachtet danach, alles nicht kapitalistische zu unterwerfen und nach Verwertungsinteressen neu zu formen. Es universalisiert sich also. Weiterhin ist anzuerkennen, dass es eben auch ein universelles Interesse aller Menschen an der eigenen Erhaltung gibt, das der Kapitalismus bedroht, das aber zugleich gegenwärtig nur durch die Existenz innerhalb des Kapitalverhältnisses zu haben ist, also den Zwang, durch Lohnarbeit die Mittel zur eigenen Reproduktion, zum Überleben zu erlangen. Daraus folgt, nach wie vor an dieses grundlegende, zunächst abstrakte, das eigene, aber letztlich universelle Interesse zu appellieren (Chibber 2015, Bratanovic 2017a), um die Befreiung von der Lohnarbeit hier und heute zu beginnen. Klassenkampf aber ist weitaus mehr als Interessenpolitik, er ist eine objektive Form. Klassenpolitik müsste daher heute zunächst einmal der Kampf um die und mit der Klasse sein, die aufgrund der Veränderungen im Produktionsprozess und der beschriebenen Spaltungslinien nicht als einheitliches Subjekt vorliegt. Politik, die an den gesellschaftlichen Widersprüchen ansetzt, bearbeitet dabei zunächst immer einen konkreten Punkt. Es ist die Dialektik zwischen Reform und Revolution, dass jeder erfolgreiche Kampf um mehr Lohn, für mehr Zeit, die Ausgangslage der Klasse insgesamt verbessert. Radikal ist daran, das dahinter liegende Verhältnis zu dechiffrieren und es auf die gesellschaftliche Totalität zurückzuführen, um einen gemeinsamen Erfahrungs- und Handlungszusammenhang zu beschreiten. Spaltungen sind eine Strategie des Kapitals und nützen ihm. Kommunismus ist nicht nur ein fernes Stadium, sondern die reale Bewegung, die den Kapitalismus aufhebt, die hier und heute an der Negation von Ausbeutung und Unterdrückung arbeitet (Marx/Engels 1969, vgl. Birkner 2014).

Fazit

Momentan ist von links oft ein dezidierter Anti-Populismus festzustellen. Zu arbeiten wäre an der Aufhebung der Trennung zwischen theoretischer Kritik und konkreter Praxis, die ihre historischen Gründe in der Geschichte der Arbeiterbewegung hat. Ohne marxistische Theorie, die sich nicht im akademischen Nimbus verliert, sondern die konkreten Verhältnisse analysiert, um den Kampf an ihnen und gegen sie auszurichten, wird es jedoch schwer, und das betrifft jede noch so neu erscheinende politische Form (z.B. aktuell das Konzept der Basisarbeit), den Rahmen von Sozialarbeit und Reformismus zu überschreiten. Während der Teil der Linken, der zumindest noch dem Anspruch nach klassenorientiert arbeiten will, meist dem reduktionistischen Klassenbegriff anhängt, hat sich die Theorie zwar weiter entwickelt, aber zunehmend akademisiert, d.h. von den sozialen Kämpfen entfernt. Ein linker Populismus (Boris 2015, Porcaro 2015), verstanden eben nicht als reine Affektpolitik, sondern als Popularisierung linker Ideen und Antworten, müsste zuallererst diese Diskrepanz überwinden. Linke Klassenpolitik hat die Klassenzusammensetzung zu analysieren schließlich stehen massive Prozesse der Überwachung, Konkurrenzverschärfung, Entrechtung und Überausbeutung durch neue Arbeitsregime im Zuge von Digitalisierung und vierter industrieller »Revolution« bevor sowie der besonderen Widerspruchsbearbeitung Rechnung zu tragen, die nur durch Diskussion auf Grundlage der Anerkennung des widersprüchlichen Alltagsbewusstseins möglich ist. Dass sich daraus automatisch eine Vernachlässigung der theoretischen Arbeit zugunsten der Agitation ergeben soll (Bratanovic 2017b), erscheint uns nicht zwingend nachvollziehbar. Populismus heißt für uns auch nicht, dem falschen Bewusstsein hinterherzulaufen, sondern einen Weg aufzuzeigen, wie sich gegen die Verhältnisse kämpfen lässt, also durch richtige Initiative eine konkrete Praxis voranzubringen, wie es in der militanten Linken der 1970er und 80er Jahre noch common sense war. Dafür muss die Linke vielleicht nicht die »Angst vor dem Volk« (Stegemann, zit. nach Dowling/van Dyk/Graefe 2017), aber wohl die Angst vor den sich in der Bevölkerung niederschlagenden Widersprüchen verlieren. Jede/r Linke ist von den Verhältnissen geprägt, psychisch wie materiell, und auch die linke Bewegung ist massiv gespalten. Überwinden wir diese Spaltungen, um über eine stärkere Kooperation tendenziell mit einer Stimme zu sprechen, um überhaupt wahrnehmbar zu sein. Dazu braucht es neue organisatorische Zusammenhänge und klare Orientierung über zentrale Fragen jenseits von Ein-Punkt-Politiken. Die radikale Linke hat dabei ihr Fundament der Aufklärung gegen alle Krisenphänomene und Irrationalismen zu behaupten. Dass die doppelte Frontstellung gegen Neue Rechte und Kapital gerade kein Gegensatz, sondern eine notwendige Voraussetzung ist, hoffen wir, hier dargelegt zu haben.

Literatur

Autonomie Magazin: Linker Stammtisch?! Rezension von Ein unanständiges Angebot? Mit linkem Populismus gegen Eliten und Rechte, 08.12.2018, autonomie-magazin.org/2017/12/08/linker-stammtisch-rezension-von-ein-unanstaendiges-angebot-mit-linkem-populismus-gegen-eliten-und-rechte/

Birkner, Martin: Lob des Kommunismus 2.0, Wien 2014

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Bratanovic, Daniel (2017b): Agitator und Propagandist – über einige Unzulänglichkeiten des Linkspopulismus und die Notwendigkeit einer theoretischen Patei, in: ebd., 70-102

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Eisenberg, Götz: Die Innenseite des Klassenkampfes, in: junge Welt, 19.12.2016: 12

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Fraser, Nancy: Feminismus, Kapitalismus und die List der Geschichte, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 8/2009: 43-57

Friedrich, Sebastian: Für eine »Neue Klassenpolitik«, in: ak. Zeitung für linke Debatte und Praxis, 627, 16.5.2017

Goes, Thomas E. /Bock, Violetta : Ein unanständiges Angebot? Mit linkem Populismus gegen Eliten und Rechte, Köln 2017

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Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Erster Band, in: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke (MEW), Band 23, Dietz Verlag, Berlin 1962, 214ff

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Viehmann, Klaus und Genossinnen: Drei zu Eins. Klassenwiderspruch, Rassismus und Sexismus in: Projektgruppe (Hrsg.): Metropolen(gedanken) und Revolution?, Berlin 1991

Wiegel, Gerd: Ein aufhaltsamer Aufstieg – Alternativen zu AfD und Co., Köln 2017

1„Für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“ Marx 1961: 801

drucken | 15. März 2018 | Prolos

Terminkalender

Samstag, 24.02.2024

Reclaim am 24. Februar: Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!?

Bald steht der 8. März und damit der internationale Frauenkampftag an. Die Parole wird auch dann wieder gerufen und wendet sich vor allem gegen die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland. Doch auch darüber hinaus nimmt der bürgerliche Staat massiven Einfluss auf unsere Lebens-und Familiengestaltung. Nicht immer ist das so offensichtlich und unmittelbar wie beim Abbruch. Ökonomische Gegebenheiten spielen in der kapitalistischen Gesellschaft ebenso eine Rolle wie politische Instrumente zur Regulierung von Kinderwunsch oder Verhütung.

Neben einem Input zu diesem breiten Themenfeld, habt ihr die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen zu Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch und Co zu stellen.

Wie immer gibt es leckeres Essen und von 19 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich über aktuelle Stadtteil-Themen auszutauschen. Wir freuen uns auf euch.

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk