Revolte in Iran: Brot, Arbeit, Freiheit

Im Dezember 2017 brachen in Iran Unruhen aus. Zunächst kam es in Maschad zu Protesten gegen Korruption und Teuerung, schon am nächsten Tag griff die Revolte auf zahlreiche weitere Städte über. Für die Medien endete Anfang Januar die Welle des Widerstands. Doch die Ursachen des Aufstands bestehen weiter. Streiks und Proteste in anderen Formen reißen noch immer nicht ab. Solidarität mit den Kämpfenden in Iran ist daher weiter gefragt.

Im folgenden Interview berichtet die in Deutschland lebende Exil-Iranerin Farzaneh über die Hintergründe der Revolte und die aktuelle Situation in ihrem Herkunftsland:

Ende Dezember begann in Iran der Aufstand, der schließlich über 20 Städte erfassen sollte. Was ist das Besondere an dieser Revolte?

Es gab einen Unterschied zu anderen Bewegungen und Revolten im Iran. Vorher sind eher die Studenten und die Mittelschicht an Aufständen beteiligt gewesen gegen die Islamische Republik.

Dieses mal erhoben sich die armen Leute. Jenseits aller Gruppierungen und Parteien standen sie in großen Massen auf. Einfach auf Grund ihrer realen Situation wehrten sie sich und protestierten gegen die Islamische Republik.

Das war die spezielle Situation dieses Jahr, die sich von den vorherigen unterschied.

Was war aus deiner Sicht der Auslöser für diese Revolte? Was ging dem voraus?

2017 – oder nach iranischem Kalender 1396 – gab es unterschiedliche Ereignisse, die zur Unzufriedenheit der Leute führten.

Ein Faktor waren die staatlichen Renten. Die Leute bekamen keine Rente mehr, zogen zur Rentenkasse, protestierten täglich und riefen Parolen des Inhalts: Seit Monaten rennen wir unserem Geld hinterher und bekommen nichts.

Dann gab es Insolvenzmeldungen mehrerer Banken, darunter die Kaspian-Bank – eine Tochtergesellschaft der iranischen Zentralbank. Sie zahlte Spareinlagen gar nicht oder nur teilweise aus. Andere bekamen zwar ihr Geld, aber keine Zinsen.

Die Immobilienfirma Shandis hat viel Geld abgegriffen von Anlegern und Bauvorhaben in verschiedenen Städten im Iran angekündigt. Z.B. ein Einkaufszentrum, verschiedene Geschäftsimmobilien, Banken, Privatwohnungen usw. Und auch sie hat Insolvenz angemeldet. Da waren Leute natürlich wütend. Sie bekamen ihr Geld nicht zurück, und wenn doch, war es sehr entwertet wegen der Inflation.

Dann gab es das Erdbeben in West-Iran in der Provinz Kermanshah. Die Erdbebenopfer zählten natürlich auf die Hilfe des Staates. Tags drauf verkündete Präsident Rouhani, dass man leider den Leuten nicht helfen und keine medizinische Hilfe ins Erdbebengebiet schicken könne. Am nächsten Tag wurden Spezialeinheiten in das Gebiet geschickt, weil man wusste, dass die Leute empört waren und Aufstände verhindern wollte.

Die Leute waren richtig wütend. Man konnte Interviews und Youtube-Filmen entnehmen wie zornig viele auf die Islamische Republik waren: darüber, dass sie im Stich gelassen wurden. Schließlich bekamen sie Hilfe von der Zivil-Gesellschaft, nicht aber von der Regierung. In den Interviews hieß es: ‚wenn die anderen Leute aus anderen Städten uns nicht geholfen hätten, wären wir gestorben‘.

Das war eine soziale Hilfsbewegung. Sie funktionierte gemeinschaftlich, solidarisch, aus Mitgefühl. Es wurden Hilfsgüter, Lebensmittel, Kleidung, Decken, Wasser in anderen Städten gesammelt.

Und da geschah etwas Unfassbares: An den Grenzen der Erdbebengebiete wurden Polizeiautos postiert. Die Polizei stoppte die von der Zivilgesellschaft organisierten LKW‘s, beschlagnahmte die Hilfsgüter, schickte die LKW‘s mit den Fahrern zurück, packte die Sachen selbst in kleinere LKW‘s, in denen auch ein Geistlicher mitfuhr, brachte sie ins Erdbebengebiet und behauptete: Die Regierung hat das für euch gesammelt.

Allen war aber klar, dass es eine Lüge war. Es wurde mehrmals gefilmt. Das war einfach so unverschämt, und das hat eine immense Wut erzeugt in den Menschen.

Auch Teile der Arbeiterklasse sind bereits seit Jahren im Aufstand, z.B. Arbeiter der Zuckerfabrik Haft Tappeh im Süden. Sie haben zu wenig zu Essen, sie bekommen zu wenig Lohn, warten teilweise Monate lang auf die Auszahlung und können ihre Familien nicht mehr versorgen.

Noch ein wichtiger Faktor: Präsident Rouhani veröffentlichte den Haushalt für 2018. Das Verteidigungs-Budget ist absurd hoch und auch das schürt den Zorn der Bevölkerung. Das Budget z.B. für Renten und Gesundheitsversorgung hingegen beträgt nur einen Bruchteil dessen, was für religiöse Gemeinden bereitgestellt wird. Und das ist natürlich empörend, wenn man weiß, dass man sein Kind nicht ins Krankenhaus bringen, es nicht operieren lassen kann und es vielleicht sterben muss, weil es nicht versorgt werden kann. Aber für die religiösen Gemeinschaften, die keinerlei Nutzen für die Gesellschaft haben, ist ein enorm hohes Budget vorgesehen.

Die Situation ist seit Jahren reif für Aufstände. Aber dieses Jahr kamen mehrere Faktoren zusammen und bereiteten den Boden für die Massenaufstände.

Wie war der Ablauf der Ereignisse. Wie hat sich die Revolte entwickelt?

Es gibt immer wieder Konflikte zwischen „reformerischen“ Kräften in der Regierung und den konservativ-klerikalen. Beide Seiten wollen die Macht und ihre Interessen durchsetzen. Seitdem Rouhani Präsident ist in Iran – er gehört zur reformerischen Fraktion – haben die Konservativen viel gegen ihn intrigiert.

Rouhani hat die Wahlen gegen deren Kandidaten Raisi gewonnen und das ging natürlich den Konservativen gegen den Strich. Kurz vor den Aufständen hat Alamolhoda – der Schwiegervater Raisis – in einem Freitagsgebet die Leute gegen Rouhani und seine Regierung gewettert, er sei Schuld an diesem Bauskandal und der Bankeninsolvenz. Er glaubte die Situation unter Kontrolle zu haben. Er wollte lediglich Rouhanis Macht untergraben, aber es ist aber nicht so gekommen wie er wollte. Die Sache ist eskaliert. Wie gesagt waren bereits viele gesellschaftliche Widersprüche aufgebrochen und die Voraussetzungen für einen Aufstand waren gegeben.

Der Renten-Protest oder die Empörung über den Bauskandal waren aber zunächst Einzel-Proteste, die überall in der Gesellschaft aufflammten – dieser Skandal, jener Skandal, keine Löhne, etc. Die Leute waren aus verschiedenen Gründen wütend und es gab in verschiedenen Ecken verschiedene Aufstände. Aber sie haben sich nicht zusammengefunden.

Da rief Alamolhoda zum Aufstand auf, und dieser Aufstand in Maschhad hat die Leute auf einmal zusammengebracht. Plötzlich merkten sie, dass sie gemeinsame Interessen haben und dass sie gegen alle Regierungs-Fraktionen sind. 2009 waren die Leute nur wegen der Wahlergebnisse auf die Straße gegangen. Sie haben gesagt, man hat uns unsere Stimmen geklaut. Das sind die Wähler gewesen, die die Reform-Fraktion unterstützen wollten, zum Beispiel Hossein Mussawi. Doch diesmal wollte niemand irgendeine Fraktion der islamischen Republik unterstützen. Der Tenor war: Beide Seiten sind uns gleichgültig, beide müssen völlig verschwinden.

Auch das war ein Unterschied der Aufstände in diesem Jahr zu denen in der Vergangenheit.

Da wurden also auch ein Stück weit die Regeln verlassen, die das System vorgibt?

Genau.

Der Auslöser war jedenfalls: Alamolhoda als Vertreter einer Regierungs-Fraktion wollte gegen eine andere Fraktion hetzen. Das ist aber nach hinten losgegangen. Er wurde vor den nationalen Sicherheitsrat zitiert. Aber er hat zu viel Macht. Hat sich nur entschuldigt, behauptet, dass er nicht zum Aufstand aufgerufen hätte und ist dann auch frei gekommen.

Du hast bereits angedeutet, dass es eine andere Bewegung war als 2009. Die Medien haben auch dargestellt, dass völlig andere Bevölkerungsschichten auf der Straße waren. Welche Erkenntnisse hast du darüber?

2009 waren es die Mittelschichten, sie haben sich auf die Wahlen bezogen und haben Moussawi unterstützt. Diese Bewegung wurde ja auch vorwiegend als islamische, „grüne“ Bewegung bezeichnet, obwohl Moussawi selbst zur reformerischen Fraktion gehört und er jahrelang eine Machtposition in der Islamischen Republik innehatte. Er war 8 Jahren lang Premierminister unter Chamenei und hat alles mitgemacht. Trotzdem haben 2009 die Leute gedacht, er will etwas anderes und sie haben für ihn gekämpft.

Dieses Jahr sind zwar auch Studenten aktiv. Aber nicht nur sie, nicht nur die Mittelschicht, sondern auch die ärmsten der Armen der Gesellschaft sind dabei. Sie haben gemerkt, nur wenn sie laut sind und sich deutlich machen, können sie etwas erreichen. Es ist ihnen klar geworden, dass es nicht reicht, zu Hause zu sitzen und zu zuschauen, wie die anderen kämpfen. Sondern sie müssen selbst kämpfen und ihre Rechte durchsetzen. Und das unterscheidet natürlich diese Bewegung von der vor 10 Jahren. Eine Gesellschaft hat sich erhoben, die seit Jahren unterdrückt wird.

Plötzlich sagen sie: Hey, ihr könnt nicht machen was ihr wollt. Ihr verkauft das Iranische Erdöl, ihr verkauft das Gas, aber bei uns kommt kein Geld an. Sie sehen wie die Gelder verschwinden, und wie die Oberschicht lebt. Und das erzeugt natürlich ein Bewusstsein darüber, wie unterschiedlich die verschiedenen Teile der Gesellschaft leben.

Dieses Jahr sind natürlich auch viele Studenten beteiligt. Die Regierung hat als erstes die Aktivisten der Studentengewerkschaft festgenommen. Man ist zu ihnen nach Hause gegangen, hat sie aus dem Bett geholt und ins Gefängnis gesteckt – als Vorsorge sozusagen.

Meiner Kenntnis nach stammen diese Studenten teilweise aus armen Familien. Diese Familien haben z.B. kein Geld um nach Teheran zu kommen um ihre Kinder zu besuchen. Es sitzen viele im Gefängnis. Und viele der Gefangenen gehören zur armen Schicht. Viele sind verschwunden und niemand weiß, was sie mit ihnen gemacht haben. Immer wieder behauptet auch die Regierung, dass Gefangene Selbstmord begehen. Die Leute sterben unter der Folter, und dann heißt es „Selbstmord“. Das ist üblich in der Islamischen Republik.

Es gab ja immerhin 70 Städte in denen Demonstrationen stattfanden. Gab es denn eine gemeinsame Ausrichtung, oder konkrete Forderungen, die im Lauf dieser Proteste entwickelt wurden?

Das war keine organisierte Revolte oder Bewegung. Deshalb waren auch keine Ziele formuliert.

Die Leute sind auf die Straße gegangen, manche wollten auch die Monarchie zurück. Aber meist wurde gerufen: „Brot, Arbeit, Freiheit“. Das war die Hauptparole in fast allen Städten, das hat sich sofort verbreitet.

Natürlich gab es in jeder Stadt unterschiedlichste Forderungen. Doch der gemeinsame Ausdruck war die Parole „Brot, Arbeit, Freiheit“.

Rouhani hast du als Reformer geschildert. Er gehört ja aber eben zur Regierung, gegen die sich die Proteste vor allem richten. Ist es richtig davon auszugehen, dass es zum Teil der Neoliberalismus und zum Teil die Korruption ist, die die Revolten auslösten?

Rouhani gehört zur reformerischen Opposition innerhalb der Regierung, aber er ist nicht besser oder schlechter ist als andere. Er ist neoliberal und steht für die Freie Marktwirtschaft. Und Freie Marktwirtschaft bedeutetet überall auf der Welt: Es gibt keine Sicherheit und Garantien. Die Zeitarbeit nimmt zu, Banken und Bauwesen werden privatisiert. Und das ist gefährlich, denn es bedeutet immer weniger Garantien für das Leben von Menschen.

Den Menschen geht es schlechter mit dem Neoliberalismus und der Freien Marktwirtschaft, denn sie bekommen ihre Renten und Löhne nicht, während die Unternehmer versuchen, mehr Geld für ihre Firmen herauszuschlagen. Und Korruption gibt es im Iran auch in der Opposition bis zum Geht-Nicht-Mehr.

Gibt es denn in Iran linke Kräfte, die eine solche Bewegung aufgreifen und bündeln könnten?

Die Linke in Iran ist seit den 80er Jahren zerschlagen. In der aktuellen Situation gibt es also keine wirklichen linken Kräfte. Linke finden zusammen, sind aber nicht als Organisationen und Parteien aktiv, sondern als Einzelpersonen. Es wird immer mal wieder versucht Zeitschriften herausgegeben, die werden dann verboten, darauf hin gibt es wieder eine neue Zeitschrift. Aber es sind eher die Gewerkschaften, die im Augenblick einen Ersatz darstellen für Organisationen und Parteien.

Etwas anders sieht es im kurdischen Teil Irans aus. Die Islamische Republik hat es nicht geschafft das kurdische Gebiet völlig unter Kontrolle zu bringen. Es gibt immer noch Widerstand und es gibt organisierte Kräfte. So gibt es zum Beispiel Angriffe kurdischer Kräfte aus dem Grenzgebiet in Irak. Sie kommen in die kurdischen Städte Irans, greifen die islamische Polizei an und dann gehen sie wieder zurück.

Der Innenminister drohte den Gefangenen mit der Todesstrafe, Rouhani stellte eher Milde in Aussicht. Was ist denn zu befürchten?

Sie werden gefoltert und vielleicht werden sie hingerichtet. Die Befürchtung ist natürlich, dass es immer mehr Tote gibt. Deshalb ist es auch wichtig, dass sich Kräfte von außen dagegen wenden und für die Freiheit der politischen Gefangenen in Iran kämpfen. Im Augenblick setzen sich täglich Eltern von Gefangenen und andere Unterstützer vor den Gefängnissen auf den Boden. Manchmal gehen sie auch nachts nicht nach Hause. Sie sitzen dort und sagen: „Die politischen Gefangenen müssen wieder frei kommen. Sie sind unschuldig. Sie haben nur gesagt: ‚Wir brauchen Brot‘. ‚Wir wollen Essen auf dem Tisch haben‘. Und deshalb sitzen sie jetzt im Gefängnis. Sie wurden als Aktivisten und Provokateure dargestellt. Aber sie wurden lediglich aktiv für Brot. Nichts anderes.“

Eine Solidaritätsbewegung wäre also notwendig. Im Augenblick ist die deutsche Linke in dieser Hinsicht aber sehr zurückhaltend. Das liegt vielleicht daran, das man befürchtet, es könnten doch ausländische Geheimdienste wie der CIA die Revolte angeschürt haben. Ist das letztlich wirklich von der Hand zu weisen?

Es ist absurd zu behaupten, diese Aufstände seien von der CIA organisiert worden. Es waren unorganisierte Aufstände. Das kam so überraschend, dass auf einmal so viele Menschen auf der Straße waren und sich wehrten, dass niemand behaupten kann, die CIA stecke dahinter.

Es war von Anfang an eine selbstorganisierte Bewegung. Natürlich wollen jetzt alle möglichen Kräfte Einfluss auf diese Bewegung bekommen, und auch die CIA hat natürlich Interessen.

Aber ich würde definitiv zurückweisen, dass die CIA diese Revolte in Iran angefangen hat. Nein! Das waren einfach hungrige Menschen, es war eine Hungerrevolte. Und deshalb sage ich: Selbst wenn die CIA versuchen sollte, die Bewegung unter Kontrolle zu bekommen. Warum sollten wir uns nicht zu unserer Rolle als Linke bekennen?

Diese passive Haltung, die linke Kräfte in Iran, Deutschland oder anderswo an den Tag legen, muss ich wirklich scharf kritisieren. Wie können wir in der passiven Haltung des Zuschauers warten, ob der CIA verwickelt ist oder nicht? Wir haben es mit einem sozialen Aufstand zu tun. Der CIA will das ausnutzen. Warum sollen wir nicht den CIA abweisen und unsere Interessen durchsetzen.

Es ist natürlich die Haltung einer Minderheit in der deutschen Linken, es gibt aber sogar eine Position die sagt, Iran ist Gegner der imperialistischen USA und deshalb müsse man sich auf die Seite Irans stellen…

Das gehört in die Kategorie, ‚Der Feind meines Feindes ist mein Freund‘. Diese Einstellung ist falsch! Iran ist eine islamische Republik. Iran ist bereit mit allen imperialistischen Kräften zu handeln und würde gern mit ihnen in einem Boot sitzen, wenn sie die Interessen der islamischen Republik berücksichtigen. Doch es gibt Konflikte mit den USA, die Forderungen an Iran stellen. Die Islamische Republik will natürlich Nahost-Polizei spielen und hat schlicht Machtinteressen.

Wenn die USA gegen diese Machtinteressen vorgeht, verhält sich die Islamische Republik zwar in einem gewissen Sinne „antiimperialistisch“. Aber Iran handelt mit Russland, handelt mit China, handelt mit allen denkbaren Kräften, und sollte die USA grünes Licht geben, ist die Islamische Republik sofort mit dabei. Als eine antiimperialistische Kraft kann ich sie darin beim besten Willen nicht erkennen.

War diese Revolte ein einmaliges Strohfeuer oder denkst du, das könnte der Anfang einer Entwicklung sein?

Weißt, du, die Tatsachen sind in der Welt: Es gibt die Korruption, es verschwinden Gelder, die Freie Marktwirtschaft ist eine Realität, der Kapitalismus ist eine Realität. Und die Kluft zwischen Reichen und Armen ist eine Realität. Die Arbeiter bekommen noch immer nicht ihre Löhne.

Es geht ja alles weiter. Die Streiks in Iran reißen nicht ab. Es wird gestreikt in den Papierfabriken von Haft-Tape, in der Seifenfabrik von Chorramschahr, Bauarbeiter in Nadschafabad-Isfahan fordern die Auszahlung ihrer Versicherungsleistungen, Bahnarbeiter in Schahrud und Maraghe streiken für die Auszahlung ihrer Löhne, ebenso Metallarbeiter in Ahwas.

Es ist nicht zu Ende, nein, es geht weiter, vielleicht in kleineren Formen. Der Hunger treibt die Leute auf die Straße, die politischen Gefangenen sitzen im Gefängnis, die Leute sind verletzt, ihre Interessen und Gefühle wurden einfach ignoriert, und das macht sie natürlich wütend.

Deshalb kann es auch nicht zu Ende gehen. So lange die Situation in der Gesellschaft so bleibt, wird es auch wieder Aufstände geben und dann wird es übergreifen.

Gibt es eigentlich Ansätze einer linken radikalen Opposition vielleicht auch hier in Deutschland, vielleicht sogar in Nürnberg, die man konkret unterstützen könnte?

In Nürnberg weniger. Hier versuchen wir gerade, uns zusammen zu finden. Hier gibt es Kräfte, die zu Kundgebungen aufgerufen haben. In Europa gibt es auch Kräfte, die für „Kantone“ eintreten im Iran, das heißt für ein von unten organisiertes Rätesystem. Es gibt die Erfahrung, von Rojava. Und wir wissen, dass es auch machbar ist.

Vor allem aber brauchen wir Demokratie in Iran. Zum Beispiel Abschaffung der Hinrichtungen, vor allem der öffentlichen Hinrichtungen. Das ist schlimm, denn die Islamische Republik hat es in den letzten Jahren geschafft, die Leute daran zu gewöhnen. Man sieht sich die Hinrichtung an, geht dann einfach nach Hause zum Essen und Schlafen. Das ist eine deprimierende Gesellschaft. Aber die Leute denken, man kann nichts dagegen tun. Jetzt wissen sie, dass sie auch etwas tun, etwas schaffen können.

Aus dem Erdbeben in Kermanschah folgte eine wichtige Erfahrung gesellschaftlicher Solidarität. Als die Menschen gemerkt haben, dass die Regierung nichts unternimmt, haben sie angefangen Hilfsgüter zu sammeln und ins Krisengebiet zu schicken. Es ist also eine gesellschaftliche Bewegung. Menschen können auch etwas zusammen tun. Und das muss man auch bekannt und bewusst machen. Das ist sehr wichtig.

drucken | 11. Februar 2018 | organisierte autonomie (OA) Nürnberg

Terminkalender

Samstag, 24.02.2024

Reclaim am 24. Februar: Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!?

Bald steht der 8. März und damit der internationale Frauenkampftag an. Die Parole wird auch dann wieder gerufen und wendet sich vor allem gegen die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland. Doch auch darüber hinaus nimmt der bürgerliche Staat massiven Einfluss auf unsere Lebens-und Familiengestaltung. Nicht immer ist das so offensichtlich und unmittelbar wie beim Abbruch. Ökonomische Gegebenheiten spielen in der kapitalistischen Gesellschaft ebenso eine Rolle wie politische Instrumente zur Regulierung von Kinderwunsch oder Verhütung.

Neben einem Input zu diesem breiten Themenfeld, habt ihr die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen zu Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch und Co zu stellen.

Wie immer gibt es leckeres Essen und von 19 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich über aktuelle Stadtteil-Themen auszutauschen. Wir freuen uns auf euch.

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk