Born To Die – Über die Ultras

ultrasUnter Linken sind die Ultras wegen der teils antifaschistischen Einstellung beliebt. Aber der antiautoritäre Gestus der erlebnisorientierten Fußballfans zieht auch Nazis und rechte Durchschnittsjugendliche an. Doch nicht nur die jeweiligen politischen Positionen sollten Objekt linksradikaler Kritik sein, sondern die Form, in der sich die konformistische Revolte von Banden wie den Ultras abspielt. Denn die Flucht in den Ausnahmezustand und das Hineinwerfen in den selbst gewählten Gang-War befriedigt ein tiefes Bedürfnis des krisengeschüttelten, bürgerlichen Subjekts.

Über die Ultras als besserer Leviathan und das Bandenwesen des Spätkapitalismus.

I

Der Film Hooligans pointiert unfreiwillig die Funktionsweise der Ultras – bei aller Bekümmerung es handle sich bei diesen nicht um jene abgestumpften Schläger. Der junge Protagonist Matt Buckner wird von der Harvard University wegen eines Drogendeliktes geschmissen, das ihm sein Mitbewohner untergeschoben hat. Armer Matt, der noch nicht begriffen hat, dass der Survival of the Fittest der spätkapitalistischen Gesellschaft nicht gleich und gerecht ist, sondern Härte verlangt gegen sich selbst und andere. Doch auch diese Soft Skills können – das richtige Training und Peer-Assessment vorausgesetzt – dem frischgebackenen Verlierer des Konkurrenzkampfes um die gesellschaftliche Beute vermittelt werden. Der von Leben und Menschen im US-amerikanischen Normalvollzug enttäuschte und gelangweilte Fast-Akademiker flieht ins europäische London zu seiner Schwester, deren Schwager ihn fortan in das raue Leben seiner Gang von fanatischen Fußballfans, der Green Street Elite, einführt. Und nachdem das ausgestoßene Männchen die ersten Initiationsriten und damit auch den anfänglichen, noch von der verschmähten Zivilisation herrührenden Ekel überwunden hat, meint er das ihm so überflüssig erschienene Leben wieder zu spüren. Der Schmalz von Kameradschaftspathos beim Fußballspiel von West Ham United und der Geschmack des eigenen Blutes beim Kampf danach geben ihm die Versicherung: Ja, das ist das wirkliche Leben.
Nach dieser Frischzellenkur – die Kosten bezahlt die Firma, namentlich der Green Street Anführer Pete mit seinem Leben – kehrt der zum spätkapitalistisch-männlichem Subjekt mutierte nach Amerika zurück. Und weil er nun weiß wie diese Gesellschaft funktioniert, erpresst er durch Faustrecht und Taschenspielertricks jenen Mitbewohner, der ihn um seinen Universitätsplatz geschnitten hat. Die Härte, die die Welt ihm antat, weiß er gegen sich selbst und als verhärtetes Subjekt gegen die Welt zu wenden. Jedes Assessment Center hätte wohl seine Freude an der Evaluation dieser Schulung.

II

Dabei ist es egal, dass Ultras mehr sein wollen als Matt mit seinen ordinären Hooligans. Genau in diesem „mehr-als“ besteht der sinnstiftende Nimbus dieser (post)-modernen Banden. Die Mentalita Ultra‘ soll eben mehr sein als das belanglose Dasein eines Fußballfans, soll auch mehr sein als der schnöde Mammon der Fußballindustrie, sie soll keine Freizeitbeschäftigung, sondern Lebensgefühl sein. „Es ist wichtig eine starke Gruppe zu schaffen, die aus ähnlich denkenden und fühlenden Menschen besteht, die gegen alle äußeren Einflüsse zusammenhält[…], während in der heutigen Gesellschaft Schlagwörter wie Freundschaft, Treue und Ehrlichkeit von Wörtern wie Gewinnoptimierung und Effizienz verdrängt werden“ [1], schreiben die Ultras Frankfurt im Jahr 2007. Der Gesellschaft wird das bürgerliche Subjekt und ihm selbst wird die permanente Mobilisierung im Konkurrenzverhältnis überflüssig. Seine strukturelle Überflüssigkeit im automatisierten, postfordistischen Kapitalismus, seine dauerhafte Krisenhaftigkeit, in der es sich kontinuierlich – ob real oder drohend – im Jobcenter als Mitglied der bürgerlichen Zwangsveranstaltung beweisen muss, lassen es selbst zur Weltflucht antreten. Ob sich das nun halbwegs reflektiert wie bei den Ultras aus Frankfurt ausspricht oder unbewusst abläuft; ob es sich bei ihnen um verwahrloste Nazis oder subkulturelle Großstadtantifas handelt, ist dabei gleichgültig für die Formbestimmung dieser Weltflucht. Der ewigen Monotonie, die sich in Schule, Universität, Lohnarbeit oder auf dem Abstellgleis einstellt, weil die Menschen spüren, dass es sich dabei jeweils nur um die konkreten Ausformungen des immer gleichen Prinzips der Wertverwertung handelt, tritt das erlebnissüchtige Lebensgefühl der Tifosi entgegen. Ob beim gemeinsamen Malen der Choreografien und Graffitis, bei den nächtlichen Überfällen in verfeindeten Städten, bei den ewigen Hatzjagden und kurzen Massenschlägereien im Vor- und Nachfeld der Spiele oder beim Abbrennen der Pyrotechnik mit nacktem Oberkörper und Singen der Lieder. Die Ultras schaffen sich eine Welt, in der es auf den Einzelnen tatsächlich noch ankommt. Weil sich die Menschen nur noch über die Waren verständigen, sich völlig vereinzelt und verfeindet als Konkurrenzsubjekte gegenübertreten, suchen sie die Nestwärme der Gemeinschaft, in der anachronistische Werte wie Treue und Ehre noch etwas zu zählen scheinen. Den vermittelten Verhältnissen, die Ohnmacht produzieren, stellen sie ein Gangland gegenüber, das noch klare Gegner kennt und daher Allmacht zum Ziel hat. Dem Verlorensein des Subjekts antworten sie mit provinziellem Lokalpatriotismus. Die verwaltete Welt produziert Langeweile, einen Mangel an Erfahrung, die nicht entfremdet ist. Das ist der Grund, warum die Kinosäle sich füllen, wenn Matt Buckner bedeutungsschwanger vom ersten Faustschlag erzählt, der sich in sein Gesicht drückt so als würde es sich um eine spirituelle Offenbarung handeln. Deswegen essen Ultras keine Bratwurst im Stadion, sondern suchen nach Fun und Action, Event und Eigentlichkeit, nach „wahre[r] Atmosphäre und ehrlichen Emotionen“ (Harlekins Berlin). Sie proben den Ausnahmezustand, wenn sie durch den Nebel der Rauchbomben den Gästeblock stürmen.

Die gefühlte Gefährlichkeit des Daseins als Individuum, in die man sich begibt, wenn wieder einmal Bengalo-Geschosse durch das Stadion fliegen, wird dem prekären Zustand des Subjekts vorgezogen. Natürlich soll dabei niemand sterben, nicht mal ernstlich verletzt werden. Dafür wähnen sie sich, die sich nicht selten aus Gymnasiasten und Studenten rekrutieren, als zu aufgeklärt. Die Todessehnsucht, die der einzige Weg aus der Herrschaft der toten Waren scheint, bleibt dennoch. Sie sublimiert sich in meist harmlose Bandenspiele. Doch die Subjekte können der Monotonie im Ultra-Dasein nicht entkommen – sie können sie nur verdoppeln. Weil man ihr wiederum entfliehen muss, ist der Film Hooligans durchaus beliebt unter Ultras.

III

Der Ursprung der Ultras liegt im Italien der 70er Jahre. Dort bilden sich Gruppen junger fanatischer Fußballfans in den Stadien, zu allererst die Fossa dei Leoni des AC Mailand. Die Grüppchen sind ein Auslaufprodukt der zerfallenden 68er Studenten- und Arbeiterproteste. Die jungen Männer verbindet die gemeinsame Zeit in der Protestbewegung und ihre Freundschaft im Stadion. Ästhetik und Methoden werden den politischen Aktionsformen auf der Straße entlehnt. Fahnen, Spruchbänder, Rauchbomben und Trommeln – all das kennt man schon von den Demonstrationen der Studenten und Arbeiter und nun sieht man es auch in den Stadien. Die verhältnismäßig komplexen Gesänge greifen Melodien politischer Lieder wie Bella Ciao auf. Erklärtes Ziel der Ultras ist eine ununterbrochene akustische Unterstützung der Mannschaft, ganz unabhängig von Spielstand, Spielverlauf und Laune der Zuschauer. Damit grenzen sie sich von den von ihnen verachteten normalen Zuschauern ab, die lediglich spielbezogen und affekthaft das Geschehen auf dem Platz kommentieren und nicht zu Unrecht gleichen die Gesänge der Ultras damit den formelhaft und emotional-emotionslos gerufenen Sprüchen linker Berufsdemonstranten oder den Durchhalteparolen der Kommunistischen Parteien, die das eigene Scheitern nur mit steinernem Revolutionskatechismus beantworten konnten. Bald schon übernehmen sie die Organisationsformen der zerfallenden Bewegung. Sie treffen sich mehrmals die Woche, denn die aufwendige Unterstützung im Stadion erfordert Vorbereitung. Der große Aufwand der Choreografien, das notwendige Reglement für die gemeinsam erzeugte Stimmung, die beginnende Verschärfung der Feindschaften zwischen den Ultra-Gruppen und die konspirative Planung illegaler Aktionen fordern einen festen Zusammenhalt. Die Gruppe muss sich auf den einzelnen verlassen können. Im Notfall zählt, dass du nicht weggerannt bist, als es bitter wurde. Ob du Schwein oder Mensch bist, zeigt sich daran, ob du die Backe hingehalten hast, wenn es notwendig war.

Die Abfallprodukte der 68er Bewegung sind vielfältig. 1970 gründen sich in Italien die Roten Brigaden, die 1978 den italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro ermorden werden. Das Konzept Stadtguerilla macht ernst mit dem Bandenwesen und gerade deshalb ist es Ausdruck eines sich völlig konsolidierenden Kapitalismus. Die philosophische Unterfütterung bietet Régis Debray, ein französischer Student aus guter Familie, der mit Che Guevara in Bolivien kämpfte und das Konzept der Guerilla 1967 in seinem Buch Revolution in der Revolution nach Europa bringt. [2] Dort spottet er über die westliche Zivilisation als einem „lauwarmen Brutkasten, der kindisch macht und verbürgert“ und aus dem es im „Kampf des Guerillero gegen sich selbst“ auszutreten gälte. Der Selbstmord des bürgerlichen Subjekts soll in einer Inkarnation als Revolutionär münden, dem im physischen Überlebenskampf die Erkenntnis zu Eigen geworden ist: „Das Interesse der Gruppe ist auch das jedes Einzelnen – und umgekehrt.“ Begeistert spricht er über diesen „Traum á la Rousseau“ und über die Gemeinschaft und Disziplin der Guerilleros, die „von einer Unerbittlichkeit sind, die der Contrat social nicht kennt“. In genau dieser Form sozialer Gemeinschaft, in der das Besondere notwendig ins Allgemeine gepresst wird, sieht Debray „die handelnden Subjekte der neuen Gesellschaft“. Der Contrat social der bürgerlichen Gesellschaft komme nicht zu seiner Geltung. Dies sei das Problem. Nicht, dass er das Individuum noch im Bann des kollektiven Allgemeinen hält. Was bleibt ihm da noch weiter, als euphorisch Fidel Castro zu zitieren: „Woher nehmen sie […] so viel Mut und so viel Selbstverleugnung?“
Das Schöne an der Guerilla ist: Die tödliche Gefahr, die zur unmittelbaren Entscheidungssituation der Subjekte drängt, muss nicht fabuliert werden, sie ist real vorhanden. Und die Gemeinschaft braucht sich kein hanebüchenes Objekt suchen, der es seine Treue und sein Leben opfert. Sie bezieht diese Verpflichtung aus sich selbst und dem physischen Überleben ihrer Mitglieder heraus. Die Ultras lassen es freilich nicht oft soweit kommen. Fünf Todesfälle gibt es bis zum Ende der 80er Jahre in Italien. Nach Jedem interveniert die Szene entsetzt, versucht sich selbst zu regulieren, aber der Drang nach Fun und Action lässt sich nicht so recht verbieten. Die überflüssigen Subjekte suchen vergeblich den Ausstieg aus der Gesellschaft – ihr Ticket ist der Fußball und das Leben im selbst geschaffenen Contrat social der Ultra Gruppen.

IV

Anders als bei den Guerilleros steht für die Ultras nicht die befreite Gesellschaft auf der Agenda, sondern die Befreiung der Kurve. Die Selbstverwaltung des eigenen Gebietes ist ein Erbe der Studentenbewegung. Der auch von Linken oft bewunderte Antiautoritarismus, der sich in rebellischer Symbolik und aufmüpferischem Verhalten äußert, ist aber nur der Anstrich für ein Programm, das statt gegen jede Herrschaft zu rebellieren, die eigene setzen will. In diesem Sinne identifizieren sie sich – frei nach Adorno – mit der Macht, von der sie geschlagen werden. Die Ultra Gruppen spielen mit dem Pathos der Marginalisierten nur um selbst hegemonial zu sein. Sie wollen sich von der Gesellschaft scheiden, doch können ihr nicht entkommen – weswegen sie sie verdoppeln. In den Gruppen herrschen strenge Regeln. Bist du bereit dein Leben zu geben – dann stell es unter Beweis. Jede Gruppe hat ihre Vorfeldorganisation, die die jungen Bewerber nach Kriterien der Leidens- und Hingabefähigkeit für die Gemeinschaft aussiebt. Über die Mitgliederzahlen wird streng gewacht um die soziale Kontrolle zu gewährleisten, die die Einhaltung der gruppeneigenen Regeln versichert. Wer dabei sein darf, bekommt die Gangwear mit der er sich von nun an zugehörig fühlen darf. In einer Rhetorik, von der man nicht sagen kann, ob sie Faszination oder Verzweiflung ausdrücken soll, berichtet ein junger Ultra: „[Du gibst alles:] dein Taschengeld geht für Tickets und Fahrten drauf, deine Fehlstundenanzahl geht ins Unermessliche, genauso wie die Zahl der Stunden, die du für Choreografien und ähnliches aufwendest. Deine Freundin findet das alles dann auch irgendwann scheiße und macht sich von dannen.“ [3] Dem Unverständnis der Umwelt kann nur mit immer tieferem Engagement für die Gruppe begegnet werden. „Die völlige Brechung der Persönlichkeit wird verlangt[…]. Das Individuum muss sich aller Macht begeben, die Brücken hinter sich abbrechen. Als der echte Leviathan fordert das Racket den rückhaltlosen Gesellschaftsvertrag.“, schreibt Max Horkheimer in seiner Schrift Die Rackets und der Geist. Das Mitglied soll in seiner Funktion in der Ultra Gruppe aufgehen. Die Distanz der Menschen lässt sie in die Gemeinschaft fliehen, doch sie scheitern, weil sie sich dort nicht als besondere Menschen anerkennen, sondern wiederum nur als Vollstrecker eines Prinzips. Genau darin verdoppelt der vermeintliche Ausbruch die bestehende Gesellschaft. Nur das er sie noch zuspitzt und das Fünkchen Privatheit, das die bürgerliche Gesellschaft noch unangetastet ließ mit der Einforderung eines Lebensgefühls verschluckt.

Die Bewegung der Ultras ist selbstreferenziell. Ihr geht es nicht um den Erfolg des Vereins. Einige Ultra Gruppen geben sogar offen zu, dass sie sich den Aufstieg der Mannschaft nicht wünschen, weil eine höhere Liga wegen verstärkten Sicherheitsbedingungen ihrer narzisstischen Inszenierung abkömmlich wäre. „WIR sind das Spiel und der Verein“ schreiben die Frankfurter Ultras. Und in einer Motivations- und Belehrungsansprache des Dresdner Capos, die irgendwo zwischen paternalistischer Autorität und mittlerem Management-Sprech liegt, schwört er seine Schafe ein, weder auf die Spieler zu hören, die würden eh nur Karriere machen, noch auf den Vereinsvorstand, das seien Leute aus dem Westen, sondern lediglich auf die Autorität der eigenen, älteren Mitglieder. Spätestens hier ist klar, dass die Ultras sich selbst genug sind. Der selbstzweckhaften Verwertung des Wertes stellen sie die um sich selbst rotierende gemeinschaftliche Therapiegruppe der überflüssigen Subjekte gegenüber, die mit projektiven Begriffen wie Tradition und dem „mehr-als-nur-Fan-sein“ mystifiziert wird.

Das Gerede von wahrer Spontaneität und Emotionalität im Stadion ist falsch. Die komplexen Gesänge kann niemand mitsingen, der sie nicht schon lange kennt – also Mitglied oder doch zumindest Bewunderer der Ultras ist. Und wer nicht mitsingen will, gar etwas anderes, der soll sich aus der Kurve scheren. Die permanenten Gesänge dienen der Inszenierung der Gruppe, einer narzisstischen Triebabfuhr. Wahre Emotionalität verkörpern noch eher die Fans, die frustriert im Stadion sitzen, wenn ihre Mannschaft verliert, anstatt noch weiter wie von Sinnen vom Sieg zu singen. Das ist aber gleichgültig, denn die Floskeln von der Emotionalität sind Ideologie und Legitimation, um die Regeln des Ultra-Rackets hegemonial werden zu lassen. Wenn die selbstverwaltete Kurve einmal erreicht ist, ist sie ein Abziehbild der verwalteten Welt draußen. Geklatscht, gesprungen, gesungen wird, wenn es der Capo sagt. Die Schalparade kommt auf Abruf. Die Lieder sind einstudiert und die Jungen denken an die Mahnung der Älteren, deutlich und laut zu singen, damit man sie im ganzen Stadion versteht. Jedes Banner hat hierarchisch seinen festen Platz. Die Choreografien laufen nach einem festen Timing. Verärgert belehrt der Dresdner Capo, man solle sich disziplinieren und die verteilten Kassenrollen erst zum Einlauf der Mannschaft werfen. Auch der Gang zum Bierstand während des Spiels wird beargwöhnt. Die 90 Minuten wird man sich doch einmal zusammen reisen können. Die Inszenierung der Gruppe soll nicht durch die Gelüste des Einzelnen gefährdet werden. Das verwaltete Gangland weitet sich nach Bedarf aus. Die Städte vor und nach dem Spiel verlangen das Wissen mit welchen Vereinsfarben man sich wo genau bewegen darf. Zwischen den Spielen klopft man das Rudel zusammen, wenn sich befeindete Ultras in Schlagweite befinden.
Da ist keine Freiheit, keine Spontaneität mehr – die Ultras multiplizieren im Zeichen des Antiautoritarismus gesellschaftliche Herrschaft und Unfreiheit.

***

Matt Buckner findet sich deshalb nach seiner Erfahrung mit den englischen Hooligans in dieser Welt besser zurecht, weil er gelernt hat, wie sie funktioniert. Genauso lernen es die Ultras. Die Zuspitzung, die sie forcieren, ist längst schon selbst Tendenz der Gesellschaft. Begeistertes Engagement und wahnhafter Einsatz unter absoluter Selbstentäußerung sind nicht nur unter Fußballfans gefragt.
Die Personalabteilungen der Unternehmen warten schon auf junge Abiturienten und Akademiker mit Kompetenzen in den Feldern Durchsetzungsstärke, Kompromissbereitschaft und Innovativkraft. Nicht weil die Ultras dies bewusst hervorbringen, ist das so, sondern weil sie Ausdruck einer Welt sind, die zur Ansammlung der Rackets geworden ist.

Anmerkungen:

[1] Alle Zitate der Ultra Gruppen stammen aus dem Buch „Die Jugendkulturen der Ultras-Zur Entstehung einer neuen Kultur von Fußballfans“ von Marcus Sommery. Aktuelle Texte zum Selbstverständnis deutscher Ultra Gruppen findet man leider selten. Nichtsdestotrotz sind die Zitate über die einzelnen Gruppen hinaus bestimmende Ausdrücke für das Wesen der Ultras.

[2] Den Zusammenhang von Debrays revolutionstheoretischer Schrift und dem Bandentreiben im Kapitalismus brachte bereits Wolfgang Pohrt auf den Punkt. Er sei nur passenderweise hier nochmals erwähnt.

[3] Zitiert nach Jonas Gabler: Die Ultras-Fußballfans und Fußballkulturen in Deutschland.

Veröffentlicht von Donald Rubin in mole

drucken | 21. Juli 2013 | redside

Terminkalender

Samstag, 24.02.2024

Reclaim am 24. Februar: Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!?

Bald steht der 8. März und damit der internationale Frauenkampftag an. Die Parole wird auch dann wieder gerufen und wendet sich vor allem gegen die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland. Doch auch darüber hinaus nimmt der bürgerliche Staat massiven Einfluss auf unsere Lebens-und Familiengestaltung. Nicht immer ist das so offensichtlich und unmittelbar wie beim Abbruch. Ökonomische Gegebenheiten spielen in der kapitalistischen Gesellschaft ebenso eine Rolle wie politische Instrumente zur Regulierung von Kinderwunsch oder Verhütung.

Neben einem Input zu diesem breiten Themenfeld, habt ihr die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen zu Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch und Co zu stellen.

Wie immer gibt es leckeres Essen und von 19 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich über aktuelle Stadtteil-Themen auszutauschen. Wir freuen uns auf euch.

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk