Texte gegen den deutschen Nationalismus – Teil II

Geschichtsrevisionismus

Wir haben gesehen, dass Nationalismus ein wichtiges, zentrales Merkmal der modernen kapitalistischen Entwicklung in der Geschichte ist.

Auch das Scheitern der November-Revolution 1918 und die Entwicklung hin zum Faschismus bilden unter diesem Blickwinkel einen Zusammenhang. Nicht nur die militärischen und organisatorischen Schwächen – dazu zählt der Verrat der Sozialdemokratie ebenso wie die Tatsache, dass sich gegen Ende es I. Weltkrieges noch keine starke revolutionäre Kraft etabliert hatte – der revolutionären Organisation(en) bedingten die weiteren Entwicklungen, sondern auch das inhaltlich-strategische Versagen linker Kräfte in der Weimarer Republik. Das spiegelt sich (neben der Sozialfaschismusthese) auch in den Positionen der Organisationen zum Problem des Nationalismus wider, bzw. darin, dass es um die Position Lenins keine Auseinandersetzung und Korrektur bezüglich Deutschlands gab. Auch das ermöglichte die faschistische Mobilisierung.

Rückblick

Da wird alljährlich einer – stellvertretend für seine Gefolgsleute, alles langjährige Handlanger des Kanzlers und Führers Hitler – geehrt, der am 20. Juli 1944, nach eigenem langjährigen Kriegsverbrechertreiben, ein Attentat auf Hitler versuchte: Graf Stauffenberg. Da wird einer geehrt und zum Antifaschisten ernannt, der nur um die Ehre Deutschlands besorgt war, den längst verlorenen Krieg beenden und seinem „Vaterland“ die Schmach ersparen wollte, total besiegt und bedingungslos zurück auf die alte Umlaufbahn der unterhalb der Ebene kriegerischer Auseinandersetzung konkurrierenden und auf kapitalistische Verwertung zielenden Industrienationen gezogen zu werden.

Wie einfach das ist, einen Kriegsverbrecher und Nationalisten wie Stauffenberg zum Antifaschisten zu küren! Letzteres ist ja auch nur Augenwischerei für die Leute, die glauben sollen und wollen, Deutschland heute hätte mit dem von damals nichts mehr gemeinsam, indes wissen doch die, die dem Grafen da gedenken, genau, warum sie es eigentlich tun: er wollte Deutschland „retten“!

„Stauffenberg“ ist – unter anderen – ein Thema zur Formulierung neuer nationalistischer Geschichtsschreibung. Deren Stoßrichtung wird möglicherweise aber erst deutlich durch eine kurze Untersuchung der jüngeren deutsche Geschichte:

Der aus der bürgerlichen Gesellschaft heraus mobilisierte Faschismus beherbergte als zwei wesentliche Elemente des „Funktionierens“ Terror und Gemeinschaft.

Nicht nur politische GegnerInnen – wie die ArbeiterInnenbewegung samt linker Organisationen – traf der Terror. Vor allem von der faschistischen, „arischen Norm“ Ausgegrenzte, also JüdInnen, Sinti, Roma und als minderwertig angesehene Völker sowie Homosexuell und Behinderte, wurden als der Volksgemeinschaft, dem „Volkskörper“ fremd diskriminiert und der fabrikmäßigen Vernichtung zugeführt.

Die Gemeinschaft verstärkte sich bei denen, die der Norm entsprachen und die der Terror deshalb nicht traf, einerseits gerade in dieser tödlichen Abgrenzung, anderseits darin, dass im NS-Staat gesellschaftliche Widersprüche und Interessengegensätze (z.B. Klassenkämpfe, die noch in der Weimarer Republik sichtbar waren) geleugnet wurden und jeder Ansatz dazu wider der Vernichtung zukam.

Die „Volksgemeinschaft“ in Deutschland rückte um so mehr zusammen, als mit der expansiven Kriegspolitik „arischer“ Lebensraum erschlossen werden sollte und schließlich die nationalistische Identität gerade angesichts der gegnerischen Übermacht zum „totalen Krieg“ blasen lassen konnte.

Trotz der Vermutung, dass „auch Deutsche nebenbei Leute sind, denen der Verzicht auf die Nation lieber als der Untergang mit ihr sein müsste“ (W. Pohrt, konkret 3/92), war die Tatsache, dass Deutschland nur besiegt wurde und nicht untergegangen ist, eher ein (eigennütziger) Verdienst der Siegermächte. Ohne die Tendenz faschistischer Mobilisierung für andere imperialistische Staaten zu verdecken, war ein wichtiges Element der Entstehung des Faschismus in Deutschland der besondere Nationalcharakter Deutschlands. Der wiederum findet seine Ursachen in der Entstehung Deutschlands selbst und vor allem den Folgen des I. Weltkrieges.

Und nach der Niederlage?

In Vergegenwärtigung der Tatsache, dass der Faschismus kein Systemausbruch war, ist es nur logisch, „daß insgeheim, unbewußt schwelend und darum besonders mächtig, jene Identifikation und der kollektive Nazismus gar nicht zerstört wurden, sonder fortbestehen konnte“ (Adorno 1974, S. 135).

Das Ende des Nationalsozialismus war ein von außen, militärisch erzwungenes; das bedeutete aber nicht das Ende der Ursachen des Faschismus und damit der nazistischen Volksgemeinschaft, im Gegenteil: in der widerspruchslose erklärten „Kollektivschuld der Deutschen“ am II. Weltkrieg konnte die „Voksgemeinschaftlichkeit“ ohne jede weitere Auseinandersetzung um Rassenwahn und Faschismus in die Nachkriegszeit herübergerettet werden und bildeten die Basis für den Wiederaufbau. Frühe Ansätze für gesellschaftliche Alternativen in der BRD wurden zwar – anders als im NS-Staat – nicht mehr vernichtet, aber scharf repressiv geahndet. So landeten in den Fünfziger Jahren tausende von KommunistInnen in den Knästen der BRD, und mit ihnen andere Menschen, die gegen die Remilitarisierung und für ein antifaschistisches Deutschland kämpften.

Die BRD als Grenzposten zum sogenannte Ostblock steigerte mit Hilfe der westlichen Siegermächte die Produktion enorm und durch den wachsenden Massenwohlstand wurde die „Volksgemeinschaft“ auch noch um einen zusätzlichen identitätsstiftenden Mythos bereichert – um den des „Wirtschaftswunders“. Selbiges wird in der Reinterpretation zum „Beweis“ für den „Fleiß der des deutschen Volkes“ – neben der von außen auferlegten Buße für die Verbrechen des NS-Staates ist das Wirtschaftswunder das einzige bewusstseinsmäßige Verbindungslied bis Ende der 1980er in einer fortschreitend warenbeherrschten Gesellschaft. In dieser werden die letzten Winkel menschlichen Zusammenlebens und –wirkens von kapitalistischer Tauschwertlogik bestimmt und die nahezu einzige Orientierung ist, außer der am (individualistischen) „Kaufkraft-Dasein“, die an Gesetz und Ordnung.

Der Individualismus steht in der kapitalistischen Warengesellschaft nicht im Widerspruch zur nationalen Identität.

Ideologische Gemeinsamkeiten

Wer nun immer vom Schlimmsten (wie dem NS-Staat) als einmaliger Katastrophe, als „Ausfall jeglicher Vernunft“ und als teuflischem Gebilde schwadroniert, begeht am historischen Kontext Schönfärberei und vertuscht die bis zur Gegenwart reichenden Traditionslinien und Dimensionen:

Der Faschismus in Deutschland traf bei den kapitalistischen Industrienationen auf Sympathie in seinen ökonomischen und politischen Zielen. Ausbeutung der eigenen Bevölkerung und Kolonialisierung anderer Völker waren und sind allgemein imperialistischer Usus, der ausgeprägte Antikommunismus und die Verfolgung von Linken hatte und hat schon über Deutschland hinaus abendländische Tradition. Die Judenverfolgung und -vernichtung war in Konsequenz und Umfang zwar einmalig, aber mitnichten Stein des Anstoßes für die westlichen Industrienationen , gegen Deutschland Krieg zu führen. Schließlich bildete Rassismus auch dort ein wesentliches Element der Gesellschaften.

Erst als die Expansionspolitk des Nazi-Regimes den Interessen der westlichen Weltmächte 1939 quer lief, wurde dem Deutschen Reich der Krieg erklärt (als erstes von Großbritannien und Frankreich, zwei Tage nach dem Überall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939).

Nationalismus und Nachkriegszeit

Die Tatsache, dass der auf ausgrenzende Volksgemeinschaft bauende Nationalismus in der BRD nur vorhanden, nicht aber hervortretend war, erklärte sich zum Teil aus seiner (damaligen) Nutzlosigkeit angesichts der unbefriestet erscheinenden Teilung Deutschlands im Zuge des Ost-West-Konfliktes.

Systemstabilität galt den Westmächten mehr als ein „vereintes Volk“ in Deutschland ebenso dem Warschauer Pakt.

Schwerpunkt der Propaganda seitens der BRD in Richtung DDR lag deshalb auch eher auf der „Systemüberlegenheit westlicher Demokratien“, denn auf Selbstbestimmungsrecht und „Volkstümelei“ – das Thema wurde wohlwollend den faschistischen Parteien und revanchistischen Verbänden der BRD überlassen, um es ihnen dann zum geeigneten Zeitpunkt, 1989, wieder abzunehmen, Nationalismus wieder zum Programm zu machen, sprich eine politische Führungsrolle in der Welt zu beanspruchen.

Solange aber übten sich Herrschenden in der auferlegten Buße und betrieben noch darin schleichenden Geschichtsrevisionismus, der dann und wann einen Testballon nötig hatte. Ein Höhepunkt bildete schon im Mai 1985 die Ehrung gefallener SS-Schergen in Bitburg durch Kohl – ein erstes Zeichen dafür, dass der Revisionismus soweit ist, zu zeigen, dass genug Gras über die Geschichte gewachsen sei.

Wenn wir einen neuen Faschismus befürchten, ob nun einen mit zustimmender Massenbasis oder einen, der sich mit der schweigenden Mehrheit begnügt, dann dürfen wir das in der Gewissheit, dass sich die Herrschenden dennoch von der historischen Version des Faschismus wortreich distanzieren – denn er hat sein Ziel nicht erreicht.

Aus den bisherigen Ausführungen dürfte klar geworden sein, dass nationale Identität und Nationalismus kein naturwüchsigen Produkte sind, sonder historische Phänomene mit bestimmten, sich ändernden Hintergründen/Zwecken. Dabei stellt sich die Frage, wie sich Nationalismus konstruiert. Nationalismus ist dynamisch, wandelbar und eben nicht Wesenseigenschaft von Völkern, sonder ein Produkt innergesellschaftlicher Auseinandersetzungen (z.B. Kämpfe um kulturelle Hegemonie).

Um das Wesen von völkischem Nationalismus und nationaler Identität erfassen zu können, reicht es nicht zu sagen, Nationalismus sei ein Wegbereiter kapitalistischer Verwertung.

Denn in ihm konzentrieren sich auch Herrschaftsverhältnisse wie Rassismus und Patriarchat in einem komplexen strukturellen Zusammenhang. Angemessene Aussagen über Herrschaft lassen sich nicht über eine Summierung von Herrschaftsverhältnissen treffen. Nationale Identität (und damit verbunden die potentielle Entwicklung zum Nationalismus) tritt weltweit in unterschiedlicher Ausprägung auf. Doch weiter zum deutschen Nationalismus:

Technik des Nationalen

Ein Hinweis darauf, wie wichtig Geschichte oder Geschichtsverklärung, die Besetzung des Alltäglichen mit nationalen Symbolen den Ideologen des Nationalismus ist, gibt z.B. die Wiederaufstellung eines Replikates des „Kaiser-Wilhelm-I-Denkmals“ in Koblenz; die Szenerie ähnelte der von 1897, als das Denkmal zum ersten Mal aufgestellt wurde:

Sie [tausende Schaulustige] applaudieren und jubeln, als er [Kaiser Wilhelm] (…) auf seinem Sockel landet und nun hoch über Koblenz wieder für Deutschland reitet.“ (Süddeutsche Zeitung 3.9.1993)

Kaiser Wilhelm I. reitet wieder für Deutschland

Am 2. September 1993, dem sogenannten Sedantag, an dem sich Deutschlands Sieg gegen Frankreich in der „Schlacht von Sedan“ 1870 jährt, wurde das Replikat der Ende des II. Weltkriegs von einem US-Soldaten abgeschossenen Statue in Koblenz wiederaufgestellt.

Dennoch spielt das Bewusstsein einer gemeinsamen Geschichte im individuellen Bereich, der dem Massenphänomen Nationalismus zugrunde liegt, nicht die ausschlagende Rolle.

Nationale Identität ist nichts, was den „Angehörigen“ des Nationalstaates abgepresst wurden muss, ebenso werden sie nicht von der „Nützlichkeit“ nationaler Identität überzeugt.

Vielmehr ist nationale Identität auch eine zwanghafte Eigenleistung der „Staatsangehörigen“, die sich von Geburt an über bestehende gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse bildet; Verhältnisse, die die Staatsmacht teils bildet, teils verwaltet. Die Interessen und Bedürfnisse der Individuen konstituieren sich im Rahmen dieser Verhältnisse, ja das ganze Dasein ist nach Gesetz und Ordnung reglementiert. Der Wunsch der Individuen, ihren Interessen nachzugeben und Bedürfnisse zu befriedigen ist innerhalb dieser Ordnung dann auch deshalb erwünscht, weil sie den kapitalistischen Verwertungsprozess dienen. Der Staat (deutlich zu unterscheiden von der Regierung) muss den Staatsangehörigen als wohlwollender Anwalt der eigenen Interessen vorkommen. Der Erfolg von Staat und Kapital wird tendenziell als Voraussetzung des eigenen Wohlergehens gesehen. Im eigenen beständigen Scheitern wird in (national-)staatlicher Logik auch eine Staatsschwäche gesehen, die einer konsequenten Lösung bedarf.

Im Fall der vollständigen nationalistischen Identifikation sind die eigenen Interessen die des Staates.

Das Phänomen moderner Industrienationen, das in der Regel mit „Vereinzelung“ oder „Atomisierung“ bezeichnet wird und bedeutet, dass sich traditionelle soziale Zusammenhänge auflösen und der zwischenmenschlichen Bereich immer mehr von kapitalistischen Dienstleistungsverhältnissen durchdrungen wird, steht in keinem Widerspruch zur nationalen Identität, die an der „Volksgemeinschaft“ orientiert ist. Das Auflösen alternativer Identitäten (z.B. Klassenbewusstsein) bewirkt im Gegenteil ein unmittelbares Verhältnis zur Staatsmacht, zum Nationalen und bringt die Subjekte in gesinnungsmäßige Bedürftigkeit, für die immer ausschließlicher das Konstrukt „Volksgemeinschaft“ verfügbar wird.

Deshalb muss, nebenbei erwähnt, jede auf radikale gesellschaftliche Umwälzung zielende Politik auch eine Aufgabe darin sehen, die Bewegung als identitätsschaffende Gesamtheit zu begreifen.

Zunächst sollte hier deutlich werden, wie nahe eine Identitätsbildung über die Nation innerhalb eines nationalstaatlichen Systems liegt. Dabei ist allerdings noch nicht alles.

Völkisch bestimmt, nationalistische Identität ist vor allem über die zwangsläufig verinnerlichten Herrschaftsverhältnisse (s.o.) eine Identität, die sich über totalitäre Abspaltungsprozesse und Hierarchisierung bildet.

drucken | 28. Oktober 2012 | redside

Terminkalender

Samstag, 24.02.2024

Reclaim am 24. Februar: Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!?

Bald steht der 8. März und damit der internationale Frauenkampftag an. Die Parole wird auch dann wieder gerufen und wendet sich vor allem gegen die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland. Doch auch darüber hinaus nimmt der bürgerliche Staat massiven Einfluss auf unsere Lebens-und Familiengestaltung. Nicht immer ist das so offensichtlich und unmittelbar wie beim Abbruch. Ökonomische Gegebenheiten spielen in der kapitalistischen Gesellschaft ebenso eine Rolle wie politische Instrumente zur Regulierung von Kinderwunsch oder Verhütung.

Neben einem Input zu diesem breiten Themenfeld, habt ihr die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen zu Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch und Co zu stellen.

Wie immer gibt es leckeres Essen und von 19 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich über aktuelle Stadtteil-Themen auszutauschen. Wir freuen uns auf euch.

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk