Wem gehört die Stadt?

So­zi­al ge­rech­te Stadt­ent­wick­lung statt Mie­ter­hö­hun­gen, kom­mer­zi­el­le Stadt­um­struk­tu­rie­rung, Auf­wer­tung und In­nen­stadt­ver­trei­bung!

Über­all in Fürth ist das glei­che Bild zu sehen: Un­zäh­li­ge Ge­bäu­de sind von Ge­rüs­ten um­ge­ben, Bau­krä­ne sind an allen Ecken zu sehen und neue mo­der­ne Woh­nun­gen und Lu­xus­lofts schie­ßen aus dem Boden. Diese Maß­nah­men haben die lang­fris­ti­ge Auf­wer­tung be­stimm­ter Stadt­tei­le zum Ziel. Folge die­ser sind nicht nur stei­gen­de Mie­ten, son­dern auch die Ver­trei­bung von Men­schen aus ihren Woh­nun­gen. Sie müs­sen um­zie­hen und ehe­mals güns­ti­ge Stadt­tei­le wer­den meist kom­plett um­struk­tu­riert.
Im Rah­men un­se­rer Ver­an­stal­tungs­rei­he fra­gen wir uns nicht nur wem die Stadt ei­gent­lich „ge­hört“, son­dern dis­ku­tie­ren auch über Fürth, als „so­zia­le“ Stadt und die seit ei­ni­gen Jah­ren ak­ti­ven „Recht auf Stadt“-?Be­we­gun­gen. 

Ver­an­stal­tun­gen im De­zember 2011:

Recht auf Stadt?!
07.?12.?2011 | 19:00 Uhr | In­fo­la­den Be­n­a­rio
Warum ist es wich­tig in Fürth über die Recht auf Stadt Be­we­gung zu in­for­mie­ren? Auch hier fin­det pro­fit­ori­en­tier­te Stadt­ent­wick­lung statt, die wenig mit den Be­dürf­nis­sen der Für­the­rIn­nen zu tun hat. In einer kur­zen Ein­lei­tung wol­len wir die Si­tua­ti­on hier in Fürth etwas genau be­trach­ten. Im An­schluss wer­den zwei Ak­ti­vis­tIn­nen von Recht auf Stadt Ham­burg über die Grün­dung der In­itia­ti­ve be­rich­ten. Dabei er­läu­tern sie den Auf­bau und die ein­zel­nen In­itia­ti­ven, wer­den aber auch theo­re­tisch auf das Kon­zept von Recht auf Stadt ein­ge­hen. Grund­le­gend sol­len der Wi­der­stand gegen neo­li­be­ra­le Stadt­um­struk­tu­rie­rung und die mög­li­chen Er­fol­ge dar­ge­stellt wer­den.

Mie­ter­hö­hun­gen und was man da­ge­gen tun kann.
09.?12.?2011 | 19:00 Uhr | In­fo­la­den Be­n­a­rio
Wolf­gang Wink­ler ist Rechts­an­walt und Vor­sit­zen­der des Er­lan­ger Mie­te­rin­nen-? und Mie­ter­ver­ein e.V.. Er wird über das Thema Mie­ter­hö­hun­gen re­fe­rie­ren und in dem Vor­trag auf die Grün­de ein­ge­hen, die zur Stei­ge­rung des Miet­prei­ses füh­ren. Au­ßer­dem wer­den recht­li­che As­pek­te er­klärt: Wie hoch dür­fen Mie­ter­hö­hun­gen aus­fal­len, wel­chen Schutz hat man als Mie­te­rIn vor die­sen und wel­che Rech­te hat man ge­gen­über dem/der Ver­mie­te­rIn?

Spiel­film
14.?12.?2011 | 19:30 Uhr | In­fo­la­den Be­n­a­rio
Der Be­sit­zer eines alten Miets­hau­ses in einem Vor­ort der ko­lum­bia­ni­schen Haupt­stadt Bo­go­ta will das Haus räu­men und des­sen Be­woh­ne­rIn­nen auf die Stra­ße set­zen las­sen. Doch in der „Casa Uribe“ lebt eine zu­sam­men­ge­wür­fel­te Men­schen­schar, die ge­mein­sam einen ge­nia­len Plan ent­wi­ckeln, um die noch ver­blie­be­ne Zeit bis zum an­ge­droh­ten Raus­wurf zu nut­zen.
(Ko­lum­bi­en 1993, 115 Mi­nu­ten)

Po­di­ums­ver­an­stal­tung: So­zia­les Fürth?
15.?12.?2011 | 19:30 Uhr | BIKO im Ge­werk­schafts­haus, Kö­nigs­war­ter Str. 16, Fürth
Von der Miet­pau­scha­le für Hartz-?IV Emp­fän­ge­rIn­nen, über kos­ten­pflich­ti­ge Bil­dung, bis zu viel zu teu­ren Fahr­prei­sen für Bus und Bahn – das alles sind all­täg­li­che Pro­ble­me fi­na­zi­ell be­nach­tei­lig­ter Men­schen in der Stadt.
Bei der Po­di­ums­ver­an­stal­tung sol­len diese Pro­ble­me und die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on in Fürth dis­ku­tiert wer­den. Dazu sind Ak­ti­vis­tIn­nen des Bil­dungs­streik-?Bünd­nis­ses, der Für­ther Er­werbs­lo­sen In­itia­ti­ve, dem Bünd­nis für ein So­zi­al­ti­cket und dem Bay­ri­schen Flücht­lings­rat ein­ge­la­den.

Der Auf­ruf zur Ver­an­stal­tungs­rei­he:

Wem ge­hört die Stadt?

Über­all in Fürth ist das glei­che Bild zu sehen: Un­zäh­li­ge Ge­bäu­de sind von Ge­rüs­ten um­ge­ben, Bau­krä­ne sind an allen Ecken zu sehen und neue mo­der­ne Woh­nun­gen und Lu­xus­lofts schie­ßen aus dem Boden. Diese Maß­nah­men haben die lang­fris­ti­ge Auf­wer­tung be­stimm­ter Stadt­tei­le zum Ziel. Folge die­ser sind nicht nur stei­gen­de Mie­ten, son­dern auch die Ver­trei­bung von Men­schen aus ihren Woh­nun­gen. Sie müs­sen um­zie­hen und ehe­mals güns­ti­ge Stadt­tei­le wer­den meist kom­plett um­struk­tu­riert. Wie­der ein­mal trifft es dabei die schwä­cher Ge­stell­ten. Die Stadt Fürth lässt den Im­mo­bi­li­en­fir­men dabei wei­test­ge­hend freie Hand, schließ­lich pro­fi­tiert auch sie von zah­lungs­kräf­ti­gen Be­woh­ne­rIn­nen in ihrer Stadt. Für die Men­schen, die einst in den kos­ten­güns­ti­gen Woh­nun­gen leb­ten, ist diese Po­li­tik je­doch alles an­de­re als „so­zi­al“.

„So­zia­le Stadt“ Fürth?

Das Bund-?Län­der­pro­gramm „Die So­zia­le Stadt – Stadt­tei­le mit be­son­de­rem Ent­wick­lungs­be­darf“ wurde 1999 in­iti­iert. Die Stadt Fürth ist seit dem Jahr 2000 Teil des bun­des­wei­ten Pro­jekts und be­zieht För­der­mit­tel von Bund und Land. Das Ziel ist es die sog. „Ab­wärts­spi­ra­le in be­nach­tei­lig­ten Stadt­tei­len auf­zu­hal­ten und die Le­bens­be­din­gun­gen vor Ort um­fas­send zu ver­bes­sern.“ – Auf den ers­ten Blick eine lo­bens­wer­te Ziel­set­zung. In Fürth konn­ten seit dem Start etwa 150 Pro­jek­te rea­li­siert und ge­för­dert wer­den. Schaut man je­doch ge­nau­er hin­ter die Fas­sa­den des Pro­gramms wer­den die po­si­ti­ven Ent­wick­lungs­li­ni­en schnell brü­chig, kon­zen­triert sich die Sa­nie­rungs­wut doch haupt­säch­lich auf Fas­sa­den­ar­bei­ten, die Schaf­fung von Grün­flä­chen oder der nach­träg­li­chen An­brin­gung von Bal­ko­nen. Die Ver­bes­se­run­gen im Be­reich der Städ­te­bau­för­de­rung zie­len dabei pri­mär auf die Bin­dung von Mit­tel­schichts­fa­mi­li­en in den Quar­tie­ren. Wohl­ha­ben­de Fa­mi­li­en sind In­di­ka­to­ren für eine ge­woll­te Auf­wer­tung be­stimm­ter Vier­tel. So fol­gen ihnen neue Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten und Ge­schäf­te von die­sen wie­der­um die Stadt – durch hö­he­re Ein­nah­men der Ge­wer­be­steu­er – pro­fi­tiert. Auf­wer­tungs­pro­zes­se sind also wirt­schaft­lich at­trak­tiv für die Stadt. All die Maß­nah­men haben die Stei­ge­rung der „Wohn- und Le­bens­qua­li­tät“ zum Ziel. Die­ser Fol­gen je­doch Mietstei­ge­run­gen, die Pri­va­ti­sie­rung von ehe­mals öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen und schließ­lich die Aus­gren­zung von wei­ten Tei­len der Ge­sell­schaft – um nur ei­ni­ge Fol­gen zu nen­nen. Die Hal­len­bä­der, das neue Ther­mal­bad und das Frei­bad in Fürth wur­den kom­plett pri­va­ti­siert und fir­mier­ten als „Bä­der­land“ Fürth. Teile die­ser wur­den mitt­ler­wei­le wie­der re­pri­va­ti­siert, da der In­ves­tor die hohen Kre­di­te nicht zu­rück­zah­len konn­te, wo­durch enorm hohe Kos­ten für die Kom­mu­ne ent­stan­den. Der städ­ti­sche So­zi­al­bau wurde so gut wie ein­ge­stellt und nur durch ein brei­tes Bünd­nis konn­te die Pri­va­ti­sie­rung der Stadt­ent­wäs­se­rung ver­hin­dert wer­den.
Hin­ter dem Pro­gramm der „So­zia­len Stadt“ ver­ber­gen sich also Maß­nah­men, die wenig mit einer so­zia­len Stadt­ent­wick­lung zu tun haben und schon gar nicht auf die Be­dürf­nis­se von fi­nan­zi­ell schwa­chen Men­schen aber auch „nor­mal“ Ver­die­nen­den ein­ge­hen. Bei­spiel­haft dabei ist das Vor­ge­hen der P&P Grup­pe Bay­ern. Durch eine äu­ßert enge Ko­ope­ra­ti­on mit der Stadt Fürth ist das Un­ter­neh­men an zahl­rei­chen Lu­xus­sa­nie­run­gen be­tei­ligt und er­hält na­he­zu jeden Auf­trag der Stadt den sie möch­te. Dass es P&P dabei nicht um die In­ter­es­sen der Men­schen in Fürth, son­dern um ei­ge­ne Pro­fit­in­ter­es­sen, geht liegt auf der Hand.
In der Pra­xis setz­ten viele Pro­gram­me also zu­nächst auf die Auf­wer­tung des Ima­ges der be­nach­tei­lig­ten Stadt­vier­tel und eine Ak­ti­vie­rung der Be­woh­ner­schaf­ten. Ganz im Sinne neo­li­be­ra­ler Prin­zi­pi­en der Ei­gen­ver­ant­wor­tung sol­len die Quar­tiers­ma­nage­ments die Nach­bar­schaf­ten zur Selbst­hil­fe be­fä­hi­gen. Dass oft vor allem die­je­ni­gen auf die Be­tei­li­gungs­an­ge­bo­te an­spre­chen, die auf­grund ihrer so­zia­len und öko­no­mi­schen Po­si­ti­on die Un­ter­stüt­zung am we­nigs­ten nötig haben, wird weit­ge­hend in Kauf ge­nom­men. Sind es doch meist die bil­dungs­bür­ger­li­chen Schich­ten, die in den Ge­bie­ten ge­hal­ten wer­den sol­len.

Die Be­we­gung „Recht auf Stadt“

„Neh­men wir uns das Recht auf Stadt! Es liegt auf der Stra­ße, es hängt in Bäu­men und ver­steckt sich unter Pflas­ter­stei­nen.“ Unter die­sem Motto grün­de­te sich 2009 die Recht auf Stadt (RaS) Be­we­gung in Ham­burg. Ver­schie­dens­te In­itia­ti­ven kämp­fen gegen un­ge­rech­te städ­ti­sche Um­struk­tu­rie­rung und gegen Groß­pro­jek­te, die die Be­woh­ne­rIn­nen nicht wol­len. Sie for­dern be­zahl­ba­ren Wohn­raum für Alle, städ­ti­sche Frei­räu­me, eine wirk­lich de­mo­kra­ti­sche Stadt und die Er­hal­tung von öf­fent­li­chen Grün­flä­chen, für das Recht auf Stadt für alle Be­woh­ne­rIn­nen – gegen Gen­tri­fi­zie­rung und neo­li­be­ra­le Stadt­ent­wick­lung. Dabei ver­steht RaS die Stadt nicht (nur) als geo­gra­phi­schen Ort, son­dern viel­mehr als Le­bens­raum in dem Men­schen mit­ein­an­der han­deln.
Von Ham­burg aus­ge­hend bil­de­ten sich neue städ­ti­sche Pro­test­be­we­gun­gen in Deutsch­land – bei­spiels­wei­se in Kon­stanz, Mün­chen und Frei­burg – die gegen die neo­li­be­ra­le Vor­herr­schaft ei­ge­ne An­sprü­che an den städ­ti­schen Ent­wick­lun­gen ein­for­dern. Be­reits 2007 grün­de­te sich die in­ter­na­tio­na­le „Right to the city“ Be­we­gung. Mas­sen­pro­tes­te in Me­xi­ko und an­de­ren la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Län­dern zei­gen, dass sich auch brei­ter Pro­test gegen kom­mer­zi­el­le Stadt­po­li­tik for­miert.
Auch in Fürth ist es Zeit über die Pro­gram­me und den Hand­lungs­spiel­raum der Kom­mu­ne zu dis­ku­tie­ren. Wir kön­nen nicht län­ger dabei zu­se­hen wie Stadt­spit­ze und Po­li­tik Ko­ope­ra­tio­nen mit gro­ßen Un­ter­neh­men ein­ge­hen und dabei alles an­de­re als eine so­zia­le Stadt­ent­wick­lung vor­an­treibt. Auch wir müs­sen hier aktiv wer­den. Mit einem „Recht auf die Stadt“ ver­bin­den sich näm­lich nicht nur Mo­bi­li­sie­run­gen zu ein­zel­nen Kon­flikt­li­ni­en mar­gi­na­li­sier­ter In­ter­es­sen­grup­pen, son­dern die Chan­ce auf so­zia­le Mo­bi­li­sie­run­gen und neue Bünd­nis­se, die Per­spek­ti­ven einer Ver­ge­sell­schaf­tung jen­seits von Staat und Markt ver­fol­gen.

Die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on in Fürth

Die Ar­beits­lo­sen­quo­te in Fürth liegt der­zeit „of­fi­zi­ell“ bei 7,4% (mit ein­ge­rech­net wer­den bei die­sen Zah­len je­doch nicht die­je­ni­gen, die sich in ar­beits­ver­mit­teln­den Maß­nah­men und in „Ein-?Eu­ro-?Jobs“ be­fin­den) und damit rund 2% über dem bun­des­wei­ten Durch­schnitt. 10,4% aller Schul­ab­gän­ge­rIn­nen er­wer­ben kei­nen Schul­ab­schluss, nur 12% aller Kin­der kön­nen in Kin­der­ta­ges­stät­ten be­treut wer­den und die kom­mu­na­len Schul­den in Fürth lie­gen mit 1.?716 Euro je Ein­woh­ne­rIn deut­lich über dem deut­schen Durch­schnitt. Die so­wie­so zu nied­rig an­ge­rech­ne­te Miet­pau­scha­le für Hartz IV Emp­fän­ge­rIn­nen, wel­che von Kom­mu­ne zu Kom­mu­ne va­ri­iert, wurde seit der Ein­füh­rung von Hartz IV nicht er­höht, ob­wohl die Mie­ten flei­ßig stei­gen. Es scheint also, dass es in Fürth ob­jek­tiv nur we­ni­ge Grün­de für die ge­ziel­te Auf­wer­tung und Ver­trei­bung gibt. Nichts­des­to­trotz stei­gen in Fürth laut dem ak­tu­el­len Miet­spie­gel, die Mie­ten im Durch­schnitt um über 5%. Dabei sind ins­be­son­de­re die bis­her bil­li­ge­ren Woh­nun­gen im In­nen­stadt­raum be­trof­fen.
All diese Werte und Ent­wick­lun­gen geben viel­mehr An­lass ein Pro­gramm der So­zia­len Stadt zu ent­wi­ckeln, wel­ches Men­schen nicht aus dem ge­sell­schaft­li­chen Leben aus­schließt, wel­ches so­zi­al ge­rech­te Stadt­ent­wick­lung zu­grun­de legt und wel­ches keine Auf­wer­tung auf Kos­ten der Schwächs­ten voll­zieht. Es liegt an uns der Po­li­tik, die wenig mit den Be­dürf­nis­sen der Men­schen in Fürth zu tun hat, ihre Gren­zen auf­zu­zei­gen. Eine Po­li­tik, die ein So­zi­al­ti­cket für un­fi­nan­zier­bar hält, die Er­werbs­lo­se aus dem ge­sell­schaft­li­chen Leben aus­schließt, die Flücht­lin­ge und Mi­gran­tIn­nen nach wie vor dis­kri­mi­niert und die nicht dafür sorgt eine so­zi­al ge­rech­te Bil­dung zu eta­blie­ren. Es liegt an uns Al­ter­na­ti­ven zu ent­wi­ckeln und diese durch­zu­set­zen, denn un­se­re In­ter­es­sen kön­nen wir nur selbst um­set­zen. Es liegt an uns Wege auf­zu­zei­gen, wie sich Mie­te­rIn­nen vor un­ge­rech­ten Mietstei­ge­run­gen und wenig so­zia­ler Um­struk­tu­rie­rung schüt­zen kön­nen. Und es liegt auch an uns, dass ge­sell­schaft­li­che Aus­gren­zung, Dis­kri­mi­nie­rung und ge­rin­ge Bil­dungs­chan­cen end­lich ad Acta ge­legt wer­den. Wir müs­sen uns die Stadt zu­rück­er­obern!

Sie wer­den uns nicht ver­trei­ben! – Eine Stadt für Alle!

Na­tür­lich stellt sich die Frage, warum das ganze hier in Fürth und an­ders­wo so ge­schieht. Was sind die Hin­ter­grün­de für diese Stadt­ent­wick­lung? Warum wer­den be­wusst Men­schen aus be­stimm­ten Vier­teln ver­drängt und aus­ge­grenzt? Wes­halb zielt Stadt­um­struk­tu­rie­rung auf die Ver­trei­bung fi­nan­zi­ell schwa­cher Men­schen und auf die­je­ni­gen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund ab?
Die Ant­wort ist über­all die glei­che: Das heu­ti­ge Wirt­schafts­sys­tem, wel­ches auch das Ge­sell­schafts­sys­tem be­stimmt, zielt di­rekt auf diese Me­cha­nis­men ab. Im Ka­pi­ta­lis­mus müs­sen wir uns dem Pro­fit­in­ter­es­se We­ni­ger, der Ak­ku­mu­la­ti­on von Ka­pi­tal und Aus­beu­tungs­ver­hält­nis­sen ein­fach un­ter­ord­nen, weil sie ver­meint­lich bes­ser für Alle sind. Tat­säch­lich ist für die „Über­flüs­si­gen“ (die­je­ni­gen die nicht in die Pro­fit­lo­gik der herr­schen­den Klas­se pas­sen) – seien es auch 10% der Stadt­ge­sell­schaft – kein Platz. Sei es die Mo­bi­li­tät für Be­nach­tei­lig­te, sei es Dis­kri­mi­nie­rung auf un­ter­schied­lichs­ten Ebe­nen oder sei es der Um­gang mit Er­werbs­lo­sen. Und genau aus die­sem Grund zielt Stadt­ent­wick­lung – und damit auch Ge­sell­schafts­ent­wick­lung – nicht auf die Be­frie­di­gung ihrer Be­dürf­nis­se, son­dern auf die Pro­fit­ma­xi­mie­rung der Herr­schen­den ab.
Eine nicht-?pro­fit­ori­en­tier­te Stadt scheint mit der der­zei­ti­gen Herr­schafts­form nicht mög­lich, auch wenn kon­kre­te Kämp­fe Ver­bes­se­run­gen be­wir­ken kön­nen. Wich­tig wäre dies je­doch, weil die Stadt in der mo­der­nen Welt einen ge­sell­schafts­be­stim­men­den Ein­fluss er­reicht hat. Die so­zia­len Pro­tes­te welt­weit, sei es in La­tein­ame­ri­ka, in Eng­land oder Spa­ni­en gin­gen immer häu­fi­ger von der Stadt aus und hän­gen di­rekt mit ihr zu­sam­men. Sie ist nicht mehr nur geo­gra­phi­scher Raum, sie hat Ein­fluss auf uns. Tag­täg­lich be­we­gen wir uns in ihr und die For­de­run­gen nach einer an­de­ren Ge­sell­schaft und so­zia­len Ver­bes­se­run­gen sind auch immer die For­de­rung nach einer an­de­ren Stadt. Das Recht auf Stadt äu­ßert sich also als eine hö­he­re Form von Rech­ten: Recht auf Frei­heit, auf Selbst­be­stim­mung, auf Wohn­raum und Woh­nen.
Neh­men wir uns also das, was oh­ne­hin schon uns ge­hört. Las­sen wir Po­li­tik und Wirt­schaft nicht län­ger über un­se­re Köpfe hin­weg ent­schei­den wie Stadt­pla­nung für uns am sinn­volls­ten ist. Zei­gen wir, was wir von der ka­pi­ta­lis­ti­schen Stadt­um­struk­tu­rie­rung hal­ten! Zei­gen wir, was wir davon hal­ten, dass das Pro­fit­in­ter­es­se ein­zel­ner höher be­wer­tet wird als das kol­lek­ti­ve In­ter­es­se von vie­len! Neh­men wir uns das Recht auf Stadt für Alle.

Den Auf­ruf un­ter­stüt­zen:

Linke und kri­ti­sche Stu­den­tIn­nen, Ra­di­ka­le Linke Nürn­berg, Young strugg­le, Die Linke im Für­ther Rat­haus, Fürther Sozialforum, DKP Fürth, Netz­werk lin­ker Ak­tivis­tInnen, Au­to­no­me Ju­gend­an­ti­fa Nürn­berg, Or­ga­ni­sier­te Au­to­no­mie Nürn­berg, Ju­gend­an­ti­fa Fürth, Al­ter­na­ti­ve Kul­tur Nürn­berg, Pro­jekt 31, Banda Si­nis­tra Er­lan­gen, Ju­gend­an­ti­fa Er­lan­gen, An­ti­fa­schis­ti­sches Ak­ti­ons­bünd­nis Nürn­berg, Kof­fer­fa­brik Fürth

Die Ver­an­stal­tun­gen un­ter­stüt­zen:
Für­ther Er­werbs­lo­sen­in­itia­ti­ve, Für­ther Was­ser­bünd­nis

drucken | 22. November 2011 | Antifaschistische Linke Fuerth

Terminkalender

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk