Termine

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Montag, 18.03.2024

Raus zum Tag der politischen Gefangenen!

Der weltweite Kampf der kapitalistischen Staaten um Absatzmärkte, Einflusszonen und Investitionsmöglichkeiten wird schärfer und es entstehen im Zuge dessen schon länger immer offenere Konflikte, die immer mehr Eskalationspotential bieten. Unzweifelhaft dämmert die Neuaufteilung der Welt. Der von der NATO angeheizte und von der Russischen Föderation zum militärischen Gefecht eskalierte Konflikt um die Ukraine ist dabei nur ein Beispiel. Weitere sind das Ringen der USA und China um Taiwan, wie auch Versuche verschiedener Akteure, mehr Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent zu gewinnen.

Hinzu kommt, dass im vergangenen Oktober Israel durch militante palästinensische Gruppen, unter Führung der Hamas, militärisch angegriffen wurde. Das israelische Militär begann daraufhin den Gazastreifen zu bombardieren. Dieser vorläufige Höhepunkt des seit Jahrzehnten bestehenden Konflikts hält seitdem an.

In dieser brandgefährlichen Gemengelage vertritt auch die BRD ihre Interessen bzw. die des deutschen Kapitals. Und damit das möglichst ungestört von statten geht, sollen wir Werktätige möglichst wenig sagen und tun, was dem im Weg steht. Deshalb findet in allen Fragen, die diese Interessen betreffen, ein besonders krasser Kampf um die Meinungen der Menschen statt. Deshalb tritt der Staat zunehmend repressiver auf – generell, aber auch im Besonderen:

Gegen Menschen, die sich Versuchen, die Gesellschaft immer weiter nach rechts zu drängen, entgegenstellen oder gegen Menschen, die Kriegsrhetorik etwas entgegensetzen. Gegen Menschen, die soziale Proteste organisieren oder solche, die den Kapitalismus ankreiden. Hier sollen nur ein paar Beispiele genannt sein.

So kommt es, dass die kurdische Freiheitsbewegung kriminalisiert wird - im Januar startete der Prozess gegen Tahir Köcer, der im vergangenen Jahr in Nürnberg festgenommen wurde. Ihm wird nach §129b StGB die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen. So kommt es, dass die, die zum Nahostkonflikt eine Meinung vertreten, die nicht der deutschen Staatsräson entspricht, eingeschüchtert werden. Das passiert bspw. über Verbote palästinasolidarischer Demonstrationen, Razzien gegen die migrantische Selbstorganisation ZORA und medial erhobene Forderungen nach Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit für Nicht-staatsbürger und schnellerer Abschiebungen von vermeintlichen Antisemiten. So erklären sich ebenfalls die Angriffe der Polizei auf die Luxemburg und Liebknecht Demonstration in Berlin oder, dass mehrere Dutzend KlimaaktivistInnen bereits vor Beginn der Internationalen Automobil Ausstellung 2023 in München in Präventivhaft genommen worden sind. Nicht zuletzt ist das wohl der Grund, wegen dem in Nürnberg gegen mehrere AntifaschistInnen nach §129 ermittelt wird, weil sie Graffiti gesprüht haben sollen.

Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten, dass wir uns bemühen, es der Repression nicht unnötig einfach zu machen. Dass wir uns umeinander kümmern und für alle von Repression Betroffenen da sind. Dass wir den vielen Gefangenen Briefe schreiben und sie nicht vergessen. Dass wir solidarisch zusammenstehen.

In diesem Sinne wollen wir den Tag der politischen Gefangenen, den 18.03.2024 mit einer Kundgebung begehen.

18 Uhr Kundgebung am Jamnitzerplatz. Anschließend wird es Gefangenen schreiben in der Vokü ab 19 Uhr geben.

Verbreitet unseren Aufruf gerne weiter und nutzt unsere Sharepics (1414x2000, 500x707).

Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk

Publikationen

Was war los

28.02.1981
In Brokdorf demonstrieren trotz Verbot rund 100.000 Menschen gegen den Bau des AKW. Die meisten dringen nicht zum Bauzaun vor. Auf den Feldern um den Bauplatz kommt es zu SEK- und Hubschraubereins?tzen.

Vertraute Gerüche – Teil 2

Integration, Unterschichten und Untermenschen

In der letzten Ausgabe hatten wir Euch einige Gedanken zur Integrationsdebatte und ihren Hintergründen angeboten. Dass dabei wenig von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit die Rede war, hat sicher einige LeserInnen sicher gewundert. Auch in diesem zweiten Teil verzichten wir darauf darzulegen, warum Rassismus schlecht ist. Wir setzen die Überlegung fort, dass der Streit um “Integration??? ein Teil der Auseinandersetzung ist, wie mit all den für die Wirtschaft unnützen Subjekten umzugehen ist. Mit all jenen, die unverwertbar sind, deren Arbeitskraft dauerhaft niemand kaufen will, mit denen, die für ein im Dienste des Kapitals stehenden Gemeinwesen eine Belastung darstellen. Wir haben dargelegt, dass die Selektion und Konkurrenz, die notwendiger Bestandteil des Regimes der Marktwirtschaft sind, jene VerliererInnen erst hervorbringt, die als Unterschicht tituliert werden und gegen die derzeit eine solch schmutzige Kampagne geführt wird. Sarrazin und Co. gehen dagegen natürlich davon aus, dass es die Existenz dieser Unterschicht ist, die zu Armut  und Delinquenz und weiterem Elend führt. Der Themenkomplex Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ist also nur eine (wichtige) Zutat der sogenannten Integrationsdebatte. Es ist kein Zufall, dass der Autor des „Sachbuchs“ „Deutschland schafft sich ab“ als erstes und in erster Linie einen Feldzug gegen den unproduktiven Hartz IV-Abschaum führte.

Einig sind sich Sarrazin und seine bürgerlichen KritikerInnen darin, dass „der Mensch“ dem Wohle der deutschen Wirtschaft zu dienen hat. Sein gesellschaftlicher Wert bemisst sich daran, in welchem Maße er dieser seiner Bestimmung gerecht wird.

Die Ansichten Sarrazins und seiner bürgerlichen KritikerInnen unterscheiden sich im wesentlichen lediglich in den teilweise unterschiedlichen Antworten, die sie auf die von ihnen ausgemachte bevölkerungspolitische Herausforderung finden. Sind Unterschichtler und Kopftuchmädchenproduzenten durch die harte, aber fürsorgliche Hand des Staates noch formbar? Können wenigstens ihre Kinder noch zu verwertbaren StaatsbürgerInnen zugerichtet werden? Ist das Problem eher ein Genetisches oder ein Soziales? Derart sind die Fragen, zu denen Thilo Sarrazin und Ursula von der Leyen unterschiedlicher Meinung sind. Dass Deutschland sich abschafft, glauben wohl allenfalls die bescheuertsten Anhänger Thilo Sarrazins. Dass es ein Bevölkerungs- und Migrationsproblem gibt, das im Sinne der KapitalistInnen gelöst werden muss – diese Meinung teilen sie alle.

Überflüssige, Unintegrierte und Eugenik

(Kostenlose Schwangerschaftsfürsorge für arme Mütter) „trägt dazu bei, dass  die gesünderen und normaleren Teile der Welt die Last der gedanken- und rücksichtslosen Fruchtbarkeit anderer schultern; Dies bringt, und der Leser muss hier wohl zustimmen, einen Ballast menschlichen Abfalls mit sich. Anstatt die Bestände, welche der Zukunft der menschlichen Rasse und der Welt am abträglichsten sind, zu vermindern und darauf abzuzielen sie zu eliminieren, ist dies darauf gerichtet, sie in einem bedrohlichen Maße dominant zu machen.
Margaret Sanger, Der Angelpunkt der Zivilisation, 1922

Ein wichtiges Problem, das von der Leyen und Sarrazin gleichermaßen haben: Die unproduktiven und minder verwertbaren Teile der Bevölkerung vermehren sich stärker als die Ober- und Mittelschichten. Die herrschende Klasse, ihre PolitikerInnen und ihre Intellektuellen kennen eine Reihe von Maßnahmen, mit denen diesem Problem begegnet werden kann. Steuerung der Population (und bei Sarrazin und Co. immer auch Züchtung) durch Migrationsplanung ist eine davon. FacharbeiterInnen und AkademikerInnen dürfen rein, vor allem, wenn sie aus verträglichen “Kulturkreisen??? kommen und also keine Absichten haben, nebenbei einen Flugschein zu machen. Nicht Integrierbare (früher hieß das “Artfremde???), fruchtbare Gemüsehändler, kriminelle kurdische Kleinkinder usw. müssen draußenbleiben, werden rausgeschmissen oder so lange schikaniert, bis sie “freiwillig??? gehen. Züchtung nach von der Leyen und Familienministerin Schröder sieht natürlich außerdem Wurfprämien für AkademikerInnen und entmutigenden Terror gegen arme Eltern vor, außerdem verstärkte staatliche  Betreuung und Zwangserziehung für dennoch produzierte Unterschichtskinder. Hinter den unterschiedlichen Vorstellungen zu den Details steht lediglich die beschissene alte Diskussion um den Einfluss von Anlagen vs. den Einfluß der Sozialisation.
Sarrazins Ansichten zur Bevölkerungs- und Zuwanderungspolitik sind alles andere als neu. Die zu Beginn dieses Abschnitts zitierte Margaret Sanger (1879 – 1966), eine amerikanische Frauenrechtlerin  und bedeutende Vorkämpferin für das Recht auf Empfängnisverhütung, teilte ihre rassistischen und rassenygienischen Ansichten mit sozialistischen Intellektuellen wie H.G. Wells und Jack London. Sanger empfahl „eine strikte und unbeugsame Politik der Sterilisierung und Absonderung jener Teile der Bevölkerung anzuwenden, deren Nachkommenschaft verdorben ist, oder deren Erbgut von solcher Art ist, dass verwerfliche Charakterzüge möglicherweise auf den Nachwuchs übertragen werden.“ (A Plan For Peace, 1932) und eine nach IQ gesteuerte Zuzugspolitik, durch die KatholikInnen, Juden und Jüdinnen und die Habenichtse aller Länder von den USA ferngehalten werden sollten. Das Konzept der Intelligenz ist eine der infamsten Rechtfertigungsideologien der Herrschenden. Natürlich spielt auch in der Eugenikbewegung der Rassismus der Intelligenz eine zentrale Rolle. Wie halt auch bei Dr. Sarrazin.
Sarrazins „Tabubruch“ ist eben nichts als das Wiederkäuen von Vorstellungen und Konzepten, die schon vor etlichen Jahrzehnten weit verbreitet waren – von der politischen Rechten bis in das (westliche) sozialistische Lager hinein. Einen Grund, ihn aus der SPD auszuschließen, stellen seine Überzeugungen eigentlich nicht dar. Sie sind so sozialdemokratisch wie Noske und der Verrat am Proletariat.
In vielen sozialistischen Strömungen, die sich nicht oder nicht ausreichend auf das Proletariat als führende Kraft bezogen, spielte Eugenik (bis hin zu Plänen, eine „Superrasse“ zu züchten) seit der zweiten Hälfte des 19. Hahrhunderts eine wichtige Rolle. Die AnhängerInnen sozialistischer Eugenik bezogen sich auf die nationalökonomischen Bevölkerungstheorien Thomas Robert Malthus´ und auf Konzepte, die sich  der Übertragung der Darwinschen Lehre in die Sphäre der menschlichen Gesellschaft widmeten. Selbst die konsequente Umsetzung dieser Vorstellungen durch die NationalsozialistInnen führten nicht zu einer dauerhaften Schwächung eugenischer Positionen. 1941 wurde in Schweden das ohnehin umfangreiche Sterilisationsprogramm erweitert. Es umfasste medizinische und soziale Indikationen, blieb in den Jahrzehnten des sozialdemokratischen Wohlstandsstaates in Kraft und wurde erst 1976 eingestellt. In Deutschland entsprach die Zwangssterilisation von behinderten Frauen übrigens bis 2003 der Gesetzeslage.

Der echte Horror vor Unterklassen und Fremden

Es ist doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern insgesamt schwerer tun. Daraus ziehe ich auf jeden Fall den Schluss, dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen.
Horst Seehofer, bayerischer Ministerpräsident

Ein besonderes Problem in der Integrationsdebatte stellen anatolische Gemüsehändler und arabische Kriminelle dar, die zu viele Kopftuchmädchen produzieren sowie Libanesen die laut “Bild??? zu 90% von der Stütze leben. Neben den Aspekten der Bevölkerungsplanung greift hier noch etwas anderes: Eine echte Furcht vor „dem Fremden“, echter Rassismus in weiten Teilen der Bevölkerung, auf den die “Integrationsdebatte??? trifft. Noch immer fällt es der herrschenden Klasse recht leicht, Opfer des Kapitalismus und Unterdrückte zur Solidarisierung (und sogar Identifizierung) mit den UnterdrückerInnen zu bewegen. Nicht wenige derjenigen, die einen Scheißdreck zu sagen haben gefallen sich in der Illusion, sie könnten als Teil eines großen Kollektivs der Deutschen/der Anständigen oder was auch immer Autorität ausüben.
Wenigstens über die Teilnahme an der Hetze gegen “Ausländer??? und “Arbeitsscheue??? findet so manch autoritärer Charakter Trost.
Wie froh waren diese Menschen, dass da endlich mal einer Klartext redet. Ein Tabubruch soll das sein, und damit ist gemeint, dass nicht jedes bürgerliche Medium immer bereit ist, rassistischen und nazinahen Dreck zu verbreiten. Was wollen die denn sagen (und dürfen angeblich nicht) wenn sie äußern: „Aber in Deutschland darf man heutzutage Manche Sachen ja gar nicht mehr sagen“  Was sie damit jeweils meinen, ergibt sich aus dem Kontext. Zum Beispiel könnte die Rede sein von Juden und Geld, linken Demonstranten und wie mit radikaler Opposition früher mal verfahren wurde usw.
Dass da „endlich mal einer sagt“, was sowieso ständig in vielen Medien präsentiert wird, nehmen RassistInnen, EugenikerInnen und kleinbürgerliche Faschismusfans auch deswegen so begeistert auf, weil es ein  „Intellektueller“ und Nicht-Nazi ist, der da spricht. Und vom kleinen CSU-Deppen bis zum SPD-Chef sprangen sie alle auf den Zug auf. Die Nürnberger SPD lud sich immerhin nur Buschkowsky (SPD), den Sarrazin für Vorsichtige, ein.
Die einen Opfer des Systems gegen die anderen auszuspielen ist immer noch die stärkste und wichtigste Waffe der Herrschenden. Dass nach einer aktuellen Studie der Universität Leipzig für die Friedrich-Ebert-Stiftung sich ausländerfeindliche Ansichten, abgesehen von den AnhängerInnen von Naziparteien, am ehesten bei ParteigängerInnen der SPD finden verwundert kaum. Das Wort „minderwertig“ nimmt in diesem Zusammenhang momentan keiner aus dem bürgerlichen Lager in den Mund, stattdessen heißt es zum Beispiel, der Zuzug von“weniger intelligenten und integrationsunfähigen“ Menschen sei zu verhindern. Von Art, Rasse und Genen ist im Integrationsdiskurs der Mitte meistens nicht die Rede. Stattdessen sind nun “Kulturkreise???, “rückständige Sozialisation??? und “Parallelgesellschaften??? und “Islam??? rassistische Kampfbegriffe. Das ist moderner und weniger offen irrational – sonst ist der Unterschied gering.
Gerne suhlen sich deutsche RassistInnen in der Vorstellung, sie seien die eigentlichen Opfer von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus – nämlich einer unter MigrantInnen in Deutschland übel um sich greifenden Deutschenfeindlichkeit. Eine aktuelle Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen wird zwar in diesem Zusammenhang gerne zitiert, belegt aber eher eine erstaunliche Deutschenfreundlichkeit der MigrantInnen und stellt zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen sozialer Ausgrenzung und „deutschenfeindlicher“ Einstellungen her. Deshalb kommen Sarrazin und seinesgleichen in diesem Zusammenhang auch lieber mit Beispielen aus dem Bereich des Hörensagens daher. Oder mit eigenen, schlimmen Erfahrungen:
Familienministerin Kristina Schröder will von anonymen Anrufern als „deutsche Schlampe“ bezeichnet worden sein und findet das ganz schrecklich. Sie ist eben uns noch nicht begegnet.
Sicher haben der mobilisierte Rassismus und die mediale Integrationsdebatte viele Funktionen und Hintergründe, auf die wir hier nicht eingegangen sind. Sie seien wenigstens erwähnt:
Zum Beispiel verhinderte die Debatte eine stärkere öffentliche Artikulation der Unzufriedenheit mit der Verteilung der Krisenkosten. Sie kam rechtzeitig nach Fußball-WM und Urlaubszeit. Mit ihrem Abklingen wurde eine “sehr ernste??? Terrorwarnung ausgegeben und demnächst ist wohl eine neue Epidemiewarnung fällig.
Ein weiterer Aspekt, der nicht mehr behandelt werden kann:
Deutschland wird immer dümmer, meldet die Bildzeitung zu Sarrazins Thesen. Statt sich darüber zu freuen, da es eine Steigerung der Auflage verspricht, schlägt das Springerblatt aber natürlich Alarm. Sie tut dies im Verlauf der Integrationsdebatte in zig Ausgaben auf der Titelseite. Die “Bild??? und andere Medien sind aktiver Teil einer großangelegten Kampagne, mit der die Etablierung einer neuen bürgerlichen Kraft rechts der CDU/CSU vorbereitet werden soll, wenn nicht als Partei, dann als strukturierte parteiübergreifende Strömung. Die SPD erfüllt diese Aufgabe nämlich nicht in gewünschtem Maße.
Und schließlich: Sarrazin, die meisten seiner AnhängerInnen und sogar von der Leyen, Gabriel, Seehofer und Schröder sind keine Nazis. Ihre Vorstellungen, die auf Rassenygiene und Züchtung hinauslaufen, haben lediglich dieselbe Quelle wie die Bevölkerungstheorien der Nationalsozialisten. Auch wenn sie ihr Deutschland nach ihren Träumen einrichten könnten bliebe eine “globale Unterschicht??? und für den Kapitalismus überflüssige Poulation weltweit bestehen. Auf internationaler Ebene läuft das Denken der Integrationsdebattierer auf Eugenik und Ausgrenzung in weltweitem Maßstab hinaus.

Antworten?

Die Antwort mancher Linker auf die Zumutungen von Integrationsblabla war manchmal naiv und dumm, nämlich eine einfache Reaktion: Mit der Ablehnung falscher Schlüsse auch diesen Schlüssen zugrundeliegende Teile der Wirklichkeit zu leugnen. Mit der Ablehnung des Sozialdarwinismus die Evolutionstheorie ablehnen. Mit dem Kampf gegen Biologismus gleich biologische Grundlagen negieren, usw. Bei der Dekonstruktion von falschen Konzepten und beim Kampf gegen den „Fakten“- und Evidenzterror der politischen und akademischen VertreterInnen dieser falschen Konzepte echte Fakten zu ignorieren statt sie unter dem Aspekt des Klassenkampfs zu interpretieren.
Hinter einer gutgemeinten „dekonstruktiven“ Herangehensweise blüht und gedeiht dann oft der eigene Rassismus – und fast immer auch Klassendünkel. Ein solcher Rassismus widmet sich seinem Objekt meist perfide und gönnerhaft, z.B. als Kulturrelativismus. Im direkten Kontakt mit seinen Objekten wird ein solcher Rassismus dann aber oft schnell manifest. Nicht wenige der AnhängerInnen Sarrazins dürften „desillusionierte“, vormals unter falschen Voraussetzungen wohlmeinende, ehemalige VertreterInnen von kleinbürgerlichen „multikulturellen“ Konzepten sein. Sie sind nicht über ihr Erleben der sozialen Realität zu RassistInnen geworden, sondern haben einen Rassismus gegen einen anderen getauscht. Das Problem ist nicht alleine eines von Pseudolinken an Eliteuniversitäten oder in Lehrerkollegien. Auch radikale Linke greifen leicht zu falschen Antworten auf den rassistischen Diskurs. Dies ist etwa dann der Fall, wenn über eine Solidarisierung mit (potentiellen) Rassismusopfern ein gewendeter Rassismus zur Anwendung kommt und etwa auf Kritik an Patriarchat und  feudalem und rassistischem Bewußtsein verzichtet wird. Dies trifft auch zu, wenn im Kampf gegen gegen die politisch geförderte Islamfeindlichkeit Religionskritik über Bord geworfen wird. Wer solches tut, fällt direkt den emanzipatorischen Kräften in den derart herablassend behandelten Gesellschaften in den Rücken.

Erschienen in barricada – Dezember 2010

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