Termine

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk

Publikationen

Was war los

26.02.1991
Alliierte Flugzeuge bombardieren in der Nacht zum 27. Februar w?hrend des Zweiten Golfkrieges sich zur?ckziehende irakische Truppen. Unter den Bombardierten sind auch zahlreiche Zivilisten auf der Flucht, die Stra?e wird sp?ter als Highway of Death bekannt.

Krieg im Gaza Streifen

Am 27. Dezember 2008 begann die israelische Luftwaffe den Gazastreifen anzugreifen. In den Wochen darauf  folgten Vorstöße von Panzer- und Infanterieverbänden. Bis Ende Januar 2009 zerstörte die israelische Armee einen erheblichen Teil der Infrastruktur und der Gebäude im Gazastreifen, über 1300 Menschen sind durch den Angriff ums Leben gekommen, Tausende wurden verletzt. Der überwiegende Teil der Kriegsopfer sind ZivilistInnen. Weltweit protestierten Hunderttausende gegen diesen Krieg. Die Reaktion der Linken in Deutschland allerdings blieb uneinheitlich und sehr schwach. Vor allem unter diesem Gesichtspunkt werden in folgendem Artikel einige Hintergründe und Aspekte des Konflikts erörtert.

Etwas zum geschichtlichen Hintergrund des Gazakonflikts
Der kleine Landstrich an der Küste Palästinas, der heute Gazastreifen heißt, wurde in den letzten tausend Jahren beherrscht von Ägyptern, später den Osmanen, und die Jahrzehnte nach dem 1. Weltkrieg mit einem Mandat des Völkerbunds vom britischen Empire. Nach der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 übernahm Ägypten die Verwaltung des Gazastreifens. Die angestammte Bevölkerung und die zahlreichen arabischen Flüchtlinge, die aus Israel geflohen waren und teilweise auch brutal vertrieben wurden, erhielten von der ägyptischen Regierung kein Bürgerrecht. Sie blieben als Staatenlose Spielball ägyptischer Interessen, die auf die baldige Zerschlagung Israels ausgerichtet waren. Das Westjordanland andererseits blieb nach dem Palästinakrieg 1948 vom neu entstandenen Jordanien besetzt. Der im Teilungsplan der Vereinten Nationen vorgesehene Palästinenserstaat entstand also nicht. Erklärtes Ziel der arabischen Länder um Israel blieb die Zerstörung des Judenstaates. Erklärtes Ziel der Mehrheit in Israel blieb die Erweiterung der Staatsgrenzen weit über die im Teilungsplan der UN festgelegten Grenzen hinaus. Bereits 1948 war es Israel gelungen, mit Hilfe sowjetischer Rüstungsgüter die angreifenden Nachbarstaaten nicht nur zurückzuschlagen, sondern das eigene Territorium um ca. 20% zu vergrößern. Der Kriegszustand wurde dauerhafte Normalität in der Region.
Nach dem sogenannten Sechstagekrieg 1967, den die arabischen Nachbarländer Israels und der Irak verloren hatten, besetzte Israel den Gazastreifen dauerhaft. Die israelischen Regierungen genehmigten in den folgenden Jahrzehnten die Besiedelung des Gazastreifens durch Israelis und warben in der israelischen Bevölkerung für diese Kolonisation. Den SiedlerInnen wurden schließlich über ein Drittel des besetzten Gebietes übereignet. Verbindungsstraßen, Felder und Siedlungen waren für die palästinensische Bevölkerung verbotenes Gebiet. Die teilweise bizarren Apartheidsmaßnahmen im Gazastreifen und dem Westjordanland, die mit der israelischen Besatzung und Besiedelung einhergingen, verschärften natürlich den Konflikt zwischen PalästinenserInnen und Israelis. Die erste Intifada, ein breit getragener Aufstand der entrechteten PalästinenserInnen, der 1987 begann und sich vielfältiger Mittel bediente, vom zivilen Ungehorsam über Boykottaktionen, Generalstreiks und militante Demonstrationen bis hin zu militärischen Aktivitäten, erhöhte den internationalen Druck auf Israel und zwang die Herrschenden in Israel letztlich zu den Verhandlungen der 90er Jahre. Die mit kolonialistischer Brutalität angewandte Politik der „eisernen Faust“ zu Niederschlagung des Aufstands hatte versagt. Die Errichtung von Siedlungen mit eigenem Straßennetz, Kontrollpunkten und Sperranlagen wurde von Isarel freilich während und nach der Intifada noch verstärkt.
Mit den Friedensabkommen von Oslo 1993 bis 1995 erkannte Israel die PLO als Vertreterin des palästinensischen Volkes an. Im Gegenzug erklärte die PLO alle Passagen ihrer Charta, die die Vernichtung Israels forderten, für ungültig. Dem Gazastreifen und dem Westjordanland wurde zunächst eine Teilautonomie zugesprochen. Später erhielten die PalästinenserInnen die Verwaltungshoheit über Jericho, den Gazastreifen und einen Teil des Westjordanlandes. Das Problem der israelischen Siedlungen, der Hoheit über Jerusalem und der zahlreichen Militärstützpunkte auf palästinensischem Gebiet blieb ungelöst. 1995 wurde der israelische Ministerpräsident Rabin von einem israelischen Rechtsradikalen ermordet. Bei den Wahlen 1996 setzte sich Benjamin Netanjahu vom rechten Likudblock durch. Dieser intensivierte in der Folgezeit die Besiedlungspolitik, die Apartheidsmaßnahmen gegen PalästinenserInnen und die Bemühungen um eine Schwächung der PLO. Unter dem späteren Ministerpräsidenten Barak wurden zwar Verhandlungen über eine permanente Autonomie wieder aufgenommen, blieben jedoch nahezu ergebnislos. In den Jahren der Verhandlungen hatten Organisationen, die sich in Opposition zur PLO befanden, wie etwa die vom Iran gestützte Hamas, weiterhin auf militärische Aktionen und Attentate mit dem Ziel der Vernichtung Israels gesetzt. Die linken arabischen Organisationen PFLP und DFLP hatten die Ergebnisse der Oslo-Abkommen abgelehnt. Die Regierenden in Israel hatten ihrerseits zu keinem Zeitpunkt auf Gewalttaten gegen PalästinenserInnen in den besetzten Gebieten verzichtet. Mit dem Beginn der 2. Intifada Ende 2000 beteiligten sich aber auch wieder die  führende Gruppierung der PLO, die Fatah und nahezu alle politischen Organisationen der PalästinenserInnen an militärischen Aktionen und Attentaten gegen Israel. Während dieser 2. Intifada wurden über 1000 Israelis und ca. 3500 PalästinenserInnen getötet. Zahlreiche Führungspersönlichkeiten der Hamas, aber auch der PFLP und anderer Organisationen waren von Israel durch gezielte Anschläge getötet worden, die Reste der palästinensischen Selbstverwaltung wurden durch israelische Militäreinsätze paralysiert und gingen nahezu unter. Unter anderem der Ausbau der Einzäunung des Gazastreifens und die israelische Praxis, in den Konfliktgebieten die Wohnhäuser der Familien von „Verdächtigen“ zu sprengen, hatten zu einer weiteren Vertiefung der Verzweiflung und Verbitterung in den Autonomiegebieten geführt und die islamistischen und unversöhnlichen Kräfte nachhaltig gestärkt. Der nach Yassir Arafats Tod zwischen der israelischen Regierung und dem neuen Präsidenten der palästinensischen Autonomiegebiete, Mahmud Abbas, ausgehandelte Waffenstillstand brachte eine vorübergehende relative Beruhigung der Lage mit sich.
2005 setzt der rechte israelische Ministerpräsident Ariel Sharon nach internationalem Druck gegen einen Teil seiner eigenen Partei mit den Stimmen der Opposition den Abzug des Militärs aus dem Gazastreifen und die Auflösung der israelischen Siedlungen im Gazastreifen durch. Die meisten der Siedlungen müssen vom israelischen Militär gewaltsam geräumt werden. Der seit einiger Zeit andauernde Beschuss Israels durch Raketen und Granaten aus dem Gazastreifen wurde durch die Hamas und Gruppen wie den Islamischen Dschihad in der Folge noch verstärkt. Anfang 2006 gewann die Hamas die Wahlen in den palästinensischen Autonomiegebieten mit 76 von insgesamt 132 Parlamentssitzen. Sie war unter dem Namen Wechsel und Reform angetreten, war knapp vor der Fatah stärkste Partei geworden und erhielt bedingt durch das Wahlsystem in Palästina mit ihren 44% der Stimmen diese satte absolute Mehrheit der Parlamentssitze. Dieses Wahlergebnis war zum einen Resultat der Militäraktionen und der Apartheidpolitik der israelischen Regierungen, zum anderen Ergebnis der extremen Korruptheit der Fatah, die bis dahin die Autonomiebehörde beherrschte und in deren Taschen die internationalen Fördergelder und Hilfslieferungen größtenteils landeten. Die EU und die USA machten weitere Hilfsleistungen an die Autonomiegebiete nach dem Wahlsieg der Hamas von einer Anerkennung Israels und der Einstellung bewaffneter Aktionen gegen Israel abhängig. Dies lehnte die Hamas jedoch ab. Der Zusammenbruch in den von der Hamas kontrollierten Gebieten blieb zwar aus, jedoch sah sie  sich aufgrund des wirtschaftlichen Drucks und der inneren Spannungen in den Palästinensergebieten nach nur einem Jahr gezwungen, trotz ihrer absoluten Mehrheit in eine „Regierung der nationalen Einheit“ einzuwilligen, an der die Fatah und andere Parteien beteiligt waren. Bereits nach wenigen Monaten löste der Präsident Abbas diese Regierung auf und ersetzte den Hamas-Ministerbräsidenten Haniya durch einen Politiker der Partei des dritten Wegs. Der Rest des Kabinetts bestand aus nominell unabhängigen Politikern. Die Hamas erkannte diese Regierung natürlich nicht an, verlor jedoch die Macht im Westjordanland. In ihrer Hochburg Gazastreifen dagegen übernahm die Hamas die Macht. 2007 und 2008 kam es im Westjordanland und im Gazastreifen wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Hamas und Fatah und schließlich zu wechselseitigen politischen „Säuberungen“. Im Herbst 2007 erklärte Israel den Gazastreifen, der nun faktisch von einer Kraft kontrolliert wurde, die erklärter Feind Israels ist und die den Beschuss israelischer Grenzstädte aufrechterhielt, zu feindlichem Gebiet. Israel folgte dabei weiterhin einer kolonialistischen Logik und setzte auf eine weitere Vergrößerung der Not und Verelendung der ohnehin schon notleidenden Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Der Landstrich ist auf Energieversorgung durch Israel angewiesen, daher kann die Industrie, Gesundheitsversorgung und Telekommunikation durch Israel auch ohne Militäraktionen nahezu zum Stillstand gebracht werden. Israel hat sich dieses Mittels bedient und setzt es immer wieder als Drohpotential ein. Durch das Einsperren der 1,5 Millionen BewohnerInnen des Gazastreifens (auch von ägyptischer Seite), militärische Angriffe und die zahlreichen wirtschaftlichen Sanktionen wurde jedoch die Opposition im Gazastreifen, die unter der Diktatur der Hamas ohnehin extremen Härten ausgesetzt ist, weiter geschwächt.
Im Juni 2008 einigten sich Hamas und israelische Regierung über Vermittler auf eine Waffenruhe. Die Bedingungen: Einerseits Einstellung des Raketenbeschusses und anderer feindlicher Handlungen vom Gazastreifen aus, andererseits eine Aufhebung der Blockade und eine schrittweise Öffnung der Grenzen für Güter und Menschen. Beide Bedingungen wurden nicht realisiert. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig fortwährend, das Abkommen nicht einzuhalten.

Wer ist die Hamas?
In den Zeiten der Konfrontation zwischen dem Ostblock und dem kapitalistischen Westen war es den USA und ihren Vebündeten egal, welcher Art die Regimes und Bewegungen waren, die sie unterstützten oder an die Macht brachten. Strategische und taktische Erfolge gegen den Kommunismus, die Vernichtung linker Bewegungen oder unliebsamer Regimes waren das Ziel, und so kam es, dass so unterschiedliche Figuren wie Saddam Hussein, Pinochet oder Osama bin Laden gleichermaßen (zeitweise) zu den Verbündeten der „freien Welt“ wurden. An dieser kapitalistischen Realpolitik hat sich auch nach dem Ende der Blockkonfrontation nichts grundlegendes geändert. Auch Israel versuchte sich immer an der Methode „Teile und herrsche“, da die erste Wahl der Metropolenstaaten, die Schaffung von Vasallen- und Marionettenregimes, für die Herrschenden in Israel nicht möglich war. So kam es, dass Israel, um die PFLP, die Fatah und andere damals mächtige linke und bürgerliche Kräfte der PalästinenserInnen zu schwächen, bis in die 80er Jahre hinein die Mutterorganisation der Hamas, die Muslimbruderschaft, welche damals in Palästina hauptsächlich karitativ und religiös-kulturell agierte, zumindest indirekt unterstützte und als Vertreterin der Palästinenser auf sozialem Gebiet anerkannte.
Die 1928 in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft ist eine der wichtigsten Organisationen des fundamentalistischen Islams. Sie agiert weltweit, mit einem deutlichen Schwerpunkt im Nahen Osten. Gerade in ihrem Entstehungsland ist sie seit vielen Jahrzehnten ein wichtiger innenpolitischer Faktor und eine Kraft, welche die Herrschenden teils bekämpften, teils zu instrumentalisieren versuchten (oft beides zur gleichen Zeit). Mit ihrem muslimisch-internationalistischen Anspruch ist sie die Vorläuferin der späteren Organisationen und Netzwerke des militanten Islamismus. Von Beginn an engagierte sich die Muslimbruderschaft im sozialen und kulturellen Bereich, wo sie versuchte, „Gerechtigkeit und Solidarität“ unter den Gläubigen und die vollständige Abkehr von westlichen Vorstellungen von Kultur und Zivilisation zu befördern. Die Bruderschaft wuchs sehr schnell und verbreitete sich in allen Ländern des nahen Ostens. Ihre politischen Ziele waren das Abschütteln jeder Fremdherrschaft, die Errichtung eines Gottesstaates nach den Gesetzen des Korans und hierzu der Sturz zu westlicher oder zu säkularer muslimischer Regierungen. Ideologisch spielte neben dem „heiligen Krieg“ von Anfang an eine ausgeprägte Verherrlichung des „Märtyrertodes“ und eine Abwendung vom „diesseitigen Leben“ mit einem dazugehörigen Kult um den „Tod für Gott“ eine wichtige Rolle. Die Organisation stellt allerdings keinen homogenen Block dar. In Wahlkämpfen können sich ihr angeschlossene Parteien z.B. durchaus pragmatisch zeigen und bezahlen für die Teilnahme den Preis der Anerkennung der bürgerlichen Demokratie. Weder der radikale noch der pragmatische Flügel der Muslimbruderschaft stellt aber die Notwendigkeit der Errichtung der Herrschaft des Islams in Frage. Die Bruderschaft und ihre Ableger sind auch in Deutschland aktiv.
Ab 1967 gelang es der Muslimbruderschaft, im Gazastreifen Fuß zu fassen. Sie errichtete, finanziert vor allem durch Saudi-Arabien und Syrien und wohlwollend geduldet durch Israel, Schulen, medizinische, soziale und kulturelle Einrichtungen. Ihre Politik und die Freigebigkeit ihrer Geldgeber verschafften der Bruderschaft bald eine Massenbasis gerade bei den ärmeren Teilen der Bevölkerung. Die sozialistischen Kräfte im Gazastreifen und ihre sozialen und kulturellen Einrichtungen wurden gleichzeitig von Israel brutal bekämpft. Obwohl sich die Bruderschaft in den 70er Jahren auch im Westjordanland ausbreitete, gelang es ihr dort nie einen so großen Einfluß zu gewinnen wie im Gazastreifen. Im Laufe der 80er Jahre gewann der Flügel der palästinensischen Muslimbruderschaft die Oberhand, der sofortige militärische Schritte zum Erreichen des Zieles der Organisation, nämlich der Vernichtung Israels und der Errichtung eines Gottesstaates in ganz Palästina forderte. Führer dieses Flügels und religiöses Oberhaupt der palästinensischen Muslimbruderschaft war Scheich Yassin. Mit dem Beginn der Intifada 1987 gründeten er und seine Gefolgschaft die „Islamische Widerstandsbewegung“, die Hamas, als die offizielle palästinensische Tochterorganisation der Bruderschaft, die 1988 das erste mal öffentlich in Erscheinung trat. Die Hamas erkannte die PLO als „Vater, Bruder, Verwandten und Freund“ an, betrieb jedoch in ihren Hochburgen einen strikten Islamisierungskurs, jagte echte und vermeintliche Kollaborateure und warf der PLO Nachgiebigkeit gegenüber Israel vor. Durch Anschläge und Selbstmordattentate gegen die Zivilbevölkerung in Israel versuchte die Hamas in den Zeiten der 2. Intifada in direkter Konfrontation mit der Fatah die Verhandlungen und Vermittlungen zur Beendigung des Konflikts zu hintertreiben. In den letzten Jahren wurden vom von der Hamas kontrollierten Gebiet aus ca. 10.000 Granaten und Raketen auf israelische Dörfer und Städte abgefeuert. Die Hamas äußert in ihren Medien und Verlautbarungen immer wieder das Ziel der islamischen Weltherrschaft. Erster Schritt zum Weltreich Gottes ist die Eroberung Palästinas. Um dies zu erreichen, schwört die Hamas bereits Kindergarten- und Schulkinder darauf ein, dass es ihr höchstes Ziel sein muss, im Kampf gegen die Feinde Gottes den Märtyrertod zu finden. Hintertrieben werden die Pläne der Gottesfürchtigen laut Hamas vom internationalen Judentum, wie in den Protokollen der Weisen von Zion (deren Echtheit die Hamas in ihrer Charta anerkennt) nachgelesen werden kann. Zu diesem Zweck haben die Juden den Kapitalismus und den Kommunismus erfunden, sie haben den Holocaust vorgetäuscht und stecken insgeheim hinter den Freimaurern, dem Lions-Club und den Rotariern. Man kann es sich fast denken: Der aktuelle Hauptunterstützer der Hamas ist neben privaten Geldgebern aus Saudi-Arabien das Regime im Iran.

Der Krieg – Operation gegossenes Blei
und die internationalen Proteste

Kurz nach dem Beginn der Angriffe auf den Gazastreifen kam es in den arabischen und muslimischen Ländern, aber auch in den Metropolen und in Israel zu Großdemonstrationen gegen den Krieg.
Obwohl die Friedensbewegung gespalten und geschwächt ist, fand in Tel Aviv eine der größten Antikriegsdemonstrationen der letzten Jahre statt. In Europa demonstrierten Zehntausende in London, Paris, Berlin und Hamburg. Auch in Nürnberg und zahlreichen anderen Städten wurde gegen die Angriffe Israels protestiert. In Deutschland waren die Demonstrationen im Ausdruck aber dominiert von islamischen Gruppierungen. Obwohl auch hierzulande die Friedensbewegung eine Rolle spielte, war es im Vergleich zum US-Krieg gegen den Irak eine sehr kleine.
Die revolutionäre Linke war in Deutschland nahezu unsichtbar. In vielen Städten war es sogar umstritten, überhaupt zu den Angriffen Stellung zu beziehen. Dass eine revolutionäre Position aber durchaus sichtbar gemacht werden kann, zeigte sich in Stuttgart. Die von 2000 Menschen besuchte Demonstration hatte einen linken Ausdruck und es wurden richtige, emanzipatorische Inhalte transportiert, während reaktionäre Positionen, im Gegensatz zu anderen Städten, konsequent ausgegrenzt wurden.
Zwar ist ein zentraler Bezugspunkt weiter Teile der Linken in Deutschland immer noch die eigene wechselhafte Geschichte in Bezug auf den Israel/Palästina-Konflikt vor dem Hintergrund der deutschen Rolle in der Geschichte, zwar ist auch dieser Krieg in Palästina wieder Auslöser dafür, dass der eine oder andere linke Theoretiker den Verstand verliert. Aber immerhin: Neben den üblichen ritualisierten und reflexartigen Grabenkämpfen und den unsäglichen Äußerungen der Teile der „Antideutschen“, die sich noch als Teil der Linken sehen möchten, neben dem pragmatischen Schweigen mancher Gruppen sind einige reflektierte Stimmen laut geworden und der innerlinke Diskurs scheint zumindest nicht weiter an Niveau zu verlieren. Unsicherheit und der Wille, sich nach Möglichkeit nicht, oder allenfalls „humanitär“, zu positionieren und so Konflikte zu vermeiden sind jedoch immer noch in  vielen linken Organisationszusammenhängen zu finden. Eine richtige und angemessene gemeinsame Positionierung der radikalen Linken gegen die Kriege und den Terror der Herrschenden (in diesem Fall) in Israel ist so nicht möglich. Dieser Umstand ist zu bedauern, kann aber nicht durch empörte Appelle hinweggewischt werden. Geändert werden kann er aber durch positive Beispiele. So sollte auch der Teil der Linken und der Friedensbewegung, der meinte, mangels Alternativen an reaktionär geprägten Demonstrationen teilnehmen zu müssen und im schlimmsten Fall dort Anhängsel von Organisationen wie Milli Görüs wurde, nicht der erste Adressat linker Kritik sein. Zu kritisieren sind vielmehr vor allem all jene, die es trotz richtiger eigener Positionen nicht auf die Reihe gekriegt haben, Protest und Widerstand gegen den imperialistischen Krieg zu entwickeln, der vom proletarischen Internationalismus getragen ist und von der Solidarität mit der revolutionären Linken in Israel und Palästina.
Der Kriegsbeginn liegt gerade einen Monat zurück, deshalb brauchen wir den Verlauf der Ereignisse hier nicht noch einmal darlegen. Nur soviel: Das Zahlenverhältnis zwischen palästinensischen und israelischen Kriegsopfern beträgt etwa 100 zu 1.
Versuchen wir lieber eine Einschätzung: Die israelische Rechte, die weiterhin das Ziel hat, ein Großisrael zu errichten und die palästinensische Bevölkerung dauerhaft loszuwerden, hat natürlich weder ein Interesse an einem dauerhaften Frieden noch an den Voraussetzungen für einen solchen Frieden. Diese wären ein selbstverwaltetes, wirklich unabhängiges und säkulares Palästina sowie ein Mindestmaß an (bürgerlicher) Gerechtigkeit für alle in Israel und Palästina lebenden Menschen. Aus der bürgerlichen Linken Israels kamen immer wieder, teils halbherzige, Vorstöße in die Richtung einer echten Zweistaatlichkeit und eines dauerhaften Friedens. Jedoch bei jedem bewaffneten Konflikt und jedem Risiko für die Sicherheit Israels begibt sich diese Linke zurück in das Korsett des nationalen Konsens, der kurz gefasst diesen Kern hat: Die Bedrohung der Existenz des Nationalstaates Israel, Heimat eines Volkes, das jahrtausendelang verfolgt wurde und gewillt ist, nie wieder Opfer zu sein, rechtfertigt kurzfristig alle Maßnahmen. Auf diese Art behält die Rechte die Initiative und gibt tendenziell die Richtung vor. Die Rechten, ob im Likudblock oder den anderen Parteien, produzieren ein feindliches Umfeld und nähren den Terror von außen, die friedenswillige staatstragende Linke sieht sich dann gezwungen diese Bedrohungen in nationaler Eintracht mitzubekämpfen. (Freilich resultieren nicht alle politischen und militärischen Entscheidungen der israelischen Regierungen in diesem Konflikt, die der Bevölkerung Israels objektiv schaden, aus finsteren Plänen der Großisraelfanatiker. Einige ergeben sich aus der kolonialen Haltung und der Kurzsichtigkeit auch der bürgerlichen Linken)
Jitzchak Rabin, der diesen nationalen Konsens zwar nie verließ, dessen Politik aber für die Rechte die Gefahr einer dauerhaften friedlichen Lösung darstellte, wurde 1995 nach monatelanger Hetze gegen seine Person von einem israelischen Rechtsradikalen ermordet.
Dass der Konflikt sechs Jahrzehnte nach der Gründung des Nationalstaats Israel noch nicht beigelegt ist, liegt nicht an Naturnotwendigkeiten. Es liegt daran, dass Teile der Herrschenden in Israel, den USA und zahlreichen anderen Staaten kein Interesse an einer friedlichen Koexistenz von Israelis und Palästinensern haben. Der Krieg, die Zerstörungen und die Massaker im Gazastreifen bringen nicht alleine der Bevölkerung Tod und entsetzliches Leid, sie stärken auch die Basis der islamistischen Bewegungen auf der ganzen Welt und bilden die Grundlage für eine Zukunft voll Tod und Leid, eine Zukunft der globalen kapitalistischen Normalität.
Ein eigenständiges und selbstbestimmtes Palästina wäre, wie palästinensische und israelische Linke es sehen, ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer befreiten, gemeinsamen säkularen Zukunft. Diese wiederum wäre die Voraussetzung für eine gesellschaftliche Ordnung frei von kapitalistischer Ausbeutung, nationaler und rassistischer Ideologie, in der die Menschen ohne Staat zusammenleben.

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