Termine

Samstag, 24.02.2024

Reclaim am 24. Februar: Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!?

Bald steht der 8. März und damit der internationale Frauenkampftag an. Die Parole wird auch dann wieder gerufen und wendet sich vor allem gegen die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland. Doch auch darüber hinaus nimmt der bürgerliche Staat massiven Einfluss auf unsere Lebens-und Familiengestaltung. Nicht immer ist das so offensichtlich und unmittelbar wie beim Abbruch. Ökonomische Gegebenheiten spielen in der kapitalistischen Gesellschaft ebenso eine Rolle wie politische Instrumente zur Regulierung von Kinderwunsch oder Verhütung.

Neben einem Input zu diesem breiten Themenfeld, habt ihr die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen zu Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch und Co zu stellen.

Wie immer gibt es leckeres Essen und von 19 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich über aktuelle Stadtteil-Themen auszutauschen. Wir freuen uns auf euch.

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk

Publikationen

Was war los

23.02.1983
Anschlag der Roten Zora auf Lindemann, Chefarzt am ElisabethKrankenhaus in Hamburg, der sich mit Sterilisationsversuchen an Frauen und als internationale ?Fachkraft in Sterilisationsfragen in der Dritten Welt? hervorgetan hat.

Die Krise beenden: Kapitalismus abschaffen!

Ein Interview mit der organisierten autonomie (OA) zur geplanten Demonstration gegen die Folgen der Krise am 6. März in Nürnberg

Von zahlreichen kleineren Aktivitäten einzelner Gruppen und Organisationen abgesehen, ist die Nürnberger Linke angesichts der umfassendsten Krise der kapitalistischen Wirtschasftsweise seit dem 2. Weltkrieg bisher relativ ruhig geblieben. Ein Versuch, Protest und Widerstand kollektiv und fraktionsübergreifend auf die Straße zu tragen und Perspektiven aufzuzeigen fand jenseits der revolutionären 1. Mai Demonstration 2009 nicht statt. Damit soll jetzt Schluß gemacht werden.
Das Nürnberger Sozialforum organisiert für den 6. März eine spektrenübergreifende Demonstration, unter dem Motto: „Die Krise ist noch lange nicht vorbei! Zeit für eine Wende! Zeit für eine andere Welt“. Die Demo wird um 14 Uhr an der Lorenzkirche beginnen. Teil der Demonstration soll ein antikapitalistischer Block sein, der von der organisierten autonomie (OA) vorbereitet und zu dem überregional mobilisiert wird. Unter der Überschrift „Die Krise beenden: Kapitalismus abschaffen! Die Interessen der Mehrheit durchsetzen! Den vorhandenen Reichtum vergesellschaften!“ geht es im Aufruf der OA, der von zahlreichen weiteren Gruppen unterstütz wird, offensiv zur Sache.
Im Rahmen der Demonstration soll es auch eine kollektive Tatortabsperrung geben. Geplant ist eine Umzingelung des Nürnberger Rathauses. Mit der Aktion soll aufgezeigt werden, dass dies einer der Orte ist, von denen aus die unsoziale Politik gegen die Interessen der Mehrheit gemacht wird.
Um euch nicht mit Daten und Fakten zur Krise zu langweilen, die ihr in den vorhandenen Aufrufen zur Demonstration bereits gelesen habt oder lesen werdet, haben wir den SprecherInnen  der organisierten autonomie einige Fragen rund um die Demontration gestellt. Für das Interview bedanken wir uns bei Andrea und Bert und wünschen euch lieben LeserInnen viel Spaß beim Lesen.

barricada: Die weltweite Krise des Kapitalismus hat bis heute in der BRD keine desaströsen Auswirkungen auf die soziale Lage der lohnabhängigen Klasse gehabt. Die wirklich großen Einschnitte sind bisher ausgeblieben und für einige scheint die Krise längst kein Thema mehr zu sein, warum gerade jetzt eure Initiative zu einer Demo gegen die Folgen der Krise?

Andrea: Dass viele ersteinmal hoffen, dass es vorbei ist und froh sind noch einmal davongekommen zu sein, oder zumindest glücklich sind, dass sie der Krise scheinbar nur mit leichten Blessuren entkommen sind, verwundert mich nicht. Wer verliert schon gern seinen Job und damit das Einkommen, von dem er abhängig ist, seine wenigen Ersparnisse, oder die soziale Absicherung und Versorgung. Von den Hartz IV-EmpfängerInnen, für die jede weitere Absenkung ihres mageren Unterhalts eh eine Katastrophe ist, will ich gar nicht erst anfangen.
Aber diese Erleichterung ist natürlich eine rein subjektive Sicht, genauer gesagt Hoffnung, und hat mit den harten Fakten nichts zu tun. Die Krise des kapitalistischen Wirtschaftssystems ist tiefgehend und es liegt in der Logik dieser Wirtschaftsweise, dass die Kosten jeder Krise von der herrschenden Minderheit auf die gesellschaftliche Mehrheit, auf das Proletariat, abgewälzt werden. Auf die Kurzarbeit wird deshalb für nicht wenige die Entlassung folgen, Konzerne wie Siemens kündigen bereits Stellenabbau an und allein hier in der Region stehen darüber hinaus zahlreiche Betriebe kurz vor der Insolvenz. Auch die von unseren Steuergeldern finanzierten staatlichen Rettungspakete für  „notleidende Banken“, die staatliche Abwrackprämie für die Automobilindustrie etc. müssen ja irgendwie finanziert werden und das ist für jene, die in der Logik der kapitalistischen Konkurrenz, der Standortpolitik und und und denken nun einmal nur auf unsere Kosten möglich.
Von da her hat die Krise für uns eigentlich erst begonnen und dem was da in den nächsten Monaten und Jahren auf uns zukommt, dem Klassenkampf von oben, muss mit der Mobiliiserung der eigenen Klasse begegnet werden, wenn wir unseren Lebenstandart verteidigen bzw. unsere Interessen darüberehinaus durchsetzen wollen, ist das die einzige Möglichkeit. Die Demo des Sozialforums, die wir mit organisieren ist dabei eben ein Mittel.

Bert: Dass bei vielen die Hoffnung aufkeimt noch einmal davon gekommen zu sein ist schon richtig. Dafür sorgt neben der staatlichen Propaganda, die allen Zuversicht signalisiert und der paralysierenden Angst vor dem totalen sozialen Abstieg, die Tatsache, dass es für die Mehrheit in der BRD immer noch undenkbar ist, für die eigenen Interessen zu kämpfen oder kämpfen zu müssen. Von der Politik, die Im Rahmen der Krise ihre Funktion als ideeller Gesamtkapitalist ausgeübt hat und ausübt, wird auch alles getan diesen Zustand zu erhalten.  Überschäumende Empörung oder gar ein Aufstand, ausgelöst durch plötzliche massive soziale Einschnitte, sollen vermieden werden. Die Kosten der Krise sollen wir zahlen, aber die Rechnung, so lautet wohl einmal mehr der Plan, soll der großen Mehrheit in kleinen, leichter zu verdauenden Happen, Stück um Stück serviert werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt, warum bisher nur vereinzelt Abwehrkämpfe stattfinden, ist sicherlich auch die nach wie vor vorhandene Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit und das Fehlen einer bundesweit gesellschaftlich wahrnehmbaren revolutionären Kraft, die in der Lage wäre diese aufzubrechen und gesamtgesellschaftliche Perspektiven jenseits des Kapitalismus aufzuzeigen bzw. vorstellbar zu machen.
Dennoch sehen wir keinen Grund für Frust. Denn es gibt auch eine andere Seite der Angelegenheit. Durch die Krise wurde die ideologische Hegemonie der herrschenden Klasse an einem zentralen Punkt aufgeknackt. Viele haben in der Krise die soziale Bedrohung, die diese Wirtschaftsweise für sie ganz persönlich mit sich bringt wahrgenommen. Das Vertrauen in den Kapitalismus als Wirtschaftsweise die funktioniert, die alternativlos am Ende der Geschichte der Menschheit steht, das Vertrauen in den Markt, Kapital und Politik wurde zurecht tiefgreifend erschüttert. Zurück bleibt bei vielen erst einmal Verunsicherung, Angst, bei anderen eine gewachsene Bereitschaft über Möglichkeiten und Alternativen nachzudenken.
Und genau hier wollen wir ansetzen. Die Demonstration ist ein Schritt Protest und Widerstand zu organisieren, der vorhandenen Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen und Perspektiven aufzuzeigen.

barricada: Unseres Wissens bereitet das bundesweite Bündnis, das im letzten Jahr die  Demos in Frankfurt und Berlin unter dem Motto: „Wir bezahlen nicht für eure Krise“ organisiert hat, neue Großdemonstrationen vor. Warum dann eine weitere Demonstration in Nürnberg, für die ihr über die Region hinaus mobilisiert? Warum nicht andere Aktivitäten, Aktionen etc., und bringen die Demonstrationen im Zusammenhang mit der Krise überhaupt etwas?

Bert: Wir sehen zwischen den verschiedenen Demonstrationen, die zur Zeit vorbereitet werden, keine Konkurrenz, falls ihr das meint. Die zur Fortsetzung der bundesweiten Proteste geplanten Demos agieren auf einer anderen Ebene als das, was wir hier in Nürnberg vorhaben. Großdemonstrationen, zu denen bundesweit mobilisiert wird, schaffen über die Medien landesweit Öffentlichkeit und erzeugen, wenn es gut läuft, kuzfristig gesellschaftlichen Druck für ihr Anliegen.
Unsere Initiative setzt eine Ebene darunter an und erfüllt eine andere Funktion. Wir denken, dass es nicht ausreicht, Protest und Widerstand auf bundesweiten Demos zu artikulieren. Wir sehen die Notwendigkeit vor Ort praktisch aktiv zu werden, den Klassenkampf auf- und auszubauen. In allen Städten, Regionen und Landesteilen, in jeder Fabrik, in den Büros, Bildungseinrichtungen, Stadtteilen und Ämtern muss sozialer Widerstand verankert werden, müssen Kämpfe geführt und vorangetrieben werden, um den Unterbau für eine tragfähige revolutionäre Bewegung zu schaffen.
Es ist deshalb sicher notwendig vor Ort Kämpfe im Alltag zu entwickeln, Abwehrkämpfe zu führen oder zu unterstützen, Basiskämpfe (wie z.B. Kämpfe um Übernahme von Auszubildenden, für ein Sozialticket oder AJZ, Kämpfe von Frauen, Erwerbslosen und Flüchtlingen für ihre Rechte, Bildungstreiks, Antifainitiativen etc. /die Redaktion) zu beginnen, zu fördern und voranzutreiben. Besetzungen, Kundgebungen, Aktionen, Streiks, Plakate, Aufkleber, Graffiti: All das hat da eine wichtige Funktion und wird in Nürnberg ja auch von verschiedenen Ansätzen praktiziert.
Wollen wir nicht in unseren Teilbereichen isoliert und gesamtgesellschaftlich wirkungslos bleiben, muss aber auch eine verallgemeinerte Kritik der kapitalistischen Verhältnisse entwickelt werden und dieser gilt es auch immer wieder praktischen Ausdruck zu verleihen.
Vor Ort gab und gibt es deshalb immer wieder Ansätze, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Initiativen, Basiskämpfe und Bewegungen zu intensivieren und die für den 6. März geplante Demonstration reiht sich hier ein. So wurde 2004 eine bundesweite Großdemo zur Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg durchgeführt und 2005 eine Demonstration unter dem Motto „Wir wehren uns gemeinsam! Veränderung erfordert Bewegung! Eine andere Welt ist möglich und nötig!“.
Wie damals ist das Ziel der aktuellen Demonstration für uns, die  existierenden Basiskämpfe und die Linke auf Grundlage einer veralgemeinerten Gesellschaftskritik zusammenzuführen. Wir wollen heute den gemeinsamen Kampf gegen die Auswirkungen der Krise und den Kapitalismus an sich voranzutreiben. Die Demo ist ein Mittel, Interessen zu bündeln, gemeinsam aktiv zu werden, eine größere überregionale Wahrnehmbarkeit für unsere Ziele zu erreichen und auf die herrschende Klasse einen gewissen Druck auszuüben. Es soll die schwerpunktübergreifende Solidarität gefördert werden, Betroffene mobilisiert und für den alltäglichen Kampf gewonnen werden

barricada: Soweit wir wissen organisiert das Nürnberger Sozialforum, in dem ihr ja seit Jahren mitarbeitet, auf eure Initiative hin die Demonstration, warum mobilisiert ihr darüberhinaus zu einem antikapitalistischen Block in der Demonstration?

Andrea: Das Nürnberger Sozialforum ist eine Art gesellschaftliches Bündnis, aus Gruppen, ParteiaktivistInnen, Initiativen, aktiven GewerkschafterInnen, Organisationen, AktivistInnen aus den Basiskämpfen und Einzelpersonen. Im Sozialforum arbeiten also Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen und aus unterschiedlichen politischen Ansätzen der Linken zusammen. Es existieren Unterschiede in der Analyse der bestehenden Verhältnisse, in langfristiger Zielsetzung, in Strategie und Taktik, in der Herangehensweise und auch in den praktischen Ausdrucksformen und Traditionen der Beteiligten. Grundlage für die Zusammenarbeit ist die Einsicht, dass Widerstand gegen die herrschende unsoziale Politik nur dann erfolgreich sein kann, wenn wir trotz unterschiedlicher politischer Ausrichtungen, Zielsetzungen und eigenständiger Praxis immer wieder Spaltendes überwinden und zusammen aktiv werden. Das Sozialforum ist damit erstmal genau der richtige Ort, um eine Demonstration gegen die Kosten der Krise vorzubereiten, wenn man ein breites Spektrum aktivieren und gemeinsam auf die Straße bringen möchte.
Warum es dann auch einen antikapitalistischen Block braucht ist schnell erklärt und ergibt sich auch aus dem bisher gesagten. Ein Zusammenschluß wie das Sozialforum hat selbstverständlich inhaltliche Grenzen, es müssen bei gemeinsamen Aktivitäten Zugeständnisse gemacht und Kompromisse gefunden werden, die für alle tragbar sind. Allen Beteiligten steht es daher selbstverständlich offen, auch im Rahmen gemeinsamer Aktivitäten ihren Standpunkt zu vertreten, für eigene Positionen zu werben oder mit diesen zusätzlich zu mobilisieren. Das geschieht durch eigene Aufrufe, Transparente, Redebeiträge und Blöcke in der Demonstration.
Als AntikapitalistInnen und revolutionäre Linke sehen wir, wie andere Teile des Sozialforums, die Notwendigkeit auch bei gemeisamen Aktivitäten mit unseren Inhalten zu mobilisieren und diesen im Rahmen der Demo öffentlich Ausdruck zu verleihen. Deshalb mobilisieren wir zu der Demonstration gemeinsam mit anderen Gruppen und Initiativen zu einem antikapitalistischen Block.

barricada:
Im Rahmen der Demonstration ist ja auch noch eine Aktion angekündigt. Von Tatortabsperrung und der Umzingelung des Nürnberger Rathauses ist die Rede, könnt ihr uns ein bißchen was dazu erzählen?

Bert: Wir haben lange überlegt, was es über die Demo hinaus noch an möglichen Formen gibt unserem Protest und Widerstand Ausdruck zu verleihen. Das Nürnberger Rathaus ist in den Mittelpunkt unserer Überlegungen gerückt, weil es jene Parteien beherbergt, die im Bund, in den Ländern und und auch hier in der Kommune die Interessen der Banken und Konzerne – der herrschenden Klasse, durch ihre Politik umsetzen. Sie sind es, die Rettungspakete, Steuergeschenke und andere Almosen an die oberen Zehntausend verteilen, die sie durch Kürzungen und Streichungen auf unsere Kosten finanzieren. Sie sind es, die Parteispenden entgegennehmen und anschließend Gesetze zu Gunsten der millionenschweren SpenderInnen beschließen. Sie halten die kapitalistische Wirtschaftsweise am Laufen, schaffen durch ihre Vorgaben und Gesetze die Voraussetzungen und den Rahmen, der einen reibungslosen Ablauf der Ausbeutung und Ausplünderng der Mehrheit in diesem Land zugunsten einer Minderheit garantiert. Ausreden wie: „Wir würden ja gerne dies und jenes tun, der Kommune fehlt aber leider das Geld“, wie wir sie immer mal wieder z.B. von den lokalen SPD-Größen hören, sind nicht nur absolut lächerlich und inakzeptabel, sie entsprechen auch einfach nicht den Tatsachen. Seit Jahren findet in diesem Land eine immer offensiver betriebene Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums statt und auch die Mitglieder der lokalen SPD sind Teil jener Partei, die durch die Einführung von Hartz-Gesetzen und vielen anderen, von ihr beschlossenen und mitgetragenen, asozialen „Reformen“ genau dieser Ausplünderung vorschub leisten und das Beschlossene auf lokaler Ebene umsetzen. Davon abgesehen sitzt der Bürgermeister Ulrich Maly ja seit Jahren im Vorstand seiner Partei und kann sich allein deshalb auch nicht aus der großen Gesamtverantwortung verabschieden.
Das Rathaus ist also durchaus einer der Tatorte, und diesen Tatort wollen wir im Rahmen der Demo in den Mittelpunkt des Geschehens rücken.
Auf die Umzingelung sind wir gekommen, weil das eine Aktionsform ist an der sich alle an der Demo Teilnehmenden beteiligen können. Es soll symbolisch zum Ausdruck kommen, dass die wenigen die hier Politik machen, nicht im Interesse der Mehrheit handeln und zumindest ein Teil dieser Mehrheit nicht länger gewillt ist, dies widerspruchslos über sich ergehen zu lassen.
Es soll durch die Aktion über die Demo hinaus allgemeinpolitischer Druck für eine gesellschaftliche Wende erzeugt, den Forderungen aus den Basiskämpfen Nachdruck verliehen werden und über die mehr oder weniger spektakuläre Aktion das öffentliche Interesse auf unser Anliegen gelenkt werden

barricada: Stopp, da war er gerade, der Begriff: „ für eine gesellschaftliche Wende“. Uns ist der Begriff Wende bisher nur aus dem Vokabular bürgerlicher Politik bekannt. Die konservative Bundesregierung trieb anfang der achziger Jahre eine reaktionäre, sogenannte: „geistig, moralische Wende“ voran, die zu verstärkter Ausbeutung und wachsendem Rassismus führte und in der neoliberalen Politik mündete, die uns bis heute erhalten blieb. Auch in der DDR fand eine sogenannte gesellschaftliche Wende statt, die schließlich in der Annexion derselben durch die BRD mündete , und nun ist sowohl in eurem als auch im Aufruf des Sozialforums von einer Wende die Rede. Warum verwendet ihr diesen Begriff und was versteht ihr darunter

Andrea: Ersteinmal ist ja klar, Begriffe aus dem allgemeinen Sprachgebrauch hat selbstverständlich niemand für sich gepachtet, denoch ist für viele bis heute der Begriff Wende Teil konservativer Rhetorik und eng mit den von euch aufgezählten Ereignissen verknüpft. Wenn wir uns nun diesen Begriff aneignen, wollen wir gar nicht leugnen, dass es da einen Zusammenhang gibt. In beiden Fällen wurde wirklich eine gesellschaftliche Wende eingeleitet, eine Weichenstellung vorgenommen, die den Kapitalismus und die Zukunft der Menschen in diesem Land entscheidend und für die Mehrheit einschneidend verändert hat. Die Arbeits- und Lebensbedingungen haben sich beständig weiter verschlechtert, die soziale Absicherung wird beständig beschnitten und das Kapital hat seine Profite beständig ausgebaut. Um diesen Zustand dauerhaft abzusichern wurde die staatliche Überwachung und Kontrolle, wie der gesamte Repressionsapparat immer weiter ausgebaut. Nicht besser sieht es in der Außenpolitik aus. Die BRD führt wieder Krieg, um Kapitalinteressen weltweit durchzusetzen.
Was liegt also heute näher als einen Bruch, eine gesellschaftliche Wende auf die Tagesordnung zu setzen. Eine gesellschaftliche Wende die weg führt von Entfremdung, Vereinzelung und Spaltung, hin zur Solidarität aller Ausgebeuteten und Unterdrückten. Eine Wende, in der die Mehrheit ihre Interessen erkennt und in die eigenen Hände nimmt. Eine gesellschaftliche Wende, in der wir beginnen unsere Interessen zu verteidigen und unsere Forderungen durchsetzen. Eine gesellschaftliche Wende weg von der Unterwerfung, hin zum Klassenkampf, zum Kampf um unsere Zukunft. Eine gesellschaftliche Wende, die langfristig die Weichen in Richtung soziale Revolution stellt und damit den Weg frei macht für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung.

barricada: Ich denke, das ist ein gutes Schlusswort und der Redaktion bleibt an dieser Stelle nur, euch alle aufzufordern: Beteiligt euch am antikapitalistischen Block auf der Demonstration des Sozialforums. Auftakt 6. März um 14 Uhr  an der Lorenzkirche in Nürnberg.

Erschienen in barricada – Februar 2010

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