Termine

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Montag, 18.03.2024

Raus zum Tag der politischen Gefangenen!

Der weltweite Kampf der kapitalistischen Staaten um Absatzmärkte, Einflusszonen und Investitionsmöglichkeiten wird schärfer und es entstehen im Zuge dessen schon länger immer offenere Konflikte, die immer mehr Eskalationspotential bieten. Unzweifelhaft dämmert die Neuaufteilung der Welt. Der von der NATO angeheizte und von der Russischen Föderation zum militärischen Gefecht eskalierte Konflikt um die Ukraine ist dabei nur ein Beispiel. Weitere sind das Ringen der USA und China um Taiwan, wie auch Versuche verschiedener Akteure, mehr Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent zu gewinnen.

Hinzu kommt, dass im vergangenen Oktober Israel durch militante palästinensische Gruppen, unter Führung der Hamas, militärisch angegriffen wurde. Das israelische Militär begann daraufhin den Gazastreifen zu bombardieren. Dieser vorläufige Höhepunkt des seit Jahrzehnten bestehenden Konflikts hält seitdem an.

In dieser brandgefährlichen Gemengelage vertritt auch die BRD ihre Interessen bzw. die des deutschen Kapitals. Und damit das möglichst ungestört von statten geht, sollen wir Werktätige möglichst wenig sagen und tun, was dem im Weg steht. Deshalb findet in allen Fragen, die diese Interessen betreffen, ein besonders krasser Kampf um die Meinungen der Menschen statt. Deshalb tritt der Staat zunehmend repressiver auf – generell, aber auch im Besonderen:

Gegen Menschen, die sich Versuchen, die Gesellschaft immer weiter nach rechts zu drängen, entgegenstellen oder gegen Menschen, die Kriegsrhetorik etwas entgegensetzen. Gegen Menschen, die soziale Proteste organisieren oder solche, die den Kapitalismus ankreiden. Hier sollen nur ein paar Beispiele genannt sein.

So kommt es, dass die kurdische Freiheitsbewegung kriminalisiert wird - im Januar startete der Prozess gegen Tahir Köcer, der im vergangenen Jahr in Nürnberg festgenommen wurde. Ihm wird nach §129b StGB die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen. So kommt es, dass die, die zum Nahostkonflikt eine Meinung vertreten, die nicht der deutschen Staatsräson entspricht, eingeschüchtert werden. Das passiert bspw. über Verbote palästinasolidarischer Demonstrationen, Razzien gegen die migrantische Selbstorganisation ZORA und medial erhobene Forderungen nach Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit für Nicht-staatsbürger und schnellerer Abschiebungen von vermeintlichen Antisemiten. So erklären sich ebenfalls die Angriffe der Polizei auf die Luxemburg und Liebknecht Demonstration in Berlin oder, dass mehrere Dutzend KlimaaktivistInnen bereits vor Beginn der Internationalen Automobil Ausstellung 2023 in München in Präventivhaft genommen worden sind. Nicht zuletzt ist das wohl der Grund, wegen dem in Nürnberg gegen mehrere AntifaschistInnen nach §129 ermittelt wird, weil sie Graffiti gesprüht haben sollen.

Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten, dass wir uns bemühen, es der Repression nicht unnötig einfach zu machen. Dass wir uns umeinander kümmern und für alle von Repression Betroffenen da sind. Dass wir den vielen Gefangenen Briefe schreiben und sie nicht vergessen. Dass wir solidarisch zusammenstehen.

In diesem Sinne wollen wir den Tag der politischen Gefangenen, den 18.03.2024 mit einer Kundgebung begehen.

18 Uhr Kundgebung am Jamnitzerplatz. Anschließend wird es Gefangenen schreiben in der Vokü ab 19 Uhr geben.

Verbreitet unseren Aufruf gerne weiter und nutzt unsere Sharepics (1414x2000, 500x707).

Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk

Publikationen

Was war los

28.02.1981
In Brokdorf demonstrieren trotz Verbot rund 100.000 Menschen gegen den Bau des AKW. Die meisten dringen nicht zum Bauzaun vor. Auf den Feldern um den Bauplatz kommt es zu SEK- und Hubschraubereins?tzen.

Bolivien – Teil 3 und Schluss

Der Niedergang der neoliberalen Parteien

Um die Umwälzung des Parteiengefüges beschreiben zu können, die mit dem Niedergang der traditionellen Parteien und der Neugestaltung Boliviens durch die sozialen Bewegungen und ihre Partei MAS endete, müssen wir zunächst einen Blick werfen auf die Parteien, die zwischen den Militärdiktaturen und in der Zeit der neoliberalen Regierungen zur Wahl standen. In der Ära der Militärdiktaturen hatte sich die Parteienlandschaft erheblich umgeformt. Das Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR) war gespalten. Ihr vormaliger rechter Gegenspieler, die Falange Socialista Boliviana (FSB) war bereits in der Bedeutungslosigkeit angekommen.
Dem linken Parteienbündnis Union Democratica y Popular (UDP) gehörten die Kommunistische Partei, eine eher linke Abspaltung des traditionsreichen MNR sowie das Movimiento de Izquierda Revolucionaria (MIR), an. Die UDP gewann zwischen 1978 und 1980 mehrfach die Wahlen, wurde aber zunächst weggeputscht oder durch Wahlbetrug an der Regierungsübernahme gehindert. In der ersten Hälfte der 80er spaltete sich die UDP mehrfach. Übrig blieb MIR als Partei, die bei Wahlen Erfolgsaussichten hatte.
Die Accion Nacionalista Democratica (ADN) war 1979 von  Hugo Banzer gegründet worden, um auch im Parlamentarismus weiter mitspielen zu können. Tatsächlich wurde der Ex-Diktator Banzer 1997 noch einmal zum Präsidenten gewählt – mit Hilfe des MIR. MIR, ADN und MNR stellten in der neoliberalen Periode in wechselnden Allianzen die Regierungen. Kleinere Parteien und die in den 90ern wachsenden „neopopulistischen“ Abspaltungen und Neugründungen konnten als Mehrheitsbeschaffer in diesen zunächst sehr stabilen Pakt integriert werden. Der gemeinsame Nenner, nämlich die Unterstützung des neoliberalen Projekts, war eben allem anderen übergeordnet.

Soziale Bewegungen und das Movimiento al Socialismo

Der Verschleiß und die augenfällige Korrumpierung der alten linken Parteien ließ die sozialen Bewegungen ab Ende der 90er enorm erstarken. Bei den Wahlen 2002 wurde klar, dass diese Bewegungen über ihre Parteien MAS (Movimiento al Socialismo ) und MIP auch parlamentarisch eine ernste Bedrohung für den Neoliberalismus darstellten. Bei diesen Wahlen erzielte das MAS mit Evo Morales an der Spitze ein überraschend gutes Ergebnis. Sie erhielt beinahe 20% der Stimmen und war somit knapp hinter dem MNR platziert, das die Wahl ein letztes mal gewinnen konnte. Im Wahlkampf hatten die MAS-AktivistInnen auf den üblichen Politklamauk mit Cappies und Luftballons verzichtet und erfolgreich auf die Mobilisierung der Basisorganisationen gesetzt. Es gelang der Organisation, sich als ernsthafte Alternative zu den Parteien des neoliberalen Konsens darzustellen. Zusätzliche Hilfe war dem MAS ausgerechnet von seiten des US-Botschafters Manuel Rocha zuteil geworden. Dieser hatte sich nämlich  dreist in den Wahlkampf eingemischt und den BolivianerInnen für den Fall, dass Morales gewinnen sollte, erhebliche Nachteile angedroht. Morales verglich Rocha daraufhin mit einem Zirkusdirektor, und die Kandidaten der neoliberalen Parteien mit dessen Clowns.
Woher kam nun dieses Movimiento al Socialismo? In den 90ern war der Versuch unternommen worden, die Protest- und Widerstandsgruppierungen sowie vor allem die Indigena-Organisationen und die starken Verbände der Koka-Bauern in einer Allianz zu bündeln. Eine Mehrheitsfraktion unter Evo Morales scherte Ende der 90er aus dem größten dieser Bündnisse aus und gründete das Instrumento Politico por la Soberania de los Pueblos (IPSP). 1999 entschied diese Organisation ohne Parteistatus, die eigene Teilnahme an Wahlen dadurch zu ermöglichen, dass sie den Namen und Status einer bereits existierenden Kleinpartei annahm. Daher verhandelte sie mit dem damals sich fast schon in Auflösung befindlichen MAS, was schließlich in der offiziellen Übernahme der Partei mündete. Die neue Partei behielt einen Mischcharakter bei. Sie ist einerseits Sammelbecken der sozialen Bewegungen, der cocalero-Gewerkschaften und Indigena-Organisationen, andererseits eine politische Partei. Die Jahre nach dem Wahlerfolg 2002 waren gekennzeichnet durch eine weitere Mobilisierung der Protestbewegung, die schließlich 2003 zur Vetreibung des Präsidenten Sanchez de Lozada führte. 2005 gelang es mit massiven Protesten auch den letzten neoliberalen Präsidenten Boliviens, Carlos Mesa, zum Rücktritt zu zwingen.
Bei den Neuwahlen 2005 erzielte das MAS mit dem Spitzenkandidaten Evo Morales trotz aller Drohungen der USA und der Erdgaskonzerne fast 54%. Zahlreiche Verstaatlichungsprojekte wurden seither in Angriff genommen und das Land befreit sich vom Neoliberalismus und aus dem Würgegriff der USA. Natürlich geht so etwas nicht konfliktfrei.
Der bolivianische Halbmond
Die vier Tiefland-Provinzen Pando, Santa Cruz, Beni und Tarija werden aufgrund ihrer Form auf der Landkarte auch als Media Luna bezeichnet. Ihre Umrisse im Osten des Landes nehmen sich zusammengefasst aus wie die Sichel des zunehmenden Mondes. In den Zeiten, in denen Boliviens Reichtum zu einem großen Teil dem damals florierenden Zinn- und Silberbergbau geschuldet war, galten diese Tieflandprovinzen  als arme, entlegene und politisch unbedeutende Ecken des Subkontinents. Die bevölkerungsreichen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentren Boliviens befanden sich eindeutig im Hochland. Gleichwohl hatten sich im Media Luna eine Reihe europäischstämmiger Großgrundbesitzer etabliert, die nach dem zweiten Weltkrieg Zuwachs bekamen durch Unternehmer aus Deutschland, Italien und Kroatien, denen die Abgeschiedenheit der bolivianischen Provinz sehr gelegen kam.
In den letzten Jahrzehnten stieg der Wohlstand in den östlichen Gebieten Boliviens enorm an, während das Hochland zusehends weiter verarmte. Diese Verlagerung ist, neben dem bereits erwähnten Niedergang des Bergbaus, der Modernisierung der Landwirtschaft im Tiefland, vor allem aber der Erschließung von bedeutenden Öl- und Gasvorkommen  im Media Luna geschuldet. Mit der wirtschaftlichen Stärke des Tieflands stieg nun auch das Interesse der Herrschenden und ihrer Anhänger, den neuen Wohlstand nicht mit dem Hochland zu teilen. So entstand eine von den Eliten geführte und aus den USA unterstützte Autonomiebewegung, deren Ziel eine weitreichende wirtschaftliche und administrative Unabhängigkeit von der Zentralregierung und die Beibehaltung des neoliberalen Wirtschaftsmodells ist. Diese Bewegung ist sehr mobilisierungsfähig und wird nicht nur von einheimischen und internationalen bürgerlichen Medien und den Regierungen der imperialistischen Zentren unterstützt, sondern verfügt über Paramilitärs, bewaffnete Banden und militante faschistoide Massenorganisationen – und sie stellt in mehreren Provinzen die Regierung.
Die Gouverneure der Tieflandprovinzen erklärten im Dezember 2007 tatsächlich ihre Unabhängigkeit vom Zentralstaat. Vorwand herfür war, dass der Entwurf für eine neue Verfassung Boliviens ihrer Auffassung nach nicht rechtmäßig zustande gekommen sei (sie hatten tatsächlich ihre Positionen nicht durchsetzen können).
Die Regierung von Santa Cruz rief für den 4.Mai 2008 zu einem illegalen einseitigen Referendum über die erklärte Autonomie auf. Die Zentralregierung plante für den selben Tag die Abstimmung über die neue Verfassung. Das bolivianische Wahlgericht untersagte beide Abstimmungen. Trotzdem führten die Eliten in den vier östlichen Provinzen ihre illegalen Wahlen ab, die von den AnhängerInnen der Regierung Boliviens weitgehend boykottiert wurden. In allen vier Provinzen lag die Zustimmung zu den Autonomiestatuten bei um die 80%, bei Wahlbeteiligungen zwischen 53% und 66%. GegnerInnen der Autonomie waren massiv und oft gewaltsam in ihren Äußerungen und Manifestationen behindert worden, denn Autonomiebestrebungen sind freilich auch in den reichen Provinzen nicht unangefochten. Infolge der Binnenmigration, die mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Media Luna einherging, stammen viele Bewohner des Tieflandes aus dem indianisch geprägten Hochland. Natürlich gibt es aber auch alteingesessene Tiefländer in den Städten und vor allem in den armen Teilen der Landbevölkerung, die sich dem Versuch der Eliten, den Neoliberalismus zu retten, widersetzen.
Die KapitalistInnen und ihre Angestellten reagieren mit dem üblichen Instrumentarium von Desinformation und Gewalt. Im Herbst 2008 setzten sie im Media Luna ein weiteres mal auf Eskalation. In Santa Cruz startete die rechte Jugendorganisation Union Juvenil Crucenista Hetzjagden auf GegnerInnen des Neoliberalismus und griff Einrichtungen der sozialen Bewegungen und der Zentralregierung an. Mehrere Menschen kamen bei den Angriffen ums Leben. Kurz nach Beginn der Gewalteskalation verwies die bolivianische Regierung den Botschafter der USA, Philip Goldberg, des Landes. Goldberg hatte die Opposition und ihre kriminellen Aktivitäten massiv unterstützt. Unmittelbar nach der Ausweisung des Botschafters stellte die US-regierung fest, dass Bolivien sich nicht ausreichend an der Bekämpfung des Drogenhandels engagiere (auch wenn die Vereinten Nationen der Regierung in La Paz das Gegenteil attestierten).
Wenige Tage nachdem die Angriffe in Santa Cruz begonnen hatten, überfiel eine „Bürgerwehr“ mit Angestellten der lokalen Departamento-Präfektur und Paramilitärs in der Provinz Pando unter  Führung des Präfekten eine Demonstration von Bauern und beschoß sie mit Kriegswaffen. Mindestens 18 DemonstrantInnen wurden ermordet, ca. 70 weitere werden immer noch vermisst. Die bürgerlichen Medien stellten das Massaker als Notwehr dar, ein Teil der internationalen Presse sprach von Ausschreitungen zwischen Regierungsgegnern und Anhängern der Regierung. Über Pando wurde der Ausnahmezustand verhängt und der Präfekt, ein reicher Unternehmer, wurde verhaftet. Der Staatenbund UNASUR beschloss, die Hintergründe des Massakers durch eine Kommission untersuchen zu lassen. Der verhaftete Präfekt von Pando sah sich nach Abschluss der Untersuchung in die Enge getrieben und gab schließlich als seine Komplizen die Regierenden der drei anderen Provinzen des Halbmondes an. Gemeinsam mit ihnen hätte er die Angriffe vorbereitet und koordiniert.

Morales und die Verfassung

Und wer ist eigentlich Evo Morales? Wenn man den bürgerlichen Medien glaubt, ist er ein selbstverliebter Autokrat und fast so schlimm wie sein venezolanischer Amtskollege Hugo Chavez, der als „Politclown“ verschrien ist, weil er sich nicht immer an die diplomatischen Formen und die Regeln der KapitalistInnen hält. Zudem trägt Morales eine Chompa mit einer darübergeworfenen Decke auch bei Staatsbesuchen oder vor den Vereinten Nationen, was ihm seltsamerweise als Populismus ausgelegt wird. Es ist jedoch schicht die Kleidung, die er schon immer trug. IndianerInnen wird seitens der westlichen Medien nur dann kein Rassismus entgegengebracht, wenn sie standesgemäß romantisch leiden. Ein Indianer an der Macht bringt automatisch den Dreck zum Vorschein, der in den Hirnen der Herrschenden und ihrer PropagandistInnen liegt. Das Ausmaß des Hasses der Eliten und ihrer Lohnschreiberlinge zeigt, dass der Mann nicht ganz verkehrt sein kann. Daher kurz etwas Biographisches:
Juan Evo Morales Ayma wurde 1959 als Sohn einer äußerst armen Aymara-Familie geboren. Mehrere seiner Geschwister überlebten die Armut nicht. Morales arbeitete von Kindheit an, als junger Erwachsener im Koka-Anbau und bald auch politisch im Sindicato seiner Gemeinde, dem Instrument der kommunalen Selbstverwaltung und Interessensvertretung. Später stieg Morales zum Dirigente des Sindicatos auf und wurde 1993 als bedeutendster Vertreter der  Cocaleros für die Izquierda Unida in das Parlament gewählt.
Regelrecht enttäuscht sind die journalistischen KritikerInnen des bolivianischen Präsidenten von der Häufigkeit und zunehmenden Deutlichkeit, mit der Morales und seine Projekte von den WählerInnen bestätigt werden.
2007 hatte Morales eine Volksabstimmung vorgeschlagen, in der über den Verbleib des Präsidenten und Vizepräsidenten der Republik und aller Provinzpräfekten in ihren Ämtern entschieden werden sollte. 2008 stimmte der Senat diesem Vorschlag endlich zu. Alle Amtsträger wurden bei dieser Abstimmung bestätigt. Eine direkt gewählte verfassungsgebende Versammlung erarbeitete 2006 und 2007 den Entwurf einer neuen bolivianischen Verfassung. In der Versammlung hatte das Lager des MAS eine absolute Mehrheit, jedoch nicht die zur Verabschiedung des Entwurfs nötige 2/3-Mehrheit.  Als der Text Ende 2007 von der Versammlung verabschiedet wurde, war die rechte Partei PODEMOS der Abstimmung ferngeblieben. So fand sich eine Mehrheit für den Entwurf, der unter anderem die Förderung eines genossenschaftlichen Kapitalismus, die Überführung der Bodenschätze in Gemeineigentum und die Stärkung der Rechte der indigenen Bevölkerung und ihrer kommunalen Einrichtungen vorsah. Nachdem es der Opposition zunächst gelungen war, den Volksentscheid über den Verfassungsentwurf zu verhindern, nahm schließlich eine deutliche Mehrheit der WählerInnen im Januar 2009 die Verfassung an. Am 6. Dezember 2009 wurde Präsident Morales wiedergewählt – mit 64% der abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 94%.

Erschienen in barricada – April 2010

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