Termine

Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Freitag, 15.03.2024

Antifa-Aktionskneipe im März

Freitag, 15.3. | Stadtteilladen Schwarze Katze (untere Seitenstrasse 1, NBG) | Workshop 20:00 Uhr | Offenes Antifatreffen 19:00 Uhr

Diskussionsworkshop zu Feminismus aus materialistischer Perspektive
Der inhaltliche Part des Abends beginnt um 20:00 Uhr mit dem kurzen Versuch von einer materialistische Perspektive auf das Thema Feminismus zu blicken. Darauf aufbauend wollen wir uns während einer Workshopphase in Kleingruppen z.B. mit den Themen Reproduktionsarbeit, Hass auf queere Menschen, oder Rollenzuschreibungen die die Zweigeschlechtlichkeit mit sich bringt, auseinandersetzen.
Schon um 19:00 Uhr beginnt der Abend mit dem offenen Antifatreffen. Wenn ihr antifaschistisch aktiv werden wollt, könnt ihr hier einen ersten Eindruck von unserer Arbeit bekommen und mitmachen.
Für Essen und Trinken gegen eine Spende ist wie immer gesorgt!
+++ AM 8.MÄRZ AUF DIE STRASSE! +++
Infos über die Antifa-Aktionskneipe Youtube | Instagram | antifaak161 (äääät) riseup.net
Was macht die Antifa Aktionskneipe?
Beispiele: Mobivideo zum 8.März ’23 / Jahresrückblick 2021 / Satire zur Bundestagswahl / Podcast zum Tag gegen Gewalt an Frauen / Antifa-Stadtrundgang / Aktion gegen AfD Landtagswahlstand / Demo „Keine rechte Hetze in unserem Viertel!“ / Gemeinsamer Treffpunkt für revolutionäre 1.Mai-Demo / Aktion zum TagX NSU-Prozess / Aktion gegen CSU Parteitag / Aktion gegen AfD-Infostand / Fahrt zur Demo: Memmingen sieht rot / Alle Aktionen chronologisch auf der Redside Was ist die Antifa Aktionskneipe: Der rechte Vormarsch in der BRD geht weiter voran. Am offensten zeigt sich diese Entwicklung an den Wahlerfolgen der AfD und Gesetzesverschärfungen, wie die neuen Polizeiaufgabengesetze. Die Bundesregierung schaffte das Asylrecht quasi ab, sperrt Geflüchtete in Lager und schiebt in Kriegsgebiete ab. Parallel dazu werden täglich Menschen von Nazis und RassistInnen angegriffen. Überall formieren sich rechte Bürgerwehren und rechter Terror wird zu einer immer größeren Bedrohung. Deswegen gewinnt antifaschistischer Widerstand gegen diese Zustände an enormer Bedeutung. Wir wollen deutlich zeigen und klar machen, dass wir diese reaktionäre Offensive nicht unbeantwortet lassen. Wir lassen uns nicht durch Rassismus und Sexismus spalten, sondern müssen gemeinsam als unterdrückte Klasse für eine befreite Welt kämpfen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir in einer Welt des Faschismus und Unterdrückung leben wollen oder in einer Welt der Solidarität und Gerechtigkeit. Wenn auch du die Schnauze voll hast und aktiv gegen Nazis und FaschistInnen werden willst, dann komm zur Antifa-Aktionskneipe! Jeden dritten Freitag im Monat ab 19:00 Uhr veranstalten wir ein offenes Treffen, mit dem Ziel, uns gemeinsam zu informieren, auszutauschen und aktiv zu werden. Lernen wir uns kennen, schließen wir uns zusammen und machen wir uns gemeinsam stark gegen Rassismus, Faschismus, Patriarchat und Kapitalismus.
Montag, 18.03.2024

Raus zum Tag der politischen Gefangenen!

Der weltweite Kampf der kapitalistischen Staaten um Absatzmärkte, Einflusszonen und Investitionsmöglichkeiten wird schärfer und es entstehen im Zuge dessen schon länger immer offenere Konflikte, die immer mehr Eskalationspotential bieten. Unzweifelhaft dämmert die Neuaufteilung der Welt. Der von der NATO angeheizte und von der Russischen Föderation zum militärischen Gefecht eskalierte Konflikt um die Ukraine ist dabei nur ein Beispiel. Weitere sind das Ringen der USA und China um Taiwan, wie auch Versuche verschiedener Akteure, mehr Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent zu gewinnen.

Hinzu kommt, dass im vergangenen Oktober Israel durch militante palästinensische Gruppen, unter Führung der Hamas, militärisch angegriffen wurde. Das israelische Militär begann daraufhin den Gazastreifen zu bombardieren. Dieser vorläufige Höhepunkt des seit Jahrzehnten bestehenden Konflikts hält seitdem an.

In dieser brandgefährlichen Gemengelage vertritt auch die BRD ihre Interessen bzw. die des deutschen Kapitals. Und damit das möglichst ungestört von statten geht, sollen wir Werktätige möglichst wenig sagen und tun, was dem im Weg steht. Deshalb findet in allen Fragen, die diese Interessen betreffen, ein besonders krasser Kampf um die Meinungen der Menschen statt. Deshalb tritt der Staat zunehmend repressiver auf – generell, aber auch im Besonderen:

Gegen Menschen, die sich Versuchen, die Gesellschaft immer weiter nach rechts zu drängen, entgegenstellen oder gegen Menschen, die Kriegsrhetorik etwas entgegensetzen. Gegen Menschen, die soziale Proteste organisieren oder solche, die den Kapitalismus ankreiden. Hier sollen nur ein paar Beispiele genannt sein.

So kommt es, dass die kurdische Freiheitsbewegung kriminalisiert wird - im Januar startete der Prozess gegen Tahir Köcer, der im vergangenen Jahr in Nürnberg festgenommen wurde. Ihm wird nach §129b StGB die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen. So kommt es, dass die, die zum Nahostkonflikt eine Meinung vertreten, die nicht der deutschen Staatsräson entspricht, eingeschüchtert werden. Das passiert bspw. über Verbote palästinasolidarischer Demonstrationen, Razzien gegen die migrantische Selbstorganisation ZORA und medial erhobene Forderungen nach Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit für Nicht-staatsbürger und schnellerer Abschiebungen von vermeintlichen Antisemiten. So erklären sich ebenfalls die Angriffe der Polizei auf die Luxemburg und Liebknecht Demonstration in Berlin oder, dass mehrere Dutzend KlimaaktivistInnen bereits vor Beginn der Internationalen Automobil Ausstellung 2023 in München in Präventivhaft genommen worden sind. Nicht zuletzt ist das wohl der Grund, wegen dem in Nürnberg gegen mehrere AntifaschistInnen nach §129 ermittelt wird, weil sie Graffiti gesprüht haben sollen.

Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten, dass wir uns bemühen, es der Repression nicht unnötig einfach zu machen. Dass wir uns umeinander kümmern und für alle von Repression Betroffenen da sind. Dass wir den vielen Gefangenen Briefe schreiben und sie nicht vergessen. Dass wir solidarisch zusammenstehen.

In diesem Sinne wollen wir den Tag der politischen Gefangenen, den 18.03.2024 mit einer Kundgebung begehen.

18 Uhr Kundgebung am Jamnitzerplatz. Anschließend wird es Gefangenen schreiben in der Vokü ab 19 Uhr geben.

Verbreitet unseren Aufruf gerne weiter und nutzt unsere Sharepics (1414x2000, 500x707).

Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk

Publikationen

Was war los

29.02.1980
Stra?enschlachten in Amsterdam zwischen Kraakern und Bullen, die sich ?ber mehrere Tage hinwegziehen. Ausgangspunkt war die Besetzung eines Hauses in der Vondelstraat. Der Versuch der Bullen, das Geb?ude zu r?umen, scheitert am Widerstand der BesetzerInnen.

Allerta, allerta, parole?

Demo-Sprechchöre: Zwischen Spontaneität und Choreographie

Eine der ersten kollektiven Erfahrungen, die politisch bewegte Menschen auf Demonstrationen machen, ist das gemeinsame Rufen mehr oder weniger inhaltlich gehaltvoller Sprechchöre, oft auch „Parolen“ genannt. Der erste bewusste Kontakt, den ZuhörerInnen mit linken Parolen haben, kann von so sinnvollen Aussagen, wie „Siemens, Daimler, Deutsche Bank – Der Hauptfeind steht im eig‘nen Land!“ über grenzwertiges wie „Ein Baum, ein Strick, ein Nazigenick!“ bis zu ironischen Späßen wie „Gebt den Linken mehr zu trinken“ reichen.

Diese, meist von allen RuferInnen gleichzeitig, aber auch manchmal mit Rollenverteilung gerufenen Parolen, haben eine sinnvolle Funktion im Kontext der linken Bewusstseinsbildung.  Einerseits wird durch das gemeinsame Rufen zu einem gewissen Grad Geschlossenheit demonstriert, was natürlich sowohl nach Innen, als auch nach Außen wirkt. Andererseits haben die Parolen meist auch eine inhaltliche Bedeutung, die – wiederum auch nach Innen und Außen – das Bewusstsein prägen kann. Parolen sorgen natürlich auch für Stimmung, können eine Dynamik entwickeln und wiedergeben, wie es mit z.B. einem Lautsprecherfahrzeug allein kaum gelingen kann.

Im Zeitalter günstigerer Lautsprechertechnik und wachsender Professionalisierung linker Demonstrationsformen geraten die von DemonstrantInnen spontan skandierten Parolen jedoch zunehmend in den Hintergrund. Allgegenwärtige Beschallung durch Lautsprecherfahrzeuge und Megaphon-AufheitzerInnen bestimmen zunehmend die akustische Szenerie auf Demonstrationen und Kundgebungen. Während der dauerhaft Musik dudelnde Lautsprecherwagen die Demo manchmal eher einschläfert als motiviert, gelten Megaphonschwingende AufheizerInnen – ganz nach dem Vorbild der „Capos“ aus den Ultra-Gruppen der Fußballszene vielen selbsternannten Szene-Choreographen als das non-plus-ultra (kleiner Wortwitz am Rande – Anm. d. Redaktion). Dabei wäre es durchaus wünschenswert, würde eine gewisse Spontaneität und Dynamik in den Parolen zum Ausdruck kommen, die aus den einzelnen Erfahrungen der DemoteilnehmerInnen gespeist wird und zum richtigen Zeitpunkt in spontaner Kollektivität zu einem Sprechchor zusammenfließt. Werden die Parolen dagegen hauptsächlich vorgegeben, durch Lautsprecherwagen oder Megaphon-Capos, entsteht diese Spontaneität nur selten und verliert auch ihren kollektiven Charakter. Eine Kritik, die es übrigens auch am Agieren der Ultra-Capos in Stadien nicht erst seit gestern gibt.

Psychologie der Parole

Ob aber nun spontan, oder organisiert: Die Außenwirkung von Demonstrationen hängt stark davon ab, ob etwas gerufen wird und was gerufen wird. Auch wie viele etwas rufen, ob gleichzeitig verschiedene Parolen gerufen werden, ist sehr wichtig für den Eindruck den eine Demonstartion auf Außenstehende, aber auch auf TeilnehmerInnen macht. Unbestritten sorgt ein laut aus vielen Kehlen angestimmter Sprechchor oder Gesang für Aufmerksamkeit. Vor allem dann, wenn das Gerufene plötzlich in den Alltag einbricht, z.B. die betäubende Atmosphäre der Konsummeilen zerreist. Der kollektiv gerufene Sprechchor durchbricht das gemurmelte, chaotische Alltagshintergrundrauschen selbst an Orten hektischer Betriebsamkeit, da kollektives Handeln dort als Fremdkörper empfunden wird. Dass viele Menschen gleichzeitig dasselbe brüllen, macht außerdem Eindruck. Für jene, die das Gerufene teilen, oder sogar mit rufen, ist es Bestätigung und Ermutigung. Für andere, die es nicht teilen, eine Einschüchterung. Einzelne mit anderer Meinung müssen sich zuerst einmal trauen, gegen die Stimme der Vielen anzureden. Eine Demonstration, deren TeilnehmerInnen zusammen lautstark Parolen brüllen, vermittelt nach außen ein sehr geschlossenes Bild. Eine Herausforderung für linke Gruppen, die tatsächlich Außenstehende mit ihren öffentlichen Aktionen ansprechen wollen, ist es, dass diese Geschlossenheit nicht isolierend wirkt. Ähnlich wie andere kollektive Demonstrationsformen, (z.B. der „Schwarze Block“), sollte der Einsatz von Parolen angepasst an konkrete Situationen erfolgen. Da wir in der radikalen Linken den Schwerpunkt der Verantwortung auf Demonstrationen nicht irgendwelchen FührerInnen zuweisen, sondern jede und jeder MitdemonstrantIn die Verantwortung mittragen sollte, ist gerade bei der Auswahl von Parolen jede und jeder gleichermaßen gefordert. Auch wenn es mittlerweile üblich ist, dass auf Demonstrationen Zettel mit Parolen verteilt werden, ist es doch sinnvoll, dass jede und jeder sich selbst was ausdenkt. Die perfekte, universelle Parole gibt es dabei natürlich nicht. Tatsächlich ist der Zeitpunkt, wann eine Parole angestimmt wird und wen sie erreichen soll, sehr wichtig. Denn was im Alltag menschlicher Kommunikation gilt, gilt auch für Demos. Wer kennt das nicht: Nach einem unangenehm verlaufenen Gespräch fällt einem auf, was mensch doch alles sinnvolles, witziges, provokatives, etc. hätte sagen können. Gesagt wurde aber nur mehr oder weniger zusammenhangloser Unsinn. Jetzt noch den oder die GesprächspartnerIn/-gegnerIn erneut zu kontaktieren und das Gespräch mit den neu gewonnenen rhetorischen Erkenntnissen zu wiederholen, wäre erstens peinlich und würde, wahrscheinlich, zur nächsten Niederlage führen. Bei Parolen ist es ähnlich. Wenn in einer brisanten Situation nicht das richtige gerufen wird, ist eine Gelegenheit der Agitation und Propaganda verpasst worden. Simples Beispiel: Die Anarchopedia, die ziemlich viele Demo-Sprechchöre auf ihrem Wiki zeigt, hat auch folgenden Eintrag aufzuweisen: „Gegen den Sozialabbau – organisiert den Kaufhausklau (Am Besten vor Kaufhäusern)“. Also, es macht wohl Sinn, vor einem Kaufhaus das zu rufen. Um einen möglichst guten Effekt im Sinne erfolgreicher Agitation und Propaganda zu erzielen, ist ein reiches Repertoire an Parolen, die auf  verschiedene Situationen und Themen ausgelegt sind, unabdingbar. Wer bei einem Polizeiübergriff mehr zu bieten hat als „Haut ab, haut ab, haut ab“ wird sicherlich die Herzen der PassantInnen zwar nicht im Sturm erobern aber doch zumindest ein bisschen rühren. Aber natürlich entstehen Parolen nicht von selbst. Sie werden von Menschen erdacht. Und erste Mutige müssen sie rufen. Doch ob sie dann als gängige Parole Verbreitung findet, liegt im Wesentlichen daran, ob andere sie auch mitrufen und dann immer wieder, bei unterschiedlichen Gelegenheiten selbst anstimmen.

Wir sind die wilden Horden, Wir plündern?und wir morden, wir waschen uns nie,?Hoch die Anarchie!

Oberflächlich betrachtet geht es bei Parolen erstmal um Inhalt. Es werden Werte hochgehalten („Hoch die internationale Solidarität!“), es wird Schlechtigkeiten der Kampf angesagt und manchmal werden, ganz platt natürlich, Zusammenhänge dargestellt („Kampf auf der Straße, Streik in der Fabrik, das ist unsere Antwort auf ihre Politik!“). Dass in gerufenen Parolen nicht ausführlich vernünftig argumentiert werden kann, sollten von Anfang an klar sein. Parolen müssen knackig und einprägsam sein. Sie werden in der Regel niemand überzeugen noch eine besonders klare, unwiderlegbare Weisheit verbreiten. Sie können aber sehr wohl Menschen begeistern und für die Beschäftigung mit Inhalten empfänglich machen. Parolen sind, ähnlich Zeitungskastenschlagzeilen, immer platt, weshalb es keine platten Parolen gibt, sondern nur Parolen. Notwendige Plattheit darf aber natürlich keine Entschuldigung für politisch fragwürdige oder falsche Parolen sein. Sexismus, Rassismus, Homophobie und andere diskriminierende Inhalte oder Sprachregelungen haben auch in Form von Parolen nichts auf linken Demos verloren. Auch derbe Beleidigungen sind Gewaltphantasien, die vielleicht in der simplen „Wir und die“-Philosophie des Fußballstadions ihre Berechtigung haben mögen, sind vielleicht im politischen Raum nicht immer die beste Wahl. Ein „Schlagt den Nazis die Schädeldecke ein“ ist halt recht beliebig, für manche abschreckend und sicher nicht besonders inhaltsvoll. Ein „Übergriffe rächen sich – Nazipack wir kriegen dich!“ in Verbindung mit einer Antirassistischen Parole wie „Flüchtlinge bleiben, Nazis vertreiben!“ transportiert da doch viel mehr. Ohnehin besteht bei sehr Gewaltaffinen Parolen, die auch einen gewissen Mackergestus bedienen, die Gefahr, eher lächerlich zu wirken. Denn unsere Militanz sollte sich nicht in Maulheldentum ausdrücken, sondern der Propaganda der Tat. Wer ruft, die Nazibanden platt zu machen, sollte sie halt auch platt machen.

Auch sollte bei Gesängen und Parolen, die schon lange existieren durchaus deren Geschichte hinterfragt werden. Letztendlich ist es auch immer sinnvoll die Frage zu stellen, ob die Parole überhaupt von uneingeweihten ZuhörerInnen verstanden wird. Sicher, es mag auch mal Sinn machen, nur was für die unmittelbaren DemoteilnehmerInnen zu rufen. Besser wäre es aber, wenn das was gerufen wird, auch von PassantInnen verstanden werden könnte. Bei bestimmten, eigentlich recht witzigen Varianten von Nazi-Parolen wie „Hier krepiert der nationale Widerstand!“ besteht auch immer die Gefahr, dass sie von ZuhörerInnen als die Originalparolen verstanden werden. Außerdem tragen sie trotz des veränderten Inhalts zur Verbreitung der Originalparole bei.

Zur besseren Verständlichkeit sollten bei Demos in der BRD  auch Parolen in der Regel in deutscher Sprache gerufen werden. Bei Parolen, die aus bestimmten Gründen in einer anderen Sprache gerufen werden, kann ja eine deutsche Übersetzung nachgeliefert werden. Bei der türkischen Parole „Faizme kar? omuz omuza“ wird seit Jahren die deutsche Übersetzung „Schulter an Schulter gegen Faschismus“ nachgerufen. Ein Grund für die Verwendung von Parolen in anderen Sprachen kann zum Beispiel darin bestehen, dass die Demonstration sich durch Straßenzüge bewegt, in denen viele Menschen die fragliche Sprache verstehen oder darin, dass die Zusammensetzung der Demo Mehrsprachigkeit nahelegt.

Allerdings setzen sich natürlich vor allem die Parolen durch, die erstens von vielen inhaltlich geteilt werden oder zumindest nicht auf Ablehnung stoßen und zweitens einfach zu rufen und leicht zu merken sind. In letzter Zeit wurde auch versucht, zu manchen Parolen eine gewisse Begleitchoreographie hinzuzufügen. „Siamo tutti antifascisti!“ (ital. „Wir sind alle Antifaschisten!“) wird zum Beispiel mit Händklatschen abgeschlossen, wobei der Klatschrhythmus dem Sprechrhythmus zuvor entspricht. Das klingt natürlich ganz famos, wenn viele mitklatschen, aber auch hier wird die begleitende Choreographie nur angenommen werden, wenn sie nicht zu kompliziert ist.

Die Mischung macht‘s

Es ist vielleicht ein Jammer, dass die allermeisten TeilnehmerInnen linker Demonstrationen nicht ihre ganze Kreativität aus sich herausschreien. So bleibt der Erfahrungsschatz dieser Menschen, ihre Emotionen und ihre Motivation, zu einer Demonstration zu gehen erstmal kaum wahrnehmbar. Wenn dann, wie zum Beispiel bei den Anti-Sozialraub-Demos 2004 und 2005 etwas leichtsinniges, geschichtsvergessenes oder dummes gerufen wird, wie zum Beispiel „Weg mit Hartz-4 – das Volk sind wir!“ dann sind wir als radikale Linke oft schneller dabei, diese Parolen zu kritisieren anstatt eigene, bessere Alternativen anzubieten. Ein gewisses Maß an Pluralität sollte die Linke ohnehin aushalten. Schließlich ist in der BRD kaum eine Organisation in der Lage, auf von ihnen vorbereiteten Demonstrationen für einheitliche Parolen zu sorgen. Und was wäre das überhaupt für ein grotesker Versuch? Genau wie Flugblätter, Aufrufe und Erklärungen sollten Parolen auch als Mittel des Diskurses und Gradmesser des Standes linker Bewegung verstanden werden. Wenn plötzlich Menschen „Hoch die antinationale Solidarität“ schreien, anstatt „Hoch die internationale Solidarität“ dann ist das nicht nur ein simples Austauschen von gleichbedeutenden Wörtern. Hinter sich wandelnden Parolen steckt auch oft ein sich wandelndes Bewusstsein. Dieses findet dann Ausdruck in Parolen, die auch eine gewisse Hegemonie erreichen können. Wenn alle etwas rufen, dann gilt das als verkollektivierter Inhalt. Dass bestimmte Parolen sich durchsetzen und andere nicht, liegt auch daran, welche Zustimmung die von ihnen transportierten  Inhalte aufgrund von bestimmten Mode-Theorien erfahren. Auch die generelle Zusammensetzung von DemonstrationsteilnehmerInnen spielt eine Rolle. In den letzten Jahren beteiligen sich erfreulicherweise auch aktive Fußballfans an Demonstrationen und bringen Erfahrungen aus der Stadionkultur mit ein. Dadurch ergibt sich aber auch eine leichte Verschiebung des Schwerpunkts vom Inhalt weg auf den Show-Effekt. Überall müssen Bengalos entzündet, Böller geknallt und Raketen verschossen werden. Auch die Parolen sollen Stimmung verbreiten, dabei wird gerne alles angenommen, was irgendwie cool klingt und dynamisch zu rufen – oder gar zu singen geht. Das ist eine gute Entwicklung, wenn sie nicht auf Kosten der Inhalte geht. Dass die derzeit wohl am häufigsten gerufene, nicht schon uralte Parole, nämlich „Alerta, alerta, Antifascista“ auch die identitärste, oft im Kontext sinnloseste Parole ist (vor allem wenn keine FaschistInnen da sind), zeigt, dass die Identität als AntifaschistIn/radikaler LinkeR etc. im Moment wohl im Vordergrund steht, die Agitation Außenstehender aber als nicht so wichtig angesehen wird.

„Vorwärts!“ lautet die Parole!

Bei Demo-Parolen, das dürfte deutlich geworden sein, handelt es sich um eine wichtige Ausdrucksform der radikalen Linken. Sie können Zusammenhalt schaffen oder genutzt werden, um Dissens zu zeigen. Parolen werden als Agitations- und Propagandamittel genutzt und auch mit ihnen werden Auseinandersetzungen geführt. Sie können spontan gerufen werden oder ihre Intonation kann organisiert geschehen. Sie bieten ein weites Feld an Möglichkeiten, das nicht vernachlässigt werden sollte. Jede Gruppe, die eine Demo oder Kundgebung vorbereitet, ist sicher gut beraten, sich über Parolen Gedanken zu machen. Dabei könnten folgende Fragen eine Rolle spielen: Welche Parolen kennen wir? Welche sind geeignet für den geplanten Anlass? Was wollen wir mit den Parolen erreichen und welche Inhalte sollen sie transportieren? Fällt uns was neues ein? Wie schaffen wir es, Menschen zum mitrufen zu bewegen? Wie wirken die Parolen auf TeilnehmerInnen und Außenstehende? Danach mit passenden Parolen gewappnet, beginnt das Ausprobieren, ob die geplanten Effekte erzielt werden können. Dabei passieren hoffentlich einige Überraschungen. Denn mangelnde Dynamik und Spontaneität machen selbst die effektreichste Demo zu einer recht langweiligen Veranstaltung.

Veröffentlicht in barricada – März 2012

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