Eine kurze Geschichte des revolutionären 1. Mai in Nürnberg

… Widerstand braucht kontinuität …

Die Geburt der Autonomen
In der ersten Phase, der Autonomen Bewegung in Nürnberg, die etwa bis 1985 dauerte, spielte der 1. Mai so gut wie keine Rolle. Vereinzelt oder als kleine Gruppe beteiligten sich Autonome an den Demonstrationen des DGB. Angepasste Reden und eine mit Bier und Würstchen bei Laune gehaltene „Basis“ sorgten für wenig Begeisterung. Eine Ausnahme gab es jedoch. Am 1. Mai 1981 störten Autonome HausbesetzerInnen, türkische und deutsche Linke gemeinsam die Abschlusskundgebung. Mehr als 600 DemonstrantInnen ließen eine Rede des Sozialdemokraten Willy Brandt in einem Pfeifkonzert untergehen. Als der Kreisvorsitzende Ranzenberger (DGB), im Zusammenhang mit einer am 5. März in Nürnberg erfolgten Massenverhaftung, sich auch noch mit den Worten, „Gewerkschafter sind gegen Gewaltanwendung“, von militanten HausbesetzerInnen distanzierte, kam es zu Tumulten. Schließlich verließ ein Demonstrationszug die Kundgebung.

Der 1. Mai 1986 ein erster Schritt
In den ersten Jahren Praxis gewachsen und zu theoretischen Erkenntnissen gelangt, entdeckten wir, ein Teil der Nürnberger Autonomen, immer stärker den alltäglichen Zwängen des Kapitalismus ausgesetzt, unsere Klassenzugehörigkeit. Unter der Überschrift „ 1. Mai und Wir“ schrieben wir: „ Was wir wollen ist die Überwindung der Trennung zwischen politischen und ökonomischen Kämpfen, daß heißt ein Zusammenkommen unserer Anti-Nato, Anti-AKW … Fights mit den sozialen Kämpfen ums tägliche Überleben (…Sozialamt, Arbeit, Miete), die zur Zeit, … noch mehr oder weniger vereinzelt von der ganzen Klasse geführt werden. Um dies zu erreichen, ist es für uns als Autonome erst mal wichtig, nun nicht einer obskuren lohnabhängigen Klasse hinterherzurennen, sondern zu begreifen das wir selbst ein Teil dieser Klasse sind, ohne bestehende Unterschiede (Bewußtsein, Kultur) dabei zu vergessen. Wir wollen mit euch auf der Nürnberger 1. Mai Demo einen Block bilden, der sich bewußt in diesem Klassenzusammenhang begreift und dem Sozialpartnerschaftsgewäsch des DGB den Kampf gegen Ausbeutung im gesamtgesellschaftlichen Bereich mit der Perspektive Revolution entgegensetzt“. An diesem ersten süddeutschen Autonomen Block beteiligten sich etwa einhundert Menschen, ein erster Schritt ist für einen revolutionären Kampftag 1. Mai war gemacht.

1987 Antikapitalistische Woche und 1. Mai
Im neu in Nürnberg entstandenen Anti-Kapitalistischen Plenum einigten sich Autonome auf Initiative der Gruppe Prolos auf die Durchführung einer einer Antikapitalistischen Veranstaltungs- und Aktionswoche in verschiedenen Städten. Am 1. Mai sollte es außerdem einen zentralen Block auf der Demo in Nürnberg geben. Vom Anti-Kap Plenum wird außerdem ein 12-seitiges inhaltlich/strategisches Papier erarbeitet. Ein süddeutsches Autonomenplenum beschloss nach langer Diskussion, dieses als gemeinsamen Hintergrund zu veröffentlichen. Das Konzept wurde in die Tat umgesetzt. Die Antikapitalistische Woche fand in mehreren Städten statt, neben Nürnberg gab es vor allem in Erlangen, München und Heilbronn Aktionen und Veranstaltungen. Am revolutionären Block beteiligten sich vierhundert Menschen. DGB-Ordner, die Anfangs die Teilnahme verhindern wollten, beschränken sich schließlich darauf , den Block zusammen mit einem starken Polizeiaufgebot zu begleiten. Die Mobilisierung wurde allgemein als großer Erfolg betrachtet, was auch für das erste Autonome Mai-Fest galt, das im KOMMunikationszentrum von 600 zahlenden Gästen besucht wurde.

1988 & 1989
In beiden Jahren beteiligten sich revolutionär internationalistische Blöcke, begleitet von einem Polizeispalier, an der 1. Mai-Demo. In unmittelbarer Nähe der DGB-Kundgebung fanden eigene Abschlußkundgebungen statt. Auch antikapitalistische Wochen mit zahlreichen Veranstaltungen gab es. Zusätzlich verweigerten zahlreiche Menschen auf einem eigens organisierten Blaumacherfrühstück für einen Tag die Lohnarbeit oder ließen den Schulbesuch ausfallen. 1988 gab es ein 1. Mai Fest, `89 ließen wir es ausfallen und beteiligten uns stattdessen an einer bundesweiten Demonstration zur Unterstützung eines Hungerstreiks von RAF und anderen revolutionären Gefangenen. Ebenfalls `89 wurde die Antikapitalistische Woche in Aktionswoche gegen Kapital und Patriarchat umbenannt.

Der 1. Mai 1990
Als Konsequenz aus unserer Analyse der herrschenden Verhältnisse, unserer Orientierung auf Klassenkampf, versuchten Autonome Gruppen aus Nürnberg und Erlangen gemeinsam eine kontinuierliche Praxis in Stadtteil und Betrieb, auf Ämtern und mit Jugendlichen aufzubauen. Neben einem gemeinsamen gab es in diesem Jahr deshalb weitere, den jeweiligen Arbeitsschwerpunkten zugeordnete Aufrufe. 1990 warf außerdem der vom BRD-Imperialismus betriebene Anschluß der DDR seinen Schatten über die Mai Aktivitäten. „Die Annektion der DDR und die Kolonialisierung Osteuropas – Deutschlands Weg ins vierte Reich“ war der Titel einer Veranstaltung im Rahmen der Aktionswoche, auch auf der Demonstration wurde Großdeutschland der Kampf angesagt.

1991 der 1. Mai im Zeichen des Golfkrieges
„Weder euren Krieg, noch euren Frieden, sondern Soziale Revolution!“ Die Mobilisierung gegen den Golfkrieg beanspruchte die ganze Kraft und die 1. Mai-Demonstration war Teil der antimilitaristischen Aktivitäten. Eine Aktionswoche gab es `91 deshalb nicht. Auf Vorschlag der im Stadtteil Gostenhof aktiven Autonomen Proletarischen Aktion fand die Abschlußkundgebung des revolutionären Blocks erstmals dort statt. Ein geplantes Straßenfest wurde aber leider Opfer des regnerischen Wetters.

1. Mai 1992 Revolutionäre Demonstration
„Wir haben die Schnauze voll“, gemeint waren mit diesem Motto die herrschenden Verhältnisse, deuten konnte es Mensch jedoch auch in anderer Hinsicht. Gemeinsam mit Genossinnen von Bolschevik Partizan organisierten die Autonomen auf Initative der Autonomen Proletarischen Aktion und der Prolos die erste eigenständige revolutionäre 1. Mai-Demonstration. Sie lief im Stadtteil Gostenhof und etwa zweihundert Menschen beteiligten sich. Ein weiterer Rechtsruck des DGB, der ganz in den großdeutschen Konsens integriert mithalf, den Anschluss der DDR für das Kapital reibungslos über die Bühne zu bringen, machte den Schritt in die Unabhängigkeit notwendig. Im Anschluss an die Demonstration besetzten TeilnehmerInnen ein Haus. Gefeiert wurde rund um die Besetzung. Vor der polizeilichen Räumung verließen die BesetzerInnen heimlich das Haus.

`93/`94/`95 Revolutionäre Demonstration und Internationalistisches Straßenfest
Es blieb dabei: Auch im Gründungsjahr der organisierten autonomie (Zusammenschluß der Gruppen Aut. Prol. Akt. und Prolos) lief die revolutionäre 1. Mai Demonstration unabhängig von der des DGB. In diesen Jahren zogen wir mit zwei- zuletzt dreihundert Menschen bedroht von einem riesigen Bullenaufgebot durch Gostenhof. Die Ausrichtung der Demonstration war schon damals eindeutig: hier läuft bzw. lief nur mit, wer/welche die imperialistische Ordnung der Welt lieber heute als morgen auf den Misthaufen der Geschichte werfen würde und bereit ist, dafür auch etwas zu tun. Auf den Punkt brachte es das 1. Mai Motto `93: „ schwarz ist der himmel – rot ist die erde – gold sind die hände der Bonzenschweine – wer hier kämpft kann nur gewinnen!“. Erfreulich ist die Tatsache, daß sich auch Menschen aus anderen linken Organisationen seit `93 der Demonstration anschließen. Auf unserem `93 erstmals in Gostenhof durchgeführten Straßenfest feierten an die eintausend Menschen, auch in den folgenden Jahren war das Fest ein Erfolg.

1. Mai `96 Rebellion ist gerechtfertigt
… und jetzt erst recht, denn Nürnberg hatte mit Ludwig Scholz (CSU) einen neuen Oberbürger bekommen, den die DGB-Führung auch gleich untertänigst als Redner zu ihrer 1. Mai Kundgebung bat. Der Wind wehte von rechts, folgerichtig kündigt die Jugendorganisation der NPD an, am 1. Mai in Nürnberg aufzumarschieren. Auf Grund räumlicher Distanz, war ein von DGB-Funktionären mit Polizei und städtischen Verantwortlichen diskutiertes, gleichzeitiges Verbot der revolutionären 1. Mai Demonstration und des Nazi Aufmarsches aber nicht möglich. Autonome und andere mobilisierten, auf Initiative der organisierten autonomie, die nun seit Jahren die Demo vorbereitet, unter der Parole „ Wessen Straße ist die Straße… Kein Faschistenaufmarsch in Nürnberg“ zur revolutionären Demo nach Gostenhof. Nachdem wir zeitlich versetzt eine weitere Kundgebung, in der unmittelbaren Nähe des Nazi Treffpunktes, angemeldet hatten, kniffen schließlich die städtischen Verantwortlichen und untersagten den Naziaufmarsch und die Kundgebung. Die Frage „wessen Straße die Straße, am 1. Mai ist“ war damit entschieden. Die Strategie der radikalen Linken war aufgegangen und ein Verbot der eigenen Demonstration verhindert worden.
An der revolutionären 1. Mai Demonstration beteiligten sich schließlich achthundert Menschen, die dem immer wieder provozierenden Polizeiaufgebot entschlossen entgegentraten. Neben der grundsätzlichen Kritik an den herrschenden Verhältnissen, standen antifaschistische Parolen und der Kampf gegen die Schließung des KOMMunikationszentrum im Mittelpunkt der Demo.

Widerstand heißt Angriff
Gegen das System und seine Systematik gingen 1997 in Nürnberg über fünfhundert und `98 siebenhundert Menschen auf die Straße. `97 mußten die an der revolutionären 1. Mai Demo Teilnehmenden, sich immer wieder gegen Provokationen und Angriffe der Polizei verteidigen. Für eine Stunde blockierten wir deshalb den Verkehrsknotenpunkt Plärrer. `98 hielten sich die, den Zug begleitenden, USK-Sondereinheiten merklich zurück, die Ursache hierfür war jedoch nicht etwa Einsicht, sondern die von ihnen, aufgrund einer bundesweiten Antifamobilisierung nach Leipzig, unterschätzte TeilnehmerInnenzahl, auf die sie nicht vorbereitet waren. Die Stimmung auf dem internationalistischen Straßenfesten konnten weder Regenschauer noch die ´98 erfolgten provozierenden Polizeikontrollen trüben. Letztere wurden nach kollektiven Eingreifen und Protest eingestellt. Ein Höhepunkt auf dem Fest war ’98 das Agit-Prop-Theater der Antifa Kritik und Kampf. Längst waren es außerdem zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nur die bayrischen Autonomen, die sich am revolutionären 1. Mai in Nürnberg beteiligten. Neben anderen Linken kommen in den letzten Jahren immer mehr Unzufriedene zur Demonstration oder schauen auf dem Fest vorbei.

Revolutionärer 1. Mai 1999 und 2000
Im Mittelpunkt der Kritik stand `99 der Nato-Angriffskrieg auf Jugoslawien. An der Demonstration unter dem Motto: „Den Kampf gegen die herrschenden Verhältnisse organisieren – Auf allen Ebenen- Mit allen Mitteln“ beteiligten sich zwischen sechs-und siebenhundert Menschen und machten sie damit zur größten Nürnberger Antikriegsdemonstration abgesehen vom traditionellen Ostermarsch. Richtig ab ging’s dann 2000. Bereits am Vorabend des 1. Mai wurde in Gostenhof ein Haus besetzt und von den Vertretern der inneren Sicherheit wieder geräumt, wobei es zu einigen vorübergehenden Festnahmen wegen Hausfriedensbruch kam. Für den 1. Mai selbst hatten Nazis in der Nachbarstadt Fürth einen Aufmarsch angekündigt. Klar war deshalb das sich die Mobilisierung auch gegen diese Naziprovokation richten musste. Wir beschlossen die revolutionäre 1. Mai Demonstration trotzdem durchzuführen und uns nicht auf reine Naziverhinderungsaktivitäten reduzieren zu lassen. Die Demoroute wurde verkürzt und die Demo im Eiltempo durchgeführt. Trotzdem beteiligten sich in diesem Jahr vierhundertfünfzig Menschen an der Demonstration, die sich die eigenständigen revolutionären 1. Mai Aktivitäten nicht von den Nazis aus der Hand nehmen lassen wollten. Die meisten fuhren im Anschluss nach Fürth wo zweitausendfünfhundert AntifaschistInnen trotz Polizeiknüppeleinsätzen immer wieder den Naziaufmarsch blockierten.

Für die Soziale Revolution – Weltweit kämpfen
-hieß anknüpfend an die international zunehmenden Kämpfe gegen kapitalistische Globalisierung das Motto der revolutionären 1. Mai Demo in Nürnberg. Neben den üblichen Polizeischikanen, durchsuchten die USK-Schlägertruppen des Innenministeriums in diesem Jahr auch noch ausgiebig den Lautsprecherwagen. Hinter dem Nürnberger Polizeipräsidium stoppten diese Uskler schließlich den Demonstrationszug und griffen den an der Spitze laufenden Autonomen Block an. Ziel des Polizeiübergriffs war vermeintlich die Beschlagnahmung einiger seitlich getragener Transparente, welche als Sichtblende, gegen einen im Schutz der Polizeieinheiten fotografierenden Nazi, getragen wurden. Lange ließ sich der Zug jedoch nicht aufhalten, was schließlich auch die Einsatzleitung der Polizei einsah und ihre Provokation beendete. Im Anschluß an die Demonstration feierten auf dem internationalistischen Straßenfest in Gostenhof über eintausendfünfhundert Menschen bei strahlendem Sonnenschein. Ein Höhepunkt in diesem Jahr der Auftritt der Polit-Ska-Band Scrapy.

1. Mai 2002 Widerstand gegen Kapitalismus, Krieg und Naziaufmarsch
Vierhundert Menschen beteiligten sich in diesem Jahr an der Demonstration. Also weniger als im vergangenen Jahr, was auf die Tatsache zurückzuführen war, dass ein, wie vor zwei Jahren in Fürth, angesetzter Naziaufmarsch auf der Tagesordnung stand. Um im Anschluss an die revolutionäre 1. Mai Demonstration wiederum den Nazis entgegenzutreten, verlegten wir unseren Auftakt nach vorne. Worauf die Nazis in Absprache mit der Polizei ihren Aufmarsch ebenfalls vorverlegten. Dennoch fuhren viele nach der Demo, die sich schwerpunktmäßig gegen die Natokriegspolitik wand, nach Fürth um sich den Nazis entgegenzustellen.
In Fürth verhinderte ein Großaufgebot der Polizei Blockaden des Naziaufmarsches und geleitete knapp vierhundert Faschisten durch die Stadt.
Im Anschluss trafen sich dann alle auf dem internationalistischen Straßenfest in Gostenhof. Verwöhnt vom erfolgreichen agieren in Fürth, glaubten die Polizeeinheiten auch in Gostenhof freie Hand zu haben. Nach einigen Festnahmen rund um das Fest besetzten rund zwei- bis dreihundert BesucherInnen kurzerhand die nahe dem Fest gelegene Hauptstraße.Kurzzeitig schien die Situation zu eskalieren, doch nach einigen Wurfgeschossen auf die USKler zogen diese sich zurück, vermutlich um eine weitere für sie unkontrollierbare Eskalation zu vermeiden. Nach ein paar Stunden wurde die Straßenblokade schließlich beendet. Auf dem Fest wurde noch bis spät in den Abend hinein gefeiert unter anderem mit der Punk-Band La Fraction aus Paris.

1.Mai 2003 Den Dauerkriegszustand durchbrechen! antipatriarchal – antikapitalistisch – internationalistisch – revolutionär
Diesmal erreichten wir fast die 1000er-Grenze! Die Einsatzleitung sprach nach der Hälfte der Demo von 900 Teilnehmern. Unsere eigenen Zählungen lagen bei 950 bzw. 980 Leuten!

1.Mai 2004 Alles für Alle – Gegen Ausbeutung und Unterdrückung – Für die soziale Revolution
Wie im vergangenen Jahr beteiligten sich ca. 1000 Menschen an der revolutionären 1.Mai Demo in Nürnberg. Die organisierte autonomie (oa), die zusammen mit einem Bündnis zahlreicher linker und internationalistischer Gruppen zur Demo aufgerufen hatte, bewertete die Demo als Erfolg. Nach Berlin hat sich Nürnberg mittlerweile zum zweitgrößten revolutionären 1. Mai in der BRD entwickelt.
Die Polizei provozierte insbesondere durch schikanöse Vorkontrollen, in deren Verlauf mindestens 5 Personen willkürlich festgenommen wurden. Während der Demo wurde u.a. ein Videowagen der Polizei leicht beschädigt.
Bei einer Zwischenkundgebung kam es zu einem kleineren Zwischenfall mit sog. „Antideutschen“, die in Nürnberg allerdings bis heute keinerlei Bedeutung haben. Nach einem Redebeitrag der türkischen Solidaritätsgruppe Tayad stellte sich eine Handvoll Antideutsche an den Rand der Demo und riefen u.a. „Nieder mit Palästina – Lang lebe Israel“, anschliessend verließen sie nach Aufforderung die Demo. Die organisierte autonomie betonte in einem Interview nach der Demo, den Zwischenfall nicht überzubewerten. Der rev. 1. Mai habe in Nürnberg als Bündnisdemo unterschiedlichster Gruppen einen internationalistischen Charakter, der eine Solidarität mit imperialistischen und kriegstreibenden Staaten explizit ausschliesst. Vielmehr gehe es ihnen um die Solidarität mit linken und antikapitalistischen Kräften weltweit, auch in Israel und Palästina.

Nach der Demo fand im Stadtteil Gostenhof wie jedes Jahr ein internationalistisches Strassenfest statt, das trotz des Dauerregens am Nachmittag gut besucht war. Dort sorgten u.a. Generation Yps (HC-Punk aus Nbg.), Babylon Inferno (sehr guter Polit-HipHop aus Aachen), Grup Yorum (beliebte türkische Polit-Combo), Aurora (klasse Punk aus Ungarn) und Rotes Haus aus Hamburg für herrvorragende Stimmung. Nachdem es im vergangenen Jahr am Rande des Strassenfestes zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kam, sperrte diese in diesem Jahr den Bereich Fürther Strasse komplett ab. Trotz willkürlicher Platzverweise und Provokationen blieb es in diesem Jahr neben einigen Flaschenwürfen weitestgehend ruhig. Alles in allem ein gelungener revolutionärer 1. Mai in Nürnberg.

1. Mai 2005- Faschismus bekämpfen – Kapitalismus abschaffen! das alles und noch viel mehr…für die soziale Revolution!
Ein weiterer Naziaufmarsch führt zu einer sehr hohen TeilnehmerInnenzahl. Knapp 3000 Menschen mögen es am Schluss gewesen sein, die mit der revolutionären 1. Mai-Demo in die Nürnberger Südstadt gelaufen sind, um den Nazi-Aufmarsch der NPD zu blockieren. Nach Demonstrationsende kam es auch zu Blockaden und Behinderungen sowie zu brutalen Polizeiübergriffen auf AntifaschistInnen. Rauchgas in einem U-Bahn Tunnel verzögerte den Start des Naziaufmarschs. Aufgrund schikanöser Vorkontrollen der Polizei begann auch die revolutionäre 1. Mai-Demonstration mit etwas Verspätung. Unter dem Motto „Kapitalismus abschaffen! Faschismus bekämpfen! – Das alles und noch viel mehr… für die soziale Revolution!“ setzte sich die Demonstration gegen 11.30 Uhr im Nürnberger Stadtteil Gostenhof in Bewegung. Auf der Hälfte der Strecke reihten sich noch mehrere Hundert AntifaschistInnen in die Demo ein, die einem Aufruf des Nürnberger Bündnisses gegen Rechts gefolgt waren. 2005 war die revolutionäre 1.Mai-Demo erstmals größer als die offizielle, sozialpartnerschaftlich ausgerichtete, DGB-Demo.

In der Südstadt kam es zu ersten Auseinandersetzungen mit der Polizei, als die Demospitze versuchte, weg von der angemeldeten Strecke auf die Nazi-Route zu gelangen. Ihren Abschluss fand die Demo dann im Südstadtpark, wo direkt im Anschluss eine Kundgebung des Bündnisses gegen Rechts begann.

Gegen 13 Uhr erreichte die Demo-TeilnehmerInnen die Nachricht, dass es eine massive Rauchentwicklung in dem U-Bahntunnel gab, durch den die Nazis von ihrem Treffpunkt am Messegelände zu ihrem Auftaktkundgebungsplatz am Maffeiplatz mussten. Für etwa 1 Stunde wurde die U-Bahnstrecke gesperrt. Nach Aussagen eines Polizeibeamten ist wohl eine Rauchgasbombe der Auslöser dafür gewesen.

Gleichzeitig gelangen etwa 50 Fürther GewerkschafterInnen am Hauptbahnhof auf die Nazi-Route, nach kurzer Zeit wuchs die Blockade auf mehr als 500 TeilnehmerInnen aus den unterschiedlichsten Spektren an. Dort kam es zu massiven Polizeiübergriffen, Schlagstock und Pfeffersprayeinsätzen gegen die Blockierenden. Antifas reagierten mit Flaschenwürfen, die Blockade konnte bis zuletzt von der Polizei nicht aufgelöst werden. Aufgrund der Blockade wurde der Naziaufmarsch schliesslich mitten durch den Hauptbahnhof umgeleitet und die Nazis konnten dadurch bis zu ihrem Abschlusskundgebungsplatz an der Lorenzkirche gelangen. Im Hauptbahnhof ging die Polizei gegen AntifaschistInnen mit hoher Brutalität vor. Dabei wurde mindestens ein Aktivist von einem Polizeihund gebissen und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. An der Lorenzkirche wurden die etwa 250 Nazis von mehreren Tausend AntifaschistInnen empfangen. Die Nazikundgebung ging im Lärm der GegendemonstrantInnen unter. Im Anschluss an die Action des ganzen Tages feierten ca. 2500 Menschen auf dem interantionalistischen Strassenfest in Gostenhof. Da die revolutionäre Demo sich im Gegensatz zu DGB und Stadt 2005 so konsequent antifaschistisch positionierte, bleibt sie bis heute der wichtigste Anlaufpunkt für AntifaschistInnen, nicht nur aus dem linksradikalen Spektrum, wenn am 1. Mai in Nürnberg Nazis marschieren wollen.

1. Mai 2006 – streiken.besetzen.enteignen – Kapitalismus abschaffen! Für die soziale Revolution!
„Seit Jahren läuft ein groß angelegter Angriff auf erkämpfte Rechte, Löhne und soziale Sicherung. Die mageren demokratischen Möglichkeiten werden weiter eingeschränkt. Staatliche überwachung, Kontrolle und Repression werden gezielt vorangetrieben und Angriffskriege zählen heute zum normalen Mittel der Aussenpolitik kapitalistischer Metropolenstaaten. Wir haben die Wahl zwischen Resignation und Kampf gegen die Verhältnisse.Doch Resignation kann sich angesichts der dreisten Verbrechen der Herrschenden eigentlich niemand mehr leisten. Die Unzufriedenheit mit einem Wirtschaftssystem, das für die Mehrheit der Menschen Ausbeutung und Unterdrückung bedeutet, das jährlich vielen Millionen den Tod bringt, wächst.Eine grundlegend andere Welt jenseits des Kapitalismus ist nicht nur möglich, sie ist dringend nötig und muss erkämpft werden! Genau für diesen Kampf steht unsere jährliche revolutionäre 1. Mai Demonstration.“
Das schrieben wir 2006 den Verhältnissen ins Stammbuch. 1400 Menschen nahmen an der revolutionären 1. Mai-Demo in Nürnberg teil. Die TeilnehmerInnenzahl lag sogar über der von 2004, eine Zahl wie zu dem höchst brisanten Naziaufmarsch im Vorjahr konnte aber natürlich nicht erreicht werden.
Die Demonstration war kämpferisch und entschlossen. Zahlreiche AnwohnerInnen hatten Transparente aus ihren Fenstern gehängt, um sich mit der Demonstration und ihren Forderungen zu solidarisieren. Aus einem Haus wurden sogar hunderte schwarze und rote Luftballons aus den Fenstern geworfen, was für Stimmung sorgte. Leider mussten Angehörige des USK auch hier ihre Bösartigkeit zur Schau stellen und zertraten Luftballons unter den Augen weinender Kinder. In den Redebeiträgen wurde u.a. zur Grossdemonstration am 3.6. in Berlin und zu den Protesten gegen den G8 Gipfel 2007 in Heiligendamm aufgerufen. Weiter wurden Grußbotschaften aus München und der Schweiz verlesen.
Nach der Demo fand im Stadtteil Gostenhof das internationalistische Strassenfest statt, welches ganz selbstverständlicher Teil der Stadtteilkultur geworden ist, ohne etwas von seinem Flair einzubüßen.

1. Mai 2007 – Die 1. Mai-Demo wird so relevant, dass die bürgerliche Presse sie verschweigen muss
Unter dem Motto „Es geht auch ohne Ausbeutung und Unterdrückung! Es geht auch ohne Kapitalismus! Faschismus bekämpfen! Für die soziale Revolution weltweit!“ demonstrierten über 3000 Menschen auf der inzwischen traditionellen revolutionären 1. Mai-Demonstration in Nürnberg. Die von der organisierten autonomie (OA) initiierte und von einem breiten Bündnis linksradikaler Gruppen unterstützte Demonstration zog von Gostenhof in die Nürnberger Südstadt, wo ein von der NPD angemeldeter Naziaufmarsch beginnen sollte.

Nach der Abschlusskundgebung der kämpferischen Demonstration, zogen viele, die mitgelaufen waren, weiter zum Annapark, beim Maffeiplatz. Dort sammelten sich etwa 150 Nazis. Nachdem die Nazis von GegendemonstrantInnen mit Flaschen und Steinen beworfen worden waren, marschierten sie im Dauerlauf zum Lorenzer Platz, hinter der Lorenzkirche. Entlang ihrer ganzen Route protestierten AntifaschistInnen gegen sie. Die Polizei hatte den Aufmarsch der wenigen Nazis so weiträumig abgesperrt, dass die BewohnerInnen der betroffenen Stadtteile sich kaum bewegen konnten. Manche AnwohnerInnen beschwerten sich lautstark über den Belagerungszustand, der durch die Polizeitaktik verursacht wurde.

Als die Nazis in ihrem Abschlusskundgebungsort hinter der Lorenzkirche angekommen waren, versammelten sich noch tausende DemonstrantInnen, darunter ein sehr großer Teil, der schon auf der revolutionären Demonstration mitgelaufen war, auf der anderen Seite, wo die Kundgebung der Stadt Nürnberg stattfand. Oberbürgermeister Ulrich Maly und Günther Beckstein wurden, als sie sprachen, allerdings ausgebuht. Medienberichten zu Folge soll Beckstein auch mit Flaschen beworfen worden sein. Offenbar fand die Idee, den für seine rigorose Abschiebepolitik bekannten Minister reden zu lassen, wenig Anklang bei den Tausenden von Menschen, die gekommen waren, um ihren Protest gegen Nazis auf die Straße zu tragen.Unter lautstarkem Protest wurden die Nazis dann von der Polizei zu ihrer Sonder-U-Bahn eskortiert.

Besorgniserregend war 2007 vor allem das Verhalten der lokalen Presselandschaft, allen voran der Nürnberg Nachrichten. Nicht nur wurden antifaschistische Aktivitäten teilweise totgeschwiegen und teilweise diffamiert. 2007 brachten es die Nürnberger Zeitungen fertig, ihren LeserInnen die revolutionäre 1. Mai Demonstartion, die größte antifaschistische Demo des Tages, und ihre politischen Inhalte nahezu komplett zu verheimlichen. Viel mehr noch, AntifaschistInnen wurden in der Presse gar mit Nazis gleichgesetzt und Überlegungen wie aktive antifaschistische Proteste eingedämmt und kriminalisiert werden können nahmen breiteren Raum ein, als die Empörung über die Faschisten.

Aus diesem Anlass heraus wurde von der organisierten autonomie (OA) ein Flugblatt erstellt und mit zahlreichen Gruppen in einer Auflage von 30 000 Stück mit herausgegeben und als Postwurfsendung an die Nürnberg Haushalte verteilt.

1. Mai 2008 – Stadt und Staat ermöglichen Nazigroßaufmarsch

2008 war vielleicht der turbulenteste revolutionäre 1. Mai in Nürnberg im neuen Jahrtausend. Über 4000 Menschen beteiligten sich an der von der organisierten autonomie (OA) initiierten und einem breiten Bündnis linker Gruppen unterstützten revolutionären 1. Mai Demonstration. Das Motto lautete „Nazis stoppen! Ausbeutung und Unterdrückung beenden! Kapitalismus abschaffen! Es gibt keine Alternative zur sozialen Revolution???. Wie im Motto schon deutlich wurde, lag der Schwerpunkt des Tages auf antifaschistischen Aktivitäten.

Die Stadt Nürnberg hatte für den 1. Mai einen Aufmarsch der faschistischen NPD genehmigt. Das war und ist, auch wenn Naziaufmärsche leider in vielen Teilen Deutschlands mittlerweile alltäglich sind, in Nürnberg immer noch ein Skandal. Nürnberg, die ehemalige „Stadt der Reichsparteitage“ war seit 1945 immer ein heißes Pflaster für Nationalsozialisten. Nachdem in den letzten Jahren Naziaufmärsche in Nürnberg erfolgreich blockiert wurden, wie am 14. Oktober 2006 und am 1. Mai 2005 setzte dieses Mal die Stadtspitze und der Staat alles daran, um das Recht auf faschistische Propaganda in den Straßen von Nürnberg gegen den erklärten Willen der Mehrheit durchzusetzen.

Bereits im Vorfeld des 1. Mai hatten etwa 400 Menschen gegen die städtische und staatliche Duldung von Faschisten und ihren Aufmärschen protestiert. Dennoch hielten die politischen Verantwortlichen an ihrem Vorhaben fest.
1000 Sperrgitter und mehr als 50 Straßensperrungen verwandelten die drei Nürnberger Stadtteile, durch die der Naziaufmarsch laufen sollte, in ein Polizeilager. Die BewohnerInnen dieser Stadtteile wurden erheblich in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Die Stadtspitze rief die so „eingesperrten“ zynischerweise noch dazu auf, die Rolläden herunter zu lassen und den Nazis „die kalte Schulter zu zeigen“. Diese Haltung spiegelte sich auch im „Protestverhalten“ des offiziellen Nürnbergs wieder. Die städtische Kundgebung fand fernab der Naziroute statt. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) bezeichnete alle, die der Stadt vorgeworfen hatten, nicht genug gegen den Naziaufmarsch zu tun als „Obergerechte“.

Treffpunkt für alle AntifaschistInnen, die direkt an die Naziroute gehen wollten, um gegen die Nazis zu protestieren war, aufgrund der Konsequenten, über Jahre bewiesenen antifaschistischen Haltung, die revolutionäre 1. Mai-Demonstration. An der Spitze der Demonstration befand sich ein riesiger autonomer Block, an dem sich auch Gruppen aus Süddeutschland beteiligten. Die Demo war insgesamt eine bunte Mischung aus organisierten Linksradikalen, SchülerInnen, GewerkschafterInnen, Erwerbslosen, türkischen Organisationen, Menschen aus dem Sozialforum Nürnberg und vielen anderen.
Am Rande der Demonstration, wo ständig Flugblätter verteilt wurden, kam es immer wieder zu Sympathiebekundungen von AnwohnerInnen und PassantInnen, die sich auch teilweise der Demo anschlossen.
Als sich die Demonstration dem Abschlusskundgebungsplatz in der Nähe der Naziroute näherte, versperrte die Polizei unvermittelt illegal die genehmigte Route. Die DemoteilnehmerInnen ließen sich jedoch nicht einschüchtern und durchbrachen die Polizeiketten.

Als die revolutionäre 1. Mai Demonstration an dem angemeldeten Abschlusskundgebungsort angekommen war machte die Polizei deutlich, dass sie bereit, ist unter Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray den Naziaufmarsch durchzuprügeln. Viele DemonstrationsteilnehmerInnen versuchten die Absperrgitter der Polizei zu überwinden und die Route der Nazis zu blockieren. Doch die Polizei-Spezialeinheit USK verhinderte dies durch wildes Prügeln und dem Einsatz von Pfefferspray. Kurz darauf stürmte das USK den vorderen Lautsprecherwagen der Demonstration, auf dem zu diesem Zeitpunkt Verletzte versorgt wurden, schnitt die Kabel der Anlage durch, warf Teile der derselben in blinder Zerstörungswut auf den Boden und prügelte auf die Menschen auf dem LKW ein. Mindestens zwei Menschen mussten danach mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Weiter wurden Sanitäter von der Polizei daran gehindert Verletzte zu versorgen.

Solidarisch zeigten sich jedoch einige AnwohnerInnen, die die Demonstranten mit Wasser aus ihren Wohnungen versorgten, auch um Verletzungen durch Pfefferspray behandeln zu können.
Nach der Stürmung des Lautsprecherwagens wurde die Demonstration für beendet erklärt und die TeilnehmerInnen verteilen sich entlang Naziroute. Dabei wurde AntifaschistInnen der Zugang zur weiter nördlich, ebenfalls an der Naziroute gelegenen Kundgebung des gemäßigt linken Bündnisses „Nürnberger Bündnis gegen den NPD-Aufmarsch am 1. Mai 2008“ von der Polizei verwehrt. Dieses Bündnis hatte dazu aufgerufen, die Nazis zu blockieren und konnte etwa 500 Menschen mobilisieren..
Im Verlauf des Tages kam es zu mehreren Versuchen, die Naziroute zu blockieren und zwar aus dem gesamten Spektrum der GegendemonstrantInnen. Auf die Naziroute kamen jedoch nur Kleingruppen und wurden dann auch sehr schnell weggeprügelt.
Dennoch gab es an der gesamten Naziroute lautstarken Protest und auch die Hauptkundgebung der NPD, die etwa 1500 Nationalsozialisten herangekarrt hatte, wurde unter Protest von etwa 4000 GegendemonstrantInnen abgehalten.
Nachdem die Nazis abgezogen waren feierten noch Tausende auf dem internationalistischen Straßenfest in Gostenhof.
Obwohl es aufgrund des unbewdingten Willens von Stadt und Staat, Nazipropaganda zu ermöglichen, nicht gelungen war den Naziaufmarsch zu blockieren, war der 1. Mai ein Riesenerfolg für die Nürnberger radikale Linke: In den nächsten Jahren gab es in Nürnberg keine Aufmarschversuche von Nazis am 1. Mai mehr, die TeilnehmerInnenzahl war so groß wie nie zuvor, die Presse konnte die Demo und die antifaschistischen Aktivitäten nicht mehr verschweigen und trotz aller Widrigkeiten und Repression fand nach der ganzen Action das internationalistische Straßenfest statt. Das Verhalten von Stadt und Staat wurde zudem breit kritisiert. Angesichts dessen, dass zum ersten Mal seit 1945 ein nationalsozialistischer Großaufmarsch nahezu unbehelligt durch Nürnberg marschieren konnte, allerdings viel zu wenig.

In den folgenden Jahren zogen es Faschisten vor am 1. Mai Nürnberg und Umgebung fern zu bleiben. Die Teilnehmerzahl pendelte sich bis 2016 bei 2500 ein, während 2016 3000 und 2017 sogar erneut 4000 DemonstrantInnen teilnahmen. 2018 waren es 3000 Menschen, die an der revolutionären 1. Mai Demonstration teil nahmen, aber seht selbst wie das aussah. 2019 hatte dieselbe TeilnehmerInnenzahl. Inhaltlich ging es dieses Jahr nach vorne. Unter dem Motto „Gemeinsam in die revolutionäre Offensive“ lief man durch Nürnberg. Unterwegs solidarisierte man sich mittels eines Hochtransparentes mit der Roten Hilfe und zündete Rauchfackeln. Man stellte sich somit nochmal ganz klar auf die Seite der Solidaritätsorganisation, um welche es zuletzt aufregend wurde, da aus der Politik Verbotsforderungen geäußert wurden. Im Anschluss an die Demo wurde auf dem Straßenfest noch bis in den Abend hinein gefeiert.

Über Jahre erkämpfte man verknotete Seitentransparente. Gerade in den letzten Jahren wurden bestehende Freiräume, die die Bullen durch starke Zurückhaltung ließen, für militante Aktionen wie Farbangriffe auf Bundespolizei und das Maritim, Sprühereien aus dem Block heraus und nicht zuletzt der Angriff auf eine Zeitarbeitsfirma genutzt. Zudem wird die kämpferische Stimmung visuell immer wieder durch Rauchwolken in unterschiedlichsten Farben und durch bengalische Fackeln betont.
In diesem Sinne: Der Kampf geht weiter – für einen revolutionären 1.Mai  – Heraus zum 1. Mai

 

drucken | 30. Juli 2006 | organisierte autonomie (OA) Nürnberg

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Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk