Von Anti-PC zu Anti-Antifa

Das schwarz-braune Band der Sympathie – von Anti-PC zu Anti-Antifa

Die Freiheitliche Jugend e.V. (FJ) sagt der „demokratiefeindlichen ‚political correctness‘“ den Kampf an (1). Auch die mittelfränkische Junge Union (JU) hielt es, angesichts der „allmächtigen politischen Korrektheit“, für nötig eine „konservative Eingreiftruppe“ zu gründen (2), die Konservative Initiative Mittelfranken (KIM). Die rechtsextreme Bürgerinitiative Ausländerstopp spricht von einer „Diktatur der politischen Korrektheit“(3) und sieht sich mit „Politikmafiosi“ und einer „Systemjournaille“ konfrontiert, die von einer „widerwärtigen Politischen Korrektheit“(4) geleitet würden. Was ist das ‚Besondere’ an dem Begriff „Political Correctness“, dass er so spektrenübergreifend Anstoß erregt?

Von der Anti-„Political Correctness“ …

Der Begriff „Political Correctness“ (PC) wurde von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre eingeführt, um die Diskriminierung von Frauen und gesellschaftlichen Minderheiten durch Sprache und in dieser sichtbar zu machen und zu überwinden. Einherging damit auch eine Infragestellung der bis dato „selbstverständlichen Dominanz der (weißen) angelsächsischen männlichen ‚mainstream’-Kultur und ihrer Träger im öffentlichen Leben“(5).
Diese emanzipatorische Bedeutung des Begriffs PC verkehrten rechte Ideologen im Laufe der 80er Jahre ins Gegenteil. PC dient ihnen als Code bzw. Synonym für einen halluzinierten antifaschistischen ‚Zeitgeist’. Denkverbote, „Maulkörbe“, Gesinnungs- bzw. Meinungsdiktatur und eine „neue Inquisition“ (6) sind in diesem Zusammenhang häufig gebrauchte Umschreibungen. PC wird, so das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, „als diffamierender Kampfbegriff benutzt, um die Bemühungen von Liberalen, Linken, Feministinnen, Vertretern von Minderheiten (…) um eine Öffnung der Gesellschaft, das Hinterfragen von überkommenen Tabus, Vorstellungen und Stereotypen zu karikieren und zu verfälschen“#.
Die Mitglieder der Jungen Union Mittelfranken beispielsweise, schenkt man ihren Worten glauben, zweifeln an der „multikulturellen Gesellschaft“ und am „exzessiven Feminismus“. Weiter wollen sie von einem, 50 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, „geschichtlich geläuterten“ Deutschland überzeugt sein können und ein „normalisiertes Nationalbewusstsein“ besitzen. Dies alles sei ihnen angeblich durch die Kontrolle von „PC-Kommissaren, die sie unter Faschismus-Verdacht“(7) stellten, verboten.
Die Umdeutung des Begriffes soll die Möglichkeit bieten, extrem rechte Inhalte wieder vertreten zu können, ohne an den Pranger gestellt zu werden und damit an Bündnis- und Kooperationsfähigkeit zu verlieren, d.h. die so genannte “Faschismusfalle??? zu umgehen. Außerdem lässt sich mit dieser Methode jede verbale Entgleisung als (schon lange notwendiger) Tabubruch und als Kampf für die Meinungsfreiheit stilisieren.
Ziel ist es, einen „Erneuerungsprozess“ in Deutschland, sprich eine Rückbesinnung auf konservative Werte, wie Familie, Volk, Religion und starken Staat, voranzutreiben. Als wichtige Stützen des vermeintlich „antifaschistisch geprägten Meinungsklimas“ werden bürgerliche Medien gesehen. So attackierte die Zeitschrift Transparenz der Medien Politik-Magazine, wie Monitor bzw. Panorama, oder den Journalisten Friedrich Küppersbusch. Transparenz der Medien wird von dem Erlanger Verein Bürger fragen Journalisten herausgegeben, der u.a. von Dietmar Straube, Erlanger ‚Regional-Medienmogul’ und Initiator der halbstündigen Fernsehsendung „Drehschreibe Franken“ auf der Frequenz von RTL, gegründet wurde.(8) Die bereits erwähnte Konservative Initiative Mittelfranken entdeckte gar ein „linkes Medienkartell“ und „journalistische Kommissare, die die Freiheit konservativer Andersdenkender erdrosseln“(9) würden.

… zur Anti-Antifa

Derselbe PC-Begriff dient auch neonazistischen Gruppierungen als theoretische Grundlage für ihre Feindjustierung. In diesem Spektrum wird bevorzugt das Schlagwort Anti-Antifa verwendet. Die Propaganda ist eine ähnliche: Im Neonazi-Heft Der Landser ist ebenfalls von den „gleichgeschalteten Nürnberger Systemmedien“(10) zu lesen. Der Nürnberger NPD-Ideologe Jürgen Schwab schreibt von einem „BRD-Regime“, das „einen Bürgerkrieg gegen einen beträchtlichen Teil des eigenen Volkes“ (11) führe. Die Fränkische Aktionsfront (FAF) will „Widerstand gegen die herrschenden antinationalen Zustände innerhalb des BRD-Regimes“ leisten.(12)
Anti-Antifa wird demnach als Verteidigungsstrategie, gar als Notwehr verstanden, sowohl der „herrschenden Political Correctness“ als auch den „prügelnden Antifas“ gegenüber.
Tatsächlich soll das Konzept Anti-Antifa ermöglichen, als „Feind“ definierte Personen einzuschüchtern, zu bedrohen und mundtot zu machen. Die Frauen in der Fränkischen Aktionsfront verstehen beispielsweise unter Anti-Antifa „die aktive und offensive Bekämpfung linkskrimineller Elemente“#.
In der Praxis sieht dies folgendermaßen aus: missliebige Personen werden fotografiert und namentlich erfasst. Diese werden dann beispielsweise auf sog. Schwarzen Listen im Internet, in speziellen Anti-Antifa-Heftchen, wie Der Einblick, und in Fanzines, wie Der Landser aus Nürnberg, öffentlich gemacht. Dass diese Veröffentlichungen in der Neonazi-Bewegung wohlverstanden werden, zeigen zahlreiche Übergriffe auf zuvor angeprangerte Personen und Einrichtungen.
So ist es wenig verwunderlich, dass bei Neonazi-Diskussionen Anti-Antifa als Mittel für den Aufbau sog. „befreiter Zonen“, gesehen wird. Und erst, so Jürgen Schwab, wenn „wir eines Tages wieder einen deutschen Staat haben, der diese Bezeichnung verdient, dann können wir die nationalbefreiten Zonen guten Gewissens auflösen, weil dann ganz Deutschland ‚befreite Zone’ für deutsche Bürger sein wird“(13).

Anti-Antifa in Mittelfranken

„Feindaufklärung“ wird in Mittelfranken von den sog. Freien Kameradschaften über NPD und JN bis hin zu ehemaligen Blood & Honour-AktivistInnen strömungsübergreifend betrieben. Gerade das von den Nationalisten Nürnberg herausgegebene Fanzine Der Landser machte in der Vergangenheit durch Anti-Antifa-Artikel auf sich aufmerksam. Darin wurden liberale Lehrer, Journalisten, antifaschistische Jugendliche bzw. Einrichtungen und Aussteiger aus der Neonazi-Szene „geoutet“. Diese Berichte unterscheiden sich insofern von anderen einschlägigen Publikationen, als dass es sich um recherchierte Artikel handelt und nicht, wie häufig der Fall, um Auflistungen von Geschäftsstellen von linken Parteien oder jüdischen Gemeinden, die aus Telefonbüchern abgeschrieben wurden. Auch eine Kampagne gegen die Monatszeitung raumzeit aus Erlangen war vergleichsweise durchdachter als von Anti-Antifa-Aktionen aus anderen Regionen bekannt. In Erlangen wurden unter anderem Briefe, die auf den vermeintlich linksextremen Charakter der raumzeit hinweisen sollten, an Geschäfte und Betriebe, die darin Anzeigen schalten, gesandt. Zuletzt wurde die Scheibe des Redaktionsbüros eingeworfen.
Diese Aktivitäten auf relativ hohem „Niveau“ spiegeln eine über 10-jährige Anti-Antifa-Praxis der regionalen Neonazi-Bewegung wider. In der Zeit wurden sowohl handwerkliche Fertigkeiten beim Recherchieren und Veröffentlichen verbessert, als auch ein gewisser Basis-Informationspool über die linke bzw. alternative Szene in der Region angelegt. Ein Beispiel für diese kontinuierlichen Aktivitäten ist der Nürnberger Norman Kempken. Seit Anfang der 90er Jahre ist er einer der Drahtzieher dieser „Feindaufklärungskampagne“. Er war Motor beim Erstellen des 1992 erschienen Heftes Der Einblick, dem ersten öffentlichen schriftlichen Ergebnis der damals bundesweit gestarteten Anti-Antifa-Kampagne. Heute ist er im Rahmen der Anti-Antifa Nürnberg aktiv.
Den organisatorischen Anfang in der Region machte die im Deutschen Freundeskreis Franken (DFF) eingebundene und noch heute aktive Anti-Antifa Franken (AAF). In der DFF-Zeitung Junges Franken veröffentlichten sie die ersten „Rechercheergebnisse“. Unter dem Titel „Der ausländerfreundlichste Mitbürger Frankens“ wurden dort antirassistisch engagierte Personen angeprangert. Auch das Bündnis gegen das KOMM, zu dem sich verschiedene rechtsextreme Organisationen zusammenschlossen, entstammt dem DFF. In einer Pressemitteilung erklärte dieses, die CSU, die ebenfalls gegen das KOMM mobil machte, in der folgenden Stadtratswahl im Jahr 1996 zu unterstützen.

Fazit

Anti-„PC“ ist die einigende Klammer des gesamtem rechten Spektrums. Ziel ist es, eine angebliche Gefährdung der Meinungsfreiheit zu konstruieren und AntifaschistInnen zu diffamieren. Andererseits soll die Rechte als Opfer dieser „Political Correctness“ dargestellt werden. Konservative Akteure benutzen den Begriff PC, um einen „Erneuerungsprozess“, sprich eine Rückbesinnung auf konservative Werte, zu forcieren. Militante Neonazis dagegen nutzen das Schlagwort PC vornehmlich, um gewalttätige Übergriffe zur Selbstverteidigung umzudeuten.
In Mittelfranken hat sich eine äußerst agile militante Anti-Antifa-Struktur etabliert. Ihre Veröffentlichungen der letzten Jahren gehören zum ‚Fundiertesten’, was die deutsche Neonazi-Bewegung im Zusammenhang mit „Feindaufklärung“ zu bieten hat. Die Befürchtung, dass die Hetze und der Terror gegen die ins Visier der Anti-Antifa geratenen Personen zunehmen wird, ist so mehr als gerechtfertigt.

Fußnoten

  1.  zitiert nach N.N., Freiheitliche Jugend geht in Nürnberg an die Öffentlichkeit, in Newsletter des Bündnis Rechts (11.09.2002), Lübeck 2002, S. 2, Online-Version: www.buendnis-rechts.com/target/infodienst/infotelefon/info110902.pdf, 05.03.03.
  2. Hummel Dieter, Wider die Zeitgeistsegler in der Union, in Junge Freiheit Nr. 42 (20.10.95), Berlin 1995, S. 5.
  3. vgl. Wolfswind, Unterdrückung, Verfolgung, Verbote, Hassurteile, Artikel vom 13.07.2002 auf der BIA-Homepage, 12.08.02.
  4. vgl. Barbarossa SchwarzWeißRot, Infostand Werderau: Der Unmut brodelt unaufhaltsam heran im deutschen Volke!, Bericht auf der BIA-Homepage vom 21.06.02, 01.07.02.
  5. Dietzsch Martin und Maegerle Anton, Kampfbegriff aller Rechten: “Political Correctness???, Duisburg 2000.
  6. Topitsch Ernst, Schuldkult in den Massenmedien: Die ewige Zerknirschung dient als Instrument, als Nasenring, an dem die Deutschen gezogen werden, in Epoche, Nr. 133, Bad Reichenhall 1997, S. 40.
  7. Dietzsch Martin und Maegerle Anton, Kampfbegriff aller Rechten: “Political Correctness???, Duisburg 2000.
  8. vgl. Hummel Dieter, Wider die Zeitgeistsegler in der Union, in Junge Freiheit Nr. 42 (20.10.95), Berlin 1995, S. 5.
  9. vgl. Siegler Bernd, Eine rechte Karriere. Der Aufstieg des Unternehmers Dietmar S., in Hethey Raimund und Kratz Peter (Hg.), In bester Gesellschaft. Antifa-Recherche zwischen Konservatismus und Neo-Faschismus, Göttingen 19955, S. 241ff.
  10. Hummel Dieter, Wider die Zeitgeistsegler in der Union, in Junge Freiheit Nr. 42 (20.10.95), Berlin 1995, S. 5.
  11. Anti-Antifa Nürnberg, Antifa + Justiz = Freispruch, in Nationalisten Nürnberg (Hg.),Der Landser Nr. 7, Nürnberg 2001, S. 41.
  12. Schwab Jürgen, Warum nationalbefreite Zonen?, in Deutsche Stimme Nr. 4, Berlin 2002, S. 7.
  13. vgl. Fränkische Aktionsfront (Hg.), Konzept der Fränkischen Aktionsfront, Nürnberg 2001, S. 2.
  14. vgl. Frauen in der Fränkischen Aktionsfront, Frauen und die Anti-Antifa!, 18.09.2002.
  15. Schwab Jürgen, Warum nationalbefreite Zonen?, in Deutsche Stimme Nr. 4, Berlin 2002, S. 7.

Entnommen aus „Spezialitäten aus Mittelfranken“, antifaschistisches dokumentations- und informationsprojekt (adip), 2003

drucken | 25. Februar 2013 | redside

Terminkalender

Samstag, 24.02.2024

Reclaim am 24. Februar: Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!?

Bald steht der 8. März und damit der internationale Frauenkampftag an. Die Parole wird auch dann wieder gerufen und wendet sich vor allem gegen die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland. Doch auch darüber hinaus nimmt der bürgerliche Staat massiven Einfluss auf unsere Lebens-und Familiengestaltung. Nicht immer ist das so offensichtlich und unmittelbar wie beim Abbruch. Ökonomische Gegebenheiten spielen in der kapitalistischen Gesellschaft ebenso eine Rolle wie politische Instrumente zur Regulierung von Kinderwunsch oder Verhütung.

Neben einem Input zu diesem breiten Themenfeld, habt ihr die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen zu Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch und Co zu stellen.

Wie immer gibt es leckeres Essen und von 19 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich über aktuelle Stadtteil-Themen auszutauschen. Wir freuen uns auf euch.

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk