Termine

Samstag, 24.02.2024

Reclaim am 24. Februar: Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!?

Bald steht der 8. März und damit der internationale Frauenkampftag an. Die Parole wird auch dann wieder gerufen und wendet sich vor allem gegen die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland. Doch auch darüber hinaus nimmt der bürgerliche Staat massiven Einfluss auf unsere Lebens-und Familiengestaltung. Nicht immer ist das so offensichtlich und unmittelbar wie beim Abbruch. Ökonomische Gegebenheiten spielen in der kapitalistischen Gesellschaft ebenso eine Rolle wie politische Instrumente zur Regulierung von Kinderwunsch oder Verhütung.

Neben einem Input zu diesem breiten Themenfeld, habt ihr die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen zu Schwangerschaftsabbruch, Kinderwunsch und Co zu stellen.

Wie immer gibt es leckeres Essen und von 19 bis 20 Uhr die Möglichkeit, sich über aktuelle Stadtteil-Themen auszutauschen. Wir freuen uns auf euch.

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel imSozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk

Publikationen

Was war los

23.02.1983
Anschlag der Roten Zora auf Lindemann, Chefarzt am ElisabethKrankenhaus in Hamburg, der sich mit Sterilisationsversuchen an Frauen und als internationale ?Fachkraft in Sterilisationsfragen in der Dritten Welt? hervorgetan hat.

Her yer Taksim, her yer Direni?!

Taksim ist überall, überall ist Widerstand!

Türkei – Geschichte eines Aufstands

Brennende Barrikaden, Millionen Menschen auf den Straßen und Straßenkämpfe mit der Polizei – was noch vor ein paar Monaten undenkbar war, spielte sich wochenlang in den verschiedensten Städten der Türkei ab. Doch woher kam dieser scheinbar plötzliche Aufstand, der sich durch alle Facetten der türkischen Bevölkerung zieht? Und was für eine Rolle spielte die revolutionäre Linke in diesem bunten Gemisch?
Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, muss man in der Analyse weit vor den Beginn der Aufstände greifen. Die türkische Wirtschaft ist – ähnlich wie die deutsche– als Gewinnerin aus der Krise hervorgegangen. Nachdem die Türkei im Jahr 2001 ihre Krise mit Hilfe eines milliardenschweren Kredits des IWF erfolgreich im Sinne der kapitalistischen Logik bewältigen konnte, waren die goldenen Regeln des Sparens auf Kosten der Lohnabhängigen fester Bestandteil der türkischen Wirtschaft: Privatisierungen ohne Grenzen, kaum Gelder für öffentliche Belange und ein Einkommen weit unter dem europäischen Durchschnitt. Diese Standards galten aber natürlich nicht nur für die Krisenzeit, sondern ermöglichten dem türkischen Kapital einen rasanten Aufstieg in den vergangenen zehn Jahren. Der Wachstumsanstieg erfuhr lediglich in der europäischen Krise eine kurze Stagnation, da ein Großteil des Handels der Türkei mit dem europäischen Wirtschaftsraum stattfindet. Auch im letzten Jahr nahm das Wachstum leicht ab, was allerdings auch als bewusster Versuch gewertet werden kann, einen Ausgleich des Leistungsbilanzdefizites herzustellen. Die Türkei importierte sehr viel mehr, als sie exportierte und da hierfür eine schwache Währung von Nöten ist, drohte eine steigende Inflation.
Um mehr InvestorInnen ins Land zu ziehen, setzte die AKP bewusst auf Großprojekte im Immobilienbereich. Doch bei Shopping-Malls und Luxuswohnraum blieb Erdogan nicht stehen. Bis zum Jahr 2023 will die Türkei zu den zehn bedeutendsten Ländern der Welt gehören. Dann feiert die Republik ihr hundertjähriges Jubiläum. Bis dahin gibt Ankara für Infrastrukturprojekte und den Energieausbau Milliarden aus. Das macht die Türkei zu einem attraktiven Markt. Die Regierung investiert in das Schienennetz, in Flughäfen und Brücken. Atomkraftwerke, Kohlekraftwerke und Wasserkraftwerken sollen entstehen. Im Energiebereich will auch das deutsche Kapital Fuß fassen, welches außerdem in der Automobilindustrie und im Handel in der Türkei rege beteiligt ist.
Die Roma-Siedlung Sulukule ist von der AKP-Politik gleich mehrfach betroffen. Denn diese Siedlung ist nicht nur exemplarisch für die kapitalistische Stadtumstrukturierung, sondern auch für die islamischen Bestrebungen der AKP. Die historisch gewachsene Siedlung soll für den Bau von Luxuswohnungen komplett dem Erdboden gleich gemacht werden. Der Stadtteil Fatih, zu dem Sulukule wie der größte Teil der historischen Halbinsel gehört, hat sich seit den siebziger Jahren zum bevorzugten Wohngebiet der frommen Muslime entwickelt. Parallel zu dieser Entwicklung stieg der soziale Druck auf Sulukule. Anfang der neunziger Jahre wurden die Musikhäuser, in denen die Roma-Künstler ihre Musik machten, wegen „Moralverstößen“ geschlossen. Was der AKP nach ihrer Wahl 1994 im europäischen Amüsierviertel Beyoglu nicht gelang, setzte sie in Sulukule schon damals durch. Ein Übungsterrain also auch für die Alkohol- und Kussverbote, die ihren Teil zu den Protesten beitrugen.

Alle gegen Erdogan?!

Ein Punkt, mit dem Erdogan vor allem die KemalistInnen verärgert hatte, war, als er im Parlament fragte: „Wollt ihr dem Gesetz zweier Säufer folgen oder dem Gesetz Gottes?“ Seitdem spekulieren die Türken, wen ihr Premier gemeint hat. Für viele ist klar: Er spielte auf Staatsgründer Atatürk und dessen Ministerpräsidenten Inönü an – beide waren im Amt, als 1926 das Alkoholverbot fiel. KemalistInnen verstehen das als Angriff auf ihren Nationalheiligen und sind erbost.
Auch den „Friedensprozess“ mit den kurdischen Gebieten sehen KemalistInnen nicht gerne, da sie die KurdInnen nach wie vor nicht anerkennen und wenn, dann nur als Feinde einer vereinheitlichten türkischen Republik. Zu den Verhandlungen hat die CHP, die Partei der KemalistInnen, keine Vertretung geschickt und hat somit keinen Einfluss auf den Prozess. Sie fühlten sich von der Regierung übergangen und mit ihnen hat sich Erdogan einen mächtigen Feind in der Türkei geschaffen.
Mit dem Eingreifen in den syrischen Konflikt ist Erdogan noch ein Wagnis eingegangen, das in weiten Teilen der Bevölkerung wenig Unterstützung findet. Zum einen gibt es in den Grenzgebieten einen massiven Zuwachs von geflüchteten SyrerInnen in den Flüchtlingscamps und rund herum, was zu einer humanitären Katastrophe einerseits und zu steigenden rassistischen Momenten anderseits führt. Zum anderen kursieren nach wie vor verschiedene Erklärungsansätze rund um ein Autobomben-Attentat in der Grenzstadt Reyhanli: Während die Regierung neun linke Aktivisten als Täter präsentiert, vermuten die anderen, dass Kämpfer der „Freien Syrischen Armee“ hinter dem Anschlag stecken. Also eben jene, auf deren Seite sich die AKP im Syrien-Konflikt stellt.
Und als ob all diese Faktoren nicht ausreichen würden, um es sich mit den verschiedensten Teilen der türkischen Gesellschaft zu versauen, versucht Erdogan seine Macht auch noch für die Zeit nach seiner Regierungsphase in Zement zu gießen. Denn das Parteiengesetz verbietet Erdogan, bei der nächsten Wahl erneut anzutreten. Er setzt deshalb nun auf das Modell Putin: 2014 will er den Posten des Staatspräsidenten übernehmen, diesen aber zuvor mit erheblich mehr Machtbefugnissen ausstatten. Nicht einmal alle in der AKP unterstützen ihn darin. Bereits jetzt gibt es Mutmaßungen über einen parteiinternen Machtkampf.
Und so liefen bereits seit einiger Zeit tiefe Gräben durch eine Gesellschaft, die in Zeiten des „arabischen Frühlings“ von den westlichen Mächten noch als Paradebesipiel für einen modernen islamisch geprägten und doch säkularen kapitalistischen Staat gehandelt wurde.

1. Mai 2013

Rund um den 1. Mai ereigneten sich die ersten Gefechte um den Taksim-Platz. Die Regierung hatte sämtliche Mai-Demos auf dem Platz verboten. Dieser Platz ist jedoch in der politischen Geschichte der Türkei ein wichtiges Zentrum von linken ArbeiterInnenkämpfen und Jugendbewegungen. Auch als Ort der säkularen Republik hat der Platz eine hohe Bedeutung. Immer wieder gab es dort in der türkischen Geschichte Demonstrations -und Versammlungsverbote. Auch der 1. Mai war lange kein Feiertag und jegliche Art von Feierlichkeiten waren zeitweise verboten. Daher hat sowohl das Datum als auch der Platz einen hohen symbolischen Wert. Dass die Regierung in diesem Jahr dieses Verbot wieder aufleben ließ, hatte an sich schon eine politische Sprengkraft. Offiziell wurde eine Baustelle als Begründung herangezogen, Tage später duften andere Gruppierungen jedoch ohne weiteres dort Versammlungen abhalten und auch die Taksim-Proteste haben gezeigt, dass der Platz durchaus noch massig Raum für viele Menschen hat – ob mit oder ohne Baustelle. Am ersten Mai schlugen die Bullen mit massiver Gewalt gegen diejenigen los, die versuchten trotz Verbot auf den Platz zu kommen. Und die deutschen Medien hatten zu dieser Zeit noch nicht die Sympathie für die DemonstrantInnen aufbringen können, die sie ein paar Wochen später an den Tag legte. „Mai-Randale“, die „Polizei musste Wasserwerfer und Tränengas einsetzen“ waren die Kommentare hierzulande. Nur drei Wochen später aber wendetet sich das Blatt – sowohl auf dem Platz selbst, als auch in der deutschen Presse.

Der Beginn des Widerstands

Die Menschen, die zu Beginn der Bauarbeiten auf dem Platz waren und das Abholzen von Bäumen und das Vorrücken der Bagger verhindern wollten, waren bei weitem keine schlichten BaumliebhaberInnen – auch wenn uns die Grünen das gerne so verkaufen, um sich als Partei endlich wieder einmal anschlussfähig an soziale Proteste zu machen. Die ersten auf dem Platz waren vor allem „Recht auf Stadt“- AktivistInnen und undogmatische Linke. Leute, die etwas dagegen tun wollten, dass der Stadtteil mit dem Bau eines weiteren Shopping-Zentrums weitergehend privatisiert wird und in seiner Funktion kapitalistischen Profitinteressen unterworfen wird, statt als öffentlicher Raum erhalten zu bleiben.
Als die Bullen ihre ersten Angriffe starteten, standen schon etliche Menschen in den Startlöchern und über die sozialen Netzwerke verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Die Bullen wollen räumen. Sofort solidarisierten sich hochrangige PolitikerInnen der CHP, SchauspielerInnen und alles, was Rang und Namen hat. Die BDP (Partei des Friedens und der Demokratie), reichte zusammen mit der CHP (!) eine Pressemitteilung ein, in der sie das Vorgehen der Polizei scharf kritisierten. Doch wie in den Wochen darauf auch, blieb die Regierung unnachgiebig. Die Strategie Erdogans war es wohl, die DemonstrantInnen einzuschüchtern. Er dachte wohl, dass sie im Kampf um ein paar Bäume schon bald aufgeben würden. Doch schon längst ging es um sehr viel mehr. Es ging nicht mal mehr nur um Gentrifizierung, Bäume oder Einkaufszentren: der Protest wuchs innerhalb weniger Tage zu einer Anti-Regierungsbewegung heran, deren Thema der autoritäre Staat, mit all seinen Pressezensuren, Bullen, Trinkverboten und so weiter, ist. Man muss sich vorstellen, dass man nachts in den Straßen Blendschockgranaten hört, das Tränengas noch am nächsten Tag in der Luft hängt, überall Menschen unterwegs sind, und doch berichtet in den ersten Tagen kaum ein Fernsehsender über die Proteste. Der Konsens, der sich durch alle Teile der Bewegung zog, war eindeutig: Tayyip, istifa! Tayyip, tritt zurück!

Bullen machen Jagd ?auf DemonstrantInnen

Tagelang tobten Kämpfe in den Straßen von Istanbul, Ankara und anderen Städten. Vielleicht wäre es an dieser Stelle aber auch angemessener von einer Hetzjagd der Polizei auf DemonstrantInnen zu sprechen. Denn bei aller Gegenwehr, die geleistet wurde, wurden die Protestierenden durch die Stadt gehetzt und in jeden Winkel von Tränengasgranaten verfolgt, wie die Szene in einem Hotel zeigte. Dorthin flüchteten sich nämlich Menschen – unter anderem auch Claudia Roth von den deutschen Grünen – und wurden im Hotel komplett mit Tränengas eingedeckt. Es gab kein Entkommen und etliche Verletzte und Bewusstlose konnten nicht sofort behandelt werden, weil den Krankenwagen der Zugang verwehrt wurde. Ein junger Mann, der sich in einem Cafe in Sicherheit bringen wollte, in das sie auch Tränengas warfen, twitterte: die wollen uns umbringen. Und nach einigen Tagen war es offiziell: Durch die Knüppel, Schläge, Schüsse, aber auch an Spätfolgen des Tränengas starben Menschen. Sie sind die Opfer eines ungleichen Kampfes geworden. Und trotz alledem ließen sich die Menschen nicht einschüchtern. Wieder und wieder waren sie zu hunderttausenden auf den Straßen und kämpften Seite an Seite gegen eine Regierung, die an keiner Stelle einlenkt.
Doch wer kämpfte da nun eigentlich Seite an Seite? AugenzeugInnen berichteten von unschönen Szenen, in der ein Linker einen Faschisten wieder auf die Beine half, nachdem dieser bei einem Bulleneinsatz gestürzt war. Inwieweit solche Gerüchte wahr sind, lässt sich von hier aus schwer beurteilen. Fest steht nur, dass es in den verschiedenen Städten auch verschiedene Protestbilder gab. In Istanbul zum Beispiel war die antikapitalistische Linke auf jeden Fall gut involviert und präsent in Ausdruck und Inhalt. Die KemalistInnen oder die MHP (Partei der FaschistInnen) waren das nicht. Ganz offiziell durften sie auch dort als Partei nicht am Camp oder an den Demos teilnehmen. In Ankara sah das wiederum ganz anders aus. Hier waren die KemalistInnen stärkste Kraft und die Linke hatte relativ wenig zu melden. Die MHP trat nach Beginn offiziell in die Proteste mit ein, wurde aber auch oft zurück geschlagen. Sie bekam auch nicht wirklich einen Fuß in die Strukturen und zog sich irgendwann von selbst wieder zurück. In der Betrachtung der MHP muss man sowieso eine Unterscheidung zu den Nazis hierzulande ziehen. Während Nazis hier eine politische Randgruppe bilden, die höchstens ein paar Parlamentssitze ergattern, haben die FaschistInnen in der Türkei mit der MHP eine akzeptierte Volkspartei geschaffen, die neben der AKP und der CHP die einzige Partei war, die bei den letzten Wahlen die 10% Hürde schaffte. Somit ist es auch schwerer sie aus dem öffentlichen Raum zurückzudrängen, ebenso wie aus einer Protestbewegung. Das soll zwar keine Entschuldigung dafür sein, dass das nicht überall mit letzter Konsequenz geschehen ist, erklärt aber die erschwerten Bedingungen für die AntifaschistInnen, welche in der Bewegung aktiv waren. Auch ist es auf einer Massendemo – die größte soll etwa zwei Millionen Menschen umfasst haben – schwer, alles mitzubekommen und darauf adäquat zu reagieren.
Insgesamt war die Masse ein Problem für die revolutionäre Linke – auch wenn das erst einmal widersprüchlich klingt – weil die massenhaften Aufstände ja das sein sollten, woraus sich revolutionäre Prozesse speisen. Und doch war es schwierig für die noch recht junge autonome undogmatische Linke, in den Protesten tatsächlich eine Rolle zu spielen. Immerhin war die Masse der Protestierenden wirklich Menschen, die vorher noch nie auf der Straße protestiert hatten. Es ist eine sehr junge Bewegung: Eine Umfrage, die nach der ersten Protestwoche durchgeführt wurde ergab, dass knapp über 90 Prozent der befragten AktivistInnen zwischen 19 und 30 Jahre waren. Von ihnen nehmen 54 Prozent das erste Mal überhaupt an einer Demonstration teil und 70 Prozent gehören keiner Partei an. Trotz alledem besteht nach wie vor ein Stadt-Land Gefälle. Großdemonstrationen und Kundgebungen finden vor allen Dingen in den Großstädten statt. Der Rückhalt der AKP im ländlichen Raum ist wesentlich stärker als in den Zentren, wenngleich auch dort Protestpotenzial vorhanden ist.
Ein weiterer Knackpunkt ist das Agieren der kurdischen Bewegung, die von Beginn an ein Bestandteil der Proteste am Gezi-Park war. Die von einigen befürchtete Entsolidarisierung der kurdischen Organisationen gegenüber der Gezi-Park-Bewegung hat nur teilweise stattgefunden. Abdullah Öcalan hatte aus dem Gefängnis heraus dazu aufgerufen, sich mit ihr zu solidarisieren, die BDP hat selbstverständlich ihren Stand auf dem Parkgelände und beteiligt sich aktiv an den Diskussionsprozessen. Der konservative Teil der BDP allerdings verurteilte die Proteste und warf ihnen vor, den Friedensprozess zu gefährden.

Wie weiter?

Nach über drei Wochen Kampf kann man sich vorstellen, dass die Menschen schlichtweg ausgelaugt sind. Was es jetzt bräuchte, ist eine neue, frische Riege der Protestierenden, die die nächste Protestwelle tragen kann. Passend dazu hatten fünf Gewerkschaften zu einem Generalstreik aufgerufen. Die zahlreichen ArbeiterInnen, die seit Wochen nach ihrem Job das Protestcamp unterstützen, würden so entlastet und neue Kraft könnte die Bewegung weiter tragen. Soweit die Theorie. In der Praxis konnte sich bisher dieser Druck noch nicht richtig entfalten. Zwar war der Generalstreik von etlichen Organisationen aus dem öffentlichen Dienstleistungssektor getragen, jedoch war die Beteiligung im Gegensatz zu den anderen Massendemos relativ gering.
Dies kann natürlich daran liegen, dass die Bewegung eher von der viel zitierten „gebildeten jungen Mittelschicht“ getragen wurde, die es nicht geschafft hat, den Nerv der ProletarierInnen in letzter Konsequenz zu treffen. Ein Kaffeehausbesucher am Rande des Taksim Platzes meinte sinngemäß, dass sie die Bäume, die für ihre Eliteunis gefällt werden, ja auch nicht interessieren. Das ist wohl keine allgemeingültige Sicht der Dinge, weil sich sonst nicht Millionen von Menschen mit den Protesten solidarisiert hätten, aber auch diese Sicht ist vorhanden und wird natürlich auch von der AKP geschürt, um die Bewegung zu spalten und abzuwerten.
Ein anderer Grund ist der niedrige Organisierungsgrad der ArbeiterInnen. Auf Grund der jahrzehntelangen repressiven Politik gegen gewerkschaftlich Engagierte ist die Zahl der Beschäftigten, die organisiert sind, relativ gering. Laut Angaben von labournet.de werden in Statistiken bereits Regionen als gewerkschaftlich stark bezeichnet, in denen ein Organisationsgrad von 5 Prozent besteht. Die Zahl der tariflich abgesicherten Arbeitsverhältnisse liegt seit fast 20 Jahren unter der Millionengrenze. Seit dem verlorenen Kampf der ArbeiterInnenvertretungen gegen die erste Welle der Privatisierungen unter der Regierung Özal, haben sich die Gewerkschaften nicht mehr richtig von dieser Niederlage erholen können.
Tausende kleine Geschichten gäbe es wohl noch am Rande zu erzählen. Viele humorvolle Parolen und Transparente, das Ausprobieren von Basisdemokratie, das Erleben von Solidarität, das Sammeln von 100.000 Dollar innerhalb von zwei Tagen um einen Artikel in der New York Times zu finanzieren, das solidarisierende Lärm-Machen in den Abendstunden vom Fenster heraus und vieles vieles mehr. Es sind die kleinen Geschichten, die vielen Menschen Zuversicht, Hoffnung und den Kampfesmut schenken. Auch wenn die meisten nun keine organisierte Politik machen, werden sie etwas mitnehmen, werden kritischer mit dem umgehen, was ihnen erzählt wird, durften erfahren, wie sich Solidarität anfühlt. Doch auf der anderen Seite stehen auch die Frustration, das Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Bullengewalt und natürlich eine massive Welle von Verhaftungen und Repression, welche die AktivistInnen erstmal in Atem halten dürfte. Und deswegen ist klar: Das Leben im Camp auf dem Taksim ist nicht das Ziel, sondern war ein Kampfmittel – das richtige zur richtigen Zeit. Doch auf Dauer muss die Energie auch wieder dezentralisiert werden und genau das versuchen die AktivistInnen nun. Der Ansatz, die Bewegung nun in den Stadtteilen zu verankern ist wichtig und gut, aber aus der Erfahrung aus anderen Bewegungen muss man realistischerweise sagen, dass dies die schwierigste aller Aufgaben ist. Viele linke Gruppen dürften sich über einen Schwung neuer Leute freuen. Aber die anderen – der große Teil der Masse wird das Problem sein. Die Menschen kehren zurück in den Alltag, sind oft frustriert und schwer bei der Stange zu halten. Vielleicht werden sie sogar weitermachen bis Erdogan weg ist, aber das darf nicht das alleinige Ziel sein. Wer den Spielleiter austauscht, spielt nachher immer noch nach denselben Regeln. Vielleicht variieren sie wieder ein bisschen, vielleicht darf man dann in der Türkei wieder küssen und trinken wann und wo man will, aber am Problem der kapitalistischen Alltagshölle ändert das nichts – außer dass man seinen Frust vielleicht mit Alkohol zuschütten kann. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir es nicht mit einer revolutionären Bewegung, sondern mit einer Demokratiebewegung zu tun haben. Aber das, was diese Millionen von Menschen erlebt haben, wird Bestandteil ihres Lebens bleiben und im richtigen Moment werden sie sich vielleicht doch an die Stärke erinnern, die einen nur der kollektive Kampf verleihen kann.

Erschienen in barricada – Juli 2013

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