Termine

Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Freitag, 15.03.2024

Antifa-Aktionskneipe im März

Freitag, 15.3. | Stadtteilladen Schwarze Katze (untere Seitenstrasse 1, NBG) | Workshop 20:00 Uhr | Offenes Antifatreffen 19:00 Uhr

Diskussionsworkshop zu Feminismus aus materialistischer Perspektive
Der inhaltliche Part des Abends beginnt um 20:00 Uhr mit dem kurzen Versuch von einer materialistische Perspektive auf das Thema Feminismus zu blicken. Darauf aufbauend wollen wir uns während einer Workshopphase in Kleingruppen z.B. mit den Themen Reproduktionsarbeit, Hass auf queere Menschen, oder Rollenzuschreibungen die die Zweigeschlechtlichkeit mit sich bringt, auseinandersetzen.
Schon um 19:00 Uhr beginnt der Abend mit dem offenen Antifatreffen. Wenn ihr antifaschistisch aktiv werden wollt, könnt ihr hier einen ersten Eindruck von unserer Arbeit bekommen und mitmachen.
Für Essen und Trinken gegen eine Spende ist wie immer gesorgt!
+++ AM 8.MÄRZ AUF DIE STRASSE! +++
Infos über die Antifa-Aktionskneipe Youtube | Instagram | antifaak161 (äääät) riseup.net
Was macht die Antifa Aktionskneipe?
Beispiele: Mobivideo zum 8.März ’23 / Jahresrückblick 2021 / Satire zur Bundestagswahl / Podcast zum Tag gegen Gewalt an Frauen / Antifa-Stadtrundgang / Aktion gegen AfD Landtagswahlstand / Demo „Keine rechte Hetze in unserem Viertel!“ / Gemeinsamer Treffpunkt für revolutionäre 1.Mai-Demo / Aktion zum TagX NSU-Prozess / Aktion gegen CSU Parteitag / Aktion gegen AfD-Infostand / Fahrt zur Demo: Memmingen sieht rot / Alle Aktionen chronologisch auf der Redside Was ist die Antifa Aktionskneipe: Der rechte Vormarsch in der BRD geht weiter voran. Am offensten zeigt sich diese Entwicklung an den Wahlerfolgen der AfD und Gesetzesverschärfungen, wie die neuen Polizeiaufgabengesetze. Die Bundesregierung schaffte das Asylrecht quasi ab, sperrt Geflüchtete in Lager und schiebt in Kriegsgebiete ab. Parallel dazu werden täglich Menschen von Nazis und RassistInnen angegriffen. Überall formieren sich rechte Bürgerwehren und rechter Terror wird zu einer immer größeren Bedrohung. Deswegen gewinnt antifaschistischer Widerstand gegen diese Zustände an enormer Bedeutung. Wir wollen deutlich zeigen und klar machen, dass wir diese reaktionäre Offensive nicht unbeantwortet lassen. Wir lassen uns nicht durch Rassismus und Sexismus spalten, sondern müssen gemeinsam als unterdrückte Klasse für eine befreite Welt kämpfen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir in einer Welt des Faschismus und Unterdrückung leben wollen oder in einer Welt der Solidarität und Gerechtigkeit. Wenn auch du die Schnauze voll hast und aktiv gegen Nazis und FaschistInnen werden willst, dann komm zur Antifa-Aktionskneipe! Jeden dritten Freitag im Monat ab 19:00 Uhr veranstalten wir ein offenes Treffen, mit dem Ziel, uns gemeinsam zu informieren, auszutauschen und aktiv zu werden. Lernen wir uns kennen, schließen wir uns zusammen und machen wir uns gemeinsam stark gegen Rassismus, Faschismus, Patriarchat und Kapitalismus.
Montag, 18.03.2024

Raus zum Tag der politischen Gefangenen!

Der weltweite Kampf der kapitalistischen Staaten um Absatzmärkte, Einflusszonen und Investitionsmöglichkeiten wird schärfer und es entstehen im Zuge dessen schon länger immer offenere Konflikte, die immer mehr Eskalationspotential bieten. Unzweifelhaft dämmert die Neuaufteilung der Welt. Der von der NATO angeheizte und von der Russischen Föderation zum militärischen Gefecht eskalierte Konflikt um die Ukraine ist dabei nur ein Beispiel. Weitere sind das Ringen der USA und China um Taiwan, wie auch Versuche verschiedener Akteure, mehr Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent zu gewinnen.

Hinzu kommt, dass im vergangenen Oktober Israel durch militante palästinensische Gruppen, unter Führung der Hamas, militärisch angegriffen wurde. Das israelische Militär begann daraufhin den Gazastreifen zu bombardieren. Dieser vorläufige Höhepunkt des seit Jahrzehnten bestehenden Konflikts hält seitdem an.

In dieser brandgefährlichen Gemengelage vertritt auch die BRD ihre Interessen bzw. die des deutschen Kapitals. Und damit das möglichst ungestört von statten geht, sollen wir Werktätige möglichst wenig sagen und tun, was dem im Weg steht. Deshalb findet in allen Fragen, die diese Interessen betreffen, ein besonders krasser Kampf um die Meinungen der Menschen statt. Deshalb tritt der Staat zunehmend repressiver auf – generell, aber auch im Besonderen:

Gegen Menschen, die sich Versuchen, die Gesellschaft immer weiter nach rechts zu drängen, entgegenstellen oder gegen Menschen, die Kriegsrhetorik etwas entgegensetzen. Gegen Menschen, die soziale Proteste organisieren oder solche, die den Kapitalismus ankreiden. Hier sollen nur ein paar Beispiele genannt sein.

So kommt es, dass die kurdische Freiheitsbewegung kriminalisiert wird - im Januar startete der Prozess gegen Tahir Köcer, der im vergangenen Jahr in Nürnberg festgenommen wurde. Ihm wird nach §129b StGB die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen. So kommt es, dass die, die zum Nahostkonflikt eine Meinung vertreten, die nicht der deutschen Staatsräson entspricht, eingeschüchtert werden. Das passiert bspw. über Verbote palästinasolidarischer Demonstrationen, Razzien gegen die migrantische Selbstorganisation ZORA und medial erhobene Forderungen nach Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit für Nicht-staatsbürger und schnellerer Abschiebungen von vermeintlichen Antisemiten. So erklären sich ebenfalls die Angriffe der Polizei auf die Luxemburg und Liebknecht Demonstration in Berlin oder, dass mehrere Dutzend KlimaaktivistInnen bereits vor Beginn der Internationalen Automobil Ausstellung 2023 in München in Präventivhaft genommen worden sind. Nicht zuletzt ist das wohl der Grund, wegen dem in Nürnberg gegen mehrere AntifaschistInnen nach §129 ermittelt wird, weil sie Graffiti gesprüht haben sollen.

Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten, dass wir uns bemühen, es der Repression nicht unnötig einfach zu machen. Dass wir uns umeinander kümmern und für alle von Repression Betroffenen da sind. Dass wir den vielen Gefangenen Briefe schreiben und sie nicht vergessen. Dass wir solidarisch zusammenstehen.

In diesem Sinne wollen wir den Tag der politischen Gefangenen, den 18.03.2024 mit einer Kundgebung begehen.

18 Uhr Kundgebung am Jamnitzerplatz. Anschließend wird es Gefangenen schreiben in der Vokü ab 19 Uhr geben.

Verbreitet unseren Aufruf gerne weiter und nutzt unsere Sharepics (1414x2000, 500x707).

Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk

Publikationen

Was war los

01.03.1989
Erstmals Aussaat von genetisch ver?nderten Petunien in der BRD. Autonome Gensch?tzer werden in den kommenden Jahren viele Genfelder vorzeitig ernten...

01.03.2002
Axel, ein Beschuldigter im Berliner RZ-Prozess kommt endlich frei.

Geschichte der Autonomen in Nürnberg – Teil 4

Mit Wut, Geduld und Energie – Geschichte wird gemacht … es geht voran
Eine Einführung in die Geschichte und Entwicklung der Nürnberg Autonomen (Teil 4)

In den vorangegangenen Teilen [1, 2 und 3] unserer Reihe zur Geschichte der Nürnberger Autonomen in den 80er Jahren, haben wir deren Entwicklung von den Anfängen in der lokalen Hausbesetzerbewegung, hin zu den militanten Kämpfen gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf und den ersten klassenkämpferischen Ansätzen vor Ort nachvollzogen. Wir befinden uns nun im Jahre 1988 und setzen unsere Reihe fort.

Ein kurzer Bericht zur Lage

Ende 1987 hatte der Kampf gegen die WAA in Wackersdorf seinen Zenit überschritten und die von der lokalen Autonomen Linken vorangetriebenen klassenkämpferischen Ansätze steckten in praktischer Hinsicht noch im Anfangsstadium.
Die Bewegung war über die Jahre gewachsen und ihre personelle Zusammensetzung hatte sich verändert. Als eines der Zentren des autonomen Anti-WAA Widerstands erhielten die Nürnberger Autonomen auch Zuzug von GenossInnen aus kleineren bayerischen Städten. Viele kommen um hier zu studieren und um in eines der großstädtischen Zentren der Bewegung vorzustoßen.
Zeitgleich mit dieser Entwicklung wurden die proletarischen Teile der lokalen Bewegung mehr und mehr mit dem sich langsam aber stetig verschärfenden kapitalistischen Alltag konfrontiert. Der Kampf ums lebensnotwendige Einkommen wird härter, nimmt mehr Zeit in Anspruch und das Agieren in den zeitaufwendigen autonomen Strukturen fordert den AktivistInnen viel ab.
Organisiert sind die Autonomen nun im Antikapitalistischen Plenum, das sich, der internen inhaltlichen Entwicklung Rechnung tragend, später antikapitalistisch/antipatriarchal nennt. Im Verlauf eines Jahres hat sich das in der Vorbereitung des revolutionären 1. Mai `87 gegründete Anti-Kap-Plenum zum zentralen Ort autonomer Debatten und praktischer Planung entwickelt und eine Sogwirkung auf alle Flügel der Bewegung entwickelt. Neben den inhaltlich und strukturell relativ gefestigten Nürnberger Gruppen: Prolos, Jobber-Gruppe, Autonome Frauengruppe etc., nehmen 1987 -88 nahezu alle kleineren Gruppen und die Anti-NATO-Gruppe Erlangen an dem Plenum teil. Nach außen mit einer gewissen Stärke und Geschlossenheit agierend, ist das Plenum in Folge des schnellen Anwachsens jedoch von zahlreichen Widersprüchen durchzogen, die das gemeinsame Agieren erschweren und die Planung gemeinsamer Aktivitäten zu einer zeitaufwendigen Angelegenheit machen.
Den theoretisch erarbeiteten Erkenntnissen, sowie den praktischen Notwendigkeiten folgend setzte der klassenkampforientierte Teil der Nürnberger Autonomen um die Gruppe Prolos Ende `87 deshalb eine umfassende Debatte auf die Tagesordnung des Antikapitalistischen Plenums. Die Organisationsfrage, eine gemeinsame klassenkämpferische Strategie und inhaltliche Ausrichtung sprich revolutionäre Zielsetzung soll diskutiert, beschlossen und umgesetzt werden. Ziel des in Gang gesetzten Diskussionsprozeß ist es, eine revolutionäre Organisation mit von außen identifizierbarer Zielsetzung zu schaffen, die den sich verschärfenden kapitalistischen Lebensbedingungen Rechnung trägt. Eine Organisation die die inhaltliche und organisatorische Zersplitterung beendet, die jenseits des auf und ab der Bewegung den notwendigen langen Atem verschafft und in der Lage ist gestützt auf eine umfassende Analyse in allen gesellschaftlichen Bereichen eine klassenkämpferische Praxis und revolutionäre Perspektive zu entwickeln.

Die Diskussion um die sogenannte Supergruppe und die Neustrukturierung der Nürnberger Autonomen

Im Mittelpunkt der Diskussion stand schnell die vorgeschlagene Gründung der Organisation, die in der internen Debatte Supergruppe genannt wurde. Vorgesehen war von einem Teil der AktivistInnen die bestehenden Gruppen aufzulösen, und durch in Stadtteilen, Betrieben, Schulen, auf Ämtern und in anderen Bereichen aktive Basisgruppen der Organisation zu ersetzen. Eine neue Phase der Organisierung und des Kampfes sollte damit eingeleitet werden. Die Debatte überschlägt sich jedoch, zu groß sind die Widersprüche in der Bewegung. Der ausschließlich an der Praxis in den sozialen Bewegungen orientierte Flügel wittert einen Versuch der Parteigründung, hält am Bewegungsmodell mit seinen Kleingruppen fest und lehnt auch jeden Versuch der Vereinheitlichung von Inhalt und Strategie jenseits der in den jeweiligen Bewegungen aktiven Gruppen ab. Die Debatte eskaliert und zahlreiche weitere Widersprüche treten nun offen zu Tage. Materialismus, Organisation, Kommunismus als Zielvorstellung, Patriarchat, die Analysen und Einschätzungen sowie die daraus abgeleiteten praktischen Vorstellungen unterscheiden sich grundsätzlich. Am Ende der Debatte ist die Organisationsfrage vorerst vom Tisch und es haben sich zwei große, auch in sich nicht geschlossene, Flügel innerhalb der Nürnberger Autonomen etabliert, die jedoch weiterhin den Widersprüchen zum Trotz als Teil derselben Bewegung agieren.
Während der Bewegungsflügel auch `88 weiter in der Anti-WAA-Bewegung aktiv bleibt und sich in die Vorbereitung einer bundesweiten Mobilisierung gegen eine Tagung des IWF in Berlin stürzt, setzt der am Aufbau der revolutionären Seite und der gesellschaftlichen Verankerung vor Ort orientierte Teil der Nürnberger Autonomen die Strategiedebatte um Basisarbeit und Klassenkampf in Teilbereichen der Gesellschaft fort. Die Anti-IWF Mobilisierung begreifen sie als qualitativ nichts neues, sehen in ihr eine notwendige aber temporäre Kampagne, die auch auf die lokale Ebene heruntergebrochen werden muss.
Nach der erlittenen Niederlage vorerst außerstande die Organisationsfrage zu klären, machten sich jene GenossInnen daran, die praktischen Ansätze auf- und auszubauen. Betriebskampf, Stadtteil- und Ämterarbeit, Jugendarbeit – und in diesem Zusammenhang, auf Grund des Erstarkens neofaschistischer Parteien, das Thema Antifaschismus – standen nun im Mittelpunkt.

Im Verlauf des Jahres ´88 strukturiert sich der auf eine klassenkämpferische Position ausgerichtete Flügel der Nürnberger Autonomen um
War die Annäherung an eine klassenkämpferische Praxis `87 noch über das Agieren im Bereich der internationalen Solidarität begonnen worden (z.B. Solidarität mit dem Britischen Bergarbeiterstreik) sollte nun konkret vor Ort angesetzt werden.
Nachdem in einem Seminar verschiedene Ansätze zu Betriebs-, Stadtteil-, Ämter- und Jugendarbeit umfassend, jedoch nicht widerspruchsfrei diskutiert wurden, machten sich die GenossInnen nun daran das theoretisch angedachte in eine alltägliche Praxis umzuwandeln.
Die Erlanger Anti-Nato-Gruppe will das Thema Betrieb in Angriff nehmen, Prolos Jugendarbeit in den Themenbereichen Antifaschismus und Internationalismus/Antiimperialismus. Die aus der Gruppe Prolos und kleineren Gruppen Mitte `88 hervorgegangene Autonome Proletarische Aktion will im Stadtteil Gostenhof und auf Sozial- und Arbeitsämtern aktiv werden.
Alle Initiativen wollen ausgehend von einer allgemeinpolitischen Kritik der Verhältnisse den Kampf beginnen und haben eine Verankerung in der Arbeiterklasse vor Ort zum Ziel.
Bis Ende `89 entstehen zahlreiche Projekte. In Gostenhof soll ein Stadtteilladen für JobberInnen, MalocherInnen und Erwerbslose eröffnet werden, den ihr alle heute unter dem Namen „Schwarze Katze“ kennt. Im KOMM wird die Autonomen Disco Ramba Zamba eröffnet, in der BesucherInnen sich an einem Büchertisch mit allerlei Infomaterial und Theorie eindecken können und auch sonst über Aktivitäten der Autonomen informiert werden.
Neben der zu Beginn von allen Teilen der Nürnberger Autonomen genutzten, mehr oder weniger szeneinternen „Wie Weiter“ (ein Blatt, das wie die Interim abdruckt was eingeschickt wird), entstehen mit der Betriebszeitung „Frontalangriff“, der Gostenhofer Stadtteilzeitung „Von unten“ und der Jugendzeitung „Untergrund“ bis Anfang `90 drei publizistische Projekte.

Und praktische Initiativen?
Ja die gibt es auch 1988 und `89 zu Hauf. Geboten wird hier wie immer nur eine Auswahl

  • Am 22. Januar organisieren Autonome zusammen mit dem aus der Häuserkampfbewegung stammenden Olaf Ritzman Kollektiv (dessen BewohnerInnen jedoch mindestens einmal komplett durchgewechselt haben) im KOMM ein Benefizkonzert unter dem Titel „Feier und Flamme“für die Prozesshilfe. Angesichts einer seit `86 anhaltenden Kriminalisierungswelle gegen die Autonomen in Bayern ist Geld vonnöten.
  • Unter dem Motto: „Den Angriff gegen Lohnarbeit, Staat und Patriarchat von unten organisieren“ mobilisieren die Nürnberger Autonomen Gruppen wieder zu einem revolutionären Block auf der 1. Mai Demo des DGB. Im Vorfeld des 1. Mai findet eine Antikapitalistische Woche, mit Veranstaltungen, zahlreichen Filmen, einem Frühstück für Blaumacher und weiteren Aktivitäten statt, die mehrmals von der Polizei gestört wird. Die Verbeamteten  versuchen vergeblich ein Transparent zu beschlagnahmen, das zwei vermummte Personen zeigt, von denen eine einen Schraubenschlüssel und die andere einen Molotowcocktail in der Hand hält und zum revolutionären Kampf aufruft.
  • Im Anschluss an die 1. Mai Aktivitäten kommt es zu einem Briefwechsel mit dem Kommunistischen Bund (KB), der eine Beteiligung am revolutionären Block abgelehnt hatte und den Nürnberger GenossInnen nun vorwirft in den Spuren diverser K-Sekten zu wandeln und ihnen ein ähnliches Ende prognostiziert. Tja, so kann Mensch sich irren, den KB gibt’s nimmer und heute gibt es in Nürnberg sogar eine eigenständige revolutionäre 1. Mai-Demonstration von Autonomen.
  • Am 11.06. beteiligen sich die Nürnberger Autonomen an einer Demo des DGB gegen Sozialabbau mit einem eigenständigen revolutionären Block unter dem Motto: „Sozialer Friede = Der Klassenfeind gewinnt!“
  • Am 02.07. findet in Nürnberg eine von Autonomen mitorganisierte nordbayerische Demonstration gegen die im September in Berlin geplante Tagung des Internationalen Währungsfonds statt. Unter dem Motto „IWF, eine Mordmaschine lässt sich nicht reformieren – Für den Internationalen Klassenkampf“beteiligt sich auf Initiative der Prolos ein eigenständiger Autonomer Block.
  • am 18.09. mobilisieren Nürnberger Autonome zu einer Demonstration und antifaschistischen Aktivitäten gegen ein DVU-Treffen in Passau
  • Nach drei Jahren Vorbereitung, erreicht im September die Kampagne gegen den IWF anlässlich der Tagung in West-Berlin ihren Höhepunkt. Vielfältige Aktionen, militante Angriffe, Demos, Anschläge u.a. gegen Banken, nächtliches Trommeln gegenüber den Hotels der TagungsteilnehmerInnen, Aktion überall. Mehrere Tage herrscht in Berlin Ausnahmezustand. Flügelübergreifend beteiligt sich nahezu die gesamte Nürnberger Szene an den Aktivitäten. Thematisiert werden an unterschiedlichen Aktionstagen, ähnlich der G8 Kampagne in Rostock, Krieg, Rassismus, Ausbeutung, Patriarchat und Imperialismus. Ein Höhepunkt der Kampagne ist die „Revolutionäre Internationalistische Demonstration“ autonomer und antiimperialistischer Gruppen. Trotz massiver Angriffe, die zahlreiche Verletzte fordern, gelingt es den Polizeisondereinheiten nicht den Start des Demozuges zu verhindern.
  • Ende `88 beginnt auf einem Teil der Nürnberger Sozial- und Arbeitsämter die Autonome Proletarische Aktion ihre Aktivitäten. Flugblätter, die die Erwerbslosen über ihre Rechte aufklären, auffordern Anträge zu stellen und einzufordern was ihnen zusteht werden verteilt. Am Jahresende starten die GenossInnen eine kleine Kampagne gegen die Fahrpreiserhöhung. Auf Flugblättern wird „Nulltarif in allen öffentlichen Einrichtungen für alle Menschen mit geringem oder keinem Einkommen“ gefordert. Im Rahmen der Kampagne findet neben anderen Aktivitäten in der U-Bahn am Plärrer ein unangemeldeter Umzug statt. Zur Unterstützung der Kampagne verkleben unbekannte GegnerInnen der Fahrpreiserhöhung zahlreiche Stempelautomaten für Fahrkarten im Stadtgebiet.
  • Am 24.02.89 wird ein Benefizkonzert im KOMM organisiert. Das Konzert soll zur Finanzierung eines Ladens für Erwerbslose, MalocherInnen und JobberInnen beitragen. Der Grundstein für den Stadtteilladen „Schwarze Katze“ in Gostenhof wird damit gelegt.
  • Am 1. April  findet, nach acht Wochen Hungerstreik der Gefangenen aus der RAF, auf Initiative der Autonomen Proletarischen Aktion, eine Kundgebung eines breiten Bündnisses vor der Lorenzkirche statt, das die Forderung der Gefangenen nach Zusammenlegung unterstützt.
  • Das für den 29.04. im KOMM geplante Konzert zum 1. Mai entfällt. In Bonn findet stattdessen eine bundesweite Demonstration zur Unterstützung des Hungerstreiks statt, an der sich die Nürnberger Autonomen beteiligen
  • Am 1. Mai gibt es dann selbstverständlich auch `89 einen Block auf der DGB-Demo und eine Aktionswoche gegen Kapital und Patriarchat.


Antifaschistischer Kampf in Nürnberg `89

Eine schnelle Entwicklung nimmt auf Grund des Erstarkens faschistischer Parteien die auf Jugendliche konzentrierte antifaschistische Arbeit. Ende `88 wird ein Antifaschistisches Plenum gegründet, das zu Recht als ein Vorläufer des heutigen Antifaschistischen Aktionsbündnis bezeichnet werden kann. Das Plenum wächst personell schnell und entwickelt zahlreiche Aktivitäten.

  • 1. Februar `89: Die rechtsextremen Republikaner führen eine Veranstaltung im Stadtparkrestaurant durch. Das Antifa Plenum hatte zur Verhinderung des Nazispektakels aufgerufen, Treffpunkt Berliner Platz – SPD,DGB, Grüne und VVN meldeten 2 Tage später auf dem selben Platz eine Kundgebung an – wie üblich sollten dort große Reden geschwungen werden um die Leute von weitergehenden Aktivitäten und Blockaden abzuhalten. Doch die Rechnung ging nicht auf! Wenige Minuten nach Beginn der Kundgebung ziehen 1000 AntifaschistInnen mit den Autonomen zum Stadtparkrestaurant. Eine Blockade scheitert an massivem Einsatz der Polizei. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit zu spät kommenden Nazis und den zum Schutz der Naziveranstaltung eingesetzen Polizeieinheiten, Steine und andere Gegenstände fliegen und das Stadtparkrestaurant büßt mit kaputten Scheiben.
  • Darüber hinaus erhält das Stadtparkrestaurant nächtlichen Besuch. Unbekannte AntifaschistInnen werfen Molotowcocktails in die Kneipe. Die Lokalpresse vermutet, dass damit der Pächter, nachdem er seine Gasträume den Republikanern zur Verfügung stellte, eingeschüchtert werden soll.
  • 21.04.89 eine Veranstaltung der DVU in der Gartenstadt fällt wegen einer nach Protesten erfolgten Kündigung ins Wasser. Die Bürgerlichen und der DGB mobilisierten zu einem 1. Km entfernten Platz, das Antifa Plenum zur Halle, 200 – 300 Menschen kommen zur Kundgebung, 400 AntifaschistInnen kommen trotz Kündigung direkt vor der Halle zusammen
  • 06.05. Nach einer weiteren DVU-Kundgebung in der Meistersingerhalle provozieren einige Faschisten vor dem KOMM und beziehen Dresche. In der Königstraße landen stapelweise enteignete DVU-Aufkleber im Dreck. In der Folge kommt es immer wieder zu von Nazis provozierten Auseinandersetzungen. In der Innenstadt und vor dem selbstverwalteten KOMM kommt es an mehreren Abenden zu Schlägereien, bei denen die Faschisten stets den kürzeren ziehen. Die gesamte Bahnhofsgegend wird in den nächsten Jahren zur No Go Area für Nazis.
  • Am 15.06. steht erneut eine Veranstaltung der faschistischen Republikaner in der Meistersingerhalle auf der Tagesordnung. DGB, VVN etc. rufen diesmal zu einem „Fest der Republik“ auf. Wie immer soll weit ab von den Nazis, diesmal am Hauptmarkt, demonstriert werden. Vor der Halle erwartet ein Großaufgebot der Polizei die Autonomen/AntifaschistInnen.
  • Am 15.06.89 warten die vor der Meistersingerhalle zum Schutz der Nazis eingesetzten Polizeisondereinheiten jedoch vergebens. Zu einem antifaschistischen Aktionstag hatten die Autonomen aufgerufen, vor dem KOMM tauchten allerdings zur angegebenen Uhrzeit nur wenige Menschen auf, die allesamt, nach einem Gespräch mit eingen dort wartenden, in kleinen Gruppen gleich wieder verschwanden. Des Rätsels Lösung: In der Kirschgartenstr. im Stadtteil Johannis wurde ein Haus besetzt. Das Günter Sare Haus, benannt nach einem Antifaschisten der in Frankfurt von einem Polizei-Wasserwerfer verfolgt und zu Tode gefahren wurde, verließen die BesetzerInnen nach zwei Stunden, als die eingetroffenen Sondereinheiten der Polizei losschlagen wollten. Im Anschluß zog ein spontaner Demozug von BesetzerInnen und SympathisantInnen durch Johannis.


Der Nürnberger Besetzerrat – Ein heißer Sommer

Der Startschuss für die unerwartet über die autonomen AktivistInnen kommende Häuserkampfbewegung `89 war damit gefallen. Die Besetzung wurde in allen Lagern der Autonomen Linken als Erfolg gewertet. Den Nazis wurde mit der Wohnungsnot eines ihrer Wahlkampfthemen abgenommen und die Presseberichterstattung zum Republikanerevent wurde durch die Besetzung in den Hintergrund gedrängt, darüber hinaus war die kapitalistische Wohnungspolitik in der Stadt nun endlich wieder ein Thema und es hatten sich viele Jugendliche mit Wohnungsproblemen aus dem KOMM an der Aktion beteiligt.
Es wurde also beschlossen weiterzumachen und mindestens ein Haus zu erkämpfen.

  • Am 21.06. findet im KOMM das erste Treffen des Nürnberger Besetzerrates (NBR) statt und beschließt die nächste Aktion. Gefordert wird nun neben einem Haus unter anderem: Bezahlbarer und akzeptabler Wohnraum für Alle! Bereitstellung aller leerstehenden Gebäude! Ein unbefristeter Mietvertrag für das am Besetzerrat beteiligte Olaf Ritzman Kollektiv! Enteignung aller Miethaie und Spekulanten!

In der Folge überschlagen sich die Ereignisse. Mehrere  Plätze werden besetzt, ein Camp des Nachts von der Polizei brutal geräumt. In der Desi findet ein Zeltlager des Nürnberger Besetzerrates statt. Unter den verdutzten Augen der Polizei kreuzen die Stadtpiraten Nürnberg auf Flößen und in Booten auf der Pegnitz. Ihre Forderung: „Miethaie zu Fischstäbchen“. Im KOMM wird ein StadtpiratInnenfest mit 16 Bands und StadtpiratInnenballett gefeiert. Der NBR organisert eine Transparentaktion, taucht bei einer Stadtratssitzung auf und besucht das städttische Liegenschaftsamt. Ein in weiteres Haus wird in der Schweinauer Hauptstr. 66 besetzt und in der selben Nacht geräumt.
Am Ende der Bewegung gelingt dann schließlich doch noch, was niemand mehr für möglich gehalten hat. Nach langen, zähen Verhandlungen die in einer Besetzung des Anwesens Regensburgerstr. 414, direkt neben dem Olaf Ritzman Kollektiv gelegen, münden, erhält ein Teil der Nürnberger Besetzerbewegung ein Haus und das Ritzman Kollektiv die Verlängerung seines Mietvertrags.

Wie es dann weiterging? Ja, das erfahrt ihr leider nicht in der nächsten Ausgabe. Denn unsere Reihe, die sich der Geschichte der ersten zehn Jahre der Nürnberger Autonomen widmete, endet hier. Doch ihr wißt ja: Heute ist nicht alle Tage, und so erscheint an dieser Stelle vielleicht irgendwann eine Fortsetzung, die sich dem zweiten Jahrzehnt der Geschichte der Nürnberger Autonomen widmet.

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