Termine

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Montag, 18.03.2024

Raus zum Tag der politischen Gefangenen!

Der weltweite Kampf der kapitalistischen Staaten um Absatzmärkte, Einflusszonen und Investitionsmöglichkeiten wird schärfer und es entstehen im Zuge dessen schon länger immer offenere Konflikte, die immer mehr Eskalationspotential bieten. Unzweifelhaft dämmert die Neuaufteilung der Welt. Der von der NATO angeheizte und von der Russischen Föderation zum militärischen Gefecht eskalierte Konflikt um die Ukraine ist dabei nur ein Beispiel. Weitere sind das Ringen der USA und China um Taiwan, wie auch Versuche verschiedener Akteure, mehr Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent zu gewinnen.

Hinzu kommt, dass im vergangenen Oktober Israel durch militante palästinensische Gruppen, unter Führung der Hamas, militärisch angegriffen wurde. Das israelische Militär begann daraufhin den Gazastreifen zu bombardieren. Dieser vorläufige Höhepunkt des seit Jahrzehnten bestehenden Konflikts hält seitdem an.

In dieser brandgefährlichen Gemengelage vertritt auch die BRD ihre Interessen bzw. die des deutschen Kapitals. Und damit das möglichst ungestört von statten geht, sollen wir Werktätige möglichst wenig sagen und tun, was dem im Weg steht. Deshalb findet in allen Fragen, die diese Interessen betreffen, ein besonders krasser Kampf um die Meinungen der Menschen statt. Deshalb tritt der Staat zunehmend repressiver auf – generell, aber auch im Besonderen:

Gegen Menschen, die sich Versuchen, die Gesellschaft immer weiter nach rechts zu drängen, entgegenstellen oder gegen Menschen, die Kriegsrhetorik etwas entgegensetzen. Gegen Menschen, die soziale Proteste organisieren oder solche, die den Kapitalismus ankreiden. Hier sollen nur ein paar Beispiele genannt sein.

So kommt es, dass die kurdische Freiheitsbewegung kriminalisiert wird - im Januar startete der Prozess gegen Tahir Köcer, der im vergangenen Jahr in Nürnberg festgenommen wurde. Ihm wird nach §129b StGB die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen. So kommt es, dass die, die zum Nahostkonflikt eine Meinung vertreten, die nicht der deutschen Staatsräson entspricht, eingeschüchtert werden. Das passiert bspw. über Verbote palästinasolidarischer Demonstrationen, Razzien gegen die migrantische Selbstorganisation ZORA und medial erhobene Forderungen nach Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit für Nicht-staatsbürger und schnellerer Abschiebungen von vermeintlichen Antisemiten. So erklären sich ebenfalls die Angriffe der Polizei auf die Luxemburg und Liebknecht Demonstration in Berlin oder, dass mehrere Dutzend KlimaaktivistInnen bereits vor Beginn der Internationalen Automobil Ausstellung 2023 in München in Präventivhaft genommen worden sind. Nicht zuletzt ist das wohl der Grund, wegen dem in Nürnberg gegen mehrere AntifaschistInnen nach §129 ermittelt wird, weil sie Graffiti gesprüht haben sollen.

Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten, dass wir uns bemühen, es der Repression nicht unnötig einfach zu machen. Dass wir uns umeinander kümmern und für alle von Repression Betroffenen da sind. Dass wir den vielen Gefangenen Briefe schreiben und sie nicht vergessen. Dass wir solidarisch zusammenstehen.

In diesem Sinne wollen wir den Tag der politischen Gefangenen, den 18.03.2024 mit einer Kundgebung begehen.

18 Uhr Kundgebung am Jamnitzerplatz. Anschließend wird es Gefangenen schreiben in der Vokü ab 19 Uhr geben.

Verbreitet unseren Aufruf gerne weiter und nutzt unsere Sharepics (1414x2000, 500x707).

Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk

Publikationen

Was war los

28.02.1981
In Brokdorf demonstrieren trotz Verbot rund 100.000 Menschen gegen den Bau des AKW. Die meisten dringen nicht zum Bauzaun vor. Auf den Feldern um den Bauplatz kommt es zu SEK- und Hubschraubereins?tzen.

Geschichte der Autonomen in Nürnberg – Teil 1

Mit Wut. Geduld und Energie – Geschichte wird gemacht – Es geht voran
Eine Einführung in die Geschichte der Nürnberger Autonomen

Die Soziale Revolution, das Ende des Kapitalismus, der Umsturz aller gesellschaftlichen Verhältnisse, die aus dem Menschen ein unterdrücktes und ausgebeutetes Wesen machen, ist in den Metropolen keine Angelegenheit, die sich über Nacht erledigen lässt, und so kann die Autonome Linke auch in unserer Stadt heute auf fast 28 Jahre Klassenkampf zurückblicken. Mit unserer mehrteiligen Reihe wollen wir einen Einblick in die ersten 10 Jahre der Bewegung, in Kampffelder, theoretische Ausrichtung und die zunehmende Organisierung der Autonomen geben.
Es kann hier selbstverständlich nicht über alles berichtet werden, was in Nürnberg geschah, einigen wird manches fehlen, anderen anderes. Es ist ein Einblick, der hier ermöglicht werden soll, eine umfassende Würdigung der Kämpfe, der Erfahrungen und daraus resultierenden Erkenntnise, kurzum eine gründliche Aufarbeitung unserer Geschichte muss an anderer Stelle erfolgen.


Am Beginn von allem, steht wie immer ein Anfang

Wir befinden uns im Jahr 1980. Die aus den ´68ern hervorgegangenen kommunistischen Parteiansätze zerfallen, von Ausnahmen abgesehen, mehr und mehr: Der Spontiflügel der Bewegung löst sich, zum Wohlgefallen der herrschenden Klasse, in der von kleinbürgerlichen Streben geprägten Alternativbewegung auf. Die Grüne Partei als Reformprojekt steht in den Startlöchern, bereit all jenen eine Heimat zu bieten, die ihren Frieden mit den Verhältnissen machen wollen.
Soeben hatte in der BRD noch eine offizielle Studie, fast schon wehmütig, die Angepasstheit der Jugend beklagt, da zieht ein neuer Sturm über Europa auf.
Berlin, Zürich, Amsterdam, Paris: es beginnt die Zeit der Autonomen Bewegung.
In der BRD bricht eine neue Generation auf, die sich den Umsturz der kapitalistischen Verhältnisse zum Ziel setzt. Sie grenzt sich scharf von der satten reformorientierten Angepasstheit, der zunehmenden Praxisferne und den nicht enden wollenden theoretischen Debatten und Fraktionsauseinandersetzungen der übergebliebenen Reste der radikalen Linken ab.
Es werden hunderte aus Spekulationsgründen leerstehende Häuser besetzt und es entwickelt sich die Häuserkampfbewegung. Autonome kämpfen an Bauzäunen von AKWs, lassen in Bremen ein öffentliches Rekrutengelöbnis der Bundeswehr im Chaos militanter Auseinandersetzungen versinken und auch in Nürnberg beginnt die Geschichte der Autonomen.

Am 24. Dezember 1980 wird in Nürnberg die Johannisstr. 70 besetzt.
Besitzer ist nicht, wie angenommen, die Stadt Nürnberg, sondern eine Erbengemeinschaft, deren Mitglieder unbekannt sind. Das Olaf Ritzmann Kollektiv, wie sich die aus ca. 20 Personen bestehende Gruppe nennt, erhält vom Tag der Besetzung an breite Unterstützung, auch aus der Nachbarschaft. Zusammen wohnen, eine Kneipe eröffnen, einen Treffpunkt und Freiraum für weitere Kämpfe zu schaffen, ist das Ziel der BesetzterInnen. Unterstützt von SympathisantInnen wird mit der Renovierung des lange leerstehenden Gebäudes begonnen und das Haus wird zum Treffpunkt für viele.

Sylvester ´80 erfolgt der zweite Streich

Nach dem Abschlussfest einer Künstler-Kooperative in der Veilloderstr. 33, wird das Haus, in dem drei Jahre lang die Kleinkunstbühne mit Kneipe, Cafe, Restaurant und Lebensmittelkooperative untergebracht waren, besetzt. Das völlig intakte Haus, mit Werkhallen und Garagen, bietet die Möglichkeit kollektiv zu wohnen und zu arbeiten. Das Haus wurde `79 vom Architekten Crimman mit Abrissabsicht gekauft und die Stadt Nürnberg erteilte auf sein Drängen eine Abrissgenehmigung.

Die Watschenaffäre

In der Nacht vom 3. auf den 4. Januar `81 überfallen vier maskierte den Hausbesitzer Crimman in seinem Heim, verpassen ihm eine Abreibung und stehlen angeblich die Handtasche seiner Frau. Obwohl in den bürgerlichen Medien sofort von einem Schädelbruch die Rede ist, Journalisten davon sprechen wie übel der Mann aussah, sitzt der Betroffene jedoch unmittelbar nach den Ereignissen in seinem Büro.

Die Räumung der Veile
Bieten lassen wollen die Herrschenden sich das jedoch nicht. Eine Nacht darauf wird geräumt, das Polizeikommando kommt trotz offenstehender Tür mit Äxten durch den Hintereingang. 69 BesetzerInnen werden zusammen mit ihrem Rechtsanwalt festgenommen. Der Vorwurf lautete nicht etwa auf Hausfriedensbruch, nein, Wegen Körperverletzung und Raub wird gegen alle 69 ermittelt. Bis zum Nachmittag kamen dennoch alle Verhafteten frei. Zeitgleich mit der Polizeiprozedur wurden zahlreiche Wohngemeinschaften durchsucht und weitere Menschen festgenommen. Gegen zwei Personen wird schließlich Haftbefehl erlassen. Das Haus wird auf Antrag des Besitzers unbewohnbar gemacht.
Nach einer Vollversammlung der BesetzerInnen und SympathisantInnen am selben Abend, im selbstverwalteten KOMMunikationszentrum, wird die zerstörte Einrichtung vor das Polizeipräsidium geworfen. Das „Scherbengericht“ enthält „die Aufforderung zur Reparatur“ und zeigt den Vandalismus der im Auftrag der Herrschenden handelnden auf.
Der Ermittlungsausschuss 5. März bezeichnete die Räumung später als ersten Schritt zur Kriminalisierung der Nürnberger Hausbesetzerbewegung. Vorerst breitet sich die Hausbesetzerbewegung jedoch in der Region aus. In Erlangen wird das Haus eines SPD Stadtrates und ein weiteres besetzt, in Fürth eine Villa und auch in Bamberg wird die Bewegung aktiv.

Am 18. Februar 1981 wird die Johannisstr. 70 geräumt

Die 15 anwesenden Besetzer werden von der Polizei aus dem Haus geschleift. Obwohl nicht alle Erben gefunden wurden, ein Tag vor Fristablauf kein Räumungsantrag der Besitzer vorliegt, wird die Räumung durchgezogen. Die Presse kommentiert „das ist der Crimman Effekt – die Besitzer haben eben Angst vor Repressalien“.
Wie später bekannt wird, ist auch der Nürnberger Stadtrat mit seiner SPD Mehrheit nicht über die Räumung informiert worden, was Folgen hatte.
Am gleichen Tag kommt es zu massiven Protestaktionen und die Ereignisse überschlagen sich. 100 Leute versuchen in den Stadtrat zu kommen, um an einer Sitzung teilzunehmen. Als ihnen der Zutritt verwehrt wird, besetzen sie kurzerhand das nahegelegene Wohnungsamt. Die durch die Räumung verärgerte und im Wahlkampf stehende, sozialdemokratische Stadtratsmehrheit macht den Besetzern des geräumten Olaf Ritzmann Kollektivs das Angebot, Wohnungen als Übergangslösung zur Verfügung zu stellen, bis ein instandzusetzendes städttisches Gebäude gefunden wird. Die Nürnberger SozialdemokratInnen halten an dieser Linie fest und bieten unter dem Druck der Besetzerbewegung später auch weiteren Instandsetzungswilligen Wohnraum an.
Am Abend entsteht aus einer Vollversammlung der Besetzerbewegung ein Demozug, der, begleitet von einem großen Polizeiaufgebot, kreuz und quer durch die Straßen zieht. Nach einer Scheinbesetzung, die die Hüter der Ordnung schnell beenden, staunen sie nicht schlecht: ein paar Straßen weiter hat in der Zwischenzeit die eigentliche Besetzung stattgefunden. Um 4 Uhr morgens haben die Verantwortlichen sich schließlich von der Überraschung erholt und räumen.
Am Abend nimmt das Olaf Ritzmann Kollektiv bei einer Pressekonferenz das „verschwenderische“ Angebot der Stadt an, nächtliche Kleindemos standen nichtsdestotrotz weiterhin auf der Tagesordnung. Das Mitglied des Landtages Dr. Sieghard Rost, klagte später in einer von ihm angefertigten Dokumentation ausgiebig über  die Ereignisse: „Zwischen dem 19.2 und 5.3. kommt es fast jeden Abend zu Demonstrationen, in deren Verlauf wiederholt Straftaten von einzelnen aus dem schützenden Kern heraus begangen werden.“

Die Massenverhaftung am 5. März ´81
Da die Bewegung mittlerweile überall in Bayern an Fahrt gewinnt und Nürnberg eins ihrer Zentren ist, beschließt die bayrische Staatsregierung hier ein abschreckendes Exempel zu statuieren.
Am 5. März ´81 zeigt die Medienwerkstatt – zusammen mit der aus der Bewegung hervorgegangenen Gruppe Prolos im KOMM einen Film über besetzte Häuser in Amsterdam und deren militante Verteidigung. Im Anschluss an den Film zieht eine Demo durch die Stadt. Von einem verbeulten Polizeiauto, entglasten Banken, Graffitis und umgeworfenen Zeitungsständern wird später bundesweit berichtet. Die Demo zieht schließlich zum KOMM zurück, vor dem sie sich auflöst. Ein Teil der Beteiligten bleibt im KOMM, andere gehen.
Einige Zeit später umstellt die Polizei das KOMM und nimmt 141 vorwiegend jugendliche BesucherInnen fest. Die Inhaftierten werden ohne Einzelfallprüfung auf bayrische Knäste verteilt. Untersuchungshaft, begründet durch kopierte Haftbefehle, auf denen der Vorwurf Landfriedensbruch lautet.

Ein Sturm der Empörung

Der gezielte Staatsterror löst einen von der bayrischen Landesregierung nicht erwarteten, bundesweiten Sturm der Empörung aus. Die Massenverhaftung von Nürnberg wird zum Skandal.
Am 7. März wird eine schon länger geplante Hausbesetzerdemo zur ersten Manifestation gegen diesen staatlichen Terror. 2000 Menschen ziehen mit Transparenten: „Gegen Bullenterror“ durch die Stadt.
In der Nacht zum 9. März schlägt die „Unkontrollierte Bewegung 5. März“ in Nürnberg zum ersten mal zu. In das Rechenzentrum der „Gemeinnützigen“ Wohnungsbaugesellschaft in Langwasser wird ein Brandsatz geworfen, der sich nicht entzündet.
Um 8 Uhr morgens beginnt am 9.3. der Ansturm erboster Eltern auf den Ermittlungsrichter Dorner. Es kommt zu turbulenten Szenen, in denen die Angehörigen der Gefangenen ihre Wut und Empörung zum Ausdruck bringen.
Am 10.3. ruft die SPD zu einer Protestkundgebung vor der Lorenzkirche auf. Es kommen 10 000 Menschen. Obwohl die SPD-Führung alles tut, um den Protest ausschließlich auf die Kundgebung zu kanalisieren, ziehen die TeilnehmerInnen im Anschluss zum Nürnberger Knast.
Am 12. und 13 März protestieren SchülerInnen gegen die Massenverhaftung und gegen den „Maulkorberlass“, ein für die Schulen erlassenes Diskussionsverbot. In Würzburg, Augsburg, München, Bamberg, Bayreuth, Regensburg und zahlreichen weiteren Städten finden Solidaritätsaktionen statt. Auf ein großes Nürnberger Kaufhaus wird ein Buttersäureanschlag verübt.
Am Abend des 13. März zieht erneut eine Demo zum Knast, vor dem ein Konzert stattfindet, im weiteren Verlauf wird in der Wielandstraße ein Haus besetzt.
Die zweite Woche nach der Massenverhaftung beginnt mit einem Brandanschlag auf den Schulpavillion Bielingstr., am Freitag darauf findet eine Fackeldemo zum Knast statt, sie endet mit Festnahmen. Mit Leuchtkugeln soll ein Verhafteter geschossen haben, ein anderer soll RAF-Parolen gesprüht haben.
Noch in derselben Nacht wird auf ein weiteres Büro der Wohnungsbaugesellschaft ein Brandanschlag verübt. Die Unkontrollierten hinterließen ihre Visitenkarte und forderten die Freilassung aller noch Inhaftierten vom 5. März und die Erfüllung sämtlicher Forderungen der Stadtguerilla-Gefangenen aus der Bewegung 2. Juni und der RAF.
21. bis 23. März ein ereignisreiches Wochenende. Zum dritten mal hat die Wohnungsbaugesellschaft Besuch, dieses mal erwischt es ihr Büro in der Merianstr., in das ein Molotow-Cocktail fliegt. In der selben Nacht werden zum wiederholten mal die Scheiben der Stadtsparkasse in der Johanisstr. eingeworfen. An der Tür liegt ein Zeitungsausschnitt mit der Überschrift: „ Mit Genossen die Zukunft gestalten“.
Eine Nacht später erhält das Hans-Sachs-Gymnasium, dessen Direktor als Ministerialbeamter für den „Maulkorberlass“ verantwortlich war, Besuch von der unkontrollierten Jugend. Die Gänge und Räume zieren meterhohe Parolen, alle Türschlösser sind verklebt, Kopierer und andere Geräte zerstört und die Telefonleitungen herausgerissen.
Noch am selben Wochenende fliegt ein Cocktail in die Stadtsparkasse an der Schwabacher Straße und legt diese Lahm: 50 000 DM Sachschaden. In der Erklärung der Unkontrollierten Bewegung 5. März hierzu heißt es: „Der Kampf geht weiter! Wer nicht hören will, muss fühlen. Wir nehmen die Bullen – Terrorpraktiken nicht länger hin …“

Am Abend des 3. April besetzen 40 bis 50 Leute eine in der Nähe der noch immer besetzten Wielandstr. gelegenen Villa in der Roritzerstr. 5
Am Morgen des 6. April beginnt bereits die Räumung durch Bereitschaftspolizei und ein Sondereinsatzkommando.
Eine feste BesetzerInnengruppe hatte sich in der Kürze der Zeit noch nicht herausgebildet, es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Dennoch stoßen die Gesetzeshüter bei ihrem Eintreffen auf harten Widerstand. Das Haus ist, einschließlich der Fenster, verbarrikadiert. Ein Hagel aus Gegenständen empfängt die Staatsdiener, darunter Unrat und eine Übungshandgranate der Bundeswehr.
Nachdem es der Polizei gelungen ist sich in den 2. Stock vorzuarbeiten, werden 12 BesetzerInnen dort festgenommen, fünf weitere haben sich jedoch auf das Dach zurückgezogen und drohen bei weiterem Vorrücken der SEK-Beamten herunterzuspringen. Sie fordern: „Freien Abzug, Freilassung der bereits festgenommenen Besetzer, Nichtabriss des Hauses, und Amnestie für alle Hausbesetzer.“ Um 13 Uhr ergeben sie sich schließlich.

Ohne Sommerpause geht es weiter

Im Sommer `81 steht zweimal die Johannisstr. 70 im Mittelpunkt von Aktivitäten der Bewegung. Es gelingt jedoch nicht das Haus zurückzuerobern.
Am 27. und 28. Juni findet das vom Organisationsausschuss der Vollversammlung der Hausbesetzer organisierte Hausbesetzerfestival im Pegnitzgrund statt. Im Rahmen einer Demo mit 2000 TeilnehmerInnen, kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, es wird gesprüht, Steine fliegen, Fensterscheiben gehen zu Bruch.
Der Demonstrant Klaus Jürgen Ratay wird in Berlin bei der Räumung besetzter Häuser von prügelnden Sondereinheiten in den fließenden Verkehr getrieben und kommt ums leben. Auch in Nürnberg macht sich die Empörung Luft. Auf einer Demo wird eine Deutschlandfahne eingeholt und es gehen vier Scheiben in der Innenstadt zu Bruch.

Am 24.12.81 wird schließlich direkt neben dem KOMM die Königsstr. 85 besetzt
Im November ist den AktivistInnen der BesetzerInnenbewegung klar, dass der Nürnberger Häuserkampfbewegung die Luft ausgeht. Auf die eigene Geschichte bezugnehmend, Weihnachten `80 wurde das erste Haus – die Johannisstr. 70 besetzt, wird für den 24. Dezember eine Besetzung vorbereitet um die Bewegung wiederzubeleben. Ein im KOMM stattfindendes Konzert soll genutzt werden um die BesucherInnen in das direkt gegenüber liegende Haus zu mobilisieren. Für den 25. Dezember wird zu einer Demonstration unter dem eingängigen Motto: „Alles frisch? Alles Scheiße“ mobilisiert. Mit acht verschiedenen Flugblättern wird die Demo beworben, deren nur intern bekannter Zweck es sein soll die Besetzung zu unterstützen.
Zunächst läuft alles wie geplant. Das Haus wird besetzt, nach dem Toten von Berlin: „Klaus Jürgen Ratay Haus“ getauft und es gelingt auch einen Teil der KonzertbesucherInnen aus dem Komm zur Fortsetzung der Party ins Haus zu mobilisieren, doch die Besitzer hatten vorsorglich Strafantrag gestellt und die bayrische CSU-Regierung unter Strauß die Polizei angewiesen, Neubesetzungen innerhalb von 24 Stunden zu räumen.
So marschieren noch in der Nacht die Staatsbüttel auf, um der Besetzung ein Ende zu bereiten. Während die Räumung beginnt, setzen sich die BesetzerInnen über eine an der Rückseite des Gebäudes angebrachte Feuerleiter ab, umrunden das Gebäude und gesellen sich zu den davorstehenden SympathisantInnen. So kommt es zu der absurden Situation, dass die im Gebäude nach den BesetzerInnen suchenden Beamten, von diesen  durch die geöffneten Fenster mit Schneebällen beworfen werden.
Polizei-Bilanz der Nacht: „Eine Festnahme“. Ein Lehrer, der mit anderen KonzertbesucherInnen ins Haus kam wurde vergessen, weil er betrunken hinter einem Vorhang eingeschlafen war.
An der Demonstration am 25. Dezember beteiligen sich, trotz der für die damalige Zeit massiven Flugblattagitation, kaum 100 Personen.

Der Sturm auf das Gedächtnisspektakel
Ein Jahr nach der Massenverhaftung am 5. März `82 organisiert die „Bürgerinitiative 5. März“ eine Demo und eine Großveranstaltung im KOMM. Die an der Demo teilnehmenden Autonomen stürmen am Abend zuerst die Veranstaltung, ohne den verlangten Eintritt zu bezahlen, und schließlich die Bühne. Es wird ein Flugblatt verlesen und verteilt. „Wir fordern keine Einstellung der Prozesse, sondern die Abschaffung der Justiz! Feuer und Flamme für diesen Staat“ titelt der Flyer, verantwortlich im Sinne des Presserechts zeichnet die „Unkontrollierte Bewegung“.

Das Ende der Häuserkampfbewegung
Der Nürnberger BesetzerInnenbewegung ist es gelungen durch Demonstrationen, Aktionen, Besetzungen über ein Jahr politischen Druck auf die bayrische Politik auszuüben und aufrechtzuerhalten. Die Widersprüche zwischen lokalem SPD-Stadtrat und der CSU-Landesregierung, zwischen einer mehr auf Integration und einer ausschließlich auf Kriminalisierung der Bewegung ausgerichteten Linie der Herrschenden, verstanden die Kerne der Nürnberger Besetzer sich gezielt zunutze zu machen.
Als handfestes Ergebnis der Nürnberger Häuserkämpfe blieben so vier von der Bewegung erkämpfte Wohnprojekte, darunter, das bis heute überlebende Ritzman Kollektiv in der Regensburgerstr..
Dass ein „weiter so“ sich nach über einem Jahr dann nicht mehr aufrechterhalten ließ, lag unter anderem an der massiven Repression, neue Besetzungsversuche, wie der in der Königsstr., scheiterten alle samt an der bayrischen Linie, die dafür sorgte, dass zuletzt kein Haus länger als 24 Stunden besetzt blieb.
So sorgte die fortgesetzte Repression und Kriminalisierung für Einschüchterung und Frust in Teilen der Bewegung, andererseits trug der massive staatliche Terror zu einer schnell voranschreitenden Radikalisierung ihrer Kerne bei. Die Autonome Linke, die sich aus diesen Kernen im Verlauf der Bewegung herausbildet hat, die die ersten Schritte von der spontanen Bewegung zur organisierten autonomen politischen Kraft gemacht hat, nimmt zahlreiche Erkenntnisse aus der Bewegungszeit mit auf ihren Weg.
Und wie dieser Weg weiterverlaufen ist, wie es weiter geht, ja das erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe.

barricada – Oktober 2008

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