Termine

Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Freitag, 15.03.2024

Antifa-Aktionskneipe im März

Freitag, 15.3. | Stadtteilladen Schwarze Katze (untere Seitenstrasse 1, NBG) | Workshop 20:00 Uhr | Offenes Antifatreffen 19:00 Uhr

Diskussionsworkshop zu Feminismus aus materialistischer Perspektive
Der inhaltliche Part des Abends beginnt um 20:00 Uhr mit dem kurzen Versuch von einer materialistische Perspektive auf das Thema Feminismus zu blicken. Darauf aufbauend wollen wir uns während einer Workshopphase in Kleingruppen z.B. mit den Themen Reproduktionsarbeit, Hass auf queere Menschen, oder Rollenzuschreibungen die die Zweigeschlechtlichkeit mit sich bringt, auseinandersetzen.
Schon um 19:00 Uhr beginnt der Abend mit dem offenen Antifatreffen. Wenn ihr antifaschistisch aktiv werden wollt, könnt ihr hier einen ersten Eindruck von unserer Arbeit bekommen und mitmachen.
Für Essen und Trinken gegen eine Spende ist wie immer gesorgt!
+++ AM 8.MÄRZ AUF DIE STRASSE! +++
Infos über die Antifa-Aktionskneipe Youtube | Instagram | antifaak161 (äääät) riseup.net
Was macht die Antifa Aktionskneipe?
Beispiele: Mobivideo zum 8.März ’23 / Jahresrückblick 2021 / Satire zur Bundestagswahl / Podcast zum Tag gegen Gewalt an Frauen / Antifa-Stadtrundgang / Aktion gegen AfD Landtagswahlstand / Demo „Keine rechte Hetze in unserem Viertel!“ / Gemeinsamer Treffpunkt für revolutionäre 1.Mai-Demo / Aktion zum TagX NSU-Prozess / Aktion gegen CSU Parteitag / Aktion gegen AfD-Infostand / Fahrt zur Demo: Memmingen sieht rot / Alle Aktionen chronologisch auf der Redside Was ist die Antifa Aktionskneipe: Der rechte Vormarsch in der BRD geht weiter voran. Am offensten zeigt sich diese Entwicklung an den Wahlerfolgen der AfD und Gesetzesverschärfungen, wie die neuen Polizeiaufgabengesetze. Die Bundesregierung schaffte das Asylrecht quasi ab, sperrt Geflüchtete in Lager und schiebt in Kriegsgebiete ab. Parallel dazu werden täglich Menschen von Nazis und RassistInnen angegriffen. Überall formieren sich rechte Bürgerwehren und rechter Terror wird zu einer immer größeren Bedrohung. Deswegen gewinnt antifaschistischer Widerstand gegen diese Zustände an enormer Bedeutung. Wir wollen deutlich zeigen und klar machen, dass wir diese reaktionäre Offensive nicht unbeantwortet lassen. Wir lassen uns nicht durch Rassismus und Sexismus spalten, sondern müssen gemeinsam als unterdrückte Klasse für eine befreite Welt kämpfen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir in einer Welt des Faschismus und Unterdrückung leben wollen oder in einer Welt der Solidarität und Gerechtigkeit. Wenn auch du die Schnauze voll hast und aktiv gegen Nazis und FaschistInnen werden willst, dann komm zur Antifa-Aktionskneipe! Jeden dritten Freitag im Monat ab 19:00 Uhr veranstalten wir ein offenes Treffen, mit dem Ziel, uns gemeinsam zu informieren, auszutauschen und aktiv zu werden. Lernen wir uns kennen, schließen wir uns zusammen und machen wir uns gemeinsam stark gegen Rassismus, Faschismus, Patriarchat und Kapitalismus.
Montag, 18.03.2024

Raus zum Tag der politischen Gefangenen!

Der weltweite Kampf der kapitalistischen Staaten um Absatzmärkte, Einflusszonen und Investitionsmöglichkeiten wird schärfer und es entstehen im Zuge dessen schon länger immer offenere Konflikte, die immer mehr Eskalationspotential bieten. Unzweifelhaft dämmert die Neuaufteilung der Welt. Der von der NATO angeheizte und von der Russischen Föderation zum militärischen Gefecht eskalierte Konflikt um die Ukraine ist dabei nur ein Beispiel. Weitere sind das Ringen der USA und China um Taiwan, wie auch Versuche verschiedener Akteure, mehr Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent zu gewinnen.

Hinzu kommt, dass im vergangenen Oktober Israel durch militante palästinensische Gruppen, unter Führung der Hamas, militärisch angegriffen wurde. Das israelische Militär begann daraufhin den Gazastreifen zu bombardieren. Dieser vorläufige Höhepunkt des seit Jahrzehnten bestehenden Konflikts hält seitdem an.

In dieser brandgefährlichen Gemengelage vertritt auch die BRD ihre Interessen bzw. die des deutschen Kapitals. Und damit das möglichst ungestört von statten geht, sollen wir Werktätige möglichst wenig sagen und tun, was dem im Weg steht. Deshalb findet in allen Fragen, die diese Interessen betreffen, ein besonders krasser Kampf um die Meinungen der Menschen statt. Deshalb tritt der Staat zunehmend repressiver auf – generell, aber auch im Besonderen:

Gegen Menschen, die sich Versuchen, die Gesellschaft immer weiter nach rechts zu drängen, entgegenstellen oder gegen Menschen, die Kriegsrhetorik etwas entgegensetzen. Gegen Menschen, die soziale Proteste organisieren oder solche, die den Kapitalismus ankreiden. Hier sollen nur ein paar Beispiele genannt sein.

So kommt es, dass die kurdische Freiheitsbewegung kriminalisiert wird - im Januar startete der Prozess gegen Tahir Köcer, der im vergangenen Jahr in Nürnberg festgenommen wurde. Ihm wird nach §129b StGB die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen. So kommt es, dass die, die zum Nahostkonflikt eine Meinung vertreten, die nicht der deutschen Staatsräson entspricht, eingeschüchtert werden. Das passiert bspw. über Verbote palästinasolidarischer Demonstrationen, Razzien gegen die migrantische Selbstorganisation ZORA und medial erhobene Forderungen nach Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit für Nicht-staatsbürger und schnellerer Abschiebungen von vermeintlichen Antisemiten. So erklären sich ebenfalls die Angriffe der Polizei auf die Luxemburg und Liebknecht Demonstration in Berlin oder, dass mehrere Dutzend KlimaaktivistInnen bereits vor Beginn der Internationalen Automobil Ausstellung 2023 in München in Präventivhaft genommen worden sind. Nicht zuletzt ist das wohl der Grund, wegen dem in Nürnberg gegen mehrere AntifaschistInnen nach §129 ermittelt wird, weil sie Graffiti gesprüht haben sollen.

Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten, dass wir uns bemühen, es der Repression nicht unnötig einfach zu machen. Dass wir uns umeinander kümmern und für alle von Repression Betroffenen da sind. Dass wir den vielen Gefangenen Briefe schreiben und sie nicht vergessen. Dass wir solidarisch zusammenstehen.

In diesem Sinne wollen wir den Tag der politischen Gefangenen, den 18.03.2024 mit einer Kundgebung begehen.

18 Uhr Kundgebung am Jamnitzerplatz. Anschließend wird es Gefangenen schreiben in der Vokü ab 19 Uhr geben.

Verbreitet unseren Aufruf gerne weiter und nutzt unsere Sharepics (1414x2000, 500x707).

Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk

Publikationen

Was war los

03.03.1975
Brandanschlag der Revolution?ren Zellen auf den Bamberger Dom wegen der schmutzigen Rolle der Kirche bei der Unterdr?ckung der Frauen.

Das war der 1. Mai 2010

revolutionäre 1. Mai Demonstration in Nürnberg stop 2500 Menschen beteiligen sich an der Demo stop lokale Mobilisierung überschattet von faschistisch motiviertem Mordversuch an einem 17 jährigen Antifaschisten stop Empörung über die Rolle der lokalen Polizei und ihr Verhalten macht sich in einer Auseinandersetzung mit Sondereinheiten in Gostenhof Luft stop auch in zahlreichen anderen Städten finden eigenständige Demonstrationen der revolutionären Linken statt stop faschistische Gruppierungen versuchen wie in den vergangenen Jahren, mit staatlicher Genehmigung in mehreren Städten Aufmärsche durchzuführen stop starke antifaschistische Proteste und Blockaden sind die Folge stop alles weitere erfahrt ihr im folgenden Artikel …

Nürnberg im Vorfeld des 1. Mai

Der vollmundigen Ansage des bayrischen NPD- Vorsitzenden Ralf Ollert, der für den 1. Mai einen Aufmarsch in Nürnberg angekündigt hatte, folgte einige Wochen vor dem 1. Mai ein klein lauter Rückzieher. Nachdem seine ehemaligen Parteikameraden, jetzt Freies Netz Süd, beschlossen hatten, der Konfrontation mit den schon zahlenmäßig weit überlegenen AntifaschistInnen in Nürnberg auch in diesem Jahr aus dem Weg zu gehen, blieb der NPD nichts anderes übrig, als den Aufmarsch abzusagen, wollte sie sich mit ihren kümmerlichen personellen Restbeständen am 1. Mai vor Ort nicht völlig der Lächerlichkeit preisgeben.
Nachdem die Frage, wem in Nürnberg die Straße am 1. Mai gehört, so ein weiteres mal eindeutig geklärt war, stand der Weg erst einmal frei, für eine revolutionäre Mobilisierung, bei der eine umfassende Kritik der herrschenden kapitalistischen Verhältnisse eindeutig im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung stehen konnte und nicht drohte durch antifaschistische Notwendigkeiten teils überdeckt zu werden.
Routiniert machten sich die organisierte autonomie (OA) und das von ihr initiierte, die Demo tragende, revolutionäre Bündnis aus zahlreichen Gruppen, Organisationen und Initiativen an die Mobilisierung.
Mit dem fragend formulierten Aufruf-Motto: „Warum nicht … Kapitalismus abschaffen – Für die soziale Revolution“ sollte ein Anstoß gegeben werden, über das nachzudenken, was für die Mehrheit der Unzufriedenen bis heute noch undenkbar erscheint: Die Möglichkeit, eine Perspektive jenseits der krisenhaften Ordnung aus sozialer Unsicherheit, Ausbeutung und Unterdrückung, die der herrschende Kapitalismus darstellt, zu erkämpfen.
Neben dem zentralen Aufruf zur Demonstration, gab es wie in den vergangenen Jahren, einen Aufruf vom Jugendbündnis, in dem unter anderem die Autonome Jugend Antifa (AJA) und die revolutionär organisierte jugend aktion (roja) mitarbeiten, der auf die spezifischen Interessen von Jugendlichen einging.
Die Mobilisierung lief über Verteiltouren in Zentren, bei Konzerten und in Gaststätten. Es gab Infotische, Postwurfsendungen und eine Promotour mit Lautsprecherwagen die vor zahlreichen Schulen halt machte.

Ein faschistischer Mordversuch im Vorfeld des 1. Mai?

Mitten in die Mobilisierung platzte dann die Nachricht, dass laut Polizeibericht ein 17 jähriger am Plärrer im U-Bahnhof halbtot geprügelt wurde und nach mehrfacher Reanimation im Koma liegt. Ansonsten hatte die Polizei nichts zu sagen und in der Lokalpresse unterblieb auch das übliche Gerede gegen Kriminelle (Ausländer, Jugendliche etc.), was sich auch nicht änderte, nachdem sich der Täter, ein 24-jähriger Fürther am Tag darauf stellte.
Nach einigen Recherchen war klar, dass es sich bei dem Opfer um einen jungen Nürnberger Antifaschisten mit Migrationshintergrund handelt. Der Verdacht lag nach dieser Erkenntnis nahe, dass hier irgendetwas nicht stimmt, dass die lokale Polizei, die beides verschwiegen hatte, einmal mehr versucht einen rassistischen oder faschistischen Tathintergrund unter den Teppich zu kehren.
Um dies zu verhindern und Klarheit zu schaffen, gründete sich ein breites Bündnis aus zahlreichen Gruppen, Initiativen und Organisationen, mit dem Ziel Druck auf die Verantwortlichen auszuüben und die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Am Vorabend des 1. Mai zog eine von der Antifaschistischen Linken Fürth (ALF) initiierte und länger vorbereitete antikapitalistische Demonstration, an der sich ca. 400 Menschen beteiligten, spontan vor die Fürther Polizeiwache. Alle am Demobündnis beteiligten Gruppen und Organisationen, forderten die Verantwortlichen auf ihre Erkenntnisse über den Tathintergrund und den Täter offenzulegen. Die Polizei schwieg.

Die revolutionäre 1. Mai Demo – das Geständnis der Polizei – handfeste Auseinandersetzungen in Gostenhof

Bis zum 1. Mai, hatten sich die Hinweise  verdichtet, dass es sich bei dem Täter, um einen Nazi handelt. Im konkreten Verdacht stand der bekannte Fürther Faschist Peter Rausch, der immer wieder durch Übergriffe auf AntifaschistInnen aufgefallenen ist. Rausch ist Mitglied im nationalsozialistischen Freien Netz Süd, gilt als extrem gewalttätig, und konnte trotz Vorstrafen, in der jüngsten Vergangenheit unter den Augen der Fürther Polizei gegen AntifaschistInnen handgreiflich werden, ohne dass diese einschritt. Die Polizei schwieg weiterhin obwohl der öffentliche Druck enorm angewachsen war.
Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung bereits zum Auftakt der revolutionären 1. Mai Demonstration. Die USK-Sondereinheiten der Nürnberger Polizei schürten die Stimmung durch massiv durchgeführte Vorkontrollen mit den üblichen Schikanen weiter an. Absperrung aller Zugänge zur Auftaktkundgebung in Gostenhof, Ausweiskontrollen, Durchsuchungen, durchwühlen von Taschen, das lesen persönlicher Notizen, alles was eben seit Jahren zur schikanösen Einschüchterungsstrategie der Polizei gegenüber den TeilnehmerInnen dieser Demonstration gehört.
Nach Redebeiträgen, von verschiedenen am Bündnis beteiligten Gruppen und Organisationen und einem kurzen Auftritt des Rappers Holger Burner, gab ein Sprecher der organisierten autonomie (OA) das Startsignal und der Zug machte sich auf den Weg. Erstes Ziel: Das Polizeipräsidium Mitte. Über die Lautsprecherwägen wurde die Polizei immer wieder aufgefordert, mit der Vertuschungspolitik Schluss zu machen und die Wahrheit über den Mordversuch am Plärrer offenzulegen. Weiter wurde auf die lange Kette unter den Teppich gekehrter und unaufgeklärter faschistischer Übergriffe in Nürnberg und Fürth hingewiesen.
Unmittelbar vor dem Polizeipräsidium knickte die Einsatzleitung schließlich ein und übergab dem Anmelder der Demonstration eine  Pressemitteilung, nach dieser ein Angehöriger der rechtsextremen Szene in Fürth am Plärrer mit einem Linken aneinander geraten sei. Form und Inhalt des Schreibens, gaben nun, nachdem klar war, dass eine Vertuschung gescheitert war, eine neue Linie der Behörden im Umgang mit dem faschistischen Mordversuch vor. Der Fall sollte getreu der Extremismustheorie, als für den Normalbürger eh nicht nachzuvollziehender Streit unter „Extremisten“ dargestellt werden.
Die Stimmung gegenüber den, den Demonstrationszug begleitenden Polizeisondereinheiten verbesserte dieses Geständnis wenig, und auch die Gleichsetzung von FaschistInnen und AntifaschistInnen sorgte eher, für ein Anwachsen der lange angestauten Empörung über das Verhalten von Staat und Polizei gegenüber dem faschistischen Terror in der Region.
Unter Parolen, und kürzeren Beiträgen aus den Lautsprecherwägen, ging es weiter durch die Innenstadt, vorbei an der Abschlußkundgebung des DGB, wo sich einige Menschen der vorbeiziehenden, für antikapitalistische Positionen werbenden, Demonstration anschlossen. Nach einer Zwischenkundgebung, in deren Rahmen u.a. auf Umstrukturierungsmaßnahmen im Stadtteil Gostenhof und die Kündigung des Stadtteilladens Schwarze Katze eingegangen wurde, erreichte die im Verlauf auf über 2500 TeilnehmerInnen angewachsene Demo das internationalistische Straßenfest. Unmittelbar nach der Ankunft der Demonstration, kam es in der Nähe des Straßenfestes, nach einem Wortwechsel zwischen TeilnehmerInnen und zwei provozierenden Zivilpolizisten, zu einer heftigen Auseinandersetzung, mit wild um sich prügelnden Polizeitrupps. In deren Verlauf wurde eine brennende Barrikade in der Adam Klein Straße errichtet und die Polizei mit Steinen und Knüppeln von Militanten auf Abstand zum Straßenfest gehalten. Nachdem die Polizei sich schließlich zurückzog, beruhigte sich die Lage rund um das Straßenfest. Es kam in Gostenhof jedoch bis in die Nacht immer wieder zu kleineren Auseinandersetzungen mit weiterhin provozierenden Polizeieinheiten. Im Zuge der polizeilichen Knüppeleinsätze kam es zu zahlreichen Verletzungen und einigen Festnahmen. Die Polizei spricht in einer von ihr herausgegebenen Pressemitteilung von 13 verletzten Beamten.

Auch der DGB mobilisierte in Nürnberg zu einem Umzug

Bereits in den Morgenstunden des 1. Mai startete in der Südstadt der Demonstrationszug des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Etwa 1500 Menschen waren dem durch die kapitalistische Realität überholten Motto: „Wir gehen vor! Gute Arbeit – Gerechte Löhne – Starker Sozialstaat“ gefolgt und zogen zum  Gewerkschaftshaus. Auch im Rahmen dieser Demonstration wurden Flugblätter des, zur Aufklärung des faschistischen Übergriffs am Plärrer, gegründeten Bündnisses verteilt. Aktiv waren hier vor allem im neu gegründeten Bündnis organisierte MigrantInnengruppen, die seit Jahrzehnten an der Demo des Gewerkschaftsbundes beteiligte sind. Vom DGB – Vorsitzenden Stefan Doll forderten sie auf der Kundgebung einen Redebeitrag zum Thema halten zu können, was dieser ablehnte. Erst unter massivem Druck zahlreicher Gruppen, erklärte er sich bereit, selbst von der Bühne aus, auf den faschistischen Mordversuch einzugehen. Sein Versprechen hielt er nicht, erst nach einer weiteren massiven Intervention äußerte er sich während der Abschlußkundgebung. Unter Verweis auf Polizeiinformationen sagte er dort, dass ihm und dem Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) keine Erkenntnisse über einen rechtsextremistischen Hintergrund des Täters bekannt seien. Das es auch anders geht und GewerkschaftsfunktionärInnen den eigenen Kolleginnen mehr Vertrauen entgegenbringen können, als der Polizei und dem Oberbürgermeister, bewies derweil eine RednerIn der Gewerkschaftsjugend. Im Rahmen der Kundgebung ging sie in ihrem Beitrag ausgiebig auf den Fall ein und forderte die Polizei auf, sich zu den Hintergründen zu äußern.

Revolutionäre 1. Mai Demonstrationen und andere eigenständige Initiativen in zahlreichen Städten

In Stuttgart, Oldenburg, Duisburg, Karlsruhe, Hamburg, Rosenheim, Wuppertal, München, Fürth und zahlreichen weiteren Städten wurden in diesem Jahr eigenständige, revolutionäre 1. Mai Demonstrationen oder mit Rücksicht auf antifaschistische und andere Mobilisierungen Vorabenddemonstrationen durchgeführt. In den Aufrufen, wie vor Ort  war die Krise und ihre Folgen das beherrschende Thema. Die Beteiligung an den Demonstrationen schwankte zwischen einigen hundert und mehreren tausend TeilnehmerInnen. Die mit Abstand größte revolutionäre Demonstration fand in Berlin statt, an der sich bis zu 15 000 Menschen beteiligten.
Sicher, genaue TeilnehmerInnenzahlen sind immer schwer zu schätzen, es ist aber davon auszugehen, dass sich allein an den revolutionären 1. Mai-Demonstrationen in der BRD in diesem Jahr über 25 000 Menschen beteiligten. Hinzu kommen die Teilnehmenden an den Euromaydayumzügen, revolutionäre Blöcke die sich in Berlin, Köln, Hannover und vielen weiteren Städten an den Demonstrationen des DGB beteiligten und die von radikalen Linken getragenen antifaschistischen Aktivitäten.
Alles zusammengenommen kann die Mobiliserung der radikalen Linken zum 1. Mai, also allein in personeller Hinsicht, unter den derzeit in der BRD herrschenden Bedingungen, durchaus als Erfolg gewertet werden.
P.S.Neben den Zusammenstößen mit der Polizei in Nürnberg, kam es auch in Hamburg und Berlin am 1. Mai zu größeren Auseinandersetzungen mit den Hütern der kapitalistischen Ordnung, wobei der 1. Mai in Berlin trotz einigen Polizeiübergriffen in diesem Jahr verhältnismäßig ruhig verlief.

Faschisten am 1. Mai in der Defensive

Um die Berichterstattung zu vervollständigen, sei auch noch auf die staatlich genehmigten Versuche den 1. Mai als faschistischen Feiertag zu vereinnahmen ein Blick geworfen. Irgendwo zwischen Blut-und-Boden-Wahn, Volksgemeinschaftsideologie und reformatorisch, retardierter Pseudo-Kapitalismuskritik bewegen sich inhaltlich weiterhin die Aufmarsch-Aufrufe jener faschistischen Grüppchen, Parteien und Verbände, deren Vorbilder zwischen 1918 und 1945 ihre Positionierung als Büttel des Kapitals blutig deutlich machten.
Und auch in praktischer Hinsicht knüpfen jene Nazis, die seit einigen Jahren versuchen den 1. Mai für ihre reaktionäre Propaganda zu vereinnahmen, genau an jene Traditionslinie an. Funktion ihrer Aufmärsche ist es, gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, Protestpotential an sich, und damit an die kapitalistische Wirtschaftsweise, zu binden. Durch Aufmärsche am 1. Mai sollen darüber hinaus eigenständige Aktivitäten einer klassenkämpferischen Linken, die auf den Kampf für die eigenen Interessen und die Überwindung der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung abzielen, durch die Notwendigkeit antifaschistischer Proteste geschwächt, bzw. be- oder verhindert werden. Wo es ihnen staatlicherseits ermöglicht wird  gehen die faschistischen Banden darüber hinaus auch zu offenen Terror über, wie z.B. ein gewalttätiger Angriff auf Gewerkschaftsmitglieder am 1. Mai 2009 in Dortmund zeigte. P.S. Auch die Stadt Dortmund hat nach offizieller Lesart selbstverständlich kein Naziproblem.
Ohne das dabei die revolutionären, eigenständigen 1. Mai Aktivitäten vernachlässigt wurden, sorgten in diesem Jahr jedoch bundesweit engagierte AntifaschistInnen dafür, dass den Nazibanden kein Meter Straße einfach überlassen wurde. So mussten Aufmärsche in Erfurt und Berlin nach Blockaden und militanten antifaschistischen Aktionen abgebrochen werden, in Rostock wurde die Route der Nazis zumindest verlegt. In Schweinfurt und einigen weiteren Städten, setzte die Polizei trotz antifaschistischer Proteste, weitere staatlich genehmigte Aufmärsche von Nazis durch.
Während sich allein in Berlin über 10 000 Menschen an den antifaschistischen Protesten beteiligten, blieb die Zahl der an den faschistischen Aufmärschen Teilnehmenden in diesem Jahr weit hinter den Erwartungen der OrganisatorInnen zurück. Ob sich dieser positive Trend fortsetzen wird bleibt abzuwarten.

Eine Sprecherin der organisierten autonomie (OA) bewertet den 1. Mai als Erfolg:

„Unsere gemeinsame Demonstration existiert seit 1992 und soll der antikapitalistischen Linken und all jenen die sich ihr zugehörig fühlen, die Möglichkeit geben, die eigenen Inhalte auf die Straße zu tragen und für die eigenen revolutionären Standpunkte zu werben. Die revolutionäre Linke hat sich mit dieser klar und eindeutig antikapitalistischen Ausrichtung über die Jahre zu einer festen gesellschaftlich wahrnehmbaren Kraft in der politischen Auseinandersetzung um den 1. Mai in Nürnberg entwickelt. So hat die von uns und den vielen anderen am revolutionären Bündnis Beteiligten getragene Demo, in diesem Jahr sicherlich dazu beigetragen Öffentlichen Druck zu schaffen und den Versuch der Staatsorgane zu unterbinden, den faschistischen Mordversuch an einem 17 jährigen unter den Teppich zu kehren.
Das sich auch in diesem Jahr, 2500 Menschen an der revolutionären Demonstration beteiligten, sehen wir darüber hinaus angesichts der gleichzeitig notwendigen antifaschistischen Mobilisierungen in Bayern als positiv“
Die Sprecherin der OA begrüßte darüber hinaus die Forderung der Polizei, in Zukunft keine Bundesligaspiele am 1. Mai durchzuführen, da diese angeblich zu viele Kräfte binden.
„Da sind wir uns einmal einig! Endlich werden dann auch die vielen unzufriedenen, von Stadionverboten und anderen Repressalien bedrohten Club-Fans an der Revolutionären 1. Mai Demo teilnehmen können, die an diesem Tag bisher oft durch ihre Fußballleidenschaft verhindert waren“ erklärte sie auf Nachfrage der Redaktion.

Erschienen in barricada – Mai/Juni 2010

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