Interview mit katalonischem Genossen

Im August 2014 reisten zwei Genossen der ROJA nach Barcelona, Katalonien und führten dort ein Interview mit Juan (Name geändert), einem politischen Aktivisten einer marxistischen, für die Unabhängigkeit Kataloniens kämpfenden Organisation. Anlass des Interviews waren die verheerenden Konsequenzen der Wirtschaftskrise in Spanien für die ArbeiterInnenklasse und der sich gegen die EU-Verarmungspolitik formierende Widerstand. So stellten wir dem Genossen Fragen über die generelle ökonomische Situation vor Ort, die Lage der linken Widerstandsbewegung und die Repression dagegen, das Erstarken faschistischer Strukturen und den Zusammenhang mit dem nationalen Konflikt zwischen Katalonien und Spanien.

Nachdem wir bereits Teile in der letzten Ausgabe unserer ROJA-Zeitung veröffentlicht haben, folgt hier das gesamte Interview. Viel Spaß beim Lesen :)

ROJA: Hallo Genossen und Genossinnen. Ich hoffe euch geht es gut. Solidarische Grüße aus Barcelona, Katalonien. Wir sind hier mit einem Genossen, der uns einige Fragen über die Euro-Krise und ihre Auswirkungen hier in Katalonien beantworten wird.

Kannst du mir ein bisschen was über die alltägliche wirtschaftliche Situation im Allgemeinen und – wenn du magst – im Speziellen über deine eigene berichten?

Juan: Die ökonomische Situation im Allgemeinen ist katastrophal und reiht sich damit ein in die allgemeine Lage des Süden Europas. Ähnlich wie in Italien oder vielleicht Portugal, wo ich nicht allzu viel drüber weiß. Ich weiß nicht, ob sie gar so katastrophal ist wie in Griechenland, aber sie ist schlimm genug. Ich glaube, dass jedes Land seine eigene Geschichte, seine eigenen Bedingungen hat. Im hiesigen Fall muss man beachten, dass der öffentliche Sektor – Bildung, Gesundheit und all das – sich aufgrund der faschistischen Diktatur erst seit 1978 entwickeln konnte. Franco starb zwar 75, seine Verfassung galt aber bis 78. Deswegen kann man sagen, die faschistische Diktatur dauerte bis 78 an. So ist die Entwicklung des öffentlichen Bildungs- und Gesundheitswesen noch immer sehr schwerfällig. Alle öffentlichen Dienste, die wir jetzt haben oder die sie im Moment wieder zerstören, konnten sich also erst in den 80er Jahren entfalten. Die Ausweitung des Gesundheits-, und Bidlungswesen geht also erst seit sehr wenigen Jahren von statten. Wenn ich von Gesundheit und Bildung spreche, mein ich natürlich auch alle anderen Sozialleistungen, wie Renten und Ähnliches. In den 90er Jahren haben wir mit der neoliberalen Welle in der Welt oder in Europa durch massive Privatisierungen das alles dann wieder verloren. So sind hier die Jahre des „Optimismus“ sehr kurz. In dieser Welle begann der Diskurs über Privatisierungen. Bezüglich der Arbeitskämpfe war die Streikbewegung z. B. in den Jahren 75/76, wo Franco also noch lebte oder kurz nach seinem Tod, sehr mächtig. In dieser Epoche profitierte sie von der Schwäche des Systems aufgrund fehlender sozialer Basis und trat für Arbeiterinteressen wie an Preisen und Produktivität gemessenen Lohnerhöhungen ein. Es ist sehr relevant, sich das ins Gedächtnis zu rufen, weil man alles, was bisher erreicht wurde, mit Streiks erreicht hat – niemals durch Parteipolitik oder reformistische Methoden, sondern nur durch die direkte Konfrontation. Seit 76, wo die Gewerkschaften mit der Bourgeoisie paktierten um das sich neu formierende Regime zu stabilisieren, gab es keine Phase, wo sich die Arbeitsbedingungen, wie bspw. vertragliche Standards, verbessert haben. Es gab zwar Phasen, wo viel Geld geflossen ist, weil viel Kredite aufgenommen wurden, was einer der Gründe für das Wachsen der Finanzblase war, die Verlierer waren allerdings immer wir. Daher ist die Krise seit 2007 auch nicht wie ein plötzlicher Wendepunkt des Wohlstands, wie es uns normalerweise die Presse darstellt, zu betrachten, sondern vielmehr als Etappe einer degressiven Tendenz, die schon viele Jahre vorher entstand. Ich beobachte das seit 1998 und es war schon immer so, wir haben immer verloren. So hat sich mit der Krise auch keine gute Situation verändert, die Situation war vorher schon schlecht und ich glaube, es hängt vielmehr damit zusammen, dass die Arbeiter keine Kaufkraft besitzen. Jahrelang sinkt die Kaufkraft der Arbeiter bei steigenden Kosten für privatisierte Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und am Ende steht das Desaster. Ich glaube, sie haben den Diskurs in der Presse immer verfälscht, aber wir erkämpfen uns ihn gerade wieder. Ich glaube, es wird allgemein Leute geben, die sich gerade an der Situation bereichern und versuchen werden, das System zu verteidigen, weil das Geld vom Ausland beispielsweise durch Touristen ins Land gebracht werden. Wenn z. B. Deutsche, die Kaufkraft besitzen, ins Land kommen, wird es hier auch Leute geben, die daran verdienen. Und die Leute, die bspw. exportieren, können wahrscheinlich auch Geld verdienen. Aber die Arbeiter, die von ihrem Lohn leben, ich glaube, wir werden so schnell nichts wiedererlangen, weil es hier keine ökonomischen Strukturen und nichts gibt, was helfen könnte… Zur Zeit ist die Ökonomie komplett tertiär – alles Tourismus, Hotellerie, Bauwesen. Es gibt nichts, was wirklich funktioniert in Sachen Industrie und Landwirtschaft. Deswegen scheint es sehr unwahrscheinlich, dass die Arbeiter die Situation verbessern können.

Und in meinem persönlichen Fall: Ich bin Sänger, was vielleicht eine sehr spezielle Situation darstellt. Ich singe Oper und klassische Musik. Und eigentlich sind diese Arbeiten sehr vielschichtig. Wie bei den Journalisten auch, wenn du in der ersten Liga spielst, verdienst du dich blöd, aber wenn du krank bist… . Die Wahrheit ist, in dem Raum, in dem ich mich bewege, ist es eine ultra-prekarisierte Arbeit. Und allgemein, gibt es wenig Arbeit und man wird schlecht bezahlt.

ROJA: In welchen Punkten bemerkt man die Folgen der Krise konkret?

Juan: In meinem Sektor?

ROJA: Sowohl als auch.

Juan: Mein Sektor zum Beispiel ist ein Bereich, der stark von öffentlichen Zahlungen und wirtschaftlichen Subventionen abhängt, bspw. dass das Rathaus Veranstaltungen zahlt.

Allgemein gibt es da allen voran eine Arbeitslosigkeit dramatischen Ausmaßes, weshalb der Druck auf die Arbeiter durch ihre Chefs sehr intensiv ist. Man muss sehr schlechte Arbeitsbedingungen akzeptieren und es gibt nicht viele Möglichkeiten, um das zu vermeiden. Außerdem gibt es dann ein absolutes Chaos im Gesundheitswesen. Es wird nicht die komplette Nachfrage nach diesen Diensten gedeckt. Die Arbeitsverhältnisse werden stark prekarisiert. So suchen sich die Leute Ersatz und arbeiten für einen Tag in Betrieben, in denen sie noch nie gearbeitet haben. Das ist natürlich alles andere als wirksam. Im Prinzip bemerkt man die Folgen eigentlich überall.

ROJA: Und wer oder was wird deiner Meinung nach verantwortlich gemacht für die Krise?

Juan: Es gibt eine Version, die den meisten Pressevertretern gefällt, die einigen wenigen Banker und ein paar korrupten Politikern die Schuld für alles in die Schuhe schiebt. Es gibt sogar eine noch schlimmere Version. Nach dieser sind wir alle schuldig, weil die Arbeiter über ihre Verhältnisse gelebt hätten und die ganze Scheiße. Das ist ein Diskurs. Ich glaub, dass es in Wirklichkeit ein systemisches Problem ist. Das System wird uns sicherlich weiterhin Schläge versetzen. Die wenigsten haben auf dem Schirm, dass die Epoche, in welcher der Kapitalismus immer mehr so scheinen konnte, als wohne ihm ein nachhaltiger Fortschritt und eine nachhaltige Verbesserung der Verhältnisse der Arbeiter inne, mit der Rekonstruktion Europas nach dem 2. Weltkrieg einherging. Ein Moment, wo es sehr viel Geld zum investieren gab, weil die USA viel Zaster haben. Es gibt einen Impuls, der die staatlichen Anlagen in die Wirtschaft initiiert. Das lässt die Wirtschaft wachsen und wachsen und wachsen… Weil sie Angst haben vor den Arbeitern, entsteht auch eine Reihe von Sicherheitsmechanismen, öffentliche Versorgungsbetriebe und all diese Sachen. Und all das hat seinen Beginn in den siebziger Jahren an. Diese Dynamik fängt langsam das beschleunigen an und seitdem gibt es mehr oder weniger Krise ohne Unterbrechung. Die letzte ist nur die umfassendste, die effektvollste. Ich denke, es gibt Leute – vielleicht zwischen 20 und 30 –, die denken, dass wir in besseren Arbeitsverhältnissen, mit besseren öffentlichen Versorgungssystemen etc. unter Beibehaltung des jetzigen Systems so, wie es ist, leben könnten. Aber das ist unmöglich! Das wird nicht passieren! Es wird nicht passieren, aber bedauernswerterweise glaubt die Mehrheit der Menschen, dass es passieren wird. Natürlich hauptsächlich durch die Medien, die sich ihrerseits aber auch wieder daraus speisen, was die Leute glauben.

R.: Was glaubst du, welche Rolle der deutsche Staat in der spanischen Krise spielt?

J.: Ja, das ist komplizierter, aber es ist klar, dass der deutsche Staat entschieden hat, sich selbst zu retten und seine Hegemonialstellung zu stabilisieren auf Kosten der ökonomisch schwächeren südlichen Länder. Klar, mit einem Diskurs, der die ganze Verantwortung für die Situation der ökonomischen Eigenschaften des eigenen Landes oder des Nationalcharakters zuschiebt, hat man nicht auf dem Schirm, dass der Wohlstand in Deutschland zu großen Teilen auf dem Export beruht. Deutschland hat Geschäfte gemacht, indem sie das Kreditwachstum enorm gesteigert haben. So konnten die Leute konsumieren. Obgleich es in diesem Film keinen gibt, der sich rettet, weißt du? Und der deutsche Staat auch nicht. Ich glaube, dass er entschieden versucht, seine nationale Hegemonie zu verstärken, sodass die EU mehr oder weniger zum imperialen Instrument wird. Deutschland ist ein verhältnismäßig kleines Land, verglichen mit den USA, Russland, China oder Brasilien. Und deswegen braucht Deutschland die EU. Das ist seltsam, weil es so scheint, dass die Ziele des zweiten Weltkriegs letztendlich durch nicht-kriegerische Wege doch noch erreicht wurden. Und jetzt hat Deutschland all das. Sie haben ein Imperium, mit dem sie sich Angesicht zu Angesicht messen können mit den USA oder Russland. Mehr oder weniger diese Wahrnehmung hat man hier.

R.: Formiert sich hier eine Widerstandsbewegung gegen die Krisenpolitik seitens Troika und EU?

J.: Also 2007/2008, wo die Krise ausbrach, war der Widerhall noch sehr schwach, weil Panik ausbrach. Viele Firmen machten dicht. Sie haben viele Leute aus ihren Wohnungen und damit auf die Straße geschmissen. Es wurden viele Leute entlassen. Das war sehr hart. Und so brach eine Panik aus, die den Widerstand vorerst schwächte, weil normalerweise das erste, was du machst, ist erstmal auf dich selbst zu schauen und deinen Arsch zu retten. Das ist menschlich. Ich glaub, dass 2009/10/11 die Mobilisierung einen starken Schub erfuhr und machtvolle Level erreichte. Hier gibt es wirklich Momente, wo sehr viele Leute mobilisiert werden. Hier… und dieser Punkt hat nichts mit der Krise zu tun… kam das Thema des nationalen Konflikts dazu, das Referendum zur Selbstbestimmung (Kataloniens). Die Leute haben es langsam satt. Das hat seine eigene Geschichte. Kürzlich gab es einen Versuch für eine weiter fortgeschrittene autonome Verfassung, die in Madrid abgelehnt wurde. Sie wurde dort an allen Ecken und Enden beschnitten. Da haben die Leute auch begriffen, dass die Autonomie sich ebenfalls nicht viel weiter entwickeln kann und dass dieser Entwicklung ebenfalls Grenzen gesetzt sind. Und all das hat auch viel mit der Unzufriedenheit zu tun. Wenn Spanien an Prestige gewinnt, ist der katalanische Nationalismus normalerweise moderater oder schwächer. Andersrum wenn Spanien Prestigeeinbußen zu verzeichnen hat, erkennen die Leute die desaströsen Umstände. Und das passiert jetzt. Deswegen sag ich dir, hat das Ganze auch mit der Krise zu tun. Es gibt wirklich massig Mobilisierung, aber in den Jahren zuvor ist diese auch immer weniger geworden. Und nicht, weil die Lebensverhältnisse so viel besser waren, sondern weil ein Punkt mit einer sehr klaren Wahrnehmung erreicht wurde – und das ist eine Sache, die ich persönlich glaube –, die auf europäischer Ebene gilt und somit auch in Deutschland und anderen Ländern der EU ihren Wert hat. Es gibt einen Punkt in der Mobilisierung, wo du kein Programm oder keinen konkreten Ansatz hast, um voranzukommen. Die Leute demonstrieren nicht mehr, weil es einen Punkt gibt… Wie viele Demos hab ich gemacht? In Barcelona hat eine Demo 200 000 Personen… ich hab schon eine Menge gemacht. Und es ist klar, wir sind viele, wir sind ziemlich viele… aber was werden wir machen? Hier spielt auch noch die Thematik des nationalen Konflikts mit rein. Einerseits sagst du: Ok, gehen wir hier raus. Aber klar, so ist der Entwurf der Generalitat (Verwaltungsorgane der katalanischen Selbstverwaltung), der aber keinerlei Problemlösung beinhaltet. Das, was zu tun ist, ist natürlich, Spanien zu verlassen und gleichzeitig die Bourgeois der Generalitat herauszuschmeißen, weißt du?

R.: Klar.

J.: So glaub ich, dass das Ganze einen Negativtrend erfährt, weil die Leute nicht genau wissen, wohin die Reise geht.

R.: Und was denkt ihr über die Situation der europäischen Linken bezüglich dieses Konfliktes und der Krise?

J.: Klar, die ganze Welt schaut nach Griechenland, weil dort wichtige Sachen geschahen. Ich glaub hier gibt es zwei sehr wichtige Faktoren, ohne Bewegungen in Ländern wie Deutschland, Italien oder dem Vereinigten Königreich zu nahe treten zu wollen. Einerseits gibt es einen nationalen Konflikt – gut, den gibt’s im Vereinigten Königreich auch, also sagen wir England. Der macht, dass die Fähigkeit des Zusammenschließens uns allgemein den Nationalismus predigt aber das ganze vor allem in einem antikapitalistischen Umfang. In diesem Fall im Umfeld der linken Unabhängigkeitsbewegung. Und diese ist sehr groß. Deshalb denke ich, dass es für uns leichter ist, Kräfte zu vereinigen als für euch. Der andere Faktor ist, meiner Meinung nach, dass der Staat sehr verachtet wird. Es gibt sehr wenig Befürworter des Staates. Deswegen gab es auch so viel Anarchisten in Katalonien. Und das ist eine Sache. Die andere Sache ist, dass das Leben in kultureller und sozialer Hinsicht hier in einer sehr heiklen Situation ist. Und deswegen haben wir zum Beispiel – wie die Basken auch – soziale Zentren, die wirklich sehr, sagen wir, offen funktionieren. Es sind keine Orte, wo nur Militante verkehren. Wie die gaztetxes (Jugendzentren) und die herriko tabernas (Volkstavernen) im Baskenland. Und hier haben wir die casas (Häuser), die aus zwei verschiedenen Einflüssen resultieren. Der eine ist die mächtige historische Tradition der anarchistischen Kulturvereine in Katalonien. Und der andere die Imitation des baskischen Modells, die herriko tabernas und das ganze Zeug. Das ist sehr wichtig als Punkt der Zusammenschließung. Das schafft ein Umfeld. Verstehst du? Zum Beispiel war das die Idee einiger Militanten, sich in sehr verschlossenen Räumen zu versammeln und seine Aktivitäten dort zu planen. Das ist etwas, dass ich weiß nicht. ..Es scheint sehr schwer zu verwirklichen. Obwohl man in unseren Ländern schon ein bisschen mehr machen kann. Weil die kulturellen Bedingungen verschieden sind. Ok, Deutschland kenne ich nicht und ich weiß nicht, wie es ist dort.

R.: Ja, klar. Aber ja, man kann ;)

Hat die faschistische Bewegung ebenfalls von der Krise profitiert?

J.: Schau, die erste soziale Reaktion war in diesem Zusammenhang sehr positiv, weil das Thema der Immigration heutzutage das Hauptthema der Faschisten ist. Die Faschos in Katalonien haben zweierlei Besessenheiten: die Immigration und die spanische Einheit. Was das Thema der Immigration betrifft, war diese die größte oder zweitgrößte Sorge der Spanier laut einer Umfrage auf staatlicher Ebene aus dem Jahr 2007 – in Katalonien verhält es sich ähnlich. In dieser Sache gab es da nicht viele Unterschiede. Als dann die Krise ausbrach, ist diese rechte Tendenz extrem gesunken. Die Leute sahen den Feind plötzlich woanders. Und das war sehr gut! Für die Faschisten war das sehr schlecht, sie haben nichts mehr zustande gebracht. Die Leute sind nicht für das Thema zu gewinnen. Immigration und Terrorismus sind die Themen, mit denen sie normalerweise die Leute ködern. Und diese Themen sind gerade nicht in mode. Die Leute kümmern sich eher um Themen, die um einiges lebensnaher sind, denke ich. Aber ich glaub auch, dass die Faschisten zur Zeit wieder ein bisschen aufrüsten, weil sie erfolgreiche ausländische Modelle adaptieren. Wie z. B. Die „CasaPound“ und die „Goldene Morgenröte“. Die „CasaPound“ in Rom und die „Goldene Morgenröte“ in Griechenland. Sie haben Versuche gestartet und ein Lokal in der Nähe der Sagrada Familia aufgemacht, die „casal tramuntana“, die eine ähnliche Sache ist wie die „CasaPound“. Sie fingen an, Sachen zu machen, wie „Blutspenden nur für Spanier“ und solche Sachen. Aber sie haben es nicht geschafft, sich in der Öffentlichkeit zu etablieren. Die Öffentlichkeit ist gegen sie. Die politische Bewegung stellt sich ihnen entgegen. Sie sie haben kein Gebiet gefunden, aber gut, sie suchen und auf blöd finden sie eins. Das könnte ein Viertel sein, ein Volk, eine Stadt, wo das funktionieren kann. Jetzt haben sie angefangen gegen das Thema des Separatismus zu agitieren. Die größte Besessenheit des spanischen Faschismus ist die spanische Einheit. Und sie sehen diese in Gefahr. Man sieht zwar mehr Malereien in den Straßen, aber in Wirklichkeit sind die Faschisten heutzutage sozial sehr isoliert.

R.: Sehr gut!

Wie verhält es sich mit der Repression gegen die politischen AktivistInnen? Ist sie stark?

J.: Nicht zwingend. Man muss natürlich vergleichen…

R.: mit früher…

J.: …mit anderen Kontexten, ob andere Orte oder andere Zeiten. Aber gut. Die Zahl der Verhaftungen ist konstant riesig. Immer wenn es eine große Demo gibt, sei es der 1. Mai oder ein Generalstreik, gibt es eine große Anzahl an Verhaftungen – 30, 40 Leute. Das Merkwürdige ist, dass sie das früher während der Demo gemacht haben. Jetzt machen sie das danach. Nach einem Monat kommen sie erst und verhaften dich.

R.: Ja, in Deutschland wird das teilweise auch so gehandhabt.

J.: Früher war das anders. Die Repressionsmethoden haben sich stark verändert. Die policia nacional – jetzt haben wir seit Jahren die policia autonomica, aber früher war es die policia nacional – war sehr einfach gestrickt. Bei dem Demos sind wir gelaufen und sie standen nur vor uns – nur direkt vor unseren Gesichtern! Es wurde natürlich alles geworfen. Das war sehr schwer zu managen für sie. Die mossos d’esquadra (autonome Polizei der Generalitat de Catalunya) machen modernere, normalere Sachen wie zum Beispiel: Bullen vorne, Bullen hinten, Bullen an den Seiten. Die Bullenpräsenz und all das ist enorm gewachsen. Es gibt mehr Repression. Aber proportional zur Bewegung, ist das jetzt auch keine superspektakuläre Sache. Die politische Bewegung hat sehr viel Kräfte in sich vereinigt… wenn ich von politischer Bewegung spreche, dann beziehe ich mich sowohl auf die linke Unabhängigkeitsbewegung, die meine Bewegung darstellt, als auch auf die Gesamtheit der antikapitalistischen Bewegung, wo die linke Unabhängigkeitsbewegung natürlich auch dazu gehört. Dieser ganze Sektor hat seit der Mitte der 90er sehr viel Kräfte akkumuliert. Hier hat das alles Mitte 90 angefangen. Und seitdem ist es immer beständig… Wenn das so weitergeht und wenn wir erreichen, dass diese Behauptungen von wegen die Krise wäre vorbei keinen überzeugen. Und wenn wir weiterhin die Kräfte so in uns vereinigen, werden die Faschisten auch erstarken, weil sie von den Bullen bezahlt sind. Die Bullen bezahlen die Faschos, damit sie uns schlagen. Das ist sicher! Sicher! Wenn sie in der Unabhängigkeit eine unmittelbare Gefahr sehen, werden sie uns ordentlich verprügeln. Das ist sicher. Ich beziehe mich auf die Straßen-Faschos. Aber das bezahlen alles die Bullen, weil es für so etwas sozial gerade keine Stimmung gibt, weißt du? Aber im Moment, gut, sie haben uns schon ordentlich zusammengelassen, aber proportional dazu war die Mobilisierung sehr groß. Es waren auch bislang keine extrem gewalttätigen Übergriffe. Aber du weißt ja, dass für die eh nur alles Gewalt ist, was nicht von ihnen ausgeht.

 R.: Freilich.

Gibt es denn überhaupt noch Hoffnung, dass sich die Situation hier wieder verbessern könnte? Dass die Krise einfach wieder verschwinden könnte?

 J.: Nein, nein. Ich glaube, dass die wirtschaftliche Konjunktur sich nicht verbessern wird. Aber ja, es gibt noch Hoffnung, weil die Menschen politisch schon viel verändert haben. Das Bewusstsein, dass die Leute hier haben, bezüglich Kapitalismus, Staat, Politikern und Justiz ist sehr sehr viel… sagen wir kritischer als noch vor 10 Jahren. Sehr viel mehr! Und ich glaub, dass das sehr tief geht, dass das was ist, was bleibt. Das ist nichts, was morgen einfach so wieder gehen wird. Die Leute haben sich daran gewöhnt, sich zu mobilisieren und sich am Rand der System-Parteien zu organisieren. Es gibt eine große Krise im Parteiensystem. In Katalonien z. B. Sind die Sozialisten – also das Pendant zur SPD – in einem absolut freien Fall. Es werden diverse linke Meinungen postuliert. Die CUP (Candidatura d’Unitat popular – katalanische Unabhängigkeitspartei) ist bspw. jetzt vor Kurzem ins Parlament eingezogen, PODEMOS hat Erfolge in Europa erzielen können und stehen in Spanien auch gut da. Generell sieht man, dass sich das Parteiensystem verändert. Ich glaub, dass bezogen auf die Politik immer noch Sachen passieren werden. Und dass es eine sehr gute Konjunktur gibt, weil die Leute dem neoliberalen Diskurs kein Vertrauen schenken – Null! Niemand glaubt, dass alles gut wird, wenn der Staat nicht interveniert. Niemand glaubt das! Niemand glaubt irgendetwas, was irgendein Politiker gesagt hat! Und diese Atmosphäre birgt schon Hoffnung, glaub ich. Das ist schwierig, nicht? Unsere Arbeit besteht darin, das Alles zum Einsturz zu bringen, es gemeinsam mit der spanischen konstitutionellen Monarchie zu beenden und ein sozialalternatives Modell zu kreieren, dessen Charakter man nicht kennt, weil es von die jeweiligen Kräfteverhältnisse und vom Wer-ist-wer abhängt. Ich bin Militanter, wir sind Kommunisten. Kommunistische Unabhängigkeitskämpfer. Aber es ist augenscheinlich, dass, wenn du Hegemonialsituationen erreichen willst, du dich mit vielen Leuten verstehen musst. Mit eher sozialdemokratischen Leuten, mit Anarchos… und das hängt davon ab, wie wir das machen werden. Aber ich glaub, dass die Bedingungen nicht schlecht sind.

 R.: Und kannst du in diesem Krisen-Zusammenhang noch ein bisschen was von der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung erzählen?

 J.: Das ist so: Generell war die katalanische Unabhängigkeitsbewegung soziologisch betrachtet immer links. Der Nationalismus stellt die Mehrheitsideologie in Katalonien dar. Der rechte Teil des Nationalismus war autonomistisch und der linkere Teil für die absolute Unabhängigkeit. Ab einem bestimmten Zeitpunkt spalteten sich einige Teile der Rechten auf Grund einer sehr großen Rezentralisierungsoffensive seitens des spanischen Staates und der Tatsache, dass die Generalitat in einem Staat ist, dem es wirtschaftlich sehr schlecht geht und weil es eine massive Mobilisierung gab nach dem 11. September (katalanischer Nationalfeiertag) vor einigen Jahren. Jetzt gibt es bei den Rechten einen autnomistischen Part und einen, der ein bisschen das Spiel spielt unabhängigkeitskämpferisch zu sein. Und hier kommt dann die ganze Story mit der Bevölkerungsbefragung zur Unabhängigkeit Kataloniens, dem Referendum und alledem mit dazu. Diese Leute haben aber keine Antwort auf die Krise, sie sind die Schuldigen, die Bourgeoisie, die dieses Land regiert hat. Und die spielt in der Krise eine ähnliche Rolle wie die deutsche Bourgeoisie, nicht mehr, nicht weniger. Der linke Sektor, der historisch bedingt eher unabhängigkeitskämpferisch ist, hat die ganzen Mobilisierungen gemacht und seine Rolle gespielt. Und diese Unabhängigkeitsbewegung ist nur ein Teil in etwas größerem – in der antikapitalistischen Bewegung im Allgemeinen. Und das ist die Rolle, die wir bei der ganzen Sache spielen. Zum Beispiel auch Kampagnen gegen die EU, weil wir verstehen, dass es in der EU eine internationale Arbeitsteilung gibt, in der wir… und mit wir sind die Països Catalans gemeint; das ist mehr als Katalonien, da gehört noch Valencia und die Balearen dazu; das war alles historisch-kulturell katalanisch und das ist das Gebiet, auf das wir uns als Unabhängigkeitskämpfer beziehen. Und das ist ein großer Teil der spanischen Mittelmeerküste. Und das alles ist zu einem Gebiet gigantischer Hotels geworden. Alles ist Tourismus, Hotellerie, Bauwesen. Das sind alles allgemein sehr prekäre Arbeitswelten und eine sehr instabile Wirtschaft, weil alles vom ausländischen Kapitalfluß abhängt und all das. Und das ist ein Teil der Stabilisierung der Arbeit, will heißen die EU will, dass der spanische Staat das macht. Aber klar, wir sind die, die am meisten bezahlen, weil wir dieses Küstengebiet haben und weil wir hier auch allgemein ein leistungsstärkeres Level der Industrieentwicklung und eine technisiertere und modernere Agrikultur haben. Die Erhaltung der Agrikultur und Industrie, die sie in den 80er Jahren mit dem Eintritt in die EU begonnen haben, hat hier einen sehr hohen Preis. Und das ist der Punkt. In der EU haben wir nur diese Rolle. Und diese Rolle kann man nicht spielen. Das hat keine Zukunft. Deswegen muss man raus aus der EU! Und wir verstehen – und das ist auch ein wichtiges Thema –, dass die soziale Bewegung sehr pro-europäisch war, jetzt immer weniger; der Absturz des Europäismus war sehr groß. Und das Merkwürdige: Hier existiert kein rechter Antieuropäismus. Hier ist der Antieuropäismus nur links! Das ist wichtig, weil bei einer Konfrontation mit der Union wäre das keine sehr komfortable Position. Weil wenn es Faschos oder andres rechtes Pack gäbe, die einen Diskurs gegen die EU führen, könnte man uns leichter in dieselbe Ecke stellen, dann müssten wir uns distanzieren und alles wäre alles komplizierter. Diese Situation haben wir nicht. Wir glauben, dass man eine Allianz der antikapitalistischen Linken des Südens braucht – Griechen, Italiener, Portugiesen, Spanier, Basken, wie auch immer. Ich glaub, das ist das schwächste Glied der kapitalistischen Kette. Die EU hat in diesen Momenten ein sehr niedriges Level des Zusammenhaltes verglichen mit vor 20 Jahren. Hier ist ein Punkt, in dem man das System destabilisieren kann und das ist das, was wir tun müssen. Wenn das System sich stabil hält, können wir nichts tun. Wenn wir seine Schwäche herbeiführen – deswegen wollen wir die konstitutionelle Monarchie beseitigen, aus der EU austreten –, tritt ein Szenario auf, bei dem ich glaube, dass die antikapitalistische Linke sehr an Spielraum gewinnen kann. Und wichtig ist das, was wir suchen.

 R.: Also, vielen Dank für deine Hilfe!

Und der Kampf geht weiter!

 J.: Der Dank geht an euch!

 

drucken | 4. Mai 2016 | Revolutionär organisierte Jugendaktion

Terminkalender

Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Freitag, 15.03.2024

Antifa-Aktionskneipe im März

Freitag, 15.3. | Stadtteilladen Schwarze Katze (untere Seitenstrasse 1, NBG) | Workshop 20:00 Uhr | Offenes Antifatreffen 19:00 Uhr

Diskussionsworkshop zu Feminismus aus materialistischer Perspektive
Der inhaltliche Part des Abends beginnt um 20:00 Uhr mit dem kurzen Versuch von einer materialistische Perspektive auf das Thema Feminismus zu blicken. Darauf aufbauend wollen wir uns während einer Workshopphase in Kleingruppen z.B. mit den Themen Reproduktionsarbeit, Hass auf queere Menschen, oder Rollenzuschreibungen die die Zweigeschlechtlichkeit mit sich bringt, auseinandersetzen.
Schon um 19:00 Uhr beginnt der Abend mit dem offenen Antifatreffen. Wenn ihr antifaschistisch aktiv werden wollt, könnt ihr hier einen ersten Eindruck von unserer Arbeit bekommen und mitmachen.
Für Essen und Trinken gegen eine Spende ist wie immer gesorgt!
+++ AM 8.MÄRZ AUF DIE STRASSE! +++
Infos über die Antifa-Aktionskneipe Youtube | Instagram | antifaak161 (äääät) riseup.net
Was macht die Antifa Aktionskneipe?
Beispiele: Mobivideo zum 8.März ’23 / Jahresrückblick 2021 / Satire zur Bundestagswahl / Podcast zum Tag gegen Gewalt an Frauen / Antifa-Stadtrundgang / Aktion gegen AfD Landtagswahlstand / Demo „Keine rechte Hetze in unserem Viertel!“ / Gemeinsamer Treffpunkt für revolutionäre 1.Mai-Demo / Aktion zum TagX NSU-Prozess / Aktion gegen CSU Parteitag / Aktion gegen AfD-Infostand / Fahrt zur Demo: Memmingen sieht rot / Alle Aktionen chronologisch auf der Redside Was ist die Antifa Aktionskneipe: Der rechte Vormarsch in der BRD geht weiter voran. Am offensten zeigt sich diese Entwicklung an den Wahlerfolgen der AfD und Gesetzesverschärfungen, wie die neuen Polizeiaufgabengesetze. Die Bundesregierung schaffte das Asylrecht quasi ab, sperrt Geflüchtete in Lager und schiebt in Kriegsgebiete ab. Parallel dazu werden täglich Menschen von Nazis und RassistInnen angegriffen. Überall formieren sich rechte Bürgerwehren und rechter Terror wird zu einer immer größeren Bedrohung. Deswegen gewinnt antifaschistischer Widerstand gegen diese Zustände an enormer Bedeutung. Wir wollen deutlich zeigen und klar machen, dass wir diese reaktionäre Offensive nicht unbeantwortet lassen. Wir lassen uns nicht durch Rassismus und Sexismus spalten, sondern müssen gemeinsam als unterdrückte Klasse für eine befreite Welt kämpfen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir in einer Welt des Faschismus und Unterdrückung leben wollen oder in einer Welt der Solidarität und Gerechtigkeit. Wenn auch du die Schnauze voll hast und aktiv gegen Nazis und FaschistInnen werden willst, dann komm zur Antifa-Aktionskneipe! Jeden dritten Freitag im Monat ab 19:00 Uhr veranstalten wir ein offenes Treffen, mit dem Ziel, uns gemeinsam zu informieren, auszutauschen und aktiv zu werden. Lernen wir uns kennen, schließen wir uns zusammen und machen wir uns gemeinsam stark gegen Rassismus, Faschismus, Patriarchat und Kapitalismus.
Montag, 18.03.2024

Raus zum Tag der politischen Gefangenen!

Der weltweite Kampf der kapitalistischen Staaten um Absatzmärkte, Einflusszonen und Investitionsmöglichkeiten wird schärfer und es entstehen im Zuge dessen schon länger immer offenere Konflikte, die immer mehr Eskalationspotential bieten. Unzweifelhaft dämmert die Neuaufteilung der Welt. Der von der NATO angeheizte und von der Russischen Föderation zum militärischen Gefecht eskalierte Konflikt um die Ukraine ist dabei nur ein Beispiel. Weitere sind das Ringen der USA und China um Taiwan, wie auch Versuche verschiedener Akteure, mehr Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent zu gewinnen.

Hinzu kommt, dass im vergangenen Oktober Israel durch militante palästinensische Gruppen, unter Führung der Hamas, militärisch angegriffen wurde. Das israelische Militär begann daraufhin den Gazastreifen zu bombardieren. Dieser vorläufige Höhepunkt des seit Jahrzehnten bestehenden Konflikts hält seitdem an.

In dieser brandgefährlichen Gemengelage vertritt auch die BRD ihre Interessen bzw. die des deutschen Kapitals. Und damit das möglichst ungestört von statten geht, sollen wir Werktätige möglichst wenig sagen und tun, was dem im Weg steht. Deshalb findet in allen Fragen, die diese Interessen betreffen, ein besonders krasser Kampf um die Meinungen der Menschen statt. Deshalb tritt der Staat zunehmend repressiver auf – generell, aber auch im Besonderen:

Gegen Menschen, die sich Versuchen, die Gesellschaft immer weiter nach rechts zu drängen, entgegenstellen oder gegen Menschen, die Kriegsrhetorik etwas entgegensetzen. Gegen Menschen, die soziale Proteste organisieren oder solche, die den Kapitalismus ankreiden. Hier sollen nur ein paar Beispiele genannt sein.

So kommt es, dass die kurdische Freiheitsbewegung kriminalisiert wird - im Januar startete der Prozess gegen Tahir Köcer, der im vergangenen Jahr in Nürnberg festgenommen wurde. Ihm wird nach §129b StGB die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen. So kommt es, dass die, die zum Nahostkonflikt eine Meinung vertreten, die nicht der deutschen Staatsräson entspricht, eingeschüchtert werden. Das passiert bspw. über Verbote palästinasolidarischer Demonstrationen, Razzien gegen die migrantische Selbstorganisation ZORA und medial erhobene Forderungen nach Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit für Nicht-staatsbürger und schnellerer Abschiebungen von vermeintlichen Antisemiten. So erklären sich ebenfalls die Angriffe der Polizei auf die Luxemburg und Liebknecht Demonstration in Berlin oder, dass mehrere Dutzend KlimaaktivistInnen bereits vor Beginn der Internationalen Automobil Ausstellung 2023 in München in Präventivhaft genommen worden sind. Nicht zuletzt ist das wohl der Grund, wegen dem in Nürnberg gegen mehrere AntifaschistInnen nach §129 ermittelt wird, weil sie Graffiti gesprüht haben sollen.

Umso wichtiger ist es in diesen Zeiten, dass wir uns bemühen, es der Repression nicht unnötig einfach zu machen. Dass wir uns umeinander kümmern und für alle von Repression Betroffenen da sind. Dass wir den vielen Gefangenen Briefe schreiben und sie nicht vergessen. Dass wir solidarisch zusammenstehen.

In diesem Sinne wollen wir den Tag der politischen Gefangenen, den 18.03.2024 mit einer Kundgebung begehen.

18 Uhr Kundgebung am Jamnitzerplatz. Anschließend wird es Gefangenen schreiben in der Vokü ab 19 Uhr geben.

Verbreitet unseren Aufruf gerne weiter und nutzt unsere Sharepics (1414x2000, 500x707).

Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk