Texte gegen den deutschen Nationalismus – Teil III

Identität und Abgrenzung

Der Nationalismus ist Folge ungleicher ökonomischer Prozesse in der weltweiten Geschichte des Kapitalismus.
Trotzdem lässt sich eine psychologische Disposition ausmachen, die zwar nicht ausreicht, um seine Entstehung zu erklären, wohl aber seine Mittel und Wege, um gesellschaftlich Fuß zu fassen. Diese psychologischen und soziologischen Voraussetzungen, an denen der Nationalismus und seine Vertreter ansetzen, prägen die Menschen und die Gesellschaften natürlich z.T. schon bevor es den Nationalismus gab, eben weil dieser in einer ganz bestimmten geschichtlichen Phase entstand und für seine Erfolge spezifische ökonomische Bedingungen notwendig waren.

Psychosoziale Aspekte des deutschen Nationalismus

Die folgenden psychosozialen Aspekte sind also nicht die Ursache des Nationalismus. Sie zeigen nur die grob vorgezeichneten Wege, die er auf seinem Marsch zur Durchsetzung beschreiten kann, die Denkmechanismen und Anschauungen, die ihn auf die eine oder andere Weise fördern, kennzeichnen oder lenken.
Da der Nationalismus jedoch auf unterschiedliche Weise auftritt, abhängig von der speziellen (wirtschaftlichen, kulturellen, politischen, geschichtlichen, etc.) Situation eines Landes, geht es im Folgenden um den Nationalismus Deutschlands.
Obwohl es keinen Archetypus des Nationalismus gibt, gilt für ihn allgemein, was für Deutschland im besonderen gilt – er offenbart sich da am deutlichsten, wo er mit der ungehemmten und größten Kraft auftritt, im Faschismus. Inwieweit die dem Nationalismus zugrunde liegenden psychologischen Voraussetzungen universell gegeben sind, kann hier nicht bewertet werden. Mit Sicherheit lässt sich der befreiende (wie auch immer) Nationalismus kapitalistisch weniger entwickelter Länder nicht mit dem Nationalismus der imperialistischen Metropolen vergleichen, und beide Formen unterscheiden sich wiederum von dem im Faschismus kulminierten Nationalismus Deutschlands und Italiens.

Rassismus als Volkseinheit schaffendes Herrschaftsverhältnis

PsychologInnen, PolitikerInnen und PädagogInnen behaupten, der Ausländerfeindlichkeit liege die Angst vor dem Fremden zugrunde. Sie behaupten damit fälschlicherweise, Ausländerfeindlichkeit heute habe etwas mit den AusländerInnen zu tun. Dagegen zeigt sich, dass Rassismus unabhängig von den Erfahrungen, die InländerInnen mit AusländerInnen machen, existiert. Es gibt keine glaubwürdigen anthropologischen oder psychologischen Beweise für die oft postulierte Furcht vor dem Fremden als Ursache für allgemeinen Rassismus. Diese Angst ist politisch, ökonomisch, sozial oder historisch vermittelt, aber kein Bestandteil menschlicher Psyche. (Im Gegenteil scheint die „Angst vor dem Fremden“ eher eine Angst vor dem Gleichen mit den gleichen Bedürfnissen und Ansprüchen zu sein. Die Aussagen, die RassistInnen in Bezug auf ihre Ausländerfeindlichkeit treffen (Arbeit, Wohnung, Frauen, die Ausländer den Deutschen angeblich wegnehmen) lassen vielmehr auf ein Konkurrenzverhältnis, Hass auf die eigene Lebenslage, Neid und ähnliches schließen.)
Das sich die oft begründete materielle Angst gegen diejenigen richtet, die nicht die Schuldigen sein können, und dass politische und ökonomische Ungleichheit denjenigen angelastet wird, die noch weniger Besitz und Rechte haben, zeigt, dass der Fremde eine konstruierte Funktion hat und dass der Rassismus irrational ist, aber trotzdem funktioniert.
Die politische Funktion liegt im wesentlichen in der Zwangsvereinheitlichung einer von Interessenkonflikten und Klassenwidersprüchen bestimmten Gesellschaft zu einer organischen Einheit und in der Überführung von Klassenkämpfen in Rassenkämpfe. Jedoch auch die historisch ungleiche Entwicklung der kapitalistischen Ökonomien im internationalen Zusammenwirken führte zur Entstehung von Nationalismus und Rassismus. Die Schuldigen für ungleiche materielle Verhältnisse werden dabei jeweils bei den anderen, den Fremden im eigenen Land oder den fremden Nationen und Kulturen gesucht. Diese Denkweise wird zur Weltanschauung. Dabei mag die gegenwärtig oft gestellte Frage, ob der Rassismus von „oben“ oder „unten“ kommt, in mancherlei Hinsicht interessant und nicht einfach zu beantworten sein. Entscheidend ist jedoch die Frage, wem er nutzt und wer die Macht hat, ihn zu aktivieren. Es sind dieselben, die AusländerInnen als ökonomische Reservearmee ausbeuten und Ausländerfeindlichkeit als ideologische Reserve benutzen. Dabei müssen die Herrschenden selbst nicht einmal RassistInnen sein, um rassistische Politik zu machen. Er übt seine gewünschte manipulative Wirkung allerdings bei denjenigen aus, die sich der überlegenen „Rasse“ zugehörig fühlen können.
Die „Rasse“, so die traditionelle Ideologie, ist naturgegeben, sie ist Schicksal und ihre Angehörigen sind Auserwählte. Sie wird über „Herkunft“, also über Blut, Genetik, Heimat und Tradition definiert und impliziert eine natürliche, biologische Rangordnung, bei der es ein „oben“ und „unten“ der Rassen und Geschlechter gibt. Da der Rassismus ein Ein- und Ausgrenzungsprozess ist, aus dem der/die RassistIn seine/ihre Identität gewinnt, ist es für ihn und seine Gemeinschaft geradezu existentiell, dieses Kollektiv nach Außen und Innen zu schützen. Die Hauptgefahr liegt dabei stets in allem, was sich in irgendeiner Weise als Vermischung mit denen fassen lässt, die der/die RassistIn fürchtet. Daher wird der eigene biologischen und kulturellen Überlegenheit die Unvereinbarkeit mit den anderen Menschen und Kulturen als Grundsatz beigefügt. Während die politischen GegnerInnen im eigenen Land wenigstens noch „vom gleichen Blut“ sind und evtl. „umerzogen“ werden können, hat der Fremde keine Chance auf dauerhafte Integration. Letztendlich bleibt er immer der „Angehörige einer fremden Rasse“ und kann dadurch jederzeit zum Feind erklärt werden; er/sie bleibt auf ewig der/die Fremde. Die hierarchisch geordneten Rassenverhältnisse stehen so den ungeordneten der Masse gegenüber, die der/die RassistIn und NationalistIn abwehrt.
Denn in der Masse drückt sich für die Rassisten das Ungeordnete, Aufrührerische, Vermischte, Wechselhafte aus. Zustände also, die es zu besiegen und zu ordnen gilt, in die mensch jedoch nicht selbst hineingezogen werden darf. Die Masse sind für sie die Unteren, mit den Kämpfen der Arbeiter und Arbeiterinnen, mit dem gleichberechtigten Handeln von Frauen und Männern, Einheimischen und Fremden, Kranken und Gesunden. Die Vielschichtigkeit und Flexibilität der Masse wird als Gefahr dargestellt, als das Unberechenbare und damit Unbeherrschbare. Daher muss mensch den propagierten Rassenkampf als Kampf gegen die Massenkämpfe der Unteren und gegen den Geschlechterkampf gerichtet verstehen.
Das in den letzten Jahren der biologistische Rassismus zunehmend kulturhistorisch übersetzt wird (vor allem durch die Neue Rechte), bedeutet natürlich keine Ablösung vom traditionellen Rassismus. Neu ist die Beachtung, dies diese Umformung von Seiten der RassistInnen als auch AntirassistInnen heute erfährt. So hat das von RassistInnen und VerfechterInnen der Multikulturellen Gesellschaft geforderte Recht auf Differenz die Überführung biologischer in kulturelle Verschiedenheit durch die Neue Rechte erheblich erleichtert. (Diese leitet aus der konstatierten Unterschiedlichkeit eine Unvereinbarkeit der Kulturen ab und fordert, wie bei RassistInnen üblich, den Schutz der eigenen vor den fremden Kulturen.)

Die organische Einheit

Nachdem mensch sich also entsprechend gegen die äußeren und inneren Feinde ideologisch erhöht abgesetzt hat, geht es darum, mit den vom Schicksal der Natur Auserwählten eine Einheit zu bilden. Diese ist in ihrer allgemeinsten, ausgedehntesten Form die eigene Kultur, territorial gefasst in der Nation. Mit ihr grenzt sich der/die Einzelne ab und sieht sich als Teil des „Volksganzen“. Nun kann er/sie den angemessenen Platz (am liebsten in Armee, Polizei, Partei oder Verwaltung) einnehmen. Diese Volkseinheit, die im deutschen Nationalsozialismus zu ihrer „Idealform“ gelangte, hat charakteristische Merkmale.
In der Einheit verliert der/die Einzelne seine/ihre Individualität und verschmilzt mit ihr in dem Drang, durch sie Identität zu finden. Seine/Ihre Gefühle vereinigen sich Rauschhaft mit den Emotionen der Volkseinheit und werden von dort bestätigt und verstärkt. Die Einheit soll die eigene und gesellschaftliche Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit überwinden. Die Fähigkeit zur Rationalität, zur Analyse und Reflexion schindet. Dafür machen sich Antiintellektualismus und der Hang zur Mythologisierung und Heroisierung breit. Der/Die Einzelne strebt nicht nach der Wahrheit, sondern reagiert auf emotionale Reize und ist nahezu unbegrenzt manipulierbar.

Der starke Drang zur sofortigen Umsetzung der Ziele ist gepaart mit einem Gefühl der Allmacht und Unbesiegbarkeit. Einher geht damit ein vermindertes Schuldgefühl; niemand fühlt sich für sein/ihre Taten verantwortlich, denn in der autoritär durchorganisierten Gemeinschaft ist für Zweifel und Schuldgefühle kein Platz. Die an die/den EinzelneN delegierte Macht wird in absolutem Gehorsam zur Ausführung der vorgeschriebenen Aufgaben gebraucht. JedeR soll glauben, er/sie befolge nur die Befehle, die von oben gegeben werden, um die oberen wiederum führen nur das aus, was die Natur und das Schicksal vorschreiben. Die Gedanken orientieren sich in derselben Richtung, die hohe Manipulierbarkeit verbindet sich mit einem starken Willen zur Gefolgschaft. Einheit bedeutet nicht Gleichheit, sondern nach dem Führerprinzip hierarchisierte Herrschaft. Die Volksgemeinschaft versucht eine kulturelle und biologische Homogenität zu erreichen, die sie mit Gewalt und Zwang durchsetzt.

Das Ich-Ideal des/der Einzelnen richtet sich nach dem Führer, dem höchsten Repräsentanten des Volkes und der Nation, und nach den unmittelbaren Autoritäten des täglichen Lebens in Familie, Beruf, Armee etc. aus. Das Ich fühlt sich denen zugehörig, die es für seine „natürlichen“ Verbündeten hält: Angehörige seiner Rasse und seines Geschlechts. Grundsätzlich steht das vermeintlich natürlich Gewachsene, Organische, Verwurzelte im Vordergrund; abgelehnt wird, was als entwurzelt, künstlich oder in der „natürlichen“ Ordnung als geringwertig erscheint. Es geht also darum, Einheit zu schaffen, denn das Zerrissene, Unfertige und Wertlose muss bekämpft werden, nur das Ganze ist groß.

Dass muss mensch sowohl auf den Einzelnen beziehen, der erst in Einheit mit Volk, Führer, Armee o.ä. Seine Widersprüche nicht mehr spürt, als auch auf die Ganzheit in Form der Nation, die eine Zerrissenheit, Zersetzung und Vermischung nicht erträgt. Sie bekämpft deshalb die Teilung der Nation (z.B. DDR-BRD) ebenso wie eine Schwächung durch Zersetzung ihrer (Ab-)Wehrkäfte (Armee, Polizei, Justiz) oder die Vermischung durch „Durchrassung“ (Einwanderung).

Tatsächliche gesellschafts- und geschichtsbestimmende Antagonismen, wie Klassenwidersprüche und Geschlechterkampf haben in der organischen Einheit kein Existenzrecht, denn hätten sie es, zerstörten sie die Einheit der Volksgemeinschaft. Klassenkämpfe und Emanzipationsbestrebungen würden das Ganze zwischen unten und oben spalten, die tatsächliche Unterdrückung sichtbar machen und die errichteten Herrschaftsverhältnisse in Frage stellen.
So bekommen die Unteren zur Belohnung für die Gefolgschaft die Zusicherung, Teil des Ganzen zu sein, durch die Gefolgschaft erst der Widersprüchlichkeit und Machtlosigkeit des „Unten“ enthoben zu werden. Als kleines Rädchen im großen Ganzen kann sich dann auch der Beherrschte als Führer beteiligen, denn das abgestufte Führerprinzip lässt den (männlichen) Einzelnen teilhaben an der Herrschaft: als Mann in der Familie, als Lehrer, Hauswart, Polizist, Soldat, Parteifunktionär usw.

Zur Besonderheit des Biologismus im deutschen Nationalismus

Wie bereits oben beschrieben, ist der Rassismus ein besonderes gewichtiger Faktor im deutschen Nationalismus. Ein zweiter wesentlicher Bestandteil bei der Konstruierung der Volkseinheit ist der Biologismus, mit dessen Hilfe nicht nur die rassistische Abgrenzung nach Außen begründet wird, sondern auch die Verbundenheit des eigenen Volkes mit seiner Heimat (im 3. Reich mit der Formel „Blut und Boden“ ausgedrückt). Was sich also zur Abgrenzung nach außen eignet, lässt sich auch zur eigenen Verfestigung im Innern, im eigenen Land gebrauchen. Dabei spielen das Verständnis der Natur und das Verhältnis zur Natur eine zentrale Rolle.
So, wie das deutsche Bürgertum seine Interessen stets nur weltanschaulich verklärte, statt sie materiell zu begreifen und durchzusetzen, wird mit dem Begriff Natur nicht ein nüchterner Faktor im ökonomischen Prozess verbunden, sondern etwas über dem Menschen Stehendes, mystisches. Ihr hat sich der Mensch im Volke unterzuordnen, die Natur gibt ihre Gesetze vor und bestimmt schicksalhaft den Werdegang des Volkes. Dialektisch, ökonomische, wissenschaftliche und kulturelle Entwicklung als geschichtsbildende Prozesse verlieren gemäß dieser Ideologie an Bedeutung. Allein weil sie existierte, rechtfertigt sich Natur als Ordnung und Gesetz schaffend. So muss sich die nach dem Vorbild der Natur konstruierte Gesellschaft nicht für ihre Folgen rechtfertigen und stellt sich im Gegensatz zur rationalen, materialistischen Weltauffassung als unveränderlich und vollkommen dar. Und so, wie die Natur als vollkommene Ganzheit unangreifbar und allmächtig erscheint, so soll auch das durch sie definierte und legitimierte Volk eine natürlich geschlossene Einheit bilden.

drucken | 3. Februar 2013 | redside

Terminkalender

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk