Zwei Schritte vor in Dortmund

Auswertung von Dortmund stellt sich quer zu den Protesten gegen den Neonaziaufmarsch zum sog. „nationalen Antikriegstag“ am 3. September 2011 [Text als PDF].

Am 3. September 2011 zogen mehrere hundert Neonazis durch die Dortmunder Nordstadt. Bis zu zehntausend AntifaschistInnen gingen gegen den sog. „nationalen Antikriegstag“ auf die Straße. Schu?tzend vor den Faschisten stand ein Großaufgebot der Polizei mit Wasserwerfern und Hundertschaften aus ganz Deutschland. AntifaschistInnen wurden zu hunderten eingekesselt und sahen sich dem massiven Einsatz von Pfefferspray ausgesetzt. Trotzdem gelang es Aktiven der Bündnisse „Dortmund stellt sich quer“ und „Dortmund Nazifrei“ in der abgesperrten „Roten Zone“ zwei Sitzblockaden durchzuführen, so dass der Aufmarsch zumindest nicht völlig ungestört verlief.

Eine noch nie dagewesene politische Stimmung gegen Nazis

Noch am Abend des 3. September 2011 schrieb „Dortmund stellt sich quer“ in einer ersten Bilanz: „Trotz einer bislang noch nicht dagewesenen politischen Stimmung gegen den Naziaufmarsch hat die Polizei in Dortmund unter Missachtung des Verhältnismäßigkeitsgebotes den Nazis den Weg freigemacht. Die Polizei in Dortmund hat in Fortsetzung ihrer jahrelangen Tradition den Nazis gegenüber auf Verständnis und den AntifaschistInnen gegenüber auf Eskalation gesetzt. Umso höher ist das konsequente Engagement der antifaschistischen AktivistInnen zu werten, die trotz Knüppeln, Pfefferspray und Wasserwerfern über Stunden die Rote Zone belagerten, an einzelnen Stellen eindringen konnten, an zwei Stellen Blockaden errichtet und dadurch den Naziaufmarsch verzögert haben“ [1].

Ein neuer Akteur: „Dortmund Nazifrei!“

Mit dem Zusammenschluss „Dortmund Nazifrei“ trat 2011 ein weiterer Akteur auf. Dies ist ausdrücklich zu begrüßen. Dem Bündnis gelang es, am 3.9.2011 eine von zwei Sitzblockaden in der abgesperrten Zone zu organisieren. In den Vorjahren, so die Analyse von „Dortmund stellt sich quer“, lag ein zentrales Problem darin, dass ein Teil des Protestspektrums fern abseits der Neonazis demonstrierte, teilweise nicht einmal in Hör- und Sichtweise des Aufmarsches.

„Dortmund stellt sich quer“ war angetreten, den Aufmarsch mittels Massenblockaden zu stoppen. Das Bündnis nahm die Aktionen des Zivilen Ungehorsams in Dresden zum Vorbild, natürlich mit dem Wissen, dass die Aktivitäten in Dortmund kleiner ausfallen würden. Mit offen angekündigten Aktionen und einem transparenten Aktionskonsens [2] wurde die Möglichkeit geschaffen, dass sich möglichst viele Menschen, darunter auch Unorganisierte und weniger Erfahrene, an den Protesten beteiligen konnten. „Dortmund stellt sich quer“ kündigte einen kollektiven Regelverstoß an und benannte sogar wann und wo dieser stattfinden werde. Einige sahen darin eine Kritik an der etablierten Politik, die viel zu lange schon bei rechtem Terror wegsieht, die neonazistische Gefahr durch Fälschen von Statistiken verharmlost [3] oder gar durch den Verfassungsschutz direkt oder indirekt in Naziumtriebe verstrickt ist, wie zuletzt durch die Enthüllungen im Zusammenhang mit dem „Nationalsozialistischen Untfvotiergrund“ (NSU) vermutet werden muss. Daher glauben wir auch nicht an ein Versehen, wie es die Staatsanwaltschaft nannte, wenn nach einem Anschlag auf das Büro der Linksparteipolitikerin Ulla Jelpke in Dortmund die Ermittlungen binnen sechs Tagen eingestellt wurden [4].

Vorabend des 3.9. – Selbstorganisierter Protest gegen Nazis und Demo gegen „Nationales Zentrum“

In der Fülle der Berichterstattung zum 3. September gingen die Ereignisse vom Vorabend weitgehend unter. Zunächst protestierten AnwohnerInnen in der Südstadt gegen einen kleineren Naziaufmarsch und führten kurzzeitig eine Sitzblockade durch. „Dortmund stellt sich quer“ unterstützte bereits in den Tagen zuvor den Protest, den AnwohnerInnen initiierten. Am späteren Abend des 2.9. zogen mehrere hundert Personen in den als Nazihochburg bezeichneten Stadtteil Dortmund-Dorstfeld. Motto der Demonstration: „Gegen Faschismus, Imperialismus und Krieg“. Dem Bündnis war es ein großes Anliegen, zum Antikriegstag deutlich Position zu beziehen gegen Militarismus und Krieg und die Strategie der Nazis offensiv zu bekämpfen, die mit scheinbar kriegskritischen Einstellungen für ihre Rassenideologie werben.

Der Antikriegstag erinnert an den Überfall Deutschlands auf Polen und den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Dieser Krieg hatte schlimmste Folgen für die Menschen in Polen, Jugoslawien, Frankreich, Griechenland und auf dem Gebiet der Sowjetunion, darunter insbesondere in Russland, der Ukraine und Belarus. Der Vernichtungskrieg war Bestandteil des Völkermords an Juden, Sinti und Roma und der Verschleppung Millionen von Menschen zur Zwangsarbeit auf deutschen Feldern, in Werkstätten und Fabriken.

„Dortmund stellt sich quer“ stellt sich auch aufgrund der Lehren aus Kolonialismus, Faschismus und Imperialismus gegen jede Form der Kriegstreiberei, auch wenn diese wie im Irak oder in Afghanistan unter vermeintlich „humanitären“ Vorsätzen steht oder in Palästina als „Krieg gegen Terrorismus“ geführt wird. „Dortmund stellt sich quer“ steht stattdessen an der Seite der Menschen, die für Frieden, Humanismus, Völkerverständigung und für ein Ende des internationalen Wettrüstens eintreten.

Der politische Erfolg: Aktionsraum für Antifaschisten verbreitert!

Worin bestand nun der politische Erfolg? In den Wochen vor dem Naziaufmarsch konnte zeitweise der Eindruck entstehen, dass sich nahezu die ganze Stadt gegen Neonazismus und Rassismus positioniert. Neben den verschiedenen Bündnissen gegen den Naziaufmarsch wurden auch die etablierte Politik, Medien, Kultur und Wirtschaft aktiv. Landesminister und auch der SPD-Oberbürgermeister von Dortmund Ullrich Sierau unterzeichnete den Aufruf von „Dortmund Nazifrei“, auf dem Onlineportal der Ruhr Nachrichten konnten Fotoportraits gegen Rechts hochgeladen werden [5] und die Handwerkskammer startete eine Aktion für Vielfalt und Toleranz [6].

Unabhängig davon, wie diese Aktivitäten im Einzelnen zu bewerten sind, trugen sie doch zu einer Dynamik bei, die es antifaschistischen Kräften erleichterte, für ihre Aktivitäten zu mobilisieren. Selbstverständlich kann die Unterstützung für Blockadeaktionen von Bürgermeister Sierau so verstanden werden, dass er befürchtete, seine Bürgerschaft würde sich den Nazis auch ohne ihn in den Weg stellen bzw. setzen. Herr Sierau schien zeitweise gar wie im Wahn, als er gegenüber der Westfälischen Rundschau vom 29.8.2011 behauptete Dortmund sei eine „Hochburg des Widerstands gegen Neonazis“.

Der skizzierte politische Druck wurde zunächst mehrheitlich durch das transparente und offensive Blockadekonzept von „Dortmund stellt sich quer“ erzeugt und war letztlich so groß, dass sich Teile der etablierten Politik gegen die Linie der Dortmunder Polizeiführung stellten.

Widersprüche im Apparat: Justiz, Polizei und etablierte Politik

Während sich „Dortmund stellt sich quer“ auf die Blockaden vorbereitete, reagierte die Polizei in Dortmund unsicher und gereizt. Zahlreiche Kundgebungen und Demonstrationen wurden verboten und die Gewerkschaft der Polizei redete Randale herbei („Wir rechnen mit gewalttätigen Ausschreitungen“ [7]). Dies sollte Unerfahrene und Blockadeneulinge von der Teilnahme an Protesten abhalten und gleichzeitig Polizeigewalt legitimieren. Darüber hinaus sah sich die Polizeiführung genötigt, mit einer Plakatserie („Blockaden stärken die Falschen“ [8]) in die Debatten um Legitimität von Sitzblockaden einzugreifen. Dies rief wiederum die Justiz auf den Plan. So erklärte Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel, man befände sich in einer rechtlichen Grauzone, da es noch keine richterliche Entscheidung im Bezug auf Sitzblockaden gäbe [9].

Während dieser insbesondere über die bürgerlichen Medien geführten Debatte konzentrierte sich „Dortmund stellt sich quer“ auf die eigene Aktions- und Interventionsfähigkeit. In großangelegten Mobilisierungs- und Informationstouren durch das Gebiet der Nordstadt wurden 20.000 Flugblätter in deutscher und türkischer Sprache mit Blockadeaufrufen verteilt. In zahlreichen Gesprächen mit AnwohnerInnen und Gewerbetreibenden warb das Bündnis für die Aktionen des zivilen Ungehorsams.

Auch in Zukunft wird ein Schwerpunkt der Mobilisierung für antifaschistischen Widerstand darauf liegen, die Nachbarschaft der betroffenen Viertel direkt anzusprechen, für eigene Aktionen zu werben oder – wenn möglich – in unsere Aktivitäten einzubinden. Ebenfalls in dieser „Roten Zone“ veranstaltete „Dortmund stellt sich quer“ wenige Tage vor dem 3.9.2011 eine Pressekonferenz unter freiem Himmel und stellte Details des Blockadekonzeptes vor.

Die Polizei in Dortmund: In Treue fest an der Seite der Neonazis

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Neonazis in den Wochen vor dem Aufmarsch in Dortmund eine Kampagne des Straßenterrors gegen NazigegnerInnen führten [10]. Eine nennenswerte strafrechtliche Verfolgung durch Polizei und Justiz ist bisher nicht bekannt.

Am 3.9.2011 wurde der Naziaufmarsch gegen den Willen der Menschen der Nordstadt, wo viele ArbeiterInnen, Erwerbslose und MigrantInnen leben, und gegen den Widerstand der bis zu 10.000 Protestierenden durchgesetzt und „zwar mit weitaus größerem Eifer als in anderen deutschen Großstädten“ [11], wie in der Wochenzeitung Freitag zu lesen war. Zahlreiche AntifaschistInnen wurden durch den massiven Gebrauch von Pfefferspray oder durch den Einsatz von Schlagstöcken und Wasserwerfern verletzt. 95 Prozent der über 270 Festgenommenen sollen dem linken Lager angehört haben [12].

Neonazistische Aktivitäten im Westen: Eingependelt auf hohem Niveau

Die Neonaziszene in Dortmund ist weiterhin stark und gefährlich. Doch der Zenit an Aktions- und Mobilisierungsfähigkeit scheint erreicht. Daher muss der 3.9.2011 für die Nazis zweigeteilt gewertet werden: Einerseits haben sie mit der Polizei in Dortmund eine Partnerin, die ihre Angriffe in den Wochen vor dem Aufmarsch weder verhindert noch verfolgt hat und ihnen den Weg des Aufmarsches freiprügelte [13]. Andererseits sind die Mobilisierungskräfte weiter geschwunden. Statt der erwarteten eintausend Neonazis kamen „nur“ 700 Nazis. Es scheint, als würde es den Neonazis inzwischen auch in Dortmund zunehmend schwerer fallen, ihre Aufzüge als „Triumphmärsche“ zu zelebrieren. Daran dürften die antifaschistischen Aktivitäten der verschiedenen Bündnisse rund um den Antikriegstag einen großen Anteil haben.

Fazit und Zusammenfassung

Obwohl der Aufmarsch am 3.9.2011 in Dortmund nicht verhindert wurde, spricht „Dortmund stellt sich quer“ von einem politischen Erfolg. Zusammenfassend sei dies wie folgt begründet:

  • Die AntifaschistInnen in Dortmund waren zunehmend entschlossen, die Nazis tatsächlich zu stoppen, statt symbolisch abseits der Nazis zu protestieren.
  • Das Konzept des zivilen Ungehorsams fand breite Unterstützung und das Instrument der Blockaden galt allgemein als angemessen.
  • Die Protestbewegung entschied unabhängig von behördlichen Genehmigungen, Polizei und Justiz über Aktionsorte und -formen.
  • In zahlreichen Mobilisierungsaktionen wurden vor allem die BewohnerInnen der Dortmunder Nordstadt angesprochen. „Dortmund stellt sich quer“ wird auch weiterhin einen Schwerpunkt auf die Aktivierung der AnwohnerInnen der betroffenen Stadtviertel legen.
  • Trotz eines Polizeigroßaufgebotes führten „Dortmund stellt sich quer“ und „Dortmund Nazifrei“ Blockaden innerhalb der Sperrzone durch.
  • Selbstbestimmte Handlungs- und Aktionsfähigkeit bestimmte die Arbeit von „Dortmund stellt sich quer“.
  • Das Verhältnis der verschiedenen Bündnisse war durch grundsätzliche Solidarität geprägt [14].
  • Es gab kaum Distanzierungen, weder von absolut friedlichen noch von militant agierenden AntifaschistInnen – eine von Polizei und etablierter Politik forcierte Spaltung in „gute“ und „böse“ Protestierer konnte überwiegend abgewehrt werden.
  • „Dortmund stellt sich quer“ setzte insbesondere mit der Demonstration „Gegen Faschismus, Imperialismus und Krieg“ am Vorabend des 3.9.2011 eigene inhaltliche Akzente gegen Militarismus, Imperialismus und Kriegstreiberei.

All dies gibt Anlass zur Hoffnung. Der politische wie wirtschaftliche Preis für die Durchsetzung des Aufmarsches war so hoch wie selten zuvor. „Dortmund stellt sich quer“ hält an einem zu 95 Prozent offenen Aktionskonzept und einer 5%-Überraschungsaktion, wie Blockade in der Nordstadt, fest.

Ausblick von „Dortmund stellt sich quer“

Wir müssen unsere Fähigkeiten ausbauen und verbessern, weiter Blockadetechniken trainieren, um noch koordinierter agieren zu können. Öffentliche Blockadetrainings dienen dabei zum Einen als wirksame Bewerbung für unsere Aktionen des zivilen Ungehorsams und zum Anderen als konkrete Möglichkeit zur individuellen Vorbereitung für Blockaden, dem Abbau von Ängsten und zur Klärung rechtlicher und sonstiger Fragen.

Zugleich bekräftigen wir, dass wir keine Leute verheizen wollen – die offene Gewalt der Polizei setzt dem Aktionskonzept Grenzen. Die verschiedenen Akteure müssen noch stärker zusammenwachsen, um über das Jahr eine kontinuierliche antifaschistische Praxis zu entwickeln und den Nazis ihr Aktionsfeld streitig machen.

Wir werden weiterhin selbstbestimmt agieren und uns im Kampf gegen Neonazismus und Krieg nicht auf offizielle Stellen und die etablierte Politik verlassen. Unsere Stärken sind Selbstorganisierung und die Vielfältigkeit in den Protestformen. Dazu brauchen wir auch weiter die Unterstützung aus ganz Nordrhein-Westfalen und bundesweit. Kommt Anfang September 2012 nach Dortmund.

Die Nazis sagen, Dortmund sei ihre Stadt. Wir sagen: Niemals!

„Dortmund stellt sich quer“, Januar 2012

Rückfragen und Kontakt per e-Mail: info[at]dortmundquergestellt.de

Anmerkungen
Der vorliegende Text konzentriert sich auf die Ereignisse rund um den sog. „nationalen Antikriegstag“ 2011. Infos zu sonstigen Ereignissen bzgl. Antifaschismus und Neonazis in Dortmund, wie zum Beispiel deren Ankündigungen für einen Aufmarsch am 1. Mai 2012, gibt es u.a. unter: www.dortmundquergestellt.de

[1] Vgl. www.dortmundquer.blogsport.de/2011/09/03/die-polizei-in-dortmund-in-treue-fest-an-der-seite-der-nazis/
[2] Der Aktionskonsens lautete: „Wir rufen dazu auf, den Aufmarsch der Neofaschisten am 3. September durch gewaltfreie Blockaden entschlossen zu verhindern! Von uns wird dabei keine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, den Nazis entgegen treten wollen. Gemeinsam werden wir ihren geplanten Marsch durch Dortmund verhindern!“
[3] Weder der Mord am Punk Thomas Schulz im Jahr 2005 in Dortmund (getötet vom Neonazi Sven Kahlin) noch die Morde an drei Polizeibeamten durch den Dortmunder Neonazi Michael Berger im Jahr 2000 werden vom NRW-Innenministerium als rechte bzw. neonazistische Morde erfasst. Nach Anna Conrads: Unbefriedigende Antworten, antifaschistische Nachrichten 12/2011
[4] www.derwesten.de/staedte/dortmund/staatsanwaltschaft-ermittelt-nach-anschlag-auf-linke-buero-weiter-id5104307.html
[5] www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/Bunt-statt-braun-Dortmunder-zeigen-Gesicht-machen-Sie-mit;art930,1388067
[6] www.derwesten.de/staedte/dortmund/handwerk-plakatiert-toleranz-id4991297.html
[7] www.derwesten.de/unresolved/polizisten-rechnen-mit-gewalt-bei-neonazi-demo-id5007434.html
[8] Dortmund stellt sich quer
[9] www.derwesten.de/nachrichten/so-stellt-sich-dortmund-gegen-die-neonazis-id5012555.html
[10] Mehrere Personen wurden mit dem Tode bedroht, junge AntifaschistInnen und MigrantInnen bei Überfällen verletzt, Büros des AStA, der DKP und der Linkspartei attackiert, die PKW von Nazigegnern beschädigt und Wohnhäuser von Nazigegnern mit Beschimpfungen oder Hakenkreuzen beschmiert, darunter auch das Haus eines Gewerkschafters. Vgl. u.a. anderem: www.dortmundquer.blogsport.de/2011/08/24/nazi-angriffe-in-dortmund/
[11] www.freitag.de/politik/1135-201eangst-bei-gutmenschen201c
[12] ebd.
[13] Daran ändert auch die Ankündigung des NRW-Innenministeriums nichts, in Dortmund, Aachen, Wuppertal und Köln Sonderermittlungsgruppen gegen Neonazis einzurichten. (Freie Presse, 22.12.2011)
[14] Vgl. gemeinsame Erklärung von „Dortmund stellt sich quer“ und dem Bündnis „Alerta“ zum Versuch der Polizei Blockadeaktivitäten zu sabotieren: www.alerta.noblogs.org/2011/08/29/erklarung-von-alerta-und-dortmund-stellt-sich-quer/ sowie eine Erklärung aller drei Bündnisse: „Anschläge und Gewalttaten der Dortmunder Neonazis finden kein Ende – Ist die Polizei überfordert oder unwillig?“ vgl. www.alerta.noblogs.org/2011/08/17/alerta-pe-3-dortmund-gemeinsame-presserklarung-der-3-bundnisse-gegen-den-naziaufmarsch-am-3-9/

drucken | 16. Januar 2012 | redside

Terminkalender

Mittwoch, 28.02.2024

Frauen in der Roten Hilfe Deutschlands

Die roten Helferinnen

Vortrag zu Frauen in der roten Hilfe Deutschlands

Mittwoch, 28.02

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1

Die 1924 gegründete Rote Hilfe Deutschlands (RHD) war eine KPD-nahe Solidaritätsorganisation, die politische Gefangene und ihre Familien materiell unterstützte und sich mit Kampagnen gegen staatliche Repression einsetzte. Von Anfang an spielten Frauen eine wichtige Rolle in der RHD - trotz der Mehrfachbelastungen durch Lohn- und Reproduktionsarbeit. Durch frauenspezifische Werbekampagnen und die Proteste gegen den §218 gewann die RHD immer mehr weibliche Mitglieder. Wer waren diese Frauen, und was motivierte sie? In welchen Bereichen waren sie engagiert? Wie veränderte sich das Geschlechterbild der RHD im Lauf der Jahre? Ein Vortrag der roten Hilfe Nürnberg - Fürth - Erlangen mit Silke Makowski (Hans-Litten-Archiv) und freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sharepic in größer und Flyer zum selber Drucken.
Freitag, 01.03.2024

Freitag, 1. März 2024: AAB-Solitresen zur Demo GET ORGANIZED! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Stadtteilladen Schwarze Katze, Untere Seitenstr. 1, Nürnberg Geöffnet ab 19 Uhr, Vortrag 20 Uhr

Mobilisierungsveranstaltung mit Vortrag zur Demo am 2. März - 14 Uhr - Nelson-Mandela-Platz. Massenweise gehen Menschen gegen die AfD und den gesellschaftlichen Rechtsruck auf die Straße. Parteien und Mainstreammedien behaupten, die DemonstrantInnen würden Demokratie und die herrschenden Verhältnisse verteidigen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die AfD vom Staat des Kapitals lediglich in Reserve gehalten wird, um im Falle einer weiteren Zuspitzung der ökonomischen und sozialen Krise von der Leine gelassen zu werden. Bis dahin dürfen die etablierten Parteien die kapitalistische Agenda von gesellschaftlicher Faschisierung (inkl. §129-Verfahren gegen Nürnberger Antifas), Militarisierung, Aufrüstung, Krieg, rassistischer Abschottungspolitik und sozialem Kahlschlag umsetzen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Solitresens des Antifaschistischen Aktionsbündnisses statt. Alle Getränke kosten deshalb 1 Euro mehr. Der Erlös fließt in die antifaschistische Solidaritätsarbeit.
Samstag, 02.03.2024

GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!

Für den 2. März 2024 rufen linke und antifaschistische Gruppen aus dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen (darunter auch wir) zu einer Demonstration unter dem Motto: "GET ORGANZIED: Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung!" auf. Sa., 2.3.2024, 14:00 Uhr | Nelson-Mandela-Platz (das ist hinter dem Hauptbahnhof) | Nürnberg Achtet auf Ankündigungen hier, da sich an den Daten oben noch etwas ändern kann. AUFRUF zur Demonstration: Anfang Januar enthüllte die Rechercheplattform Correctiv ein Treffen von Werteunion, Großindustriellen, AfD und Neonazis. Bei diesem Treffen wurden massenhaft Deportationen von Menschen aus Deutschland geplant. Seitdem gehen deutschlandweit Millionen auf die Straße. Endlich gibt es wieder große Proteste gegen Rechts!Und trotzdem können wir es nicht dabei belassen, ab und an gegen Nazis auf die Straße zu gehen. In einer Gesellschaft, in der rassistische und antisemitische Angriffe Alltag sind, reicht es nicht, einmal auf eine Großdemonstration zu gehen: Während wir die Deportationsphantasien der AfD kritisieren, werden Menschen aus Europa abgeschoben oder sterben gar an den Außengrenzen. Auch bei Hetze und Kürzungen gegen Erwerbslose und ärmere Menschen steht die Regierung der AfD kaum nach. Jeden Tag werden Menschen aus ihren Wohnungen geworfen, weil sie sich die Miete nicht leisten können. All das ist für viele von uns bittere Realität. All das macht uns traurig, ohnmächtig und wütend. All das passiert in einer gesellschaftlichen Stimmung, in der Antifaschismus kriminalisiert und linke Proteste angegriffen werden. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejerano sagte bereits: „Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen“, und sie hatte recht.Während Nazis auf der Straße Brandanschläge begehen und queere Jugendliche verprügeln, setzen Parlament und Regierung extrem rechte Forderungen um. Doch was tun deutsche Behörden? Sie stecken ihre Energie in den Kampf gegen linke Bewegungen. Ein lokales Beispiel sind die Razzien in Nürnberg im vergangenen Oktober: Wegen ein paar angeblicher Graffittis wurden die Wohnungen von sechs jungen Menschen durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung eröffnet. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem die „Verherrlichung der Antifa“. Es bleibt an uns, all dem etwas entgegenzusetzen! Lassen wir der AfD und anderen Rechten keine Ruhe, keinen Sitz im Parlament und keinen Fußbreit auf der Straße! Treten wir der Unterdrückung und Ausbeutung in dieser Gesellschaft gemeinsam entgegen – Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln. Gemeinsam als von Rassismus Betroffene, als Queers, als Juden*Jüdinnen, als Antifaschist*innen und viele mehr. Nur gemeinsam können wir einen Umgang mit all der Trauer, der Ohnmacht und der Wut finden.Lasst uns füreinander einstehen und uns gegenseitig unterstützen. Lasst uns nicht zuschauen, wenn unsere Nachbar*innen aus ihren Wohnungen geworfen oder abgeschoben werden. Lasst uns Schluss machen mit der Vereinzelung und uns zusammenschließen. Lasst uns Räume für Solidarität und Freundi*nnenschaft schaffen und die klassenlose Gesellschaft als Antwort auf Rechtsruck, Ausbeutung und Unterdrückung aufbauen. Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen: Für eine Welt, in der wir alle ohne Angst leben können!Kommt am 02. März mit uns auf die Straße! Gegen Rechtsruck, Ausbeutung und Vereinzelung! – Für die befreite Gesellschaft!
Samstag, 02.03.2024

Isa-Kneipe mit dem Film "Lip oder die Macht der Phantasie"

Im Rahmen unserer Isa-Kneipe im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftags 2024 sehen wir uns gemeinsam einen Fim an von Chris Marker über den Kampf bei der französischen Uhrenfabrik LIP. Dieser Kampf spielt eine wichtige Rolle im Gedächtnis der französischen Lohnabhängigen. Die Frauen standen hier wie so oft, wenn es ernst wird, in vorderster Reihe. Die dokumentarische Film vermittelt die erregende Atmosphäre, die entstehen kann, wenn Utopien greifbar werden.
Stadtteilladen Schwarze Katze Untere Seitenstr. 1, Nürnberg 19-20 Uhr: Anlaufstelle gegen Arbeitsunrecht ab 20 Uhr: ISA-Kneipe
Die Handlung: "Seit Mitte April 1973 bedrohen Massenentlassungen die Lip-Belegschaft, es kommt zu ersten Demonstrationen. Als am 12. Juni verkündet wird, es gebe keinen Lohn mehr, kommt es zum Bossnapping und zum ersten Einsatz der Sicherheitskräfte - und es kommt zur Beschlagnahme des Uhrenlagers durch die Belegschaft. Auf die riesige Demonstration am 15. Juni folgt am 18. Juni die Besetzung der Fabrik: die Produktion in Eigenregie beginnt. Am 14. August wird die Besetzung von der Polizei gewaltsam beendet, der Kampf ist damit aber noch lange nicht vorbei...
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Freitag, 08.03.2024

Frauen kämpfen international gegen Krise, Krieg und Kapital! - Raus zum 8.März!

8.März Demo || Internationaler Frauenkampftag || 17:00 Uhr || Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt || 16:30 Uhr || Jamnitzer Platz, Gostenhof
Auf die eine oder andere Art kennen wir es doch alle: wir kochen, putzen, waschen die Wäsche und gehen einkaufen. Wir gießen die Blumen und räumen die Spülmaschine im Büro aus. Wir erziehen die Kinder, bringen sie zum Sport oder zu Freund*innen und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Wir pflegen die Eltern oder andere Angehörige und helfen dort im Haushalt. Wir denken über die Geschenke von Bekannten und Verwandten nach und planen den nächsten Ausflug für die Familie oder Freund*innen und und und.
Und das alles meist zusätzlich zu einem Job, zu den Sorgen über immer teureren Wohnraum, mehr Lebenshaltungskosten, wieder steigende Strom- und Heizungskosten und mehr.
Wenn wir mal durchatmen können, stellt sich die Frage: Wo bleibt da eigentlich noch Zeit für mehr? Wie sollen Bildung, Engagement und Hobbies neben Care-Arbeit und Mental Load noch Platz haben?
Dies geht eigentlich nur, wenn einem jemand den Rücken freihält. Aus unseren Erfahrungen, aber auch statistisch gesehen, sind die, die diese Arbeiten ausführen zum überwiegenden Teil immer noch Frauen. In mehr als 2/3 der Familien werden sie allein von Frauen übernommen und in nur etwa 5% der Haushalte kümmert sich der Mann zum überwiegenden Teil.
Deshalb stellt sich uns die Frage: Wie können wir unser Zusammenleben, unsere Gesellschaft und die Politik verändern, dass eine gleiche Aufteilung der Erziehungs- und Pflegearbeit möglich wird? Damit wir alle Zeit haben und trotzdem die Kinder nicht verhungern, die Oma versorgt und das Zuhause kein Saustall ist.
Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der vieles im Umbruch ist.Kriege treten vor unsere Haustür und bringen neben menschlichem Leid auch Tod, eine Energie- und Wirtschaftskrise folgt nach der anderen. Rechte Akteure, wie jüngst mal wieder an der AfD zu sehen ist, versuchen einen Rollback in vergangene vermeintlich „gute alte Zeiten“ und schüren Hass, Rassismus und engstirniges Denken. Gerade haben wir die Corona-Pandemie überstanden, die uns Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zurück an den Herd katapultierte und die Gewalt in Familien explodieren ließ und nun heißt es wieder einmal den Gürtel enger schnallen. Für „Sozialklimbim“ sei laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler kein Platz. Was das für uns in der Konsequenz heißt: ein Sparzwang, der eine der größten Kürzungen im sozialen Bereich seit den 1990er Jahren mitbringt.
Es werden massiv Mittel im Sozialhaushalt gekürzt und die schlechtere Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen imSozial-, Pflege- und Erziehungsbereich wird weitergehen. Es wird bei denen gespart, die sowieso nicht viel haben und weiter von unten nach oben verteilt. Als Beispiel sei hier die Kindergrundsicherung genannt, die alle Leistungen für armutsgefährdete Kinder in einer Stelle vereinen sollte und nun nur noch mit einem Rest-Budget von 2,4 statt 12 Mrd € eingeführt wird, sowie für Alleinerziehende weniger Unterstützung bedeuten kann. Einen Kindergartenplatz zu erhalten ist trotz gesetzlichem Anspruch immer noch Glücksache und eine gute Schulbildung oder ein Studium können sich nur die leisten, die viel Kohle haben; wird der Bildungsbereich doch seit vielen Jahren ebenfalls kaputtgespart.
Durch Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen sind vor allem Frauen dazu gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten und prekäre Arbeitsplätze anzunehmen. Ganz zu schweigen von einer immer noch vorhandenen ungleichen Bezahlung zu den männlichen Kollegen, lag doch der sog. Gender Pay Gap im letzten Jahr im Südwesten immer noch bei 22%. Gerade für Alleinerziehende bedeutet dies eine Spirale, die überproportional oft für Frauen in der Altersarmut endet oder sie dazu drängt in Familienstrukturen zu bleiben und vermehrt Abhängigkeiten fördert. Zudem reicht der Lohn einer Arbeitsstelle für Alleinerziehende oder Alleinstehende oft gerade so zum Überleben, große Sprünge oder unvorhergesehene Ausgaben sind nicht möglich. Viele müssen sich mit einem Nebenjob oder zwei Arbeitsstellen über Wasser halten. Frauen werden durch gesetzliche Regelungen, wie das Ehegattensplitting, in traditionelle Familienmodelle gedrängt oder dort festgehalten. Sie erleben eine Verdichtung der Arbeit durch einen Job und die zusätzlich hauptsächlich durch sie zu verrichtende Haus- und Care-Arbeit. 
Wie kommen wir heraus aus solchen Teufelskreisen? Von Ratgebern oder in klugen Sprüchen hören wir dann oft, du musst nur an dir arbeiten und dich verändern, noch flexibler werden, mehr Yoga als Ausgleich machen oder dir einen reiche(re)n Partner suchen. Doch alles „Selfcare“ dieser Welt kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in einer Gesellschaft und in einem Staat leben, der die ökonomischen Interessen über die der Menschen stellt. Uns wird immer wieder gesagt, dass wir in einem Sozialstaat leben und es uns doch gut geht. Doch da wo Menschen in Zahlen berechnet werden und der Aufwand, den „es lohnt“ in einen Menschen zu stecken, ebenfalls kalkuliert wird, da ist von Sozial im Staat nicht viel übrig, sondern die wirtschaftlichen Interessen und Ausbeutung durch Arbeit dominieren. Ist das das gute Leben nach dem wir alle streben? Muss unsere Gesellschaft nicht eigentlich genau anders herum funktionieren, indem der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wird? Doch das wird es im Kapitalismus nicht geben. 
Wir wollen eine Gesellschaft, in der nicht 100 Mrd€ in die Rüstung und das Militär gesteckt und damit Kriege gefördert werden, die uns und unseren Planeten zerstören.Wir müssen selbst kämpfen, z.B. für ein gut funktionierendes Bildungssystem mit einer geschlechtergerechten Erziehung oder für kostenlose Kinderbetreuung, die kollektiv organisiert wird und nicht als profitorientiertes Unternehmen. Oder auch für Wohnungen, die wir uns noch leisten können und für ein Stadtviertel, das an den Bedürfnissen der sie Bewohnenden orientiert ist und nicht nur öffentlichen Raum kennt, der kommerziell genutzt wird. Einen öffentlichen Raum, der für alle zugänglich ist und nicht von Frauen mit einem Pfefferspray zur Verteidigung in der Tasche durchquert wird.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange weiterführen und kann doch noch nicht abschließend beendet werden. Denn wir sind es, die diese Gesellschaft gemeinsam verändern können, es wird kein Retter kommen, der für uns die patriarchalen Strukturen abschafft. Deshalb lasst uns zusammenkommen, diskutieren, die Vereinzelung unserer Gesellschaft durchbrechen, uns als Frauen solidarisch zusammenschließen und Ideen für die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft, des kapitalistischen Wirtschaftssystems und unseres Miteinanders zusammen ausgestalten. Gemeinsam als Frauen unserer Klasse wollen wir die Vorstellung eines guten Lebens für uns alle entwerfen, an vorhandenen Ideen anknüpfen und diese weiterentwickeln. Z.B. wie (un)bezahlte Care-Arbeit verkollektiviert werden kann, also wie Kindererziehung außerhalb der Kleinfamilie im Haus, in der Straße oder im Viertel organisiert werden kann oder wir mit gemeinsamen Versorgungseinrichtungen, wie einer Stadtteilmensa,die Haus-Arbeit gleichberechtigt auf mehrere Schultern verteilen. Wie wir Kämpfe um unsere Zeit lostreten und weiterentwickeln können, damit neben Arbeit und Haushalt noch Luft für Bildung, Kultur und soziales/politisches Engagement bleibt. Oder wie wir z.B. durch Streiks oder öffentliche Lohnlisten dem Gender Pay Gap und niedriger Bezahlung in sog. weiblich konnotierten Berufssparten entgegenwirken können und vieles mehr. Lasst uns das zusammen angehen!
Lasst uns die Unzumutbarkeiten nicht länger schweigend und unwidersprochen hinnehmen. Kommt zur Kundgebung am 8. März am Plärrer und lasst uns gemeinsam bei Veranstaltungen Ideen entwickeln wie wir vorankommen. Denn wir wollen ein Leben, in dem wir nicht bestimmte Rollen aufgrund unseres Geschlechtes erfüllen müssen, in dem wir nicht nach unserem Aussehen oder unserer Herkunft beurteilt werden, in dem es keine soziale Ungleichheit gibt, wir den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen teilen und ein solidarisches Miteinander leben. 
Lasst uns am 8. März und darüber hinaus ein starkes und kämpferisches Zeichen setzen für eine Welt jenseits von kapitalistischer Ausbeutung und patriarchaler Unterdrückung!
Demonstration am 8.März um 17 Uhr Plärrer Ecke Gostenhofer Hauptstraße
Stadtteiltreffpunkt um 16.30 am Jamnitzer Platz
Samstag, 09.03.2024

Grundlagenvortrag Kritik am liberalen Feminismus am 9.03.24 um 18:00 Uhr Youth Connect Öffnung der RZN

  Wir laden euch herzlich zu unserer Youth Connect Öffnung in die Schwarze Katze ein. Anlässlich des internationalen Frauenkampftags hören wir gemeinsam einen Vortrag zur Kritik des liberalen Feminismus und wieso wir die lohnabhängige Klasse für zentral im Kampf gegen das Patriarchat betrachten. Im Anschluss ist Raum für Diskussion. Kommt gerne vorbei und lernt uns kennen. Für Essen uns Getränke ist gesorgt.   Geöffnet ab 18:00 Uhr im Stadtteilladen Schwarze Katze, untere Seitenstraße 1, 90429 Nürnberg
Mittwoch, 27.03.2024

Gesiebte Luft - 27 Jahre Freiheitsentzug

Gesiebte Luft – 27 Jahre Freiheitsentzug

Ein Gespräch mit Thomas Meyer-Falk

Mittwoch, 27.03

19 Uhr

Stadtteilladen Schwarze Katze

Untere Seitenstraße 1 Gostenhof

 

Für viele ist die Vorstellung für ihr politisches Handeln ein paar Jahre im Knast verbringen zu müssen schwer vorstellbar. Thomas verbrachte fast drei Jahrzehnte seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Seit Ende August 2023 ist er wieder auf freien Fuß und muss sich nun in einer völlig anderen Welt zurechtfinden. Gemeinsam wollen wir mit ihm über seine Zeit im Knast und danach sprechen.

 

Wie steht man so etwas durch, ohne Mitgefühl und Verstand zu verlieren? Was bedeutet Freiheitsentzug eigentlich? Und welchen Wert haben Solidarität und Zusammenhalt in einer scheinbar aussichtslosen Situation?

Eine Veranstaltungsreihe der Roten Hilfe e.V. und Thomas Meyer-Falk